Nach
dem überraschenden kommerziellen Erfolg des Vorgängers "Hellbound
Train" drehte sich das Personalkarrussell bei Savoy Brown nicht wie in
den vergangenen Jahren teils drastisch, sondern mit dem Weggang des
ehemaligen Chicken Shack-Mitbegründers Andy Sylvester nur moderat. Der
Bassist wurde ersetzt durch Andy Pyle, der von Blodywn Pig kam, genauso
wie sein Schlagzeug spielender Kumpel Ron Berg, der später auch bei
Savoy Brown landen würde. Zu den Aufnahmen zum "Lion's Share" Album
spielte am Schlagzeug jedoch noch Dave Bidwell, dessen jahrelanger
Drogenkonsum sich leider zunehmends in seiner Gesundheit niederschlug.
Ausgestattet mit etlichen Vorschuss-Lorbeeren gelang zwar kein Rang 21
in den amerikanischen Billboard Charts mehr wie im Falle des "Hellbound
Train" Albums einige Monate zuvor, trotzdem war auch "Lion's Share",
gemessen an den Verkaufszahlen, insbesondere in den USA, eines der
erfolgreichsten Alben der Gruppe um Mastermind Kim Simmonds, auch wenn
ein enttäuschender Rang 151 als Spitzenposition in den Charts die
Euphorie trotz 10-wöchigem Aufenthalt der Platte in den Billboard Hot
200 doch eher dämpfte. Allerdings konnte sich die Band da schon einer
treuen und stetig wachsenden Fangemeinde in den USA erfreuen.
Im Juni 1972 verliess der Bassist Andy Silvester die Gruppe, nachdem er anschliessend an seine Aufnahmen zum "Hellbound Train" Album gerade auf einer Platte von Ex-Savoy Brown Produzent Mike Vernon ("Moments Of Madness") mitspielte
und auch bei der Produktion des ehemaligen Sängers Chris Youlden, der
massgeblich für den Aufstieg der Gruppe, besonders in den USA,
verantwortlich war, mithalf. Er landete schliesslich dann in der Band
des Ex-Fleetwood Mac Musikers Danny Kirwan und spielte auf dessen bestem
Werk "Second Chapter" mit. Indes hatten Savoy Brown keine grosse Mühe,
adäquaten Ersatz zu finden. Mit Andy Pyle kam ein Musiker zu Savoy
Brown, der bereits jahrelange Erfahrung mit Top-Musikern gemacht hatte, so unter anderem in der Gruppe
Blodwyn Pig, bei Rod Stewart und Gerry Lockran. Auch Andy Pyle's
Einstieg bei Savoy Brown war interessant. Zuerst stieg er nämlich schon
ein Jahr zuvor bei der Band ein, tourte mit Kim Simmonds und Savoy Brown
auch durch Amerika, nahm dann allerdings eine Offerte der Band Juicy
Lucy an und spielte mit dieser Gruppe das Album "Pieces" ein, welches
jedoch wider Erwartens schlecht verkauft wurde und auch keine
berauschenden Kritiken erhielt, weshalb der Bassist erneut bei Kim
Simmonds vorstellig wurde, um schliesslich doch noch als festes Bandmitglied bei der Gruppe einzusteigen.
Im
Juli 1972 wurden die Tracks zum Album "Lion's Share" in den Trident
Studios in London unter der Leitung von Neil Slaven aufgenommen. Neun
Songs insgesamt und erstmals (und einmalig) auch ein Stück aus der Feder
von Sänger Dave Walker ("Denim Demon"), der schon seit der "Street
Corner Talking" LP bei Savoy Brown als Nachfolger des ausgeschiedenen
Sängers Chris Youlden das Mikrophon in der Hand hielt. Das Album "Lion's
Share" überraschte mit einer glasklaren und sehr guten Produktion, die
gegenüber dem Vorgänger "Hellbound Train" klar an Transparenz gewinnen
konnte. Der Opener "Shot In The Head" war gleich eine Coverversion, und
die war ausgezeichnet gewählt. Das Stück aus der Feder von Harry Vanda
und George Young war ein Titel aus dem Repertoire der legendären 60's
Band The Easybeats, deren Hauptsongschreiber Vanda & Young waren.
Zwei rauhe und von der Band sehr rockig arrangierte traditionelle
Bluessongs waren ebenfalls für das Album ausgesucht worden: "Howling For
My Darling" von Chester Burnett alias Howlin' Wolf, sowie "I Hate To
See You Go" aus der Feder von Walter Jacobs, bekannter unter seinem
Künstlernamen Little Walter.
Dazu gesellten sich einine
der ansprechendsten Kompositionen von Kim Simmonds ("Second Try", "So
Tired" und "Love Me Please") und dem Keyboarder und zweiten Gitarristen
Paul Raymond ("The Saddest Feeling", "I Can't Find You"). Besonders der
jazzaffine Blues "Love Me Please" dürfte aus heutiger Sicht einer der
besten Songs der Gruppe überhaupt sein. Zusammen mit den erwähnten zwei
Coverversionen plus dem Rock'n'Roll "Denim Demon" aus der Feder von Dave
Walker konnte die Band hier ein Programm zusammenstellen, das in seiner
Gesamtheit so ausgewogen und attraktiv kaum auf einem Album zuvor
angeboten wurde. Gut möglich, dass das Fehlen einer Singleauskopplung
aus dem Album in Amerika mit dazu beitrug, dass sich die Platte nicht so
gut verkaufen liess wie ein halbes Jahr zuvor die "Hellbound Train". In
Deutschland wurde immerhin die Single "Shot In The Head" mit der
B-Seite "Denim Demon" veröffentlicht, jedoch ohne nennenswerten Erfolg.
In England, wo die Band schon länger mit dem Erfolg zu kämpfen hatte,
erschien als Alternative die Single "So Tired" mit der B-Seite "The
Saddest Feeling" - ebenfalls ohne Resonanz.
Das
Album "Lion's Share" erschien im November 1972 in Amerika und England
und verkaufte sich in den Staaten wesentlich besser als im Heimatland
der Band, was sicherlich auch mit ein Grund war, weshalb sich Kim Simmonds mit seiner Band schliesslich dauerhaft in den USA niederliess
und dort zum Teil in wirklich grossen und renommierten Hallen spielen
konnte, so zum Beispiel in den legendären Stätten Fillmore East in New
York, dem Fillmore West in San Francisco oder im The Grande Ballroom in
Detroit. Savoy Brown waren damals sogar die Headliner an einem Open Air
Festival in Boston, wo Fleetwood Mac und Rory Gallagher als Anheizer für
die Band spielten (!). Ironischerweise war es genau die Gruppe
Fleetwood Mac, zu der Savoy Brown Sänger Dave Walker ein halbes Jahr
später wechselte, als Kim Simmonds erneut vor einer grossen US-Tournee
stand. Aber ein Nachfolger war - wie schon so oft in der Band-Historie -
schnell gefunden. In Jackie Lynton fand die Gruppe einen tollen
Rock'n'Roll- und Blues-Haudegen, den der Bandmanager Harry Simmonds (der
Bruder von Kim Simmonds) für die Gruppe begeistern konnte. Mit ihm
startete die Band dann ab Frühjahr 1973 erneut durch, sowohl mit einer
ausgedehnten Tournee, sowie einem weiteren Album, das den Titel "Jack
The Toad" (Jack, die Kröte) trug. Dreimal darf man raten, wer mit dieser
Kröte gemeint war.

