Jun 5, 2020


T. REX - Electric Warrior (Fly Records HIFLY 6, 1971)

"Electric Warrior" war das 1971 erschienene zweite offizielle Album der Band T. Rex um den Musiker Marc Bolan, die seit diesem ihren ursprünglichen Namen Tyrannosaurus Rex abkürzte und sich auch stilistisch hörbar veränderte vom bis anhin gespielten, noch relativ Folk-inspirierten Hippie-Sound zum sogenannten Glam Rock, zu deren eigentlichen Erfindern Marc Bolan schliesslich gezählt werden darf. T. Rex spielte ab 1967 unter dem Namen Tyrannosaurus Rex in der Besetzung Marc Bolan (Lead Vocal, Gitarre) und Steve Peregrin Took (Perkussion, Backing Vocals), wurde in London gegründet und widmete sich hauptsächlich dem typisch britischen Psychedelic Folk der ausgehenden 60er Jahre. 1970 kam die Reduktion im Bandnamen und bald schon vollzog sich ein markanter Stilwechsel, mit welchem auch ein grosser Erfolg einsetzte.

Nachdem der am 30. September 1947 in Hackney, Ost-London, geborene Marc Bolan (bürgerlich Mark Feld) seine nur einige Monate andauernde Mitgliedschaft bei der Underground-Combo John’s Children im Sommer 1967 aufgegeben hatte, machte er sich per Zeitungsannonce auf die Suche nach anderen Musikern, um seine eigene Band zu gründen. Ausser dem Schlagzeuger Stephen Ross Porter meldeten sich ein Gitarrist, ein Bassist und noch ein weiterer Musiker, von denen heute allerdings kaum etwas bekannt ist. Auf Bolan's Wunsch nahm Porter (geboren am 28. Juli 1949 in Eltham, Süd-London), in Anlehnung an den Namen eines Hobbits aus 'Der Herr der Ringe' den Künstlernamen Steve Peregrin Took an. Auch als Gruppennamen wählte Bolan den Namen eines Wesens, das gut zu seinem Faible für die Mythologie passte: die wissenschaftliche Bezeichnung des nach damaligem Wissensstand grössten landbewohnenden Raubtiers, das jemals auf der Erde gelebt hatte.

In dieser eilig zusammengestellten Besetzung, und nach nur wenigen Bandproben, gaben die fünf Musiker am 22. Juli 1967 im Electric Garden (wenig später umbenannt in Middle Earth) in London ein von Bolan schon vor der Bandgründung gebuchtes Konzert, das einem Desaster gleichkam, weil sie vom Publikum, wohl wegen der kaum geprobten und deshalb dürftigen Darbietungen ihrer Lieder, allenfalls Buh-Rufe ernteten. In direktem Anschluss an diesen Auftritt entliess Bolan drei seiner Mitmusiker wieder. Nur von Took's musikalischem Beitrag schien er überzeugt genug, um mit ihm zusammen auch weiterhin zu arbeiten. Den zweiten Rückschlag erfuhr die nun zum Duo geschrumpfte Gruppe, als die Plattenfirma, bei der John's Children unter Vertrag war, Anspruch auf Bolan's Elektrogitarre samt dem Verstärker erhob und er die Instrumente zurückgeben musste. Um über die Runden zu kommen und wenigstens den Bedarf des täglichen Lebens decken zu können, verkaufte Took zudem noch sein Schlagzeug-Set. Mit nunmehr einer akustischen Gitarre und einem Paar Bongos ausgestattet, gaben die beiden am 23. September 1967 im Middle Earth ihr Debüt als Duo und tingelten fortan zunächst noch weitgehend unbeachtet durch kleine Clubs. Auf der Bühne sassen die beiden Musiker dabei im Schneidersitz auf einem Teppich.

Während dieser Zeit wurde der britische Radio-DJ John Peel auf die beiden aufmerksam und bot ihnen an, ihre Musik in seinen Sendungen bei Radio 1 einem grösseren Publikum vorzustellen. Peel's Begeisterung für die Gruppe führte schliesslich zu mehreren solcher Gastspiele, und der Name Tyrannosaurus Rex wurde allmählich überregional bekannt. Ende 1967 wurden sie von dem aus Brooklyn, New York stammenden Produzenten Tony Visconti im Kellerclub UFO in der Londoner Oxford Street entdeckt, der im Rahmen seiner Tätigkeit bei Essex Music beauftragt worden war, eine neue Gruppe für den Musikverlag zu engagieren. Wenige Tage danach nahm Regal Zonophone, ein Musiklabel von Essex Music, Tyrannosaurus Rex unter Vertrag. Tony Visconti begleitete sie bis zum Album "Zinc Alloy" (1974) und war massgeblich an der Entwicklung ihres Gruppensounds beteiligt. Bald darauf erschien die Single "Debora", die im Mai 1968 bis auf Platz 34 der offiziellen UK Hitparade kam. Das erste Album der Formation mit dem phantasievollen Titel "My People Were Fair And Had Sky In Their Hair... But Now They're Content To Wear Stars On Their Brows", welcher den beiden letzten Gesangszeilen der LP im Liedtext zu "Frowning Atahuallpa (My Inca Love)" entnommen ist, erreichte im Juli Platz 15 in den LP-Charts. Der als Suite aufgebaute Song enthielt auch ein von John Peel vorgelesenes Märchen. Die zweite Single "One Inch Rock" kam auf Platz 28. Schon drei Monate später folgte das zweite Album "Prophets, Seers and Sages - The Angels Of The Ages", das eine alternative Version der ersten Single samt ihrer Rückwärts-Wiedergabe mit dem Titel "Deboraarobed" beinhaltete.

Die einzelnen Musikstücke waren oft nur knapp 2 Minuten lang, oder nur wenig darüber. Stilistisch war eine gewisse Nähe zum damals sehr populären Psychedelic Rock zu hören. Ihre Musik war aber von Anfang an so eigenartig, dass sie kaum einem bestimmten Genre fest zugeordnet werden konnte. Der markante Gesangsstil Bolan's, in dem er nahezu jede Textzeile in einem Vibrato ausklingen liess, sowie stimmliche Improvisationen beider Musiker, verliehen ihren Darbietungen fast mystischen Charakter. Dieser Eindruck wurde durch Bolan's mit nur wenigen Ausnahmen selbstverfassten surrealistischen Texte noch verstärkt, die er in schwer verständlichem Akzent vortrug. Er sang von Elfen, Zauberern und Drachen, von Autos und fremdartigen Orchestern, goldenen Katzen, riesigen Seevögeln und anderen obskuren Figuren, die einem Paralleluniversum zu J.R.R. Tolkien's Herr der Ringe hätten entsprungen sein können. Das dritte Album mit dem Titel "Unicorn", auf dem wieder ein von John Peel gelesenes Märchen enthalten war, und auf welchem der Produzent Tony Visconti den Song "Cat Black" auf einem Piano begleitete, wurde der bis dahin grösste Verkaufserfolg für Tyrannosaurus Rex und kam bis auf Platz 12 in den britischen Album-Charts. Für die Produktion standen, dank der Einnahmen aus den bisherigen Veröffentlichungen, technisch hochwertigere Aufnahmegeräte als noch bei den Vorgängeralben zur Verfügung. Auch die verwendeten Instrumente waren deutlich abwechslungsreicher als bisher. Auf einigen Songs kamen Harmonium, Mundorgel, Strohgeige, Afrikanische Sprechtrommeln, Bass-Gitarre, Piano, Pixiephone, Schlagzeug-Elemente oder Gong zum Einsatz.

Kurz darauf begannen die Aufnahmesessions für eine neue Single. Auf "King Of The Rumbling Spires" spielte Bolan erstmals auf einer Tyrannosaurus Rex-Platte Elektrogitarre. Während der Aufnahmen entstanden noch eine Reihe anderer Songs, die aber erst viel später auf diversen Zusammenstellungen veröffentlicht wurden. Im Spätsommer 1969 unternahm die Gruppe ihre erste US-Tour, um sich auch auf dem dortigen Musikmarkt einen Namen zu machen. Aber das Publikum zeigte wenig Interesse an der Musik der beiden, und so wurde die Tournee schliesslich zum Flop. Zudem entwickelten sich erhebliche Differenzen zwischen Bolan und Took, wohl auch über die musikalische Zukunft der Band und deren Image. Während Bolan künstlerische Berühmtheit anstrebte und schon seit seiner Jugend davon überzeugt war, einst ein Superstar zu sein, wollte Took sich mit solchen Visionen nicht anfreunden. Zurück in England trennten sich die beiden Musiker, angeblich wegen Took's anhaltender Drogenprobleme und weil er sich politisch zunehmend links orientierte. Andere Quellen nennen auch Took's Ambitionen, seine selbst geschriebenen Songs mit ins Bandrepertoire aufzunehmen, womit Bolan aber nicht einverstanden war, als möglichen und entscheidenden Trennungsgrund.

