Apr 12, 2018


ROD STEWART - Smiler (Mercury Records 9104 001, 1974)

Der inzwischen zum 'Sir' geadelte Rod Stewart, am 10. Januar 1945 in Highgate London, England als Roderick David Stewart geboren, gehört mit mehr als 150 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten britischen Sängern. Im Magazin Rolling Stone wurde er auf Rang 59 der 100 besten Sänger aller Zeiten gewählt. In den USA rangiert er in der Rangliste der männlichen Interpreten mit den meisten Albumverkäufen auf Platz 14. Er gehört damit zu den grössten Rockstars überhaupt. Ursprünglich wollte Rod Stewart eigentlich Profifussballer werden. Er ist leidenschaftlicher Anhänger der schottischen Nationalmannschaft und von Celtic Glasgow. Die Leidenschaft für Schottland hat Stewart von seinem Vater, der Schotte war. Er sang während der 60er Jahre bei Jimmy Powell And The Five Dimensions, Long John Baldry's Hoochie Coochie Men, den Soul Agents, dem Shotgun Express, bei Steampacket und der Jeff Beck Group. 1967 sang er eine Demoversion des Songs "In A Broken Dream" von Python Lee Jackson. Nach Stewart's ersten Solo-Erfolgen veröffentlichte die australische Gruppe das Stück im Jahre 1972 mit Stewart's Gesangsparts, ohne ihn als Sänger zu nennen. 1969 wurde er Leadsänger der mit ihm zu den Faces umformierten Small Faces. Diese frühen Aufnahmen Stewart's waren vom Blues geprägt. Der Blueseinfluss trat im Laufe seiner Karriere mehr und mehr zugunsten eines weicheren und gefälligeren Gesangs in den Hintergrund. Das Markenzeichen Rod Stewart's blieb jedoch seine Stimme.

1969 nahm Stewart das Werk "An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down", sein erstes Soloalbum, auf. In Nordamerika wurde es als "The Rod Stewart Album" veröffentlicht. 1970 erschien das Album "Gasoline Alley". Beiden Alben waren keine nennenswerten Erfolge beschert. Erst mit seinem dritten Album "Every Picture Tells A Story" etablierte er sich 1971 als Solokünstler. Das Album wurde in der Umfrage der Musikzeitschrift Rolling Stone auf Platz 171 der 500 besten Alben aller Zeiten gewählt. Sowohl die Singleauskopplung "Maggie May" als auch das Album wurden gleichzeitig Nummer eins in Grossbritannien und den USA. Der Gitarrist Ron Wood unterstützte Stewart bei der Komposition der Songs für die ersten Soloalben. Bei manchen Stücken übernahmen die Faces auch die musikalische Begleitung. Mit seinem von Gavin Sutherland (von der Band Sutherland Brothers & Quiver) übernommenen Titel "Sailing", der sich 1975 während 17 Wochen in den deutschen Charts halten konnte, schaffte Stewart auch hierzulande und in der Schweiz den grossen Durchbruch.

Als Rod Stewart im Jahre 1974 sein Album "Smiler" veröffentlichte, kam dies gleichzeitig auch einem Abschied von England gleich, kurze Zeit später siedelte er in die USA über und wurde dort zum Superstar. "Smiler" war in seiner Heimat der dritte Nummre eins Album-Erfolg in Serie, während es die Platte in den USA nur auf Platz 13 schaffte. Die beiden aus dem Album ausgekoppelten Singles "Farewell" und "Mine For Me", letzteres eine Komposition von Paul McCartney, waren indes nur mässig erfolgreich, obwohl insbesondere die Nummer "Farewell" dem bis dato angewendeten typischen Folkrock-Muster seiner Hits "Maggie May" und "You Wear It Well" folgte. Mit seinem Uebersiedeln in die USA kamen jedoch all seine späteren grossen Hits, angefangen mit "Sailing", "Hot Legs", über "Do Ya Think I'm Sexy" bis hin zu "Baby Jane" un "Infatuation". Mit der LP "Smiler" hatte Rod Stewart seinem im rockig ausgerichteten, noch stark am Sound der Faces orientierten Folkrock die Krone aufgesetzt. Er hatte wohl auch selbst danach festgestellt, dass die Zeiten sich inzwischen geändert hatten und setzte auf den amerikanischen Markt, der deutlich Pop-orientierter war und passte seine Musik entsprechend an. "Smiler" glänzte mit hochkarätigen Songs und einer beindruckenden Gästeliste. Eines der zahlreichen Highlights der Platte war sicherlich das Duett mit Elton John im Rock-Kracher "Let Me Be Your Car", aber auch die eher ruhigeren und folkrockigeren Songs waren teils betörend schön, wie etwa das besinnliche "Mine For Me" mit romantischem Sttel Drum-Flair oder die aus der Feder von Sam Cooke stammende Doppelnummer "Bring It On Home / You Send Me".

Auf "Smiler präsentierte Roddy auch noch einmal schöne Rock-Kracher im Stil der Faces, wie etwa den von Chuck Berry geschriebenen Klassiker "Sweet Little Rock'n'Roller" oder das mit üppigen Bläsersätzen ausgestattete "Dixie Toot", nebst einer originalen Easybeats-Komposition von George Vanda und Harry Young mit dem Titel "Hard Road". Alles in allem war "Smiler" vielleicht so etwas wie der perfekte Link zwischen dem herzhaften Rock der Faces und dem warmen und herzlichen Folkrock von Rod Stewart. Was danach mit dem Wechsel zum Giganten Warner Brothers kam, war letztlich dann eher hochglanzpolierter Poprock von deutlich amerikanischer Ausprägung. 1983 wurde der Titel "Baby Jane" Nummer eins in Deutschland und erhielt eine Goldene Schallplatte. Die von Trevor Horn produzierte Version Stewart's von "Downtown Train" bescherte dem Verfasser des Stücks, Tom Waits, 1990 Tantiemen-Einnahmen, die dieser mit dem Original nicht annähernd erzielte. Ebenso verwendete Stewart von Tom Waits den Song "Tom Traubert’s Blues (Waltzing Matilda)" und machte daraus einen Welthit. Erst 1991 konnte er sich mit dem Album "Vagabond Heart" wieder auf seine alten Qualitäten besinnen. 1993 erschien eine MTV-Unplugged-Aufzeichnung von Stewart. 1994 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

2002 veröffentlichte Stewart eine Sammlung mit Jazz-Standards unter dem Titel "It Had to Be You - The Great American Songbook". Nach dem riesigen Erfolg des Albums und mehrfacher Platinauszeichnung veröffentlichte er vier Nachfolgealben mit diesem Material; insgesamt wurden die "Great American Songbook"-Alben weltweit mehr als 17 Millionen Mal verkauft. 2007 wurde er wegen seiner Verdienste um die Musik zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. An seinen Namen kann er den Namenszusatz CBE anfügen. Im Jahre 2010 beteiligte sich Rod Stewart an dem Benefiz-Projekt 'Helping Haiti' von Simon Cowell. Im Juni 2016 wurde er für seine langjährigen Erfolge in der Musikbranche, sowie seinen Einsatz für verschiedene wohltätige Zwecke von Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben und darf den Zusatz Sir vor seinen Namen stellen. Den Ritterschlag erhielt er am 11. Oktober 2016 von Prinz William.





