Sep 7, 2017


THE SMITHS - The Queen Is Dead (Rough Trade Records ROUGH 96, 1986)

The Smiths waren eine britische Independent Rockband der 80er Jahre, die 2004 vom Musikmagazin Nwe Musical Express noch vor den Beatles zum 'Most Influential Artist Ever' gekürt wurde. 1982 gründeten der Gitarrist Johnny Marr und der Sänger Morrissey die Band, für die sie auch die Songs schrieben. Nach dem Weggang von Marr löste sich die Gruppe im September 1987 auf. Die Smiths wurden oft als Vorläufer des Indie-Rock angesehen. Die Band hatte vor allem auf den Britpop der 1990er Jahre grossen Einfluss. In der Musik der Smiths fanden sich Elemente von traditionellem Rock, eingängige Refrains mit markanten Hooklines sowie Versatzstücke aus Punk und Rockabilly. Charakteristisch war zum einen das Gitarrenspiel Johnny Marrs, insbesondere aufgrund der harmonisch komplexen Pickings und der für Popsongs teilweise ungewöhnlichen Akkordprogressionen. Zum anderen war Morrisseys Gesangsstil markant, in dem er Belcanto-Elemente, vor allem Koloraturen, und Traditionen des Croonings verbindet. Auf der Textebene fanden sich häufig Variationen von Topoi der Melancholie, die mit ironisierendem Sarkasmus konterkariert wurden. Morrissey avancierte durch seine assoziationsreiche Lyrik, die teils extravagante Performance und provokante Statements gegenüber der Musikpresse in den 80er Jahren zu einer Popikone. Obwohl die Smiths ausserhalb Grossbritanniens kommerziell kaum erfolgreich waren, stehen sie heute im Rang einer sogenannten Kultband. Viele Rockbands und Musiker (darunter etwa Radiohead, Oasis, Deftones, Placebo, The Libertines, Belle and Sebastian, Muse, Suede, Blur, Paul van Dyk) haben den Smiths Einfluss auf ihre Musik bescheinigt.

Anfang 1982 beschloss der damals 18-jährige Gitarrist John Martin Maher (später: Johnny Marr), der als Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft in Manchester arbeitete, eine Band zu gründen. Als Bandmitglied wünschte er sich Steven Patrick Morrissey, der in der Musikszene Manchesters als exzentrische Aussenseiterfigur bekannt war, dem Maher 1979 bei einem Konzert der amerikanischen Rocksängerin Patti Smith begegnet war. Mit Hilfe eines Freundes soll er den damals 23-jährigen Morrissey ausfindig gemacht und ihm einen Besuch abgestattet haben. Bald darauf begannen Marr und Morrissey gemeinsam Songs für ihre Band zu schreiben, wobei Marr für die Musik und Morrissey für Texte und Gesang zuständig war. Kurze Zeit darauf wurde Mike Joyce als Schlagzeuger und Dale Hibbert als Bassist engagiert, der aber bald durch Andy Rourke, einen Klassenkameraden von Marr, ersetzt wurde. Im Zuge der Bandgründung beschloss Morrissey als Künstlernamen nur seinen Familiennamen zu verwenden. Maher änderte hingegen seinen Namen zu Johnny Marr, angeblich wegen Verwechslungen mit John Maher, dem Schlagzeuger der Band Buzzcocks.

Als Bandnamen habe er The Smiths gewählt, so Morrissey in einem Interview, weil es ein ganz gewöhnlicher Familienname sei und es an der Zeit sei, dass gewöhnliche Leute der Welt ihre Gesichter zeigten. Fans deuteten die Wahl des Bandnamens dennoch auch anders. Verbreitete Vermutungen besagen, Morrissey und Marr huldigten mit der Namensgebung etwa Patti Smith, dem Sänger der Band The Fall Mark E. Smith oder auch David Smith, einem Schwager der Massenmörderin Myra Hindley, der der Polizei half, sie und ihren Mittäter Ian Brady zu überführen. Den ersten Live-Auftritt hatten The Smiths im Lokal Ritz in Manchester; wobei bei den ersten Auftritten noch der Sänger James Maker, ein Bekannter von Morrissey, als Gogotänzer auf der Bühne agierte, jedoch später nicht mehr auftrat. Bald folgten erste Demoaufnahmen. Einen Vertrag mit der stilprägenden Plattenfirma Factory Records aus Manchester, bei der unter anderem New Order und Joy Division veröffentlichten, lehnten The Smiths angeblich ab. Anfang 1983 erhielten sie dann von Rough Trade Records das Angebot für die Produktion einer ersten Single: "Hand In Glove" wurde am 13. Mai 1983 veröffentlicht und gelangte, obwohl das Lied, wie auch viele spätere, von dem englischen Radio-DJ John Peel empfohlen wurde, in der britischen Hitparade nur auf Platz 124.