Bolan machte sich sofort auf die Suche nach einem neuen Partner, und im makrobiotischen Restaurant Seeds machte ihn ein gemeinsamer Freund mit dem am 3. Juni 1947 in Thornton Heath, Surrey, England geborenen Mickey Finn (bürgerlich Michael Norman Finn) bekannt, der dort gerade mit einer Auftragsarbeit in Form eines psychedelischen Wandgemäldes beschäftigt war. Er hatte auch Erfahrung als Musiker und unter anderem in einer Band namens Hapshash And The Coloured Coat Congas gespielt. Bei einem gemeinsamen Essen einigten sich die beiden auf die Zusammenarbeit, und Finn wurde im Oktober 1969 das neue Bandmitglied. Nach Bolan's Aussage war Finn weder ein so guter Perkussionist wie Took, noch konnte er besonders gut singen, aber er sah gut aus und passte auch sonst gut zu Bolan's Vorstellung vom zukünftigen Werdegang der Gruppe. Mickey Finn war erstmals auf dem im März 1970 erschienenen, vierten Album "A Beard Of Stars" als Perkussionist zu hören. Zu einigen Titeln existierten allerdings schon Studioaufnahmen mit Steve Took, und so mussten Bolan und Visconti dessen Parts wieder herausnehmen. Da die Neuaufnahmen überwiegend Bolan selbst übernahm, und er beispielsweise auch die Bass-Gitarre spielte, war das Album im Ergebnis, von Tony Visconti einmal abgesehen, fast eine Soloplatte. Bei welchen Stücken Mickey Finn tatsächlich mitwirkte, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen.

Die einzelnen Songs waren im Wesentlichen akustisch, aber Bolan spielte, wie schon auf der letzten Single, nun auch Elektrogitarre, beim rockigen "Elemental Child" sogar ausschliesslich. Dadurch unterschied sich das Album erheblich von seinen Vorgängern und liess bereits erahnen, welchen musikalischen Weg Bolan und seine Band einschlagen sollten. Das sanfte "By The Light Of A Magical Moon" wurde kurz zuvor als Single ausgekoppelt. Kommerziell war "A Beard Of Stars" nicht so erfolgreich wie "Unicorn", und viele frühere Fans wandten sich zu dieser Zeit von der Gruppe ab. Da der erhoffte durchschlagende Erfolg bisher ausblieb, begann Bolan an seiner Musikerkarriere zu zweifeln, und er spielte mit dem Gedanken, sich künftig mehr auf das Schreiben von Gedichten zu konzentrieren. Seine Frau, und seit einiger Zeit auch Managerin, June Child, die er 1967 bei seiner damaligen Management-Firma Blackhill Enterprises kennengelernt hatte und im Januar 1970 heiratete, ermunterte ihn zu dieser Zeit jedoch immer wieder, weiterzumachen und neue Songs zu schreiben. So entstand eines Nachts ein einfaches, Kinderreim-ähnliches Lied mit einer eingängigen Melodie, das er "Ride A White Swan" nannte.

Im Sommer 1970 arbeiteten Bolan, Finn und Visconti an Aufnahmen für das nächste Album. Die Parts für die Bass-Gitarre und den Hintergrundgesang übernahmen diesmal alle drei. Für einige Lieder schrieb Visconti Streicher-Arrangements. Während der Aufnahmen zu "Seagull Woman" kamen Mark Volman und Howard Kaylan, die gerade mit den Mothers Of Invention auf Europa-Tournee waren, zu Besuch ins Studio. Bolan hatte die beiden ehemaligen Mitglieder der Turtles auf seiner ersten US-Tour kennengelernt, und er bat sie, Backing Vocals für das Lied zu singen. Dies war der Auftakt für eine jahrelange Zusammenarbeit, und auf künftigen Alben steuerten Volman und Kaylan, die auch als Flo & Eddie bekannt wurden, den gruppentypischen Hintergrundgesang bei. Tony Visconti hatte sich seit langem angewöhnt, auf Produktionspapieren den langen Bandnamen der Einfachheit halber in T. Rex abzukürzen, was Bolan bislang ärgerte. Er suchte aber nach Veränderungen, was auf den letzten Platten schon musikalisch durch die Verwendung der Elektrogitarre und in einfacheren Liedtexten zum Ausdruck kam. Wie Bolan selbst einmal sagte, war er es leid, mit gekreuzten Beinen auf der Bühne zu sitzen, und er wollte sein Image als Minnesänger der Hippie-Kultur loswerden, wofür nun Visconti's eigenwillige Schreibweise hervorragend geeignet zu sein schien. Diese kleine aber signifikante Änderung im September 1970 sollte schliesslich für den entscheidenden Wendepunkt in Bolans Karriere stehen.

Die im Oktober 1970 nun als T. Rex veröffentlichte Single "Ride A White Swan" wurde von Radiosendern zunächst nur wenig gespielt. Aber die Plattenläden verzeichneten eine beständig steigende Nachfrage, und so kletterte der mit einem markanten Gitarrenriff gespielte und mit Streichern untermalte Song langsam in die britische Single-Hitparade und erreichte nach 13 Wochen im Januar 1971 schließlich seine Höchstnotierung auf Platz 2. Das erste Album der Gruppe, das schlicht "T. Rex" betitelt wurde, erschien im Dezember 1970 und erreichte Platz 7 der Album-Charts. In vielerlei Hinsicht dem Vorgänger "A Beard Of Stars" ähnlicher als künftigen Veröffentlichungen, war das Album stilistisch gesehen eher die fünfte und letzte Tyrannosaurus Rex-LP, denn die erste, wegen der Namenskürzung vermeintliche T. Rex-Platte. So waren etwa Neuaufnahmen von "One Inch Rock" und der frühen Single "The Wizard" enthalten. Neben der Hymne "The Children Of Rarn" aus einem geplanten Konzeptalbum, das nie zur Vollendung kam, wurde dies auch im Songtext zu Suneye deutlich: "Tree wizard puretongue, the digger of holes, the swan king, the Elf lord, the eater of souls, Lithon the black, the rider of stars, Tyrannosaurus Rex, the eater of cars".

Um die neuen Songs live vorstellen zu können, wurde Ende 1970 der Bassist Steve Currie engagiert. Für die Aufnahmen der nächsten Single Anfang 1971 komplettierte Bolan die Band zum Quartett mit dem Schlagzeuger William Fifield, der sich auf Bolan's Vorschlag hin, und in Anlehnung an den Namen seiner vorigen Band Legend, fortan Bill Legend nannte. Im Februar 1971 veröffentlicht, belegte "Hot Love" sechs Wochen lang die Spitzenposition der britischen Single-Hitparade und stand in Deutschland sieben Wochen lang auf Platz 3. Für einen Auftritt in 'Top of the Pops' im März 1971 klebte Chelita Secunda, Frau von Tony Secunda, dem Manager der Gruppe The Move und kurzfristige Betreuerin von T. Rex, Bolan einige glitzernde Sternchen unter die Augen. Dieser Auftritt steht nach weit verbreiteter Ansicht für die Geburtsstunde des Glam Rock, der in Form einer Jugendbewegung, sowie künstlerisch und kommerziell in den nächsten Jahren die populäre Rock- und Popmusik in Europa dominierte. Ähnlich der Beatlemania in den 60er Jahren sprach man in Grossbritannien aufgrund des grossen Medienrummels, den Bolan und seine Band auslösten, von T.Rextasy. Spätestens ab diesem Zeitpunkt drehte sich dort die gesamte Medienaufmerksamkeit allein um Bolan. Sein Image wurde in seinem Heimatland vergleichbar mit den damaligen Teenager-Stars David Cassidy und Michael Jackson verkaufsträchtig vermarktet.

Auch die Nachfolgesingle "Get It On" erreichte Platz 1 und wurde, etwas später in den USA in "Bang A Gong (Get It On)" umbenannt, um Verwechslungen mit einem anderen gleichnamigen Song der Gruppe Chase zu vermeiden, zum Top Ten Hit. Das erste in der Besetzung einer klassischen Rockband mit Elektrogitarre, Bass und Schlagzeug eingespielte und im September 1971 veröffentlichte Album "Electric Warrior" enthielt mit "Jeepster" einen weiteren Top Hit. Neben Mickey Finn's Conga-Spiel, das vor allem bei "Jeepster" und "Mambo Sun" prominent zu hören war, und Tony Visconti's Streicher-Arrangements, wie zum Beispiel bei "Cosmic Dancer", wurden einige Songs zudem mit Saxophon ("Rip Off"), Piano ("Get It On") oder Flügelhorn ("Girl") angereichert. Den Hintergrundgesang steuerten Howard Kaylan und Mark Volman bei, wie auf "Planet Queen" oder "Monolith". Das Album "Electric Warrior" gilt bis heute als der Klassiker der Gruppe und war auch ihr grösster kommerzieller Erfolg.





TOM GILLAM & TRACTOR PULL - Play Loud...Dig Deep
(Blue Rose Records BLU DP0476, 2009)

"Never Look Back" hiess im Spätsommer 2007 das vierte Studioalbum des urwüchsigen 'Down to Earth' Rockers aus Pennsylvania, und das erste, das auch in Europa erschien und seinen längst fälligen Karrierekick nach oben bedeutete. Klar, dass Tom Gillam diese Erfolgswelle mit einer ausgedehnten Livetournee jenseits und diesseits des Atlantiks begleitete. Mit seiner langjährigen, kapitalen Begleittruppe Tractor Pull begab er sich also von Ende 2007 bis Mitte 2008 auf die Never Look Back-Tour, und genau davon handelt dieser fulminante Livemitschnitt "Play Loud...Dig Deep", einem begeisternden, 70-minütigen, unverfälschten Dokument nach dem Motto 'This is what it sounded like', also eine äusserst ehrliche Live-Platte ohne zusätzliche nachträgliche Bearbeitung.