Apr 10, 2018


MI-SEX - Graffiti Crimes (CBS Records 83954, 1979)

Stilistisch irgendwo zwischen Ultravox und Icehouse angesiedelt versuchten die ursprünglich aus Neuseeland stammenden, später aber nach Australien übergesiedelten Mi-Sex gegen Ende der 70er Jahre, damals zeittypische New Wave mit klassischem Poprock zu mischen, was angesichts der Tatsache, dass die Band anfänglich nur dezent synthetische Hilfsmittel einsetzte, auch vorzüglich klappte. Auf ihrem ersten Album "Graffiti Crimes" waren praktisch ausschliesslich organische Klänge von echten Instrumenten zu hören, und auch die Songs waren allesamt klasse. Später versuchte sich die Band dann leider an allerlei synthetischem Instrumentarium, was ihre Songs wesentlich dünnbrüstiger und auch oberflächlicher machte, weshalb auch nach nur drei Alben schon wieder Schluss war. Aber wie das oft der Fall ist bei Bands, denen ein klares Konzept fehlt, sprudelten bis zum Debutalbum die Ideen, versiegten aber schon kurz darauf wieder.

Als eine der vielversprechendsten Entdeckungen stürmisch begrüsst, konnte das ursprünglich aus Neuseeland stammende Quintett um Keyboarder Murray Burns, Sänger Steve Gilpin, Gitarrist Kevin Stanton, Bassist Don Martin und Schlagzeuger Richard Hodgkinson nie ein eindeutiges musikalisches Konzept vorlegen. Ihre Ambitionen waren einfach letztlich zu gross. Da war so viel musikalisches Terrain, das die Band leider oft nur halbherzig beackerte, dass letztlich meist nur die Songs, welche eine klare Struktur aufwiesen und einem Genre eindeutig zugewiesen werden konnten, auch zu gefallen wussten. Das ist deswegen schade, weil ihr musikalischer Gemischtwarenladen im Grunde sehr gut war, aber komprimiert auf einer einzigen LP einfach zu orientierungslos und hoffnungslos überfrachtet wirkte.

Das war beim Debutalbum aber noch nicht so. Die Platte, die 1979 erschien, bot von der aufkeimenden New Wave nur leicht beeinflusste Poprock-Stücke, die im Ganzen recht traditionell arrangiert waren und vor allem auf äusserst angenehme Weise das Flair der kunterbunten 70er Jahre verströmten. Eine Single bot die Gruppe mit "But You Don't Care" an und mit diesem Stück enterte sie die Top 20 - ein vielversprechender Anfang für eine Karriere, zumal auch der Rest dieser LP sowohl kompositorisch wie spielerisch wirklich hervorragend ist. Es gibt etliche Parallelen zu den britischen Ultravox, mit dem Unterschied, dass Mi-Sex keinen Punk-Hintergrund hatten, sondern unter dem Bandnamen Fragments Of Time mehrheitlich David Bowie Songs und artverwandten Glam Rock spielten. Mit dem Umzug von Neuseeland nach Australien geriet die Band zwar in die Club Szene eines punkigen Umfelds, allerdings waren sie dort sehr schnell auch als extrem vielseitige Truppe bekannt, was letztlich auch zur Entdeckung durch die Plattenfirma CBS führte und ihr den ersehnten Plattenvertrag beschied. Das Debut "Graffiti Crimes" bot noch etliche weitere Glanzpunkte, so zum Beispiel das leicht morbid-geheimnisvolle Titelstück, dann auch das stark an der New Wave angesiedelte "Stills" und einen zweiten Single-Erfolg mit dem Stück "Computer Games", welches allerdings erst auf der Wiederveröffentlichung der Platte zu hören war, auf dem Originalalbum jedoch fehlte und zuerst nur als Single veröffentlicht wurde.



Die Single "Computer Games" schaffte es an die Spitze der australischen Charts und eine Tournee als Supporting Act für die Talking Heads erwies sich als ebenso erfolgreich. Auch das Debutalbum "Graffiti Crimes" erreichte durch kontinuierlich gute Verkäufe schliesslich Platin-Status in Australien. Beste Voraussetzungen für eine solide Karriere, sollte man meinen. Als die Platte nach dem überwältigenden Erfolg in Australien weltweit veröffentlicht wurde, war sie vor allem in Kanada ein Treffer, was dazu führte, dass die Band erstmals ausserhalb von Australien eine Tournee bestritt. Dabei ist zum Beispiel bemerkenswert, dass sie als Vorgruppe für Iggy Pop und die Ramones spielte und in dieser Eigenschaft alleine bei einem Auftritt in Toronto 5000 Fans mobilisieren konnte, die ausschliesslich wegen Mi-Sex das Konzert besuchten. Noch bevor die Band zu Konzerten ausserhalb der Heimat aufbrach, veröffentlichte sie dort ihr zweites Album "Space Race" im Sommer 1980, für das die Musiker vom australischen Fernmsehen den Award "Best New Talent" verliehen bekamen, sowie einen Preis für Peter Dawkins als besten australischen Produzenten abwarf, welcher dieses Nachfolger-Album produziert hatte.

Wieder zurück in der Heimat begann der Stern allerdings kontinuierlich zu sinken. Einen äquivalenten Nachfolger für "Computer Games" gelang der Band nicht mehr, weshalb sie bald aus den Charts verschwanden, und auch die Auftritte wurden mit der Zeit weniger gut besucht. Das dritte Album "Shanghaied" war zwar stilistisch mittlerweile ziemlich unausgegoren, bot aber trotzdem noch einmal einige wirklich herausragende Songs. Das Album wirkte aber zerrissen und in sich nicht homogen, weil die Band wohl einfach an ihren eigenen Ansprüchen zu scheitern drohte. Auch ein letztes, viertes Album, für das die Band den renommierten Produzenten Bob Clearmountain (The Church, Roxy Music, Bruce Springsteen, Rolling Stones) verpflichtete, konnte nicht an den Erfolg des Debutalbums und der weiteren Platten anknüpfen. Die Gruppe trennte sich kurze Zeit später, nachdem sich wohl der Albumtitel ihres Schwanengesangs "Where Do They Go To" bewahrheitete, sowohl in musikalischer wie in zukunftsorientierter Hinsicht.