Bald bildete sich um die Gruppe eine kleine Anhängerschaft und im Februar 1984 veröffentlichen The Smiths ihre erste Langspielplatte. Das bloss mit dem Bandnamen betitelte Debütalbum erreichte den zweiten Platz der britischen Hitparade. Die Rezeption war zwiespältig. Einige Fans behaupteten damals, den Liedern fehle aufgrund der Produktions- und Aufnahmetechnik die künstlerische Aura, die The Smiths als Liveband besässen. Nach der Veröffentlichung des Albums fokussierte sich die englische Musikpresse auf Morrissey, der seine depressive Jugend, eine nicht eindeutige sexuelle Orientierung sowie seinen angeblich zölibatären Lebensstil öffentlich machte. Zudem entwickelte sich eine Diskussion um die Texte der Lieder ("Reel Around The Fountain", "The Hand That Rocks The Cradle", "Handsome Devil"), die angeblich pädophile Andeutungen enthielten. Das umstrittene Lied "Suffer Little Children", dessen Text die von Myra Hindley und Ian Brady in den 60er Jahren in Manchester begangenen Moormorde thematisierte, stiess bei den Angehörigen der Opfer auf Empörung. Im selben Jahr wurde ausserdem das Album "Hatful Of Hollow" veröffentlicht. Darauf waren B-Seiten der ersten Singles, BBC Radio Session-Mitschnitte sowie bis dahin unveröffentlichte Songs versammelt, darunter die Top 10-Single "William, It Was Really Nothing" und das erst später als Single veröffentlichte Stück "How Soon Is Now ?". Das Anfang des Jahres 1985 erschienene Album "Meat Is Murder" enthielt dezidierte gesellschaftspolitische Aussagen. Das Titelstück "Meat Is Murder" war beispielsweise als musikalisches Bekenntnis in der Vegetarierbewegung populär. Seine Bekanntheit steigerte Morrissey zudem durch verbale Angriffe auf die damalige Premierministerin Margaret Thatcher und gegen das Hilfsprojekt 'Band Aid', das von zahlreichen populären Musikern unterstützt wurde.

1986 war vor allem von extensiven Tourneen durch Grossbritannien, die USA und Europa wie auch von der Arbeit an dem von der Kritik hochgelobten Album "The Queen Is Dead" geprägt. Ein grosses Problem, das die Smiths in dieser aufregenden Zeit beinahe ins Wanken gebracht hätte, war die Heroinabhängigkeit des Bassisten Andy Rourke. Rourkes Sucht wurde jetzt so augenscheinlich, dass er nicht mehr in der Lage war, auf der Bühne zu stehen. Nach langen Diskussionen entschied man, dass es das Beste wäre, Rourke zeitweilig aus der Band zu entlassen und an seiner Stelle den Bassisten und Gitarristen Craig Gannon einzustellen. Rourke erholte sich jedoch schnell und wurde nach nur zwei Wochen wieder in die Band aufgenommen. Auch Johnny Marr hatte in dieser Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Seit die Band von ihrer letzten US-Tournee zurückgekehrt war, hatte er die Gewohnheit angenommen, zu viel Alkohol zu trinken. Dazu kam, dass er gefährlich viel an Gewicht verloren hatte und sich vor fast jedem Liveauftritt der Band übergeben musste. In der Zwischenzeit kletterte das aktuelle Album "The Queen Is Dead" auf Platz 2 der britischen Charts und wird heute als ein Meilenstein in der Musikgeschichte gesehen. Viele Musikzeitschriften wie der New Musical Express und der Rolling Stone platzierten es in die obersten Ränge der besten Rockalben, das Spin Magazine kürte es 1989 sogar zum 'Best Album Ever Made' ('Das beste Album, das je aufgenommen wurde'). Die nicht auf dem Album enthaltene Single "Panic" brachte die Smiths neuerlich ins Rampenlicht der Klatschzeitschriften, da der Ich-Erzähler darin forderte, Diskjockeys aufzuhängen und Diskotheken niederzubrennen ("Burn down the disco, hang the blessed DJ"). Morrissey und Marr schrieben den Song im April 1986, als der Radio-DJ Steve Wright zuerst die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl verkündete und gleich darauf den Wham!-Song "I’m Your Man" gespielt hatte.