Tom Gillam gelangte erst vor ein paar Jahren zunächst auf Umwegen ins Bewusstsein hiesiger Fangruppen. Der hierzulande recht bekannte und geschätzte Künstler Joseph Parsons verpflichtete ihn als Slide-Gitarristen für seine elektrische Begleitcombo, mit der er in den Jahren 2005 und 2006 gleich mehrfach auf Europa-Tournee ging, einen legendären Rockpalast-Gig bestritt und die formidablen Alben "The Vagabond Tales" und "The Fleury Sessions" einspielte. Dabei machte Tom Gillam durch seine vitale Bühnenpräsenz, sein grosses Talent als Gitarrist und nicht zuletzt durch seine sympathische Art gehörig auf sich aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt hatte der vermeintliche Sideman in den USA bereits drei eigene Alben veröffentlicht: das 1998er Debüt "First Of All", "Dallas" von 2001 und das in einschlägigen Gazetten von 'No Depression' bis 'Freight Train Boogie' goutierte Durchbruchswerk "Shake My Hand" (2004). Bewegten sich die beiden ersten Platten noch deutlich im erweiterterten Country, Roots Rock und Americana-Bereich, so fuhr Gillam danach einen straighteren Rockkurs, mit reichlich Americana-Wissen als Fundament und der 2007er Platte "Never Look Back" als vorläufigem Höhepunkt.

Und er stellte seine Begleiter mit dem bezeichnenden, für unbändige Kraft stehenden Namen Tractor Pull und somit den Bandcharakter seiner Musik immer mehr in den Vordergrund. Für "Play Loud...Dig Deep" firmieren sie zum ersten Mal gleichberechtigt neben ihrem Boss. Tractor Pull, das sind Leadgitarrist Craig Simon, Bassist Tim McMaster, Drummer David Latimer und der vielseitige Multiinstrumentalist Joe Carroll als Akustik-Gitarrist, mit Baritone und Mando Guitars, Mandoline und als Produzent und Recording Engineer. Inmitten dieses eingeschworenen Verbundes agiert Tom Gillam als veritabler Frontmann mit einer Powerstimme, die mal an Joe Walsh, mal an Gregg Allman erinnert, mit kompromisslosen Soli und leidenschaftlicher Slidearbeit auf der elektrischen Gitarre, liefert sich an klassische Southern Rock-Zeiten gemahnende Duelle mit Craig Simon und beweist sein Gespür für exquisites Songwriting. So geraten die zehn Songs dieser Platte zu wahren Hymnen mit dem Status von regelrechten Crowdpleasern: Rockige Fetzer mit klasse Riffs, eindeutigen Hooks und Ohrwurm-Refrains.

Von den ersten Triple Guitar-Attacken des Openers "Outside The Lines" an wird klar, dass es sich hier um handgemachten, bodenständigen Rock der Güteklasse A handelt; es folgt der Highway-Hammer "Rainbow Girl", bevor sich Tractor Pull auf "Disappearing Act" zum ersten Mal längeren Jam-Passagen hingeben - zwei elektrische, innigst miteinander kommunizierende Gitarren vor dem Hintergrund eines pumpenden Basses, zupackendem Schlagzeug und auflockernder Mandoline, wie geschaffen für das imaginäre Road Radio. So geht es dem ersten grossen Höhepunkt entgegen: "Dallas", dem Titelsong des zweiten Albums, 9 Minuten und 5 Sekunden bester Southern Rock von der Ostküste, mit 2-minütigem Intro, langgezogenen Solo-Einlagen zwischen den Refrains, gekonntem Wechselspiel von Lead und Backing Vocals, und einem stilgerechten Gitarren-Finale.

Warum die Monkees-Covernummer "The Girl I Knew Somewhere" zu Tom Gillam's 'my favorite part of the show' gehört, wird spätestens dann klar, wenn die Band diesen bekannten Song aus der Feder des Original Monkees-Musikers Michael Nesmith in die improvisierte Jam Session von "Nova's Journey" überführt: Subtile Duane Allman und Dickey Betts Gedächtnislicks, dass einem ganz warm ums alte Southern Rock Herz wird. Nach diesen gigantischen 10:38 purster Jam-Freude fragt man sich, was denn jetzt noch kommen könnte. Nun, zum Beispiel mit "Stand By You" ein waschechter 70er Jahre Country Rocker im lockeren Uptempo-Modus mit Joe Carroll's wohlkingender Mandoline im Mix ganz vorne und den beiden Gitarren aussen daneben: Countrypicking gewürzt mit Slide. Oder zwei weitere (neben "Rainbow Girl") Tracks des Albums "Never Look Back", und zwar "Rescue Me" und "Devil In My Heart". Dann folgt das zweite Monsterstück "Shake My Hand": über 12 Minuten im typischen Joe Walsh & Barnstorm-Groove, man erinnert sich sogleich an Walsh's Songs "Rocky Mountain Way", "Turn To Stone" oder "Meadows". Zum krönenden Abschluss dieser phantastischen Live Rock-CD gibt's mit "Diamonds In The Rough" einen furiosen Rock'n'Roll und Roots Rock Stomper mit unzähligen Slide- und Lead-Soli im Stil eines Sonny Landreth in Bestform. Was für ein tolles Konzertereignis.





PS: Die Videos stammen von Konzerten in Deutschland. Leider sind keine Aufnahmen des originalen Live Albums im Netz. Der Sound ist aber ähnlich, die Tournee in Deutschland erfolgte mehr oder weniger zeitgleich, von daher sind diese Live-Aufnahmen repräsentativ für die damalige 'Never Look Back-Tour'.

Jun 3, 2020


KASEY ANDERSON - Nowhere Nights (Red River Records RRR2010001, 2009)

Der so genannte Grassroots-Effekt - langsam aber sicher seine Fangemeinde vergrössern mit jeder neuen Veröffentlichung, auf unbedingte Qualität und Nachhaltigkeit achten, daran glauben, dass man sich letztlich durchsetzt bei all den potenziellen Konsumenten des grossen Singer/Songwriter-Marktes, den ungebrochen zahlreichen Americana-Anhängern, den Freunden handgemachten Gitarrenrocks und einer analogen Klangwelt. All diese Werte bediente Kasey Anderson aus dem amerikanischen Nordwesten von Platte zu Platte immer wieder aufs Neue. "Nowhere Nights" war 2009 bereits das vierte Werk des sympathischen Rockers mit der attraktiven Schmirgelstimme und ein feiner Nachfolger zum zuvor auch hierzulande veröffentlichten Werk "The Reckoning" von 2007.

Trotzdem war "Nowhere Nights" dann anders. Nicht unbedingt in seiner Grundhaltung oder gar im Sound, nein, anders in der Stimmung, in den Songs, in den Songtexten. Kasey Anderson hatte seinen Lebenslauf einer intensiven Bestandsaufnahme unterworfen und die ein oder andere Sache nachhaltig hinterfragt, sozusagen seine ganz private Inventur vorgenommen. Das Ergebnis waren persönliche, introvertierte Songs, die deutliche Einblicke in sein Seelenleben boten. Das im Einklang mit einem Umzug von Bellingham, Washington nach Portland, Oregon, rein meilenmässig keine grosse Sache - für Anderson's Leben jedoch eine entscheidende Wende: weg vom standardisierten Alltagstrott in der Provinz, hin zu mehr Szene, Nachbarschaft und Geselligkeit. Genau im Umkehrschluss dazu handelten seine Lieder nun nicht mehr so sehr vom kritischen Blick in die Welt, insbesondere von der Schieflage der Nation unter der damaligen Bush-Ära, sondern vorzugsweise von eigenen Belangen, Beziehungen und Bedürfnissen.

Gut, dass er bei solch einer Gefühlslage einen Mann an seiner Seite hatte, der für Konstanz, Bodenhaftung, absolute Americana-Kompetenz und puren Rock'n Roll stand und bis heute steht: Eric 'Roscoe' Ambel. Der bekannte Spitzenproduzent des Genres, Sessionmann extraordinaire und Gitarrist mit dem besonderen Etwas (bei den Del Lords aktiv) begleitete Anderson's Karriere schon seit vielen Jahren, garantierte seit dem zweiten Album "Dead Roses" von 2004 jene satten, griffig-riffigen Electric Guitars, die man so sehr schätzt an Platten der Bottle Rockets, Go To Blazes, Blue Mountain, Blood Oranges oder den Backsliders. Der langjährige Steve Earle-Sidekick, Del Lords- & Yayhoos-Gitarrist war für die zu diesem Album anberaumten Aufnahme-Sessions sogar von seiner Heimat New York quer durch die Staaten geflogen, um im berühmten Jackpot Studio in Portland zehn der elf Songs dieses Albums aufzunehmen.

Der Opener, mit "Bellingham Blues" vielsagend betitelt, stammte noch von den Brooklyn Recordings. Darin beklagt Anderson im Nachhinein sein allzu langes Verweilen in einer Stadt, in der er eigentlich gar nichts verloren hatte - "this ain't never been my town", eine späte Abrechnung, die ihm in perfekter Steve Earle-Art gelingt und vom Start an den Tenor von Nowhere Nights bestimmt. "All Lit Up" und "Sooner/Later" folgten dann in geradezu klassischer Anderson/Ambel-Manier: kraftvoll zupackend, mit einem kernigen Riff gesegnet, engagiert gesungen, auf den Punkt gerockt. "Home" präsentierte sich als ein sechs Minuten langes Breitwandepos, ausgelebte Troubadour-Kultur, Storyteller-Klasse mit einer grossartigen und gefühlsechten Sehnsuchtsatmosphäre. Und so ging es im Wechsel weiter: Kompakte Rocker einerseits und verträumt-schwelgerische, von Folk und Country durchzogene Rock-Balladen zwischen Heartland, Texas und East Nashville, Nebraska Badlands und North Carolina zum anderen addierten sich zum grossen Ganzen, kapitale Stücke wie "Torn Apart", "Leaving Kind", der Titelsong, "From Now On" oder das abschliessende "Real Gone", ein knapp 7 1/2 Minuten langer Triple Electric Guitar Slow Rocker mit urgewaltigem Finish, liessen "Nowhere Nights" zu einem Genre-Highlight werden.