Was bleibt, ist eines der stärksten Debutalben einer australischen Band, die letztlich mit ein bisschen mehr musikalischer Einschränkung und einem klareren Konzept durchaus länger und nachhaltiger hätte reüssieren können. Das Debutalbum "Graffiti Crimes" aber ist ein zeittypisches Tondokument von entwaffnender Schönheit, an das sich heute leider kaum mehr Jemand erinnern kann.




Apr 8, 2018


THE GRATEFUL DEAD - The Best Of The Grateful Dead Live
(Rhino Records R2 565969, 2018)

Die Band The Grateful Dead schmiedete ihre Legende letztlich auf der Strasse und reiste zwischen 1965 und 1995 unzählige Meilen, um schliesslich einen Weltrekord mit 2318 Shows für Millionen von treuen Fans gespielt zu haben. Die Verweigerung der Band, jemals einen Song auf die gleiche Weise zweimal zu spielen, hat sie bei Generationen von Fans beliebt gemacht, und es gibt unzählige Live-Versionen ihrer Songs, die einfach besser und stimmungsvoller als ihre Studiofassungen sind und den populären Ausdruck unter Dead Heads untermauern: Es gibt nichts Grossartigeres als ein Grateful Dead Konzert.

Das Set "Best Of The Grateful Dead Live" ist die ultimative Live-Sammlung, die aus zwei Live-Alben von Warner Brothers Records und Arista Records besteht, und zusammengestellt wurde mit deren allerschönsten Live-Momenten, beginnend mit "St. Stephen" vom ersten offiziellen Live-Album der Gruppe "Live / Dead" bis hin zu den ergreifenden "So Many Roads" vom letzten Konzert der Band im Soldier Field in Chicago im Juli 1995.

"Wir wollten das Studio-Set "The Best Of The Grateful Dead" 2015 mit einem Live-Pendant weiterverfolgen und haben uns auf die wichtigsten Live-Alben der Band sowie auf einige wichtige Tracks aus Archivkonzerten konzentriert", sagt Band-Archivar und Produzent David Lemieux. "So wie es kein Grateful Dead-Konzert gab, gibt es auch nichts wie eine Live-Aufnahme von Grateful Dead. Es ist kein Geheimnis, dass sie so gut waren wie die Studioaufnahmen der Dead vor Publikum, und dieses Set gibt einen Überblick, wie grossartig die Dead live im Konzert waren".

Die offiziell über die vielen Jahre ihrer Existenz erschienenen Live-Alben, welche die Band während ihrer 30-jährigen Karriere veröffentlichte, sind die Hauptquelle für die Sammlung, einschliesslich Tracks wie "Bertha" vom Album "Skull & Roses" (1971), "Fire On The Mountain" von "Dead Set" (1981) und "The Music Never Stopped" von "One Of The Vault" (1991). Als ein eindrücklicher Beweis für dessen anhaltende Popularität, wurde das hoch geschätzte Doppelalbum "Europe '72" (1972) am meisten berücksichtigt, denn von dieser berauschenden Konzert-Platte finden sich auf diesem Set nicht weniger als fünf Stücke, darunter etwa die absoluten Dead-Klassiker "Sugar Magnolia", "Jack Straw" und eine feurige Version von "Morning Dew".

Weitere Songs wurden aus der wachsenden Anzahl von Live-Veröffentlichungen ausgewählt, die seit dem Tod des Gründungsmitglieds Jerry Garcia im Jahre 1995 entstanden sind. Einige dieser Aufnahmen sind beispielsweise "Touch Of Grey" vom Album "Truckin' Up To Buffalo" (2005), eine im Jahre 1990 erstmals veröffentlichte Version von "Eyes Of The World", hier mit dem Saxophonisten Branford Marsalis aus "Wake Up To Find Out" (2014) und "Estimated Prophet", das Anfang dieses Jahres als Teil der Konzertaufnahmen in Cornell vom 5. August 1977 auftauchte, einer der Shows von Grateful Dead, die aufgrund der fast schon mythischen Stimmung als eine der allerbesten Live-Performances der Band gilt.

Diese ebenso karriereumspannende wie exquisite Zusammenstellung von Grateful Live-Momenten umfasst die folgenden Aufnahmen:

1. St. Stephen (Live at The Fillmore West, San Francisco, 27. Februar 1969)
2. Bertha (Live at The Fillmore East, New York, 27. April 1971)
3. Wharf Rat (Live at The Fillmore East, New York, 26. April 1971)
4. Sugar Magnolia (Live at The Olympia Theatre, Paris Frankreich, 4. Mai 1972)
5. Jack Straw (Live at The Olympia Theatre, Paris Frankreich, 3. Mai 1972)
6. Truckin' (Live at Lyceum Theatre, London England, 26. Mai 1972)
7. Morning Dew (Live at Lyceum Theatre, London England 26. Mai 1972)
8. Brown-Eyed Women (Live at Tivoli Concert Hall, Kopenhagen Dänemark 14. April 1972) 
9. The Music Never Stopped (Live at The Great American Music Hall, San Francisco, 13. August 1975) 
10. Estimated Prophet (Live at Barton Hall, Cornell University, Ithaca, 8. Mai 1977)
11. Friend Of The Devil (Live at The Radio City Music Hall, New York, 27. Oktober 1980)
12. Feel Like A Stranger (Live at Warfield Theater, San Francisco, 4. Oktober 1980)
13. Fire On The Mountain (Live at The Radio City Music Hall, New York, 31. Oktober 1980)
14. Bird Song (Live at The Radio City Music Hall, New York, 31. Oktober 1980)
15. Ripple (Live at Warfield Theater, San Francisco, 4. Oktober 1980)
16. Eyes Of The World (Live at Nassau Coliseum, Uniondale, 29. März 1990)
17 Touch Of Grey (Live at Rich Stadium, Orchard Park, 7. April 1989)
18. Blow Away (Live at John F. Kennedy Stadion, Philadelphia, 7. Juli 1989)
19. So Many Roads (Live at Soldier Field, Chicago, Illinois, 9. Juli 1995)

Ein traumhaft schönes Live-Vermächtnis einer Band, die stets im kommerziellen Abseits stand, jedoch noch heute über eine riesige Fangemeinde verfügt, über die so mancher Top-Star neidisch sein kann. 


