Dec 10, 2016


THE CURE - Seventeen Seconds (Fiction Records FIX 004, 1980)

1976 gründete Robert Smith im Alter von 17 Jahren zusammen mit seinen Klassenkameraden Michael Dempsey (Bass), Lol Tolhurst (Schlagzeug) und Porl Thompson (Gitarre) von der St. Wilfrid's Catholic Comprehensive School in Crawley, Sussex, die Band Malice. Im Jahr 1977 spielte die Band als Easy Cure bei der Plattenfirma Hansa Records vor und erhielt einen Vertrag zur Aufnahme einer Single, die jedoch nie erschien. Im Jahre 1978 trennte sich Porl Thompson aufgrund künstlerischer Differenzen von der Band. Die Band benannte sich in The Cure um und unterschrieb einen Vertrag bei dem gerade gegründeten Label Fiction Records. Die erste Single "Killing an Arab" erschien im Dezember zunächst auf dem kleinen Independent Label Small Wonder und wurde 1979 von Fiction Records neu aufgelegt. Auch wenn sich die Band aufgrund des Titels teils starken Anfeindungen ausgesetzt sah, hat das Stück keinerlei ausländerfeindlichen Bezug, sondern entstand nach der Lektüre von 'Der Fremde' des Existenzialisten Albert Camus. Die Single (B-Seite: "10:15 Saturday Night") wurde von der Musikzeitschrift New Musical Express zur Single der Woche erhoben und machte den BBC-DJ John Peel auf die Band aufmerksam.

1979 veröffentlichten The Cure ihr erstes Album "Three Imaginary Boys", welches stilistisch zwischen dem Punk der 70er Jahre und dem New Wave der 80er Jahre steht. Dieses Album erreichte nach der Veröffentlichung Platz 44 der englischen Charts und erntete gute Kritiken in den englischen Musikzeitschriften. Der Melody Maker betitelte seine Kritik mit der Überschrift "The 80's start here". Die Band selbst war mit dem Album nicht zufrieden, da sie relativ wenig Kontrolle über die Zusammenstellung der Lieder und das Artwork hatte. So ist auf dem Album die Coverversion des Jimi Hendrix Stücks "Foxy Lady" zu finden, welches eigentlich nur als Soundcheck aufgenommen wurde. Auf "Three Imaginary Boys" folgten als Einzelveröffentlichungen die Singles "Boys Don’t Cry" und "Jumping Someone Else's Train". Ausserdem erschien die Single "I’m a Cult Hero" des Nebenprojektes Cult Hero mit Frank Bell als Sänger. "Boys Don’t Cry" war in den USA ein kleinerer Hit, sodass Anfang 1980 Fiction Records in den USA das Album "Boys Don’t Cry" herausbrachte, welches eine Wiederveröffentlichung von "Three Imaginary Boys" mit leicht veränderter Tracklist und anderem Artwork darstellte. So sind auf dem Album die zuvor erwähnten Singles zu finden, sowie "World War", ein Lied, das Robert Smith später als "a terrible piece of rubbish" bezeichnete.

Für das nächste Album hatte Robert Smith Pläne, die bei dem Bassisten Dempsey auf Widerstände stiessen, woraufhin dieser zu den Associates wechselte, die beim gleichen Label und mit The Cure auf Tour waren. Dafür kamen Simon Gallup am Bass sowie Mathieu Hartley am Keyboard als neue Mitglieder in die Band. Anfang 1980 erschien das Album "Seventeen Seconds". Es war erfolgreicher als "Three Imaginary Boys" und erreichte Platz 20 in den englischen Charts. Die Single-Auskopplung "A Forest" stieg bis auf Platz 31 der Singles Charts und wurde später live immer wieder gegenüber der Studioversion ausgedehnt und mit Improvisationen angereichert. Live verwendete Sänger Smith inzwischen Lippenstift, was von nun an zu seinem Markenzeichen wurde. Ausserdem half Smith bei der Band Siouxsie And The Banshees als Gitarrist aus.