Kasey Anderson spielte selber akustische und elektrische Gitarren, blies die Campfire-Harp, drückte jedem einzelnen Stück seinen besonderen stimmlichen Stempel auf. Er wurde bei den klasse Aufnahmen von seiner damaligen Touring Band kompetent begleitet: Dan Lowinger (Electric Guitar), Bo Stewart (Bass) und Julian MacDonough (Drums). Der im lokalen Pacific Northwest-Raum bekannte Keyboarder Lewi Longmire (Paul Benoit, Caleb Klauder, James Low, Bingo, Moonshine Hangover) fügte mit seinem komplexen Klavier- und Orgelspiel zusätzliche Farbe hinzu, aber nicht zuletzt wegen des auch als Musiker äusserst aktiv mitwirkenden Produzenten Eric Ambel blieb "Nowhere Nights" eine bodenständige und urige Gitarrenrock-Platte. Gut so.





I SEE HAWKS IN L.A. - Live And Never Learn
(Western Seeds Record Company WSR CD-013, 2018)

I See Hawks in L.A. schwebten recht sorgenfrei durchs erste Jahrzehnt ihres Bestehens, aber im Jahre 2018 kamen sie aus einer Phase, in der sie sich mit Sterblichkeit, grossen Entscheidungen und dem langsamen Verlust der Möglichkeiten der Jugend befassen mussten. Die Veröffentlichung ihres Debütalbums am 11. September 2001 (!) lag fast 17 Jahre zurück. Seitdem wurden die Bandmitglieder weder reich noch berühmt, aber sie waren noch immer da und sehr aktiv, vielleicht künstlerisch gestärkt von dem steinigen Weg, den sie zurückgelegt hatten, den Erfahrungen einer geschundenen Seele. Eines schien klar: Es ging den Hawks immer vor allem um die Musik, um ihre Freundschaft zueinander und um das darin zu entdeckende Abenteuer.

"Live And Never Learn" war das erste Hawks-Album seit "Mystery Drug" von 2013. In den fünf dazwischen liegenden Jahren starb Rob Waller's Mutter an Krebs; Paul Lacques hatte im zurückliegenden Jahr gar beide Eltern verloren. Viele der Songs auf "Live And Never Learn" wurden geschrieben und aufgenommen, während sie mit der Trauer und mit anderen Herausforderungen, die einen besseren Ausgang nahmen, kämpften. Von den Hawks kam dann die Message an alle Fans, die ihre Eltern verloren hatten: "Wir verstehen Euch. Wir wissen jetzt, wie das ist". Ihre Familien, gute Freunde und die Musik halfen der Band, diese Schicksalsschläge zu überstehen, sowohl persönlich als auch künstlerisch. Das Songwriting von Waller/Lacques wurde von Beiträgen von Bassist Paul Marshall und Drummer Victoria Jacobs ergänzt. Ein Song, der rockende "King Of The Rosemead Boogie", enthielt verdrehte textliche und spirituelle Beiträge von Mitgliedern der Band Old Californio.

Zwei Songs, "White Cross" und "Singing In The Wind", entstanden als Co-Kompositionen per E-Mail mit Peter Davies von der britischen Band Good Intentions. Mit verhallten Telecaster-Gitarren, präzisem Bass und Harmoniegesang hatten sie den typischen Hawks-Sound, aber die Songtexte nahmen den Zuhörer mit von Memphis zu den Mooren von Nordirland. "Last Man In Tijuana" brachte den Zuhörer dann wieder zurück zu den vertrauteren Gefilden der Berge Kaliforniens. Der Song, den die Hawks vor einigen Jahren schrieben, erzählte die Geschichte einer Trennung übers Mobiltelephon, während die Flammen näherkamen. Er passte gut auf das Album, weil Marshall sein Haus in Tujunga im Herbst 2017 gleich zweimal verlassen musste. "Meine Zeit war fast abgelaufen", sagte er, "als die Flammen vor dem Tor loderten".

In vielen Songs des Albums ging es um die persönlichen Probleme der Musiker. "Poor Me" befasste sich mit dem ernsten Thema des Selbstmitleids eines Alkoholikers, aber es wurde mit dem Humor, den jeder Hawks-Fan kennt, präsentiert. Dave Zirbel steuerte Pedal Steel zu diesem Abschiedssong an den Alkohol bei, während Waller "I better not have no more" sang. Zirbel traf den emotionalen Kern vieler Songs auf diesem Album mit seinem subtilen und überraschenden Spiel. Drummer Victoria Jacobs hatte einen nachdenklichen Song über das Vergehen der Zeit geschrieben; "Spinning" erwies sich als ein kleines Meisterwerk psychedelischer Folkmusik. Nachtgedanken und aussergewöhnliche Bilder zogen durch diesen wunderschönen Song. In "My Parka Saved Me" sang Jacobs über ihren Frontalzusammenstoss als Teenager an einem Winternachmittag auf Lake Michigan. Der Doo Wop Gesang der Hawks, 50er Jahre-Akkorde und Danny McGoughs süsse Orgel sorgten in dieser Geschichte für eine sanfte Landung.

Auch Hawks-typische Themen fanden sich auf dem Album. "Planet Earth" und "Ballad For The Trees" belegten den langjährigen Einsatz der Band für die Natur. "Stoned With Melissa" war eine weitere Marijuana-Hymne der Hawks, allerdings mit einer realistischen, traurigen Wendung. "King Of The Rosemead Boogie" stellte einen Helden des San Gabriel Valley in all seiner (oder ihrer) Pracht vor. Um Reue und die Dualität von Erde und Geist ging es in "Isolation Mountains" und "Tearing Me In Two", die von der Fiddle des langjährigen Bandfreunds Dave Markowitz und dem innovativen Akkordeon von Richie Lawrence getragen wurden. Die Band beendete ihre Aufnahmen und liess sie vom fünffachen Grammy-Gewinner Alfonso Rodenas (Los Tigres del Norte), der auch schon Mystery Drug und andere Paul Lacquer-Projekte gemischt hatte, abmischen. Als die Mixdowns zurückkamen und toll klangen, brandete Optimismus bei den Hawks auf - vielleicht irrational, vielleicht aber auch das nötige Heilmittel in den USA. Auf "Live And Never Learn"  klangen I See Hawks In L.A. jedenfalls besser als je zuvor.





PAUL THORN - What The Hell Is Goin On? (Perpetual Obscurity Records 467582, 2012)

Auf seinem damals bereits zehnten Album präsentierte der Singer und Songwriter Paul Thorn zur Abwechslung mal etwas Anderes: Er coverte seine Lieblingssongs von anderen Interpreten und Autoren. Und er hatte wohl sehr viel Spass dabei. "What The Hell Is Goin On?" war der Nachfolger zu "Pimps And Preachers", jenem grandiosen Werk, mit dem sich der ambitionierte Künstler aus Tupelo, Mississippi auch in hiesigen Fankreisen einklinkte. Mit ziemlichem Erfolg, denn Paul Thorn's kerniger Rock Gesang kam auch hierzulande sehr gut an. Einer, wie man ihn nicht mehr so häufig findet in der weiten Roots Rock-Welt und der sein Label Joe Cocker from the South sicher nicht zu Unrecht erhalten hatte.

Der Name Paul Thorn steht seit 1997 auf der Roots-musikalischen Landkarte, als er mit seinem Debütalbum "Hammer & Nail", veröffentlicht bei A&M Records, erstmalig für Aufsehen sorgte. Bis dahin war gar nicht mal klar, welche Laufbahn er überhaupt einschlagen würde. So arbeitete er als Tischler, Fallschirmspringer und als Profiboxer im Supermittelgewicht - bis er 1988 in Atlantic City der Latino-Boxlegende Roberto Duran unterlag. Nach diesem Schlüsselerlebnis gab es für ihn fortan nur noch die Musik. Thorn hatte genug erlebt, um daraus reichlich Stoff für seine Songs zu schöpfen, die Eigenarten des Südens hatte er bereits mit der Muttermilch aufgesogen, die streng religiöse Erziehung seines Vaters, der als Prediger unterwegs war, prägte ihn genauso wie sein Onkel im fernen Kalifornien, der in jungen Jahren als Zuhälter im Halbweltmilieu lebte und von dem er gelernt hatte, wie man vorwärts kommt im Leben, wie man ein richtiger Fighter werden kann.

Diese Ambivalenz zwischen Gut und Böse, Jesus und Teufel, Erfolg und Verzweiflung zog sich dann auch wie ein roter Faden durch die meisten Paul Thorn-Songs und machte seine Alben so unerhört attraktiv. Bis 2008 erschienen in mehr oder weniger regelmässigen Abständen sechs weitere Alben, sowohl Studioproduktionen als auch Live-Mitschnitte mit unterschiedlichen stilistischen Schwerpunkten, alle grundsätzlich aber im Bereich zwischen Roots Rock, Gospel, Singer/Songwriter, Rhytm'n'Blues und Southern Rock. Das 2010 veröffentlichte Album "Pimps And Preachers" bildete dann einen vorläufigen künstlerischen Höhepunkt: ein wunderbares, 13 Titel umfassendes Statement mit einer Fülle von Hooks, Riffs und Refrains, wie man sie nur selten in dieser geballten Qualität zu hören bekam. Konsequenterweise war dies auch zuhause in den Vereinigten Staaten mit Abstand seine bis dato erfolgreichste Veröffentlichung.