"The Queen Is Dead" war das dritte Studioalbum der Smiths. Es wurde am 16. Juni 1986 im Vereinigten Königreich bei Rough Trade Records veröffentlicht. Am 23. Juni 1986 erschien das Album in den USA auf dem Markt, wo es Platz 70 der Billboardcharts erreichte. Auf "The Queen Is Dead" verbanden The Smiths verschiedene Musikstile, wie Rockabilly, Pop und Punkrock, und prägten damit die Musik der späten 80er in England. Das Magnum Opus der Band zählte nicht nur zu den einflussreichsten Alben des Indie-Rocks, sondern galt darüber hinaus auch als Meilenstein der Musikgeschichte und nahm in entsprechenden Listen vordere Plätze ein. Dass Leadsänger Morrissey ein grosser Fan von britischen Filmen der Stilrichtung des sogenannten 'Kitchen Sink Realism' aus den 60er Jahren ist, wurde an mehreren Stellen des Albums deutlich. So verwendete er für "The Queen Is Dead" Teile der Filmmusik von 'The L-Shaped Room' aus dem Jahre 1962. Das von ihm gestaltete Albumcover zeigte den französischen Schauspieler Alain Delon aus dem französischen Film noir 'Die Hölle von Algier' von 1964. Der Song "There Is A Light That Never Goes Out" wurde von Morrissey als Abschlusssong seiner Konzerte auf der 'You Are The Quarry' Tour 2004 gewählt. "Some Girls Are Bigger Than Others" wurde auf der USA-'Tour Of Refusal' 2009 von Morrissey regelmässig gespielt.

Auch 1987 setzten die Smiths ihren Erfolg fort und stiegen mit ihren Singles fast immer in die britischen Top 20 ein. Im Laufe des Jahres wurden zwei Compilation-Alben, "The World Won’t Listen" (für den europäischen Markt) und "Louder Than Bombs" (für den amerikanischen Markt), auf denen viele Singles und B-Seiten sowie einiges 12"-Füllmaterial enthalten waren, veröffentlicht. Trotz dieser Erfolge wuchsen die Ungereimtheiten und Konflikte zwischen den Mitgliedern der Gruppe immer weiter an. Vor allem musikalisch hatten sich Morrissey und Marr in völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Marr wollte neue Stile in die Arbeit der Smiths miteinbeziehen und mit anderen Musikern zusammenarbeiten, wogegen sich Morrissey strikt wehrte. Obwohl nach der Veröffentlichung des vierten und letzten Studioalbums der Gruppe, "Strangeways, Here We Come", kaum jemand mehr an das Weiterbestehen der Gruppe glaubte, war es ein grosser Schock für Morrissey, als Marr die Band im August 1987 abrupt verliess. Morrissey, Rourke und Joyce versuchten danach, mit anderen Gitarristen weiterzumachen, merkten aber recht schnell, dass The Smiths ohne Marr nicht existieren konnten. Die offizielle Trennung erfolgte im September 1987.

