Nov 27, 2017


JESS AND THE ANCIENT ONES - Jess And The Ancient Ones
(Svart Records SVR127, 2012)

Jess and the Ancient Ones sind eine finnische Rockband um die Frontfrau Jess, deren Musik sich dem Genre des Psychedelic Rock zuordnen lässt. Die Band wurde im Jahre 2010 von Thomas Corpse und Thomas Fiend in Kuopio gegründet. Anfangs gehörten ihr sieben Mitglieder an. Nach dem Weggang der Gitarristen Von Stroh und Thomas Fiend gehörten neben Jess (Gesang), Thomas Corpse (Gitarre), Fast Jake (Bass), Abraham (Keyboard) und Yussuf (Schlagzeug) zum Line Up der Gruppe. Einige Bandmitglieder waren zuvor Co-Musiker in der finnischen Metal-Band Deathchain. Das 2012 erschienene und selbstbetitelte Debütalbum "Jess And The Ancient Ones" wies noch Einflüsse der sogenannten 'New Wave of British Heavy Metal' auf. Musikalisch beeinflusst bezeichneten sich Jess And The Ancient Ones von Roky Erickson, Mercyful Fate, Iron Maiden und Abba. Ihre Musik liess sich trotz dieser stilistischen Freiheit und Vielfalt letztlich dem typischen 70er Jahre basierten Okkult-Rock zuordnen. Kritiker sahen in der Band allerdings auch einen musikalischen Gemischtwarenladen aus dunklem, schwerem Sound zwischen Psychedelic-, Stoner- und insbesondere von der Band Black Sabbath inspiriertem 70er Jahre Hardrock.

Der musikalische Einstieg in die Rockwelt war allerdings ziemlich beeindruckend. Jess And The Ancient Ones erfanden das Rad natürlich nicht neu, lieferten mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum jedoch sechs Songs ab, die aufhorchen liessen, weil sie sich einerseits der modernen Studiotechnik bedienten, mit all den Vorzügen, die sich daraus resultieren lassen. Allerdings klangen Jess And The Ancient Ones ganz getreu ihrem Namen tatsächlich recht 'alt', auf jeden Fall ziemlich 'vintage', ein Wort, das heute ja nicht mehr überall auf Zustimmung stösst. Im Falle dieses Debutalbums aber traf dieser Zusatz voll ins Schwarze. Jess And The Ancient Ones legten mit diesem Werk eine Arbeit hin, die so, wie sie klang, auch gut im Jahre 1973 hätte erschienen sein können. Aufgrund eines geringeren psychedelischen Einflusses als beispielsweise bei der Band The Devil's Blood, den vermeintlichen Grössen dieses musikalischen Genres, boten Jess And The Ancient Ones auch noch eine perfekt ausgelotete Eingängigkeit in ihren Titeln, ohne dass dabei irgendwelche Langeweile entstand. Fast jeder Titel verfügte über einzelne Parts, die sofort ins Ohr gingen. Der Gitarrensound war absolut auf der Spitze der qualitativen Möglichkeiten. Er wurde von perfekt abgestimmten Orgelteppichen im Hintergrund perfekt ergänzt. Jess And The Ancient Ones waren somit nicht nur ein Geheimtipp für eingefleischte Okkult Rock-Fans, sondern auch für klassische Hard Rock Fans, da sie das ganze Okkultismus-Gehabe nicht überstrapazierten, sondern es nur als Basis für eine offenere, eigene Spielvariante des Genres nutzten.