Danach vollzog Paul Thorn mit "What The Hell Is Goin On?" einen richtigen Schnitt. Hier ging es für einmal nicht um eigene Erfahrungen und Befindlichkeiten, nicht um in der eigenen Biographie akustisch Nachgezeichnetes: Der 'Mark Twain of Americana' legte als Songwriter Pause ein und erfüllte sich den langersehnten Wunsch, einen Stapel seiner absoluten Lieblingsstücke von anderen Künstlern aufzunehmen und ihnen seinen eigenen Southern Roots Rock-Stempel aufzudrücken. Wie gut, dass er sich dabei auf seine über viele Jahre perfekt eingespielte Band verlassen konnte. Von Anfang an war der versierte Lead & Slide-Gitarrist Bill Hinds mit dabei, ein Mann wie ein Fels, der mit Thorn in vorderster Front ein wahres Dreamteam bildete. Keyboarder Michael Graham und Drummer Jeffrey Perkins waren ebenfalls über eine Dekade schon mit an Bord, nur Bassist Ralph Friedrichsen kam neu hinzu und hatte sich schnell in den festen Teamverbund eingefügt.

Zusammen hatten sie einen sehr erlesenen bis ungewöhnlichen Songkatalog ausgetüftelt: Da stand Material von bekannten Americana-Grössen wie Buddy Miller und Ray Wylie Hubbard neben dem noch eher unbeschriebenen irischen Newcomer Foy Vance. Der New Orleans-Pate Allen Toussaint fand seinen Platz zwischen der englischen frühsiebziger Rock Truppe Free und der aktuelleren Soul/Rhythm'n'Blues-Grösse Eli 'Paperboy' Reed ebenso wie der Blues von Elvin Bishop und dem vielleicht besten Solo-Song von The Band's Rick Danko.

Zum Start gab es mit "Don't Let Me Down Again" eine alte Lindsey Buckingham-Nummer aus der Ära vor Fleetwood Mac (Buckingham-Nicks, 1973) in einer munteren Shuffle und Slide-Version, bevor Thorn Ray Wylie Hubbard's "Snake Farm" von Texas in die tiefsten Mississippi-Sümpfe transplantierte. Buddy & Julie Miller's "Shelter Me Lord" wurde ganz im Stil von Joe Cocker's "Mad Dogs & Englishmen" zelebriert - die McCrary Sisters hatten daran einen hohen Gospel-Anteil. Von Elvin Bishop stammte der Titeltrack "What The Hell Is Goin' On" und Elvin Bishop wirkte hier als Gastmusiker mit. In einem wahren Blues Rock Stomp duellierten sich Bishop und Bill Hinds gleich mehrfach mit deftigen Electric Slide-Attacken. Der "Small Town Talk" von Rick Danko kam lässig-groovy im typischen New Orleans-Modus ähnlich wie später Allen Toussaint's "Wrong Number", das Thorn völlig im Kontrast zum Original (also zu Aaron Neville's hohem Falsett) sang. Überhaupt erwies sich Thorn wieder als brillanter Könner, wenn er diese gefährlich an der Kitschgrenze schrammenden Balladen auf die rauhe Americana-Seite rüberholte. Das gilt auch für Donnie Fritts' "She's Got A Crush On Me" - etwa eine Mischung aus "A Whiter Shade Of Pale" und "Dark End Of The Street". So eine Falle lauerte bei Nummern wie "Walk In My Shadow" und "Bull Mountain Bridge" natürlich nicht. Erstere war eine Southern-Adaption eines weniger bekannten Hard Rock-Titels von Free ("Tons Of Sobs", 1969), die zweite ein Country Boogie von Wild Bill Emerson mit dem grossen Delbert McClinton im Duett und illustren Chorsängern wie Kevin Welch und Danny Flowers.

Es blieb dann der Abschlussnummer von Eli 'Paperboy' Reed vorbehalten, das Fragemotto von "What The Hell Is Goin On?" am besten zu beantworten: Sein "Take My Love With You" geriet zur ultimativen Verknüpfung von Rock'n'Roll, Soul, Boogie und Spiritual mit unbändiger Leidenschaft, zwingender Tanzbarkeit, hoher Musikalität und toller Roots Rock-Partylaune. Paul Thorn ist eine Entdeckung wert. Seine Musik macht einfach Spass. Dies gilt insbesondere für seine Fähigkeit, an sich eher konventionellen Kompositionen einen völlig neuen Schliff zu verpassen, oder anders gesagt: Fremde Songs zu eigenen zu machen. Brilliant gemacht.




May 23, 2020


THE HOLY MODAL ROUNDERS - Good Taste Is Timeless
(Metromedia Records MD 1039, 1971)

Die Holy Modal Rounders gelten heute als eine der am längsten aktive und trotzdem völlig unbekannt gebliebene Band. Ueber zwei Jahrzehnte lang gab es die Gruppe um die beiden Folkmusiker Peter Stampfel und Steve Weber aus Milwaukee, und in diesen zwei Jahrzehnten veröffentlichten die beiden mit ständig wechselnden Mitmusikern und auch sich immer wieder verändernder Musik gerade mal 9 Langspielplatten. Die Holy Modal Rounders waren für manchen Musikkritiker nicht viel mehr als eine Klamauk-Band, bestehend aus Feierabendmusikern, die es verstanden, ihre mangelnde Musikalität, verbunden mit dem eingeschränkten Beherrschen der Instrumente mit freiem und losgelöstem Jammen zu kompensieren. Ausserdem bemühten die Musiker allerlei Sex-, Polit- und gesellschaftskritische Themen, um einen gewissen Anspruch zu untermauern, was allerdings höchstens einer besonderen Offenheit der Musiker (im gewissen Sinne Naivität) und der ungebremsten Experimentierfreudigkeit geschuldet war, als dass ihre Themen wirklich ernst genommen wurden.

1964 und 1965 veröffentlichte die Band zwei dem traditionellen Folk verpflichtete Alben für das renommierte Prestige Label, wobei sie schon dort ihren Hang zum Absurden und einer besonders schrägen Auffassung von Humor offenbarten, was schliesslich zum Bruch mit dem Label führte. In der Folge landete die Band für eine weitere LP bei ESP Records, jenem Label, das als extrem innovativ galt und zahlreichen ungeliebten und unerwünschten Musikern eine Plattform bot, die sich vor allem politisch betätigten (wie zum Beispiel Tuli Kupferberg, Ed Sanders und ihre Fugs, zu deren Gründungsbesetzung die beiden Musiker Stampfel und Weber ebenfalls fast drei Jahre lang angehörten). Das entsprechende Album "Indian War Whoop" bedeutete zumindest in musikalischer Hinsicht ein Quantensprung und die Musiker waren mitten in der Hippie-Aera angekommen. In der Folge behielt die Band weitgehend ihr nunmehr bekanntes musikalisches Schema bei: traumverlorener Hippie-Folk mit allerlei anspruchsvoller, aber auch humoristischer Komponente, die auch beim auf Elektra Records veröffentlichten nächsten Album 1968 voll zum tragen kam ("The Moray Eels Eat THe Holy Modal Rounders"), und die sich oft am Rande des Dadaismus bewegte.

Nach mehr als drei Jahren war der Hippietraum längst ausgeträumt, harter Rock hatte die Hippies zurückgedrängt und trotzdem schafften es die Holy Modal Rounders auch weiterhin, Plattenfirmen für ihre bisweilen abenteuerlichen Absurditäten ein Sprungbrett zu finden, obschon sich ihre Platten immer schlechter verkauften. 1971 erschien mit "Good Taste Is Timeless" ein skurriles und schräges Bluegrass/Hillbilly-Album, das rückwirkend betrachtet eine Vorwegnahme des späteren Punk bedeutete: Hier wurde mit einer uramerikanischen Tradition gebrochen: dem heiligen Gral der Countrymusik in seiner reinsten Form. Wenn die Herren hier jede nur erdenkliche Musikrichtung aufgriffen, so verballhornten sie diese gnadenlos in insgesamt 12 Kompositionen, nicht ohne ihnen eine pseudointellektuelle Poesie zu verpassen, die fest im kreativen Underground verankert und schon Musikern wie Frank Zappa oder Captain Beefheart zu eigen war.

"Happy Scrapple Daddy Polka", "Boobsalot" oder "Generalonely" zeugten schon alleine aufgrund der Songtitel vom schrägen Humor der beiden Musiker, und in der Tat kommt hier die vielleicht lustigste Musik der beiden in Form einer LP, die auch optisch zu gefallen wusste durch die naive Frontcover-Zeichnung von Michael Hurley. Ausserdem machte hier der gewählte LP-Titel schon klar, dass sich die Musiker selbst nicht ganz ernst nahmen: Guter Geschmack ist zeitlos - das passte ganz formidabel zur gebotenen Musik, die sich immer im Bereich des Absurden und der Schrägness bewegte, die man zur damaligen Zeit, 1971, als die ganzen neuen progressiven Strömungen auch im Bereich der Folkmusik Einzug hielten, auch auf anderen Platten durchaus wahrnehmen konnte. Alleine: den Holy Modal Rounders half das nicht. Sie waren einfach zu abseitig in ihren Ideen und ihrer eigenen freakigen Vorstellung von künstlerischer Freiheit.

