Jan 17, 2016


DAVID ALLAN COE - The Mysterious Rhinestone Cowboy
(Columbia Records KC 32942, 1974)

Der am 6. September 1939 geborene Country Outlaw, Songschreiber und Gitarrist hatte schon ein Leben gelebt, bevor er erstmals als Musiker auf einer Platte debutierte. 20 Jahre verbrachte Coe in Erziehungsanstalten und Gefängnissen. Als er einen Mithäftling tötete, schützte ihn lediglich die kurz zuvor abgeschaffte Todesstrafe vor einer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl. Diese harten Jugend- und frühen Erwachsenenjahre prägten den Songschreiber sehr und so schrieb er es sich auf die Fahne, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahre 1967 vor allem über die schwierigen Haftbedingungen in den amerikanischen Gefängnissen zu schreiben und sich für Gefangene einzusetzen. Das widerspiegelte sich auch in den Titeln seiner ersten LP, die bezeichnenderweise den Titel "Penitentiary Blues" erhielt und 1968 erschien. Die Platte war nicht sonderlich erfolgreich, obschon sie mit einem ansprechenden musikalischen Mix aufwartete, und zwar einer für die damalige Zeit eigentlich sehr angesagten Kombination aus schwarzem Blues und weissem Country & Western.

Während der nächsten Jahre machte sich Coe vor allem als Songschreiber einen Namen in und um Nashville, und seine Karriere nahm endlich Schwung auf, als die bekannte Countrysängerin Tanya Tucker mit dem von Coe geschriebenen Song "Would You Lay With Me" einen Top Ten Hit landete. Es war für den Musiker nicht einfach, als ehemaliger verurteilter Straftäter im damals noch sehr puristischen Amerika Karriere zu machen. Letztlich gelang ihm dies vor allem dank seiner Hartnäckigkeit, nicht einfach nur selber Musik machen zu wollen, sondern insbesondere auch durch seine Kompositionen für andere Musiker. Der Erfolg der Single von Tanya Tucker führte zu einem Plattenvertrag mit Columbis Records. Das erste Album für dieses Label erschien kurze Zeit darauf noch im selben Jahr und trug den programmatischen Titel "The Mysterious Rhinestone Cowboy", was sein Image als Outlaw endgültig unterstrich: Hier war ein Künstler am Werk, der sich nicht einordnen lassen mochte, der gleichermassen Blues- und Gospel-Elemente mit der traditionellen Countrymusik verband, und der mit diesem Image in einer Reihe stand mit anderen Künstlern wie beispielsweise Waylon Jennings oder Willie Nelson, die sich ebenfalls nicht den Traditionen verpflichtet fühlten und stets ihr Musikspektrum erweiterten, ohne jedoch dabei ihre Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Das Image des verwegenen, ruchvollen Outlaws verkörperte David Allan Coe alleine schon glaubhaft durch seine allseits bekannte kriminelle Vergangenheit, die ihm jetzt allmählich sogar eher nutzte als schadete.

Der zynische Südstaatler, der sich auch in späteren Jahren in kein musikalisches Schema pressen liess, veröffentlichte mit "The Mysterious Rhinestone Cowboy" eine beeindruckende Sammlung toller und ausdrucksstarker Songs, die in ihrer musikalischen Vielfalt klar aus der Masse der Country-Veröffentlichungen hervorstach. Der Musiker gefiel nicht nur durch seine abwechslungsreichen eigenen Songs wie etwa "Sad Country Song", "Old Man Tell Me" oder "I Still Sing The Old Songs", denen er wahlweise ein schon fast punkiges Alternativ-Cowboy Feeling oder dann wiederum ein dunkelsüss-bluesiges Kleid verpasste. Nein, er gab auch ein paar perfekt gewählten Fremdkompositionen seine ganz eigene stilistische Ausdrucksform, wie zum Beispiel dem edlen Folk-Song "33rd Of August" aus der Feder des grossen Songschreibers Mickey Newbury oder dem Guy Clark-Titel "Desperados Waiting For A Train" - jenem Song, der später von vielen weiteren Musikern und Bands aufgegriffen wurde, wie zum Beispiel von Jerry Jeff Walker, Emmylou Harris, The Highwaymen oder Nanci Griffith. Von all den verschiedenen Versionen ist David Allan Coe's Variante sicherlich die beste, weil sie aufgrund der Persönlichkeit des verwegenen Künstlers die glaubwürdigste ist. 

In späteren Jahren hat Coe immer wieder hervorragende Alben veröffentlicht, die sich insgesamt auch immer relativ gut verkauften. Sein Image als bisweilen zynischer Outlaw begründete der selbsternannte "Mysterious Rhinestone Cowboy" aber mit dieser LP von 1974, die in ihrer Gesamtheit sicherlich die interessanteste und vielseitigste war, obwohl er die späteren Versuche, auch mal zwischendurch mit biederen und schmalzigen Country-Schleichern zu punkten, hier noch nicht präsentierte, was das Album vielleicht am Ende erst recht interessant macht. Coe wurde 1976 zum besten männlichen Newcomer gewählt, was ihm in den Folgejahren viele Türen öffnete und ihn immer wieder im Gespräch hielten. Seinem Einzelgänger-Image blieb der Musiker dabei stets treu und wurde dadurch zur Kultfigur dieses musikalischen Genres.



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