Apr 21, 2018


TED NUGENT & THE AMBOY DUKES - Tooth Fang & Claw
(Discreet Records DS 2203, 1974)

Die Amboy Dukes waren eine amerikanische Rockband, die 1963 in Chicago, Illinois und später in Detroit, Michigan gegründet wurde. Sie waren bekannt als sogenanntes 'One Hit Wonder' mit der einzigen Hit-Single "Journey To The Center Of The Mind". Der Name der Band stammte vom Titel eines Romans von Irving Shulman. In Grossbritannien wurden die Platten der Gruppe unter dem Namen The American Amboy Dukes veröffentlicht, weil eine britische Gruppe mit dem gleichen Namen bereits existierte. Die Band hatte in ihren aktiven Jahren eine Reihe von personellen Veränderungen durchgemacht, die einzige Konstante war der Leadgitarrist und Komponist Ted Nugent. Die Band wurde zu Nugent's Backing Band, bevor er 1975 den Namen aufgab und nur noch unter seinem eigenen Namen in Erscheinung trat. Die Band trug zu den Grundlagen von Heavy Metal und Progressive Rock bei. Die stilistischen Hauptmerkmale der Gruppe waren Psychedelic Rock, Acid Rock und Hard Rock.

Ted Nugent, der kreative Kopf der Amboy Dukes, geboren und aufgewachsen in Detroit, trat bereits im Jahre 1958 im Alter von 10 Jahren auf. Er spielte von 1960 bis 1962 in der Band The Royal High Boys und später in der Gruppe The Lourds. Nugent spielte mit den Lourds bis er mit seiner Familie nach Illinois zog, wo er daraufhin die Amboy Dukes in der Gegend von Chicago im Jahre 1964 gründete. Später zogen die Musiker in Nugent's Heimatstadt Detroit um. Nugent's früher Gitarrenstil mit seiner 'Signatur Gibson Byrdland', die er stets hoch auf seiner Brust trug, wurde zu einem ikonischen Spielstil, der ihn durch diese Eigentümlichkeit visuell stark von anderen Gitarristen unterschied. Er kombinierte dies mit einer natürlichen Virtuosität und einer rasenden Spielweise und fügte seinem ungewöhnlichen visuellen Ansatz eine klangliche Differenzierung hinzu. Dies gab ihm einen Vorteil als Performance-Künstler. Nugent's Wertschätzung für seine Gitarre inspirierte ihn dazu, den Song "Flight Of The Byrd" zu komponieren, der als Single und Teil ihres beliebtesten Albums "Journey To The Center Of The Mind" veröffentlicht wurde.

Die Musik der Amboy Dukes bestand zunächst in Blues-beeinflusstem Hardrock und wies Ähnlichkeiten mit den ebenfalls aus Detroit stammenden MC5 auf. Später zeigten die Amboy Dukes eine Hinwendung zum Psychedelic Rock. Das selbstbetitelte Debütalbum erschien 1967 bei Bob Shads Label Mainstream Records. Ein erster Hit war die Big Joe Williams-Coverversion "Baby Please Don’t Go". Ihren grössten Erfolg hatte die Band 1968 mit dem Song "Journey To The Center Of The Mind". Bis 1975 veröffentlichten die Amboy Dukes insgesamt sieben Alben. Nugent wurde im Laufe dieser Zeit zur dominierenden Figur der Amboy Dukes. Nachdem Keyboarder Andy Solomon 1971 als letztes Originalmitglied die Dukes verlassen hatte, stellte Nugent mit Bassist Rob Grange und Schlagzeuger Vic Mastrianni eine neue Besetzung unter dem Namen Ted Nugent & The Amboy Dukes zusammen, in der allerdings Nugent eindeutig den Ton angab. Eine Besonderheit dieser Zeit stellt das ausschliesslich live eingespielte Album "Survival Of The Fittest" dar, das bis auf einen Titel neue Songs enthielt. Darüber hinaus war die gesamte B-Seite des Albums vom 20-minütigen "Prodigal Man" belegt. Durch zahlreiche Besetzungswechsel waren auf diesem Album die psychedelischen und bluesrockigen Einflüsse fast völlig verschwunden.

Das 1973er Album "Call Of The Wild" enthielt neben den nunmehr typischen Hardrock Songs eine Coverversion von Chuck Berry's "Maybelline" und auf Seite 2 einen kurzen Slow Blues namens "Rot Glut". Die grösste Überraschung bestand allerdings in der knapp sieben Minuten langen atmosphärischen Ballade "Below The Belt", auf der sogar eine Flöte zum Einsatz kam. Dieses Stück erinnerte eher an die psychedelischen Anfangszeiten der Amboy Dukes. Auf dem 1974er Album "Tooth, Fang & Claw" waren die herausragenden Tracks das sehr von Nugent's Sologitarre dominierte zehnminütige Instrumental "Hibernation" und "The Great White Buffalo". Im Text dazu beklagte Nugent die Ausrottung der Büffel durch die Weissen, die damit den Indianern ihre Lebensgrundlage nahmen. Diese beiden letzten Amboy Dukes Alben waren trotz gelegentlicher Schwächen stilprägend für die späteren Nugent-Soloalben.