Apr 4, 2018


STEVIE WONDER - Songs In The Key Of Life (Tamla Records T13-340C2, 1976)

Anfang der 70er Jahre stieg Stevie Wonder zu einem der erfolgreichsten Musiker der USA auf. Er galt als Erneuerer schwarzer Musik, deren Spielarten wie Spiritual, Blues, Rhythm'n'Blues, Soul und Funk er beherrschte und weiterentwickelte. Besonders die Jahre 1971 bis 1976 mit den Alben "Music Of My Mind", "Talking Book", "Innervisions", "Fulfillingness' First Finale" und Songs In The Key Of Life" galten als seine künstlerisch bedeutendste Phase. Gleichzeitig engagierte sich Stevie Wonder zunehmend auch politisch. Mit seiner im Jahre 1980 gestarteten Kampagne für Menschenrechte erreichte er, dass der Geburtstag von Martin Luther King seit 1986 ein Feiertag in den USA ist. Wonder wurde mehrfach mit den wichtigsten Preisen der Unterhaltungsindustrie wie dem Grammy, Oscar oder Golden Globe ausgezeichnet. 1989 wurde er für seine Verdienste um die Soulmusik in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Ausserdem amtet er seit 2009 als UN-Botschafter des Friedens.

Stevie Wonder kam als drittes von sechs Kindern von Lula Mae Hardaway und dem Vater Calvin Judkins zur Welt. Wonder war eine Frühgeburt und wurde im Inkubator mit hohen Sauerstoffkonzentrationen beatmet. Dies führte zur Frühgeborenen-Retinopathie und letztlich zur Blindheit. Als Wonder vier Jahre alt war, zog die Familie nach Detroit, wo er im Kirchenchor sang. Bereits im Alter von neun Jahren beherrschte er Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug. 1961 entdeckte ihn Ronnie White von The Miracles. Dieser verhalf ihm zu einem Vorsingtermin bei dem Motown-Chef Berry Gordy, der ihn daraufhin unter Vertrag nahm. Little Stevie Wonder nahm 1962 seine ersten Platten auf: "A Tribute To Uncle Ray" (mit Covertiteln von Ray Charles) und "The Jazz Soul Of Little Stevie". Ein erster Erfolg stellte sich 1963 mit dem Titel "Fingertips Part 2" ein, bei dem Stevie Wonder Mundharmonika spielte und sang. Der Song wurde bei einer 'Motor Town Revue' live aufgenommen, mit dem jungen Marvin Gaye am Schlagzeug. Das dazugehörige Album "The 12 Year Old Genius" wurde zu Motowns erster Nummer Eins LP. Mit 14 Jahren kam er in den Stimmbruch. Wonder studierte zu dieser Zeit klassisches Klavier an der Michigan School for the Blind.

Mit 18 Jahren begann Wonder erstmals, in grösserem Stil Einfluss auf die Kompositionen und das Arrangement seiner Musik zu nehmen: "For Once In My Life2 (1968) und "My Cherie Amour2 (1969) landeten als Alben und als Single-Hits weit oben in den Charts. Anfang der 70er Jahre gehörte er zu den erfolgreichsten Musikern beim Plattenlabel Motown Records. Er nutzte die Chance, um ein eigenes Tonstudio zu errichten, seine Tantiemen bedeutend aufzustocken und grössere Kontrolle über seine Musik zu erlangen. Er gründete sein eigenes Label, Black Bull Music. Mit den Jahren entwickelte er einen eigenen Stil und beeinflusste die Soulmusik damit nachhaltig. Von 1970 bis 1972 war Stevie Wonder mit der Sängerin und Songwriterin Syreeta Wright verheiratet. Er produzierte auch ihre ersten beiden Alben und schrieb zahlreiche Songs mit ihr ("Signed, Sealed, Delivered I’m Yours", 1970; "Never Dreamed You’d Leave in Summer", 1971; "Come Back As A Flower", 1979). Auch Syreetas erster Top 20 Hit in Grossbritannien, "Your Kiss Is Sweet" (1975), wurde von beiden geschrieben. "Never Dreamed You’d Leave In Summer" wurde von Joan Baez und Phil Collins gecovert. Syreeta wirkte zudem als Backgroundsängerin bei Songs von Stevie Wonder mit.

1972 brachte der hochbegabte Künstler das Album "Talking Book" heraus, das mit den Songs "You Are The Sunshine Of My Life" und "Superstition" herausragende Soul- und Funknummern enthielt. "Superstition" wurde von vielen Keyboardern als Lehrstück für funkiges Clavinetspiel angesehen. Bei dem Song "Lookin’ For Another Pure Love" dieses Albums wurde er vom Gitarristen Jeff Beck unterstützt. Im selben Jahr erschien auch das Album "Music Of My Mind", das er weitgehend im Alleingang einspielte, bis auf die Gitarre im Stück "Superwoman", gespielt von Buzz Feiten, und die Posaune im ersten Stück sowie den Backgroundgesang. 1973 folgte das Album "Innervisions" mit dem Hit "Living For The City". 1974 erschien das Album "Fulfillingness’ First Finale", 1976 "Songs In The Key Of Life", das mit den Stücken "Sir Duke", "I Wish", "As" und "Another Star" gleich mehrere Hits enthielt. Ausserdem erschien auf diesem Album der Song "Pastime Paradise", der dem Rapper Coolio 1995 als Inspiration und Samplequelle für seinen Titel "Gangsta’s Paradise" diente. Unterstützt wurde Wonder bei diesem Album unter anderem von dem 19-jährigen Gregory Phillinganes und von Herbie Hancock an den Keyboards sowie George Benson an der Gitarre. 1979 kaufte er den Radiosender KJLH in Los Angeles für 2 Millionen Dollar und gründete eigens dafür die Betreiberfirma 'Taxi Productions'. Zunehmend engagierte sich der Künstler auch in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner.