"Seventeen Seconds" war ein gnadenlos gutes Album, das zuerst einmal dadurch Furore machte, dass es mit minimalstem Budget aufgenommen werden musste: Es erschien im April 1980 und wegen der finanziellen Mittel von lediglich zwischen 2000 und 3000 Pfund wurde das Album in nur sieben Tagen mit Produzent Mike Hedges aufgenommen. Viele Stücke waren dominiert vom Keyboardsound des neu in die Band eingetretenen Mathieu Hartley, wiesen einen eher minimalistischen Gesang mit viel Hall auf. Besonders das als Single ausgekoppelte "A Forest" entwickelte sich zu einem Hit und wurde vielfach gecovert. Das Album bot neben dem fabelhaften "A Forest" weitere musikalische Highlights der Band, die bis heute zu den essenziellen Stücken von Robert Smith und seinen Musikern gehören, etwa das geniale und mystisch wirkende "M", ausserdem die subtilen und sehr geheimnisvoll wirkenden Titel "A Reflection", "The Final Sound" und vor allem das Titelstück "Seventeen Seconds", das den Gothic Sound vermutlich am eindringlichsten vorwegnahm. Robert Smith hat viele Jahre später in einem Interview einmal gesagt, er wolle mit seiner Band die 'Pink Floyd der 90er Jahre' werden. Vermutlich war er schon 1980 mit dem Album "Seventeen Seconds" am allernächsten am frühen Pink Floyd Sound dran. So nahe kam er jedenfalls auf späteren Platten nicht mehr an die mystisch-verwobene Psychedelik heran, welche die frühen Syd Barrett-Jahre von Pink Floyd definierte.

1981 erschien das Nachfolger-Album "Faith". Der Keyboarder Hartley hatte die Band inzwischen verlassen. Der Tod und der Glauben waren wiederkehrende Themen des Werks, nach Angaben von Smith waren es Todesfälle in seinem Umkreis, die zur depressiven Grundstimmung des Albums führten. Die Single "Primary" war ein poppiger, treibender Song über Unschuld und das Älterwerden. Seit dieser Zeit prägte ein sechssaitiger Fender-Bass (Fender VI, eine um eine Oktave tiefer gestimmte Gitarre) viele Stücke von The Cure. 1982 erschien dann das Gothic-Album "Pornography" Die depressive Stimmung wurde besonders verdeutlicht durch die erste Zeile des ersten Lieds "One Hundred Years": "It doesn’t matter if we all die". Adam Sweeting, Journalist der Zeitschrift Melody Maker, umschrieb die Musik von "Pornography" seinerzeit mit den Worten "It’s downhill all the way into ever-darkening shadows". Der fortdauernde Drogenmissbrauch und das anstrengende Tour-Leben forderten schliesslich ihren Tribut: Es kam zum Streit. Simon Gallup schied aus der Band aus und gründete die Gruppe Cry, aus der später Fools Dance hervorging. 1985 erschien unter diesem Namen eine gleichnamige EP, die sich stilistisch an den frühen Werken von The Cure orientierte.

Robert Smith selbst wandte sich in den Folgejahren immer stärker dem Mainstram Poprock zu und konnte sowohl in den 80er wie in den 90er Jahren so manch grösseren Hit feiern. Da war er allerdings schon sehr weit weg vom düster-morbiden und nebelverhangenen Mystik-Rock der "Seventeen Seconds" Platte, die ich bis heute als die Interessanteste der Gruppe bezeichnen würde, auch, weil sie sich zu keinem Zeitpunkt an irgendwelchen Modetrends anbiedert, weder eindeutig mit Punk, noch mit New Wave assoziiert werden kann und somit recht schubladenlos vor sich hin schwebt. Aus heutiger Sicht ist es eine sogenannte Low Budget Platte, der man allerdings ihr schmales zur Verfügung stehendes Budget zu keinem Zeitpunkt anhört. Inzwischen gilt die Platte als ein typischer Vertreter es sogenannten Post-Punk.









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