"Tooth Fang & Claw" war das siebte und letzte Album von Ted Nugent und The Amboy Dukes. Es war deren zweite Veröffentlichung auf dem Discreet-Label. Die Band bestand zu diesem Zeitpunkt aus Nugent, sowie Rob Grange am Bass und Vic Mastrianni am Schlagzeug. Das Album bot zahlreiche rockmusikalische Höhepunkte, von denen das Stück "Hibernation" das vielleicht beste war und zeigte auf dem Plattencover (Vorder- und Rückseite) Nugent's Vorliebe für die Jagd und den Rock'n'Roll. Das rückseitige Plattencover zeigte ihn, wie er hart vor einem Verstärkerstapel neben einer Wildschwein-Trophäe spielte. "The Great White Buffalo" war eine der tragenden Säulen in Nugent's musikalischem Schaffen und wurde auf diesem Album erstmals veröffentlicht. In einem Interview mit der Zeitschrift Classic Rock Revisited erklärte er, wie er und Rob Grange die Songidee entwickelten: "Dies war ein weiterer magischer Moment wie der ursprüngliche musikalische Ausbruch von so vielen meiner Songs. Dieser erstaunliche Song brach spontan während einer Aufnahmesession um 1972 aus", sagte Nugent.

Ausserdem sehr kernig war seine rasante und wilde Version von "Maybellene", einem Klassiker von Chuck Berry aus dem Jahre 1955. Der Titel wurde oft zitiert von Nugent in den späten 70er Jahren als ein wichtiger Einfluss auf sein Spiel auf der Gitarre. Einer der wenigen ruhigen Momente in Ted Nugent's musikalischem Schaffen in jener Zeit war das Stück "Sasha", das der Musiker seiner damals neugeborenen Tochter widmete. Da das weltweit operierende Plattenlabel Warner Brothers das Album "Tooth Fang & Claw" weltweit vertrieb, begann Ted Nugent's Musik kontinuierlich, die Märkte und die Fans in Übersee zu erreichen, aber seine Tantiemen entsprachen bei weitem nicht seinen Erwartungen. Der Discreet Manager und Besitzer Frank Zappa berichtete über äusserst mittelmässige Verkäufe. Ende Oktober 1974 trat der Rhythmus-Gitarrist Derek St. Holmes der Band bei, zumindest für eine der letzten Shows der Amboy Dukes an der Northeastern Illinois University in Chicago. Im Jahre 1975 verliess Nugent das Discreet-Label und unterschrieb einen neuen Plattenvertrag bei Epic Records. Er arbeitet mit dem Produzenten Tom Werman und den Aerosmith-Managern Leber/Krebs zusammen, die seine Live-Tourneen zu kommerziell erfolgreichen Events werden liessen. Das einzige Mitglied der Amboy Dukes, das mit Ted Nugent in seiner Solokarriere fortfuhr, war der Bassist Rob Grange. Nugent's Band umfasste im weiteren auch Derek St.Holmes an Gesang und Gitarre und den Schlagzeuger Clifford Davies. Nugent startete eine erfolgreiche Solokarriere und schloss sich Ende der 80er Jahre der Damn Yankees Supergroup an.

Vor allem das 1978 veröffentlichte Live-Doppelalbum "Double Live Gonzo" galt als Symbol für die schiere Kraft und Spielfreude, die Nugent für seine Fans seit jeher ausstrahlte. Viele Songs, die man von den Studioalben kannte, entfalteten in ihren Live-Versionen zusätzliche Energie. Zahlreiche Songs wurden durch Improvisationen und Soloeinlagen enorm verlängert und erreichten auf diesem Livealbum maximal das Vierfache ihrer Studiolänge. Nach 1978 schien Nugent's künstlerische Kreativität nachzulassen. Eine ständig wechselnde Besetzung und die in den Augen vieler Fans zu starke Anbiederung an Trends verhindern konsequente Arbeit. Durch den Einsatz von als klebrig empfundenen New Wave Keyboards verlor Nugent in den Augen der Fans seine musikalische Identität. 1989 stellte er daher seine Solokarriere zurück und schloss sich den Damn Yankees an. Deren Musik bewegte sich im Hair-Metal und ähnelte der von Bon Jovi. Nach zwei Alben lösten sie sich 1993 auf. 1995 kehrte Nugent als Solokünstler zurück; er veröffentlichte ein Album, das mit dem Titel Spirit Of The Wild" an die alten Zeiten anknüpfen sollte. Die Kritiken fielen durchwegs positiv aus. 1997 und 2001 folgten zwei Livealben. "Live At Hammersmith" von 1997 enthielt alte Aufnahmen aus dem Jahre 1979, die Nugent's ehemaliges Label anlässlich seiner 'Wiedergeburt' herausbrachte. Das Album reichte jedoch nicht an "Double Live Gonzo" heran. "Full Bluntal Nugity" von 2001 dokumentierte in Trio-Besetzung Nugent's alte Stärke und enthielt mit "Fred Bear" sogar einen Song für Akustikgitarre.