1982 wurde die Single "Ebony And Ivory" veröffentlicht, ein Lied von Paul McCartney, das in zahlreichen Ländern die Charts eroberte. Der Titel bedeutete eigentlich 'Schwarz und Weiss', was wiederum das friedliche Zusammenleben aller Menschen symbolisieren sollte. Zur Verdeutlichung des Themas sang McCartney das Lied als Duett mit Stevie Wonder. Letztlich rief sich Wonder durch seine Beteiligung wieder in die Erinnerung der Popwelt und hatte eine Gelegenheit für sein bürgerrechtliches Engagement. Den Oscar, den er 1984 für den Song "I Just Called To Say I Love You" aus dem Film 'Die Frau in Rot' erhielt, widmete er dem Apartheids-Opfer Nelson Mandela. 1987 sang er zusammen mit Michael Jackson auf dessen Album "Bad" das Duett "Just Good Friends". Seine in immer grösseren Abständen erscheinenden Plattenproduktionen wurden von der Kritik als unter den Möglichkeiten des Künstlers bemängelt. Für sein 1995 erschienenes Soloalbum "Conversation Peace" nahm er sich acht Jahre Zeit. Dazwischen arbeitete er am Soundtrack zu Spike Lee's 'Jungle Fever', mit dem er befreundet ist und auf dessen Hochzeit er auch 1992 spielte.

2005 erlangte er nach längerer Pause mit der Funk-Single "So What The Fuss" mit Prince an der Gitarre und der Gruppe En Vogue als Nebenstimme wieder grössere Beachtung. Das von den Kritikern gelobte neue Album "A Time 2 Love" erschien im Oktober 2005. 2007 gewann Wonder zusammen mit Tony Bennett den Grammy Award für die beste Zusammenarbeit mit Gesang für den gemeinsamen Song "For Once In My Life". In den Jahren 2007 und 2008 ging Wonder nach zehnjähriger Pause wieder auf eine Welttournee, die ihn im Herbst 2008 auch nach Deutschland führte. Die Konzerte wurden vom Publikum und von der Kritik begeistert aufgenommen. Zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Barack Obama im Januar 2009 veröffentlichte Wonder seinen Song "All About The Love Again". Zuvor hatte der Soulsänger Obama massiv im Wahlkampf unterstützt. Im September 2014 kündigte Stevie Wonder an, im November und Dezember 2014 auf eine mehrwöchige US-Tournee zu gehen, deren Programm ausschliesslich aus Liedern seines 1976er Albums "Songs In The Key Of Life" bestehen würde. Schon im Dezember 2013, anlässlich seines jährlichen Benefizkonzertes 'House full of Toys', hatte er mit einigen Gastmusikern das komplette Album aufgeführt. Diese Tour wurde 2015 sowohl im März und April als auch im Zeitraum von September bis November innerhalb der USA und Kanadas fortgesetzt. Ein einziges Europakonzert mit diesem Programm fand im Juli 2016 in London im Hyde Park statt. Zur Weihnachtszeit 2015 sang Stevie Wonder das Lied "Someday At Christmas" zusammen mit der Soulsängerin Andra Day für einen Werbespot des US-amerikanischen Unternehmens Apple.

An der Trauerfeier am 7. Juli 2009 anlässlich des Todes von Michael Jackson trat Stevie Wonder mit einer Ansprache auf und sang seine beiden Lieder "Never Dreamed You'd Leave In Summer" und "They Won't Go When I Go". Ebenso sprach Stevie Wonder auf der Trauerfeier für Whitney Houston am 19. Februar 2012 und sang dann "Ribbon In The Sky"; er hatte einige Textzeilen seines Liedes zu Ehren der Verstorbenen extra abgeändert. Im Juni 2012 trat er anlässlich des diamantenen Regierungsjubiläums von Queen Elizabeth II. von England im Buckingham Palace auf. Anlässlich des Todes von Prince am 21. April 2016 fand am 13. Oktober 2016 in Saint Paul (US-Bundesstaat Minnesota) im Xcel Energy Center ein Tribute-Abend zu Ehren des Musikers statt, an dem unter anderem auch Wonder auftrat.





Apr 2, 2018


THE STOOGES - Fun House (Elektra Records EKS 74071, 1970)

Die Stooges zählten zu den späteren Vertretern des Garagen- und Psychedelic-Rock. Ihr aggressiver Stil beeinflusste stark den Punkrock. Gründungsmitglied Iggy Pop spielte in der Band The Iguanas als Schlagzeuger und Sänger in Ann Arbor (Michigan). Nach dem Mitwirken in der Blues-Formation The Prime Movers und nach einem kurzen Aufenthalt in Chicago 1966 kehrte Iggy Pop nach Ann Arbor zurück und gründete zusammen mit Ron Asheton (Gitarre, ehemals bei The Chosen Few) und dessen Bruder Scott Asheton (Schlagzeug) im Jahre 1967 die Band The Psychedelic Stooges, die Ende des Jahres vom Bassisten Dave Alexander komplettiert wurde. Ihr erster Auftritt war an Halloween 1967 an der Universität von Michigan. Die Band tourte anschliessend vorwiegend in dieser Gegend. In dieser Zeit wurde der Name auf The Stooges verkürzt.

Die Auftritte der Gruppe gerieten aufgrund ihrer Show nicht selten zum Skandal. Besonders Iggy Pop erregte aufgrund seines provokativen Bühnenverhaltens Aufmerksamkeit, unter anderem durch das Einschmieren seiner nackten Brust mit Erdnussbutter oder dadurch, dass er sich auf dem Höhepunkt von Konzerten zuweilen mit Glasscherben Schnittwunden zufügte. The Stooges wurden 1968 von Elektra Records, die ihren A&R-Manager Danny Fields zu einem Konzert der Gruppe MC5 geschickt hatten, unter Vertrag genommen.

1969 wurde das erste, selbstbetitelte Album veröffentlicht, für das man John Cale von The Velvet Underground als Produzenten gewinnen konnte. Cale wirkte bei dem Titel "We Will Fall" auch als Musiker mit. Als 1970 das zweite Album "Fun House" veröffentlicht wurde, war die Band bereits um die Mitglieder Steve MacKay und Bill Cheatham erweitert worden. Doch schon zu dieser Zeit begann die vorläufige Auflösung der Band. Das Album wurde im Mai des Jahres 1970 aufgenommen. Jeden Tag nahm man ein Stück auf und zwar ziemlich genau in der Reihenfolge, wie sie dann auf dem Album erschienen. Die Stooges wählten eigentlich "Loose" als Opener, doch die Plattenfirma setzte "Down On The Street" durch, da dieser Titel ihrer Meinung nach einen stärkeren Eröffnungstitel darstellte. Im Juni desselben Jahres wurde die LP veröffentlicht, die Abbildungen auf der Plattenhülle wurde von Ed Caraeff fotografiert und bearbeitet. Die Platte hatte zunächst kaum kommerziellen Erfolg und fand nur in der Szene Beachtung. Im selben Monat wurde "Down On The Street" als Single veröffentlicht, die etwas mehr Erfolg als das Album hatte.