Würde man Jess And The Ancient Ones also mit anderen Bands aus diesem musikalischen Bereich vergleichen wollen, so wären sie vermutlich am melodiemässig eingängigsten unterwegs. Dieses Debutalbum ging sofort ins Ohr, die Band setzte von Beginn weg eher auf schöne, eingängige Gitarrenmelodien, welche recht häufig auch an Thin Lizzy oder alte Iron Maiden erinnerten, als auf schwere Riffs oder vertrackte Momente. Dennoch gerieten die Songs abwechslungsreich und originell genug, um immer wieder für Überraschungen zu sorgen. Der Gesang war ein weiteres unbedingtes Plus, da die Sängerin Jess sehr ausdrucksstark und charismatisch herüberkam. Die Band konnte in Punkto Songwriting wie auch instrumentalem Können sowohl in den ruhigen, wie in den rockigen Momenten des Albums zu jeder Zeit überzeugen, und die Songs waren schlicht und einfach hervorragend. Dass also Jess And The Ancient Ones mit ihrem selbstbetittelten Debut ein schönes, gut komponiertes und technisch einwandfrei eingespieltes Album mit überzeugenden Songs vorgelegt hatten, war nicht von der Hand zu weisen. Hier waren fraglos gute Musiker am Werk, und sie lieferten starkes Material ab, welches die Fans sicherlich auch live begeistern würde.

Derzeit erlebt ja der sogenannte Okkult-Rock, also 70er Jahre beeinflusster Hardrock und/oder Heavy Metal mit okkulten Texten, resp. einem solchen Image ein grösseres Revival und Bands wie The Devil's Blood, die man durchaus als Pioniere der Revitalisierung dieses Genres ansehen kann, Ghost, Blood Ceremony, Jex Thoth oder Year Of The Goat hatten den Boden bereitet für Bands, die jetzt auch den grösseren kommerziellen Durchbruch schaffen könnten. Zu den bereits genannten Band-Einflüssen müsste man aber unbedingt auch noch die absoluten Originale Coven erwähnen, deren fantastisches "Witchcraft"-Album von 1969 jeder Fan dieser Musikrichtung einfach haben musste. Dieses Album aber hatte meinem Eindruck nach alles, was einen zukünftiger Klassiker des Genres ausmachen sollte: Wundervolle Melodien, betörender Gesang, ausgefeiltes Songwriting, eine supergenial-erdige Produktion, bis hin zu einem fabelhaften und zur Musik äusserst passendes Artwork. Dann die einzelnen Titel des Werks, von denen ich alleine schon das grandiose "Sulfur Giants" genial fand: Man stelle sich früheste Iron Maiden, Heart und Abba in einem einzigen Song vor, dann erhält man in etwa so einen 12 Minuten langen und niemals langweiligen Rocksong der besten Güteklasse. Die hier gebotenen Harmonien des Gesangs und die zahlreichen mehrstimmigen Gitarrenleads und -soli waren stellenweise zum Niederknien schön, während das Arrangement einiges an Talent zeigte. Die Instrumentalisten spielten sich ständig die Bälle gegenseitig zu, während sie den Song stets im Fluss hielten. Dazu klangen sie auch noch sehr atmosphärisch, ausser in "Sulfur Giants" ganz besonders auch im Titel "Come Crimson Death": Beides klare Sternstunden in Sachen stimmungsvoller Rockmusik.

"The Devil (In G Minor)" wiederum war mit seinem swingenden Rhythmus der vielleicht ausgefallenste Song auf dem Album, "Ghost Rider" dann ein treibender Rocksong mit erneut wunderbarer Gitarrenarbeit, während das atmosphärische "Twilight Witchcraft" der zunächst unauffälligste Song war, mit der Zeit aber immer stärker wurde. Ein paar kleinere Kritikpunkte gab es aber auch. Der Gitarrensound hätte durchaus noch dichter und druckvoller sein können, die Gitarren standen im Sound teilweise ein bisschen arg exponiert. Trotzdem gelang der Band bereits mit diesem Debütalbum ein grosser Wurf. Inzwischen hat die Band mit "Second Psychedelic Coming: The Aquarius Tapes" (2015) und einigen EP's brilliante weitere Alben veröffentlicht. Ausserdem erscheint am 1. Dezember 2017 ihr bislang drittes Studioalbum mit dem Titel "The Horse And Other Weird Tales".




 

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