Das Album "Craveman" von 2002 war Nugent's nächstes studiomusikalisches Lebenszeichen. Auf diesem Album verarbeitete er in einigen Songs textlich und musikalisch auch Einflüsse des Nu Metal. Seitdem befand sich Nugent wiederholt auf Tourneen und gab in aller Welt Konzerte, unter anderem auf dem Sweden Rock Festival im Jahre 2006, von dem es auch einen Konzertmitschnitt auf CD und DVD gab. Seine bisher letzten Veröffentlichungen waren das Studioalbum "Love Grenade" von 2007 und die DVD "Motor City Mayhem", einem Konzertmitschnitt seines angeblich 6000. Konzertes, aufgenommen am 4. Juli 2008 im DTE Energy Music Centre in Detroit. 2008 war Ted Nugent in dem amerikanischen Action Klamauk Film 'Beer for My Horses' als durchgeknallter Hilfssheriff zu sehen. Seit den 2000er Jahren war Nugent (obwohl er seine Rockkarriere fortsetzte) ​​auch ein prominenter Aktivist, sowohl für die Jagd als auch für die konservative Politik. Für Kontroversen sorgten auch immer wieder seine dezidierten Meinungsäusserungen bezüglich dem Tragen von Waffen. Er gehört auch der National Rifle Organisation an.

Wegen seiner politischen Ansichten geriet Nugent seit den frühen 90er Jahren immer wieder in die Kritik. Er gilt als erklärter und aktiver Gegner jeglicher Genuss- und Rauschmittel sowie Drogen. Schon bei den Amboy Dukes entwickelte Nugent eine starke Ablehnung gegen Drogen und nannte Drogenkonsum unmoralisch. Darin war er sehr konsequent und entliess bisweilen drogenkonsumierende Bandmitglieder. In den frühen 90er Jahren wurde Nugent Sprecher des 'Drug Abuse Resistance Education Program' (D.A.R.E.), einer 1983 gegründeten Organisation, die umstrittene Lehrgänge zur Drogenprävention für Schüler anbot. In jüngerer Zeit attackierte er verbal andere drogenkonsumierende Musiker wie Ozzy Osbourne oder Dimebag Darrell.

Aufgrund seiner Jagdleidenschaft hatte ihm die US-Punkband Goldfinger das Lied "FTN" (steht für "Fuck Ted Nugent") gewidmet. In dem Lied kritisierte die Band Ted Nugent's Liebe zur Jagd und zum Rodeo, ausserdem wird er als führendes Mitglied der NRA kritisiert. Textauszug: "He thinks he’ll get the girls by killing little squirrels" (zu deutsch: "Er glaubt, er kriegt die Mädchen, indem er kleine Eichhörnchen tötet"). Nugent vertritt konservative Ansichten und verbreitet diese offen. Er betont die klassische Rollenverteilung in der Familie und gilt als ausgesprochener Familienmensch. Er sieht sich als Patriot, der auf eigenen Konzerten auch gerne eine US-Flagge aufhängt, unterstützt offen die Republikanische Partei und wohnt in der Nähe von George W. Bush's Ranch in Crawford, Texas. Auf seinem Anwesen nimmt er junge Soldaten auf, die im Irak verwundet wurden. Er möchte ihnen die Möglichkeit geben, sich auf seinen weitläufigen Ländereien zu erholen. Er sieht das als Dienst für sein Land an. Scharf angegriffen wurde er von Teilen der amerikanischen Presse als bekannt wurde, dass er sich vor dem Dienst im Vietnam gedrückt habe. In diesem Zusammenhang wurde er als 'Draft Dodger' ('Drückeberger') bezeichnet. In einigen Zeitungsinterviews machte er kontroverse Aussagen. Ein Interview der Independent gab an, dass Nugent Homosexualität verabscheue, und nannte ihn einen 'Law and Order Fanatiker'.







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