Erst mit der aufkeimenden Punk-Bewegung wurde das Album mehr beachtet. Es erschienen Coverversionen einiger Stücke, und viele der Punkgruppen nannten die Stooges und deren Album "Fun House" als ihren wesentlichen Einfluss. Der zweite Titel auf dem Werk war "Loose". Dieser Titel war zwar, wie der Opener "Down On The Street" auch aggressiv, doch enthielt er sanftere Zwischenstellen. Das Tempo wurde etwas heruntergeschraubt; "Loose" war eines der melodischeren Stücke des Albums. Mit dem nachfolgenden "T.V. Eye" wurde das Album wieder härter. Das Stück wurde von etlichen Bands gecovert. Bekannt war dieses Stück insbesondere auch für Iggy Pop's manischen Schrei ("Lord"), welcher das Stück einleitete. Der letzte Titel der ersten LP-Seite war "Dirt". Der Song war von Tempo, Text und Charakter ein Blues mit schmutziger, aber gefühlvoller Poesie, nicht unähnlich zu den Doors. Eine zwischen rauh und klar wechselnde Lead-Gitarre und der emotionale, manchmal nur gehauchte und undeutliche Gesang Pops zeichneten "Dirt" aus. Mit dem Titel endete die erste Seite der LP relativ ruhig.

Die zweite Seite begann mit "1970", dessen Textpassage "I feel alright!" sehr bekannt wurde. Es war nach "Dirt" wieder ein härteres und aggressiveres Stück und wurde auch als Single veröffentlicht. Es folgte das Titelstück "Fun House", mit fast acht Minuten das längste Stück des Albums. Auffällig war hier Steven Mackay's Saxophonspiel. Der Titel beruhte auf der Stimmung und Atmosphäre eines "Fun House", einer Attraktion auf dem Jahrmarkt. Die Platte endete mit dem Stück "L.A. Blues". Dieser Track war der aggressivste und härteste Moment des Albums. Er bestand im Grunde aus den wilden Schreien Pop's, dissonanten Gitarrentönen und dem wilden Schlagzeugspiel von Scott Asheton.

Dave Alexander verliess The Stooges kurz nach den Aufnahmen zu "Fun House". Er starb 1975 vermutlich an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Nach einem Autounfall während einer Tournee trennten sich die verbliebenen Bandmitglieder und lösten The Stooges auf. Nach dem Zerfall der Band traf Iggy Pop 1972 David Bowie in New York. Bowie ermunterte Pop, The Stooges zu reformieren und verhalf der wieder vereinten Band zu einem Plattenvertrag mit Columbia Records. So nahmen sie im Herbst 1972 ihr drittes Album "Raw Power" in der Besetzung Iggy Pop, Ron Asheton, Scott Asheton und James Williamson auf. Die Platte wurde 1973 veröffentlicht. Dem Manager David Bowies, Tony De Fries, war das ursprüngliche Material für das Album zu gewalttätig. Er fürchtete, die Assoziation der Band mit David Bowie, der das Album produzierte, würde dessen Karriere schaden. Der Manager sorgte für die Zerstückelung des ursprünglichen Materials zu einem massentauglicheren Album.

Zerstritten lösten sich The Stooges abermals auf, und Iggy Pop begann 1976 eine Solokarriere. Die Asheton-Brüder gründeten die kurzlebige Band namens The New Order, in der auch Dennis Thompson von MC5 mitwirkte. Danach folgte für Ron Asheton die Mitgliedschaft bei der Band New Race, bei der neben anderen auch Ex-Radio Birdman Mitglieder mitwirkten. Später stieg Asheton bei Destroy All Monsters ein. James Williamson und Iggy Pop arbeiteten nach der Auflösung noch eine Weile weiter zusammen. The Stooges formierten sich 2002 unter dem Namen Iggy And The Stooges neu und spielten auf dem Album "Skull Ring" in folgender Besetzung einige Songs ein: Iggy Pop, Scott Asheton und Ron Asheton, der in dieser Formation sowohl Gitarre als auch Bass spielte. Bei den anderen Songs auf "Skull Ring" wurde Iggy Pop von seiner damaligen Band The Trolls begleitet. Sie hatten eine Reihe von Live-Auftritten in den USA und in Europa absolviert, wobei Mike Watt von Minutemen und Firehose am Bass die Besetzung komplettierte. Im März 2007 erschien ein neues Studioalbum, "The Weirdness", das im Oktober 2006 von Steve Albini produziert wurde. Im Januar 2009 wurde Ron Asheton tot in seinem Haus aufgefunden. Am 7. November 2009 spielten Iggy and the Stooges mit James Williamson an der Gitarre auf dem Planeta Terra 2009 Festival in São Paulo, Brasilien. Der Schlagzeuger Scott Asheton verstarb am 15. März 2014 an einem Herzinfarkt.

So erfolglos The Stooges während ihrer Anfangszeit auch waren, so wurden sie später als ihrer Zeit weit voraus bewertet. Die Songs "I Wanna Be Your Dog", "Search And Destroy", "No Fun" oder "T. V. Eye" wurden von vielen Bands des Punk und der Post Punk Ära gecovert, so unter anderem von den Sex Pistols, von The Damned, The Dictators, Sonic Youth und von Slayer. Noch heute wird die Band als ein wichtiger Einfluss von vielen Musikern der gegenwärtigen Underground- und Subkultur genannt. So coverten unter anderem Guns N' Roses den Titel "Raw Power" auf ihrem Album "The Spaghetti Incident", die Band Nebula das Stück "I Need Somebody" auf ihrem Album "To The Center" und Rage Against The Machine den Titel "Down On The Street" auf ihrem Album "Renegades". Dakar & Grinser coverten im Jahr 2000 den Song "I Wanna Be Your Dog", welcher auf dem Musiklabel Disko B erschien und so auch die Szene der Elektronischen Musik erreichte. 2012 coverte Neneh Cherry zusammen mit dem norwegischen Jazz-Trio The Thing (Mats Gustafsson, Ingebrigt Håker Flaten und Paal Nilssen-Love) den Song "Dirt" in einer Free Jazz Version auf ihrem Album "The Cherry Thing".