Kurz nach der Trennung der Band begann Morrissey an seiner Solokarriere zu arbeiten und engagierte 1988 den Produzenten Stephen Street, der auch schon für das letzte Smiths-Album "Strangeways, Here We Come" verantwortlich zeichnete. Marr spielte in den Folgejahren mit diversen Künstlern zusammen, unter anderem mit The The, Talking Heads, The Pretenders, Paul McCartney und Electronic. Zurzeit ist er Bandleader von Johnny Marr And The Healers, in der Zak Starkey, der Sohn von Ringo Starr von The Beatles mitspielt. 2006 trat Johnny Marr der Indierock-Band Modest Mouse bei, welche 2007 ihr erstes gemeinsames Album veröffentlichten. Andy Rourke und Mike Joyce arbeiteten nach der Trennung zumeist als Studio-Musiker, etwa für Julian Cope, Sinéad O’Connor, Badly Drawn Boy (nur Andy Rourke), die Buzzcocks (nur Mike Joyce) und Vinnie Peculiar. Im ersten Jahr nach der Trennung (1988) erschien plötzlich und unerwartet das einzige offizielle Live-Album von The Smiths mit dem Namen "Rank". Hierbei handelte es sich um die Aufnahme eines der letzten Smiths-Konzerte (Kilburn, 23. Oktober 1986). Als Bootlegs kursierten auch Aufnahmen des letzten Konzerts (12. Dezember 1986, Brixton Academy, London). Bei diesem Konzert spielten The Smiths als einziges Mal den bei Fans beliebten Song "Some Girls Are Bigger Than Others" vom Album "The Queen Is Dead". In der 50-jährigen Jubiläumsausgabe des einflussreichsten britischen Musikmagazins New Musical Express wurden die Smiths zum 'Greatest Artist Of All Time' gewählt, noch vor den Beatles und den Rolling Stones. Der Einfluss der Smiths auf die Musikgeschichte war und ist immens, angefangen vom Indie-Pop bis hin zum Britpop. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Gerüchte um eine Wiedervereinigung der Smiths. Morrissey gab auf die Frage, ob er sich noch einmal eine Zusammenarbeit mit Johnny Marr vorstellen könne, die Antwort: "Lassen Sie es mich so ausdrücken: Nein".

Im Jahr 1996 gerieten die Smiths wieder in die Aufmerksamkeit der Medien, als der Schlagzeuger Mike Joyce die ehemaligen Bandkollegen Morrissey und Marr auf Entschädigungszahlungen verklagte. Während des Bestehens der Band hatte es nie schriftliche Vereinbarungen mit Rourke und Joyce über deren finanzieller Beteiligung an der Band gegeben. Weil die Gruppe offiziell nur aus Morrissey und Marr bestanden hatte, bekamen die beiden anderen Bandmitglieder nur den Betrag, den die Gründer der Smiths für sie vorgesehen hatten, das waren allerdings nur jeweils 10 % des Gesamteinkommens der Smiths. Joyce empfand dies als Betrug und verlangte ein Viertel des Gesamteinkommens der Band, obwohl er an der Entstehung der Songs eigentlich nie beteiligt gewesen war. Auch wenn der Richter Morrissey und Marr zu Entschädigungszahlungen verurteilte, ist der Rechtsstreit bis heute nicht eindeutig geklärt. Andy Rourke arbeitet seit 2007 mit Peter Hook und Gary Mounfield an einem neuen Bandprojekt namens Freebass.

The Smiths gelten heute als Mitbegründer des Indie-Rock. Ihr Stil ergibt sich vor allem aus Morrisseys aber auch Johnny Marrs Musikgeschmack. Da sich Marr und Morrissey nicht nur charakterlich, sondern auch hinsichtlich ihrer musikalischen Vorlieben unterschieden, entwickelte sich aus Marrs Musik und Morrisseys Texten eine auf Gegensätze aufbauende Mischung, die den Stil der Smiths ausmachte. Morrissey, der genauso wie die übrigen drei Bandmitglieder als Kind der Arbeiterklasse aufwuchs, hatte schon von früher Jugend an grosses Interesse an Pop- und Rockmusik. Was dabei vor allem in den Stil der Smiths einfloss, war seine Vorliebe für die Punk- und Glamrockband New York Dolls sowie für 60er-Jahre-Popsänger(innen) wie Sandie Shaw, Cilla Black, Billy Fury und Marianne Faithfull. Marr war eher klassischer Rockmusik wie von den Rolling Stones und Patti Smith zugewandt, hatte aber, genauso wie der Bassist Andy Rourke, auch eine Vorliebe für Funk, was sich in den Gitarrenriffs und einer oft federnden Basslinie bemerkbar machte. Schlagzeuger Mike Joyce war eher dem Punkrock zugewandt und seine Technik eher rau und ungekünstelt. Morrissey behauptete, dass die Smiths stilistisch von niemandem nachhaltig beeinflusst worden seien und musikalisch etwas völlig Neues darstellten. The Smiths vertrauten vor allem am Beginn ihrer Karriere fast ausschliesslich auf die Möglichkeiten einer typischen Rockband-Besetzung mit Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Charakteristisch war neben dem technisch versierten Spiel des Gitarristen Marr, der die Musik komponierte und arrangierte und für Studioaufnahmen mehrere Gitarrenspuren übereinanderlegte, vor allem der expressive Gesang Morrisseys.