Drei am Rande erwähnenswerte Facts zu den Holy Modal Rounders gibt es durchaus: So spielte zeitweise der spätere Doobie Brothers- und Steely Dan-Gitarrist Jeff Baxter in der Band mit. Ueberdies sind die Holy Modal Rounders auch im Film "Easy Rider" zu Ehren gekommen, wo ihr "Bird Song" zu hören war. Und schliesslich sagt man heute, dass die Version des "Hesitation Blues", den die Band auf ihrem 1965 erschienenen Debutalbum aufgenommen hatte, in einer Textzeile zum erstenmal den später so berühmt gewordenen Begriff "psychedelic music" erwähnt. Waren die beiden Musiker also ihrer Zeit womöglich voraus ? Eher nicht - aufgrund der Songtexte könnte man allerdings auf Pionierarbeit in Sachen LSD-Genuss schliessen.




May 21, 2020


THE FALLEN ANGELS - It's A Long Way Down (Roulette Records SR-42011, 1968)

Die Fallen Angels waren eine Psychedelik Rock Band aus Washington, deren Kopf der Bassist und Sänger Jack Bryant war. Die Band existierte nur drei Jahre und veröffentlichte in dieser kurzen Zeit zwei LPs, sowie einige wenige Singles. Erst als lokale Grösse etablierte sich die Gruppe sehr schnell amerikaweit zu einem echten Underground Geheimtipp, was vor allem den exaltierten Auftritten zwischen Kunst, Pop und Theaterelementen und den bisweilen auch ziemlich politischen Statements zu verdanken war. Mit dieser ungewöhnlichen Gesamtausrichtung ist die Band durchaus vergleichbar mit den wesentlich erfolgreicheren Mothers Of Inventions, der zeitgleich operierenden Freak-Truppe um Frank Zappa.

Bis zu ihrem ersten Album hatte die Gruppe bereits zwei Singles aufgenommen, von denen die Erste mit dem Titel "Everytime I Fall In Love" zumindest so erfolgreich war, dass sie die Top 10 erreichte, was schliesslich zum Plattenvertrag mit Roulette Records führte. Was folgte, war die erste LP, die jedoch komplett unterging, auch, weil sie völlig falsch promotet wurde. Wollte man aus der Truppe auf ihre Musik auf Platte bezogen eine Popband machen, so spielten die Akteure auf der Bühne weiterhin eine eigentlich nicht machbare Mixtur aus Folk, Jazz, Polit-Kabarett und Psychedelik Rock. Das passte einfach nicht zusammen.

Noch augenfälliger wurde dies zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des zweiten Albums "It's A Long Way Down", das wohl ironischerweise schon im Titel der LP den Niedergang der Band vorweg nahm. Die Plattenfirma wollte nun aus der Gruppe eine Art Mainstream Musical Act kreieren, was angesichts der Live Performance durchaus hätte Sinn machen können, um die Musiker weiter in ihrer Popularität voranzubringen. Das ehrgeizige Projekt scheiterte aber schon an an einer missglückten Single-Einspielung zu "Hey Girl". Dadurch wurde schliesslich auch die nachfolgende LP praktisch gar nicht mehr beworben, was dazu führte, dass die Band schon im Folgejahr 1969 auseinanderbrach. Das ist insofern sehr tragisch, als dass diese zweite LP ein wahres Meisterwerk des amerikanischen Psychedelik Rocks gewesen ist, für das es in punkto Drogennebel, Theater, Satire, musikalisches Können und hervorragende Songs nicht viele vergleichbar gute Alben gibt.

Erst 28 Jahre später reformierte Jack Bryant die Gruppe und nahm das Album "Rain Of Fire" auf, das 1997 neu eingespielte Varianten der alten Songs präsentierte, angereichert durch einige neue Kompositionen. Bis 2009 ist die Gruppe dann auch immer wieder sporadisch aufgetreten.




May 20, 2020


CINDY BULLENS - Howling Trains And Barking Dogs (M.C. Records MC-0066, 2010)

Bereits Mitte der 70er Jahre begann Cindy Bullens in Los Angeles als Sängerin auf Produktionen für Don Everly, Gene Clark, Rod Stewart, Bryan Adams, dem Soundtrack zum Film 'Grease', Bob Dylan's Rolling Thunder Revue und für Elton John, der so von ihrem Können überzeugt war, dass er sie für seine Touring Band verpflichtete. Am Ende dieser frühen Erfolgsstory, die von 1976 bis 1980 andauerte, entstanden auch ihre ersten eigenen LP's "Desire Wire" und "Steal The Night". Praktisch die gesamte folgende Dekade widmete Cindy Bullens ihrer Familie, kümmerte sich um die beiden Töchter Reid und Jessie. Lediglich im Jahre 1989 erschien ein weiteres Album mit dem schlichten Titel "Cindy Bullens". Das war die erste, oft beschriebene Lebensphase, die zweite begann 1996 mit dem Tod ihrer an 'Hodgkin's Disease' erkrankten Tocher Jessie. In der darauffolgenden Trauerphase versuchte Cindy Bullens, die erlittene Qual in neuen Songs zu verarbeiten und so nahm sie schliesslich zu Ende der 90er Jahre das mit "Somewhere Between Heaven And Earth" autobiographisch betitelte Album zusammen mit namhaften Freunden der US-Musikerszene auf. Mit von der Partie auf diesem Werk waren unter anderem David Mansfield, Benmont Tench, Steven Soles, Bonnie Raitt, Rodney Crowell, Bill Lloyd, Lucinda Williams und Beth Nielsen Chapman. Ein ungemein faszinierendes Werk, das in seiner Traurigkeit schlüssig wirkte, darüberhinaus als Instrument für Therapie und Zukunftsmut stand.

2001 veröffentlichte Cindy Bullens "Neverland", co-produziet von Ray Kennedy. Auf diesem Album wurde die Musikerin unter anderem von Emmylou Harris, Steve Earle und John Hiatt begleitet. Vier Jahre später, im Jahre 2005, folgte "Dream #2", wiederum co-produziert von Ray Kennedy. Auf dem Titelsong des Albums war Elton John am Klavier zu hören, Delbert McClinton sang mit Cindy Duett bei "This Ain't Love" und Tim Wakefield sang als Gast beim Song "7 Days". 2007 gründete Cindy Bullens eine neue Band, genannt The Refugees, zusammen mit den Musik-Veteranen Wendy Waldman und Deborah Holland. Ihr erstes Werk "Unbound" wurde im Januar 2009 veröffentlicht. Erst drei Jahre später sollte im Februar 2012 das zweite Album unter dem Banner The Refugees folgen: "Three".

Zwischen den beiden Refugees Alben erschien im Juni 2010 ein weiteres Soloalbum mit dem Titel "Howling Trains And Barking Dogs". Auf diesem Album präsentierte Cindy Bullens Stücke, welche zwischen Anfang und Mitte der 90er Jahre geschrieben wurden, und zwar bis auf zwei Songs ausschliesslich in Zusammenarbeit mit anderen Musikern, wie etwa Radney Foster, Bill Lloyd, Al Anderson, Matraca Berg, Mary Ann Kennedy, Kye Fleming, und Jimmy Tittle. Nur zwei brandneue Songs fanden sich auf diesem Album, diese waren von Cindy Bullens selbst verfasst. "Howling Trains And Barking Dogs" deckte jene Phase im künstlerischen Schaffen ab, als Cindy Bullens von Freunden aus ihrer Heimat New England nach Nashville gelotst wurde und sich so in die Stadt verguckte, dass sie sie zu ihrem zweiten Wohnsitz machte. In jenen Jahren schrieb sie Songs zusammen mit lokalen Grössen wie Bill Lloyd, Matraca Berg, Radney Foster, Wendy Waldman, Al Anderson, Jimmy Tittle, Mary Ann Kennedy, Kye Fleming und vielen weiteren, die in den Versionen der Dixie Chicks ("Whistles & Bells") und von Radney Foster ("Hammer And Nails") zu Hits avancierten. Neun Songs aus dieser Serie plus zwei aktuelle, die aber auch thematisch Nashville-relevant waren, hatte Cindy Bullens dann selber eingespielt: in Maine, Kalifornien und Nashville mit Musikern der Alternative Country/Guitar Rock Band Coming Grass aus Neuengland (Gitarrist & Dobropicker Stephan B.Jones, Bassist Justin Maxwell und Schlagzeugerin Ginger Cote) sowie mit dem berühmten David Mansfield an der Fiddle, Radney Foster mit Duettgesang auf beider Songkollaboration "Labor Of Love" und gleich mehrfach mit den gewohnt erlesenen Harmony Vocals der beiden Refugees (Holland & Waldman) und ihrer Tochter Reid Bullens-Crewe.

Der Recording Engineer Bob Colwell füllte das durchweg sehr Americana-geprägte Klangbild mit Pianos, Orgel, Akkordeon, Bass und Backing Stimmen. Bullens selber spielte akustische, elektrische und Baritongitarren, Mandoline und Mundharmonika, sang mit ihrer wohlbekannten, warmen, vollen Stimme. Eingebettet in den Irish Fiddle-Folk Rock des Openers "Love Gone Good" und "The Misty Hills Of Tennessee" am Ende präsentierte Cindy Bullens dazwischen semiakustischen Roots Rock mit "Can't Stop This Train", wundervolle Midtempo-Balladen wie "In A Perfect World", "All My Angels" aus dem Refugees-Programm, "Whistles & Bells" im Stil einer Rosie Flores, den munteren Boogie/Rock'n Roller "I Didn't Know" und den Country Rock Titel "Everywhere And Nowhere". Das durchaus Gospel-inspirierte "Let Jesus Do The Talkin" war eine weitere Auseinandersetzung mit Religion und inhaltlich sicher vor späteren Monumentalstücken wie "Boxing With God" (zu hören auf Cindy Bullen's Album " Somewhere Between Heaven And Earth") anzusiedeln. Nach einer kleinen Pause schloss sie ihr Album mit "Good At Being Gone" auf sehr beeindruckende Art ab: ganz alleine, nur mit ihrer akustischen Gitarre und einem ganz persönlichen, sehr introvertiert gesungenen Text.