Mar 29, 2018


DOUG SAHM AND BAND - Doug Sahm And Band 
(Atlantic Records SD 7254, 1973)

Doug Sahm, mit gebürtigem Namen Douglas Wayne Sahm gilt bis heute als wichtigste Figur des sogenannten Tex Mex-Stils. Er war vor allem bekannt als Leader des Sir Douglas Quintet und später der Texas Tornados. Doug Sahm begann seine Karriere als Wunderkind der Countrymusik. Schon im Alter von 6 Jahren trat er in lokalen Radioshows auf. Im Dezember 1952 stand der 11-Jährige mit Hank Williams auf der Bühne, nur wenige Wochen vor dessen Tod. Mit 13 Jahren machte er als Little Doug Sahm seine erste Plattenaufnahme "A Real American Joe" und spielte bereits Gitarre, Steel-Gitarre, Mandoline und Geige. Es heisst, Sahm sei schon damals ein regelmässiger Auftritt in der Grand Ole Opry angeboten worden, doch seine Mutter habe darauf bestanden, dass er zuerst die Schule beendet. Ab 1957 gründete Sahm diverse Bands mit Namen wie The Markays, The Spirits, The Knights und The Pharaos, spielte in den Clubs San Antonios und nahm für einige lokale Labels auch Singles auf, so etwa "Crazy Daisy" (1959), "Can't Believe You Wanna Leave" (1959) und "Sapphire" (1961) für das Label Harlem Records.

Auf Anregung des Produzenten Huey Meaux gründete Sahm 1964 das Sir Douglas Quintet, das mit "She’s About A Mover" und "The Rains Came" erste Hits hatte. Nach dem Umzug in die Hippie-Metropole San Francisco folgten beim Label Mercury Records mit "Mendocino" (1969), "Dynamite Woman" (1969) und "Nuevo Laredo" (1970) weitere Hits. Unter dem Pseudonym Wayne Douglas veröffentlichte Sahm 1970 die in Nashville eingespielte Country-Single "Be Real". 1973 nahm Produzent Jerry Wexler Sahm für Atlantic Records unter Vertrag, ohne sein Quintet. Das dort mit den Gastmusikern David 'Fathead' Newman, Dr. John, Bob Dylan, David Bromberg und Flaco Jimenez eingespielte Album Doug Sahm And Band gilt, obwohl es nur Platz 125 der US-Charts erreichte, als Meilenstein des Tex Mex. Mit "Texas Tornado" folgte unter dem Bandnamen Sir Douglas Band ein zweites Album für Atlantic Records.

"Doug Sahm And Band" war auch das erste Soloalbum von Doug Sahm. Im Jahre 1972, nach dem Verlassen des Sir Douglas Quintet, zog Sahm nach Austin, Texas. Er wurde von Jerry Wexler zu der neu eröffneten Country-Musikabteilung von Atlantic Records unter Vertrag genommen und begann die Album-Sessions im Oktober 1972. Zahlreiche hochkarätige Gastmusiker wurden eingeladen, sodass das Album am Ende Auftritte von Bob Dylan, Dr. John, David "Fathead" Newman, Flaco Jiménez, David Bromberg und Kenny Kosek präsentierte. Das Album erhielt nach der Veröffentlichung gemischte Kritiken und verkaufte sich eher schlecht. Das Album wurde in späteren Kritiken wesentlich positiver bewertet. Nach einer Reihe von Erfolgsaufnahmen in den späten 60er Jahren trennte sich das Sir Douglas Quintet 1972. Doug Sahm, der damals in San Francisco lebte, beschloss, nach Texas zurückzukehren und zog nach Austin. Die aufkeimende alternative Musikszene der Stadt umfasste Künstler wie Willie Nelson und Jerry Jeff Walker. Veranstaltungsorte, die von Sahm frequentiert wurden, waren der Soap Creek Saloon und das Armadillo World Headquarters. Jetty Wexler, damals der Produzent von Atlantic Records, interessierte sich für die Entwicklung dieser alternativen Szene und gründete eine entsprechende Country & Western Division bei dem Label. Wexler nahm Doug Sahm kurz darauf unter Vertrag.

Die Aufnahmesessions von Sahm, Wexler und Arif Mardin fanden in den ersten zwei Wochen des Oktober 1972 in den Aufnahmestudios von Atlantic Records in der West 60th Street in New York statt. "Is Anybody Goin' To San Antone" eröffnete das Album. Das Stück begeisterte durch die beiden Fiddeln, gespielt von Doug Sahm und Ken Kosek, sowie der Steelgitarre von Charlie Owens, während Bob Dylan eine der Chorstimmen beisteuerte. Dylan sang auch sehr harmonisch in "It's Gonna Be Easy", einer Nummer, geschrieben von Atwood Allen, während Allen und Sahm die Hauptstimmen quasi als Duett sangen. Dann kam auch eine von Newman, Wayne Jackson und Willie Bridges gestellte Bläsergruppe zum Einsatz, welche Doug Sahm bei der Bluesnummer "Your Friends" unterstützte. In "Poison Love" wurde der Gesang von Sahm ergänzt durch Flaco Jimenez am Akkordeon und Augie Meyers am Klavier, David Bromberg am Dobro und Andy Statman an der Mandoline. Die Komposition "Wallflower" aus der Feder von Bob Dylan war eine gemeinsam gesungene Variante von Sahm und Dylan. In "Dealer's Blues" setzten Jack Walrath, Martin Fierro und Mel Martin erneut mit ihren Blasinstrumenten die entscheidenden Akzente.

Kosek spielte mit Sahm und den beiden Fiddeln auch im Covertitel "Faded Love" von Countrylegende Bob Wills. Bob Dylan sang ausserdem in "Blues Stay Away From Me" wiederum mit Doug Sahm gemeinsam die Leadstimme und spielte auch ein Gitarrensolo. T-Bone Walker's "Papa Ain't Salty Anymore" und Willie Nelson's "Me And Paul" folgten. Newman wiederum begeisterte in "Do Not Turn Around", gefolgt von dem abschliessenden "I Get Off". Das Album erschien im Januar 1973. Die Singles waren "Is Anybody Goin 'To San Antone" und "It's Gonna Be Easy". Die Kritiker waren sich uneins über das Werk. Einige hoben die Relevanz des Albums alleine durch die Mitarbeit von Bob Dylan heraus. Robert Hilburn von der Los Angeles Times schrieb in seiner damaligen Rezension beispielsweise: "Es gibt einige ziemlich gewöhnliche Momente auf dem Album, aber da sind auch einige Tracks, auf die man nicht verzichten sollte". Ein Rolling Stone Magazine Musikkritiker erklärte, dass Sahm auf 'einem vergessenen Album ins Stocken geraten' sei. Robert Christgau bewertete das Album "B-", nannte Sahm zwar ein Talent, aber kein Genie und meinte, dass die begleitenden Künstler ihn nur hemmten. Spätere Kritiken lobten das Album aber. Allmusic bewertete das Album mit fünf von fünf Sternen, und der Kritiker Stephen Thomas Erlewine kam zu dem Schluss: "Das ist eine Musik, die anschaulich, aufregend lebendig ist und Sahm auf einem Höhepunkt zeigt. Es ist unwiderstehlich". Der Vinyl District bewertete das Album 'A' und meinte, dass es ein sofortiger Klassiker sei - energisch und ekstatisch.