Morrissey war schon seit seiner Kindheit an Literatur interessiert (er schrieb auch einige kurze Bücher), was sich auf seine Arbeit mit den Smiths auswirkte. Seine Lieblingsautoren wie Shelagh Delaney und Oscar Wilde zitierte er in seinen Texten. So fand sich kaum ein Lied aus der Anfangszeit der Smiths, das keine Textzeilen aus Delaneys Theaterstück 'A Taste Of Honey' enthielt (Beispiele: "This Night Has Opened My Eyes", "Reel Around The Fountain"). Die Songtexte der Smiths waren oft von Ironie geprägt, wobei Realismus und Spott oft Sehnsuchtsmotive gegenübergestellt wurden. Themen waren unter anderem die Ambivalenz einer Haltung, die zum einen den Rückzug aus der Gesellschaft propagierte und zum anderen darunter litt, nicht dazuzugehören: Aussenseitertum, unerwiderte Liebe, Sehnsucht nach einer verlorenen Kindheit, unerfülltes sexuelles Verlangen, gesellschaftliche Rebellion, Wut auf Autoritäten, soziale Unangepasstheit, gescheiterte Träume. Mit manchen Textzeilen provozierte Morrissey, weil der Ich-Erzähler zum Beispiel ironisch dazu aufforderte, Diskos niederzubrennen und die DJs zu hängen ("Panic") oder Läden zu plündern ("Shoplifters Of The World"). Neben der vieldiskutierten undefinierten Sexualität Morrisseys, die auch immer wieder in die Musik der Band einfloss, waren die Smiths vor allem für ihren miserabilism (englisch für Trübsinn, Deprimiertheit) bekannt, was ihnen den Ruf, vor allem schüchterne, depressive Teenager anzusprechen, einbrachte. Tatsächlich ist die trotzige, selbstironische Schwermütigkeit, die im Grunde typisch für die Gefühlslage von Jugendlichen ist, die vorherrschende Stimmung in den meisten Texten der Smiths. Bekanntes Beispiel ist die ironische Textzeile "Heaven Knows I’m Miserable Now" aus dem gleichnamigen Lied.

Weiter aussergewöhnlich war auch der ästhetische Stil der Smiths, der beinahe ausschliesslich von Morrissey bestimmt wurde und sich vor allem in der Gestaltung der Auftritte und Platten der Band widerspiegelte. Vor allem in der Anfangszeit der Smiths hob sich Morrissey durch seine Vorliebe, weite, bunte Damenblusen, dicke Brillen, ein Hörgerät und eine James Dean nachempfundene Haartolle zu tragen, auch durch sein Aussehen sehr von anderen Musikern ab. Bei den Auftritten hatte er die Gewohnheit, die Bühne mit Blumen (vor allem Narzissen und Gladiolen) zu schmücken und diese während des Auftritts wild herumzuschwingen. Morrissey, der dazu von der Blumenliebe seines Idols Oscar Wilde beeinflusst wurde, gab als Grund dafür an, dass die Welt schon trostlos und grau genug sei und die Blumen ihr etwas mehr Schönheit verliehen. Bezüglich der Auftritte war auch der exaltierte Gesangs- und Tanzstil des Sängers interessant, der im Wesentlichen aus dem Glamrock (David Johansen/New York Dolls) entliehen war. Ein weiterer New York Bezug stellte die Wahl des Namens Morrissey dar. In Andy Warhols Silver Factory war Paul Morrissey als Regisseur an der Erstellung einer Reihe stilbildender Independent-Filme beteiligt. Die Platten der Smiths erlangten nicht zuletzt wegen ihrer aussergewöhnlichen Coverdesigns Berühmtheit, die im Laufe der Zeit zu einer Art Hall of Fame für Morrisseys Idole wurde. Auf den Hüllen aller Platten der Smiths waren Ikonen aus Musik, Film, Literatur oder der Alltagskultur abgebildet (darunter Paul Morrissey, Joe Dallesandro, Shelagh Delaney, Alain Delon, Elvis Presley, Jean Marais oder Candy Darling), die der Sänger bewunderte oder die seine Jugend geprägt hatten und denen er so ein Denkmal setzten wollte. Durch ein graphisch einheitliches Design der Plattencover unter Verwendung von Fotos in Duoton und oft nur dem Schriftzug The Smiths - bei den Singles wurde auf die Nennung des Titels auf der Covervorderseite verzichtet - ergab sich ein prägnantes und unverwechselbares Erscheinungsbild der Bandveröffentlichungen.









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