"Howling Trains And Barking Dogs" war Cindy Bullens' spätes Tribute an Nashville, "die Stadt, die meine musikalische Seele gerettet hat", so Bullens. Nachdem die sympathische Singer/Songwriterin, deren privates und künstlerisches Leben oft einer Achterbahnfahrt gleichkam, als melodische Rockerin bekannt geworden war, die bei allen sensiblen Momenten aber auch richtig fest zupacken konnte, erfuhr der Hörer nun nachträglich, was sie in einem bislang wenig dokumentierten Abschnitt ihrer Karriere gemacht hatte. Dabei verwundert es nicht, dass "Howling Trains And Barking Dogs" ihr bis dato wurzelhaftestes, auf die puren Werte amerikanischer Musik fussendes Werk geworden war, bei dem es - neben einigen gewohnten Rockballaden - mit Folk, Country, Rockabilly und Boogie viel Unterschiedliches in Top-Qualität zu hören gab. Für ungewohnte stilistische Abwechslung war bei Cindy Bullens indes immer reichhaltig gesorgt.





May 19, 2020


GERAINT WATKINS AND THE DOMINATORS - Geraint Watkins And The Dominators
(Vertigo Records 9102 033, 1979)

Geraint Meurig Vaughan Watkins, geboren am 5. Februar 1951 in Wales, ist ein walisischer Sänger, Songwriter, Rock'n'Roll-Pianist und Akkordeonist. Er hat viele bemerkenswerte Künstler unterstützt, darunter Nick Lowe, Dave Edmunds, Van Morrison, Mark Knopfler, Paul McCartney, Roy St. John, Shakin 'Stevens und zuletzt Status Quo. Er hat auch eine Solokarriere verfolgt und eine Reihe von Alben unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, zuletzt "Rush Of Blood", das im September 2019 veröffentlicht wurde. Watkins wurde in Abertridwr in der Nähe von Caerphilly, Südwales, geboren. Nach einiger Zeit in den frühen 70er Jahren am Portsmouth Art College kehrte er nach Cardiff zurück und spielte mit Red Beans And Rice und Juice On The Loose. Die Band Red Beans And Rice erregte Aufmerksamkeit und zog nach London, um ihre Karriere voranzutreiben. Als sie sich auflöste, spielte Watkins Soloauftritte in Londons Pubs und mit verschiedenen Bands wie Southside United (mit denen er ein Album aufnahm), den Cable Layers, Klondike Pete und den Huskies, der Band von Mickey Jupp, auf deren "Be Stiff Route 78" -Tour.

Anschliessend nahm Geraint Watkins das Album "Geraint Watkins & The Dominators" auf (1979), das von Andy Fairweather Low produziert wurde. Es folgte die Session-Arbeit: Produzent Stuart Colman rekrutierte Watkins für Hit-Platten für Shakin 'Stevens, ausserdem nahm er mit Dr. Feelgood, Rory Gallagher, Andy Fairweather Low, den Fabulous Thunderbirds, der Blues Band und Box Of Frogs auf und/oder trat dort auf. So auch mit den Stray Cats, Carl Perkins, Crazy Cavan And The Rhythm Rockers und Eric Clapton, nebst vielen Weiteren. Er war an der Seite des Rolling Stones Musikers Bill Wyman Mitglied in dessen mit weiteren Topmusikern besetzten Truppe Willie & The Poor Boys und übernahm dort zeitweilig auch den Lead-Gesang.

Zwischen den Sessions in den 80er Jahren und darüber hinaus spielte Watkins Akkordeon und Klavier mit The Balham Alligators, einer Band, deren Gründungsmitglied er war, die dazu beigetragen hat, die Musik von Louisiana in Londons Pubs am Leben zu erhalten. Während der 80er Jahre war er auch eine Hauptstütze in Dave Edmunds' Band, sowohl bei Aufnahmen als auch bei Tourneen. Zwischen 1984 und 1989 spielte Watkins Klavier und Akkordeon auf fünf Platten der niederländischen Band Normaal. Er steuerte Gesang, Klavier und Akkordeon zu Klondike Pete und dem Album "Some Of The Fellers" der Huskies von 1981 bei und fiermierte unter dem Pseudonym Lightning Wanson G auf deren 2010er Album "Who Axed You". In den letzten Jahren hat Watkins Zeit gefunden, mit Bill Wyman's Rhythm Kings zusammenzuarbeiten. Er spielte des weiteren mit auf den Nick Lowe-Alben "The Impossible Bird" (1994), "Dig My Mood" (1998), "The Convincer" (2001), "Untouched Takeaway" (2004) und "At My Age" (2007). Auch für Van Morrison war er tätig und spielte auf dessen Alben "Back On Top" (1999), "Down The Road" (2002), "Pay The Devil" (2006) und "Keep It Simple" (2008) mit.

Neben der frühen Vinyl-LP mit The Dominators hat Watkins vier weitere Soloalben veröffentlicht, nämlich "Bold As Love" (1997), "Dial W For Watkins" (2004), "In A Bad Mood" (2008) und "Moustique" (2014). Stephen Thomas Erlewine von AllMusic schrieb beispielsweise über "Dial W For Watkins": Es ist warme, freundliche, einnehmende Musik, perfekt für einen entspannten Abend zu Hause mit alten Freunden. 2014 spielte Geraint Watkins dann Akkordeon auf Status Quo's "Aquostic (Stripped Bare)" Album. Im September 2016 trat er als Teil des Aquostic-Line-Ups bei BBC Radio 2 Live im Hyde Park im Hyde Park in London auf.

Als Songwriter hatte Geraint Watkins auch für Don McLean, Pokey LaFarge, Dave Edmunds, NRBQ, Pearl Harbor und die Holmes Brothers Songs geschrieben. Im Jahre 2019 gab Geraint Watkins bekannt, dass er ein neues Solo-Studioalbum, "Rush Of Blood", das in Zusammenarbeit mit Simon Ratcliffe von Basement Jaxx als Produzent aufgenommen wurde, im September veröffentlicht werde. Das Album unterstrich erneut die vielseitigen Fähigkeiten Watkins' als Songschreiber. Das Album bewegte sich wiederum im weiten stilistischen Feld zwischen Soul, Blues und Country. Watkins unterhält eine eigene Facebook-Seite, auf der er häufig intime musikalische Darbietungen veröffentlicht, die nicht auf Platten zu kaufen sind.









May 6, 2020


RORY GALLAGHER - Blues (Chess Records 5386801, 2019)

Ganz egal, welche Lobeshymnen man in den letzten 50 Jahren über Rory Gallagher lesen und hören konnte: sie stimmen hundertprozentig. Kaum ein anderer Musiker hat den 70er Jahre Rock so entscheidend mitgeprägt wie er. Doch sein Charisma war vielleicht noch weitaus grösser als seine musikalischen Fähigkeiten. Der Name Rory Gallagher steht heute auch für viel Künstlertum: Er war mitunter schwierig, eigenbrötlerisch, ja auch eigensinnig, in der Sache aber, also seiner musikalischen Mission, jedoch unbeirrbar und kaum kompromissbereit. Zu seinem schwierigen Charakter und seinen enormen Fähigkeiten als Gitarrist gesellte sich der Gefühlsmensch Rory, dessen künstlerische Unsicherheit zu den entscheidendsten Seiten seiner Seele gehörte. Sie führte ihn immer wieder in den Alkohol. Er zerbrach letztlich daran, hinterliess aber eine ganze Reihe Platten, die man heute durchaus zu den essenziellen Werken der Rockmusik zählen darf, wie etwa "Blueprint", "Tattoo", "Fresh Evidence" oder das grandiose Live-Album "Irish Tour '74".

In all den Jahren seit seinem Tod sind immer wieder posthum Platten von ihm veröffentlicht worden. Sein Bruder Donal ist in dieser Beziehung ein grossartiger Nachlassverwalter und hat schon so manche Rory-Perle aus dessen umfangreichem Archivmaterial zugänglich gemacht. 2019 erschien mit dem schlicht betitelten Dreifach-CD Set "Blues" diese hervorragend zusammengestellte Box, die einen schönen Querschnitt von Rory's bluesiger Seite nachzeichnet. Es handelt sich überwiegend um zuvor nicht veröffentlichte Archiv-Aufnahmen, liebevoll aufbereitet und restauriert, die ebenso fachmännisch, wie programmatisch in einem drei schlüssig kompilierte Teile umfassenden Gesamtkonzept umgesetzt wurden. 

Obwohl immens talentiert, blieb Rory Gallagher (ausgesprochen Galla'her) immer bescheiden und war bemüht, immer er selbst zu bleiben. Der Ire aus der Stadt Cork war eine Art Volksgitarrist, der das Showgehabe verabscheute. Er trat stets im verwaschenen Kaufhaushemd auf und traktierte eine arg ramponierte Stratocaster-Gitarre. Für das Musikmagazin Rolling Stone gehört Rory Gallagher zu den 100 besten Gitarristen aller Zeiten und auch namhafte Musiker wie Johnny Marr (The Smiths), Jimmy Page (Led Zeppelin) und Brian May (Queen) wussten das Ausnahmetalent zu schätzen. Das grösste Kompliment aber kam von Jimi Hendrix. Dieser wurde einmal gefragt, wie es sich anfühle, der grösste Gitarrist der Welt zu sein. Er antwortete lakonisch: "Keine Ahnung, frag mal lieber Rory Gallagher". Auf einer Spielzeug-Gitarre lernte der kleine Rory die ersten Griffe. Mit neun Jahren beherrschte er bereits das echte Instrument. Im Alter von 15 Jahren wurde er Profimusiker.

Nach seinen Lehrjahren bei der Fortuna Showband, gründete er das Rock-Trio Taste und und ging nach diversen Alben mit einer der besten Live-Platten der Rockgeschichte endgültig in die Annalen ein. Das Album "Irish Tour '74" verkaufte sich weltweit mehr als zwei Millionen Mal. Gallaghers Solokarriere dauerte zwei Jahrzehnte bis zu seinem frühen Tod. Der Gitarrist starb am 14. Juni 1995 mit 47 Jahren an den Folgen einer Lebertransplantation, die wegen seines übermässigen Alkohol- und Tablettenkonsums unausweichlich geworden war. Gallaghers Kennzeichen war ein ungeheuer dynamisches Bluesspiel und die hier vorgestellte Box "Blues" dokumentiert sein virtuoses Gitarren-Können vom elektrischen, akustischen und live gespielten Blues. "Ich lebe und atme den Blues", sagte Rory öfters. Und er war auch sein Heilmittel: "Wenn alle Stricke reissen, ob im Geschäft oder im Privatleben, lege ich eine Blues-Platte auf".

Die Deluxe-Version von "Blues" als dreifachem CD-Box Set enthält nahezu 90 Prozent unveröffentlichtes Material und Auftritte mit Musiklegenden, die Gallagher stark beeinflusst haben wie Muddy Waters, Albert King, Jack Bruce, Lonnie Donegan oder auch Chris Barber. Ausserdem bietet die Deluxe-Ausgabe ein umfangreiches Booklet mit bisher unveröffentlichten Fotos von Rory Gallagher und einem neuen Essay des Blues Rock Autors Jas Obrecht. Die drei CDs widmen sich in unterschiedlichen Lauflängen (64 Minuten, 47 Minuten und 75 Minuten) in dreimal zwölf Titel und einer sinnvollen Unterteilung der verschiedenen Aspekten in Rory's Beschäftigung mit dem Blues. Der erste Silberling zeichnet seine Studioarbeiten nach, indem hierfür Outtakes und/oder alternative Versionen ausgegraben wurden. Die zweite CD kompiliert weitgehend akustische Aufnahmen, die Rory live in unterschiedlichen Konzerten dargeboten hat, und die dritte CD zeigt Rory schliesslich in seiner Königsdisziplin: Live, energetisch und mit ungeheurer Dynamik, genauso so, wie Kenner und Fans seine Musik immer schon am meisten schätzten.

Rorys Interpretationen von Blues-Klassikern klingen mitunter nicht wie die Originale, und das ist gut so. Jeder Song, den Rory auf der Bühne zelebrierte, folgte seiner eigenen Vorstellung von Interpretation, lebendig, aufgewühlt und mit unendlich viel Seele. Diese Zusammenstellung ist sehr abwechslungsreich und an keiner Stelle langweilig. Das toppt Rory sogar noch mit seinen spärlich instrumentierten akustischen Titeln. Es ist verblüffend, wie gut seine eigenen Stücke wie zum Beispiel "Who's That Coming", "Secret Agent" oder "Loan Shark Blues" ohne weitere Begleitung hundertprozentig funktionieren. Das sagt natürlich in erster Linie auch eine ganze Menge über die Qualität seines Songwritings aus. Das dieser tollen Box beigefügte Booklet bietet ein instruktives Essay über Rorys Leben als Musiker. Ausserdem enthält es Titel-Listen mit den Besetzungsangaben aller drei Dutzend Songs. Persönliches Fazit: Diese hervorragend zusammengestellte Box gehört in jede gut sortierte Plattensammlung.




OWEN TEMPLE - Mountain Home (El Paisano Records EPR 650182, 2011)

Seit mehr als einer Dekade gehört der Singer/Songwriter Owen Temple aus Austin Texas fest zum Inner Circle der dortigen Szene und darüberhinaus. Er veröffentlicht regelmässig eigene Platten und hat auch einige grössere Erfolge bei uns in Europa zu verzeichnen gehabt. So gelang ihm in 2009 mit "Dollars And Dimes" sogar ein Nummer 1-Erfolg in den Euro Americana Charts, mit seiner eher nachdenklichen bis düsteren Betrachtungsweise des augenblicklichen Zustands der amerikanischen Gesellschaft (und der des Südwestens insbesondere) trifft er den Nerv des nach Tiefgang und Authentizität in der Americana Music suchenden Publikums sowieso perfekt. "Mountain Home" ist sein sechstes Album. Owen Temple ist ein leibhaftiger Texaner durch und durch, er ist hier geboren und er hat bislang alle seine Platten bis auf eine Ausnahme in Austin mit lokalen Musikern aufgenommen. Nach den beiden Frühwerken "General Store" (1997) und "Passing Through" (1999) mit dem allgegenwärtigen Lloyd Maines (Dixie Chicks, Terry Allen, Ray Wylie Hubbard, Robert Earl Keen) als Produzent zog es ihn einmalig nach Nashville. Für Produzent Phil Madeira (Buddy & Julie Miller, Emmylou Harris, Greg Trooper) und Musiker vom Schlage Al Perkins und Fats Kaplin wurde vermutlich der Etat überzogen, aber das Ergebnis "Right Here And Now" (2002) reiht sich nahtlos in die Diskografie des sympathischen Country/Folk Troubadours ein, in der es nach einer längeren Pause 2007 und einer Wiederaufnahme der Lloyd Maines-Sessions weitergeht mit "Two Thousand Miles" und der erwähnten "Dollars And Dimes"-CD, die zu einer Art Durchbruch führte.

Der in Texas sehr geschätzte Gabriel (Gabe) Rhodes, Sohn von Singer/Songwriterin Kimmie Rhodes, hatte jenes Album bereits als Produzent und Hauptmusiker begleitet und führte diesen exzellenten Job auf "Mountain Home" fort. Er ist an diversen akustischen Gitarren zu hören, genauso wie mit Banjo, Dobro und am Klavier. Mit Freunden wie Charlie Sexton (Bass, Baritone Guitar), Rick Richards (Drums), Bukka Allen (Tasten, Akkordion), Tommy Spurlock (Pedal Steel) und Brian Standefer (Cello) stehen ihm die fundiertesten Studiomusiker zur Seite, die man im Grossraum Austin antreffen kann und deren Namen in jeder guten Americana-Sammlung zigfach im Kleingedruckten zu lesen sind. Zudem treten in Gastrollen noch die Songschreiberkollegen Gordy Quist (akustische Gitarre, Gesang) von der Band Of Heathens und Adam Carroll (Harmonica) auf, sowie Jamie Wilson von den Trishas mit schönen Harmony Vocals. Wer einen grundnatürlichen, dabei top-professionellen State-of-the-Art Americana Sound made in Texas sucht, der wird ihn hier finden.

Aber es sind natürlich die Songs, die bei solch einem Typen wie Owen Temple im Vordergrund stehen. "Mountain Home" ist voll von skurrilen Charakteren, seltsamen Geschichten und schrägen Lebensläufen fernab der Main Route. Bereits im ersten Stück, dem Titelsong, geht's um eine wahre Story, die sich in "Mountain Home" (ja, den Ort gibt es wirklich, im Hill Country-Niemandsland zwischen Fredericksburg und Kerrville, Temple hat dort lange gelebt) zugetragen hat. Farmer haben Anhalter und Hobos direkt von der Interstate 10 gekidnappt, um sie bei sich als Sklaven arbeiten zu lassen - der Wilde Westen in den 80er Jahren! 20 Jahre Knast haben sie dafür erhalten, aber im Song geht es auch um ihre Rückkehr in diese Gegend nach all den Geschehnissen. "Desdemona" war eine boomende Ölstadt für wenige Jahre, bis die Quelle schon Anfang der 20er Jahre wieder versiegte. "Medicine Man" ist eine Kollaboration von Temple mit seinen Freunden Adam Carroll und Gordy Quist. In einer doch arg anderen Version erschien diese Nummer übrigens parallel auf der Band Of Heathens-Platte "Top Hat Crown & The Clapmaster's Son".

"Fall In Love Every Night" ist ein Tribut an den Stevie Ray Vaughan- und Willie Nelson-Biographen Joe Nick Patoski und solche Texas-Heroen wie Ray Wylie Hubbard, Billy Joe Shaver, die Vaughans, die Sextons und vielen weiteren. In "Jacksboro Highway" berichtet Owen Temple von den Zuständen entlang des legendären State Highways 199 in den 40er und 50er Jahren. Illegale Nachtclubs, Spielhöllen und Schwarzbrenner-Hütten säumten die Strasse und das Gesetz schaute weg. "Old Sam" ist mal ein ganz anderer, fast privater Blick auf den historisch beladenen Sam Houston, Gouverneur von Texas und US Senator. Danach kommt eine sehr emotionale Würdigung des alten Leon Russell-Songs "Prince Of Peace", bevor mit "One Day Closer To Rain" - über die lange Dürre im Sommer 2009 - dieses wirklich in allen Belangen überzeugende Texas-Werk schliesst, das nicht nur ein oder zwei Mal an den grossen Townes Van Zandt erinnert.