Danach veröffentlichte Sahm bei verschiedenen Labels Platten mit unterschiedlichen stilistischen Schwerpunkten. Das rockige "Groover’s Paradise" (1974) mit Stu Cook und Doug Clifford von Creedence Clearwater Revival, das Country-Album "Texas Rock For Country Rollers" (1975), eine erneute Zusammenarbeit mit Produzent Huey P. Meaux und die Bluesplatte "Hell Of A Spell" (1980), ein Tribut an sein Vorbild Guitar Slim. In den 80er Jahren reformierte Doug Sahm sein Sir Douglas Quintet für Veröffentlichungen beim schwedischen Label Sonet Records, nahm weiterhin Solo-Material auf und gründete die Rockabilly-Formation Texas Mavericks und mit Amos Garrett und Gene Taylor die Formerly Brothers. 1989 gründete Sahm mit Freddy Fender, Flaco Jimenez und Augie Meyers die Tex Mex Supergroup Texas Tornados, mit denen er bis 1999 vier Studioalben, eine Live-Platte und eine Best Of-Zusammenstellung veröffentlichte. Dazwischen kam es 1994 zu einer erneuten Reunion des Sir Douglas Quintets. Ebenfalls 1994 wurde Sahms Album "The Last Real Texas Blues Band", eine erneute Hommage an den Texas Blues von T-Bone Walker, für einen Grammy nominiert.

Doug Sahm starb am 18. November 1999 in einem Hotelzimmer an einem Herzinfarkt. Im Jahr darauf erschien posthum sein letztes Album "The Return Of Wayne Douglas", das stilistisch eine Rückkehr zu seinen Country- und Western Swing-Wurzeln bedeutete. Doug Sahms Söhne sind ebenfalls im Musikgeschäft tätig. Shawn Sahm, der schon in den 80er Jahren Gitarre beim Sir Douglas Quintet spielte, wandelt mit seiner Band Tex-Mex Experience stilistisch auf den Spuren des Vaters und veröffentlichte die Solo-CD "Shawn Sahm" im Jahre 2002. Shandon Sahm, der jüngere Bruder, war als Schlagzeuger Mitglied der Rockband Meat Puppets und veröffentlichte das Soloalbum "Good Thoughts Are Better Than Laxatives" ebenfalls 2002.





Mar 28, 2018


THE OFFSPRING - The Offspring (Nemesis Records NEM-006, 1989)

1984 beschlossen Bryan 'Dexter' Holland und Greg Kriesel nach einem Konzert der Gruppe Social Distortion in Orange County/Kalifornien, selbst eine Band zu gründen. Diese nannten sie Manic Subsidal. Kevin Wasserman stieg als Gitarrist ein. Erste Auftritte gab es in San Francisco und Santa Cruz. 1986 benannte sich die Band in The Offspring ('Die Nachkommen') um. Im selben Jahr veröffentlichten sie 1000 Kopien der Singles "I’ll Be Waiting" und "Blackball" unter ihrem eigenen Black-Label. Nach dem Ausstieg von Schlagzeuger James Lilja kam der damals erst 16 Jahre alte Ron Welty hinzu. Im Jahre 1989 wechselte die Band zum Independent-Label Nemesis Records und veröffentlichte ihr Debütalbum "The Offspring". Nach Jahren der nicht mehr fortgeführten Produktion wurde das Album schliesslich 1995 von Epitaph Records mit einem ganz anderen Albumcover wiederveröffentlicht. Beide Re-Releases auf den beiden jeweiligen Labels waren nahezu identisch. The Offspring hatten in der Folge selten Songs von diesem Album live gespielt. 

Es war auch das einzige Studioalbum von The Offspring mit weniger als 12 Songs; es hatte 11. Die Original-Kassettenversion des Albums enthielt jedoch einen zwölften Track, "Hey Joe". Stilistisch wies dieses erste Werk auch noch Elemente des Horror Punks auf, zu hören bei Songs wie "Demons" oder "Beheaded". Nach der Aufnahme eines Demobandes im Jahre 1988 begannen The Offspring mit den Vorbereitungen für ihr erstes Studioalbum. Sie nahmen es im März 1989 im South Coast Recording Studio in Santa Ana, Kalifornien, mit Thom Wilson auf. Während der Sessions nahm die Band ihre frühen Songs "I'll Be Waiting" und "Blackball" auf, die beide ursprünglich auf der 1986er Single "I'll Be Waiting" der Band erschienen. Mit dem Stück "Crossroads" fand sich auf dem Album auch ein Titel, den die Gruppe überhaupt nie live spielte.

Das erste Offspring Album erhielt allgemein gemischte Rezensionen. AllMusic-Autor Stephen Thomas Erlewine, der dem Album nur gerade 2 1/2 von fünf Sternen vergab, erklärte, dass The Offspring eine noch wesentlich rauhere und härtere Platte als ihr grosser kommerzielle Durchbruch "Smash" war, was aber nicht unbedingt bedeuten würde, dass es eine bessere oder schlechtere Platte wäre, sondern dass es lediglich den später so bekannten Metal Gitarren-Crunch der Band noch nicht aufwies, der beispielsweise das Erfolgsalbum "Smash" dominierte. The Offspring erreichten ursprünglich nicht die Billboard 200 Charts, es wurde kein kommerzieller Erfolg. Als das Album  dann aber im Jahre 1995 noch einmal neu aufgelegt wurde, als die Band bereits weltbekannt war, erreichte es für drei Wochen als Spitzenposition Rang 85 in der niederländischen Albums Charts. Diese Version des Erstlingsalbums war fast identisch mit der ursprünglich auf Nemesis Records veröffentlichten Version. Es zeigte ein anderes Artwork als das umstrittene 'Guitar Alien' Cover, das von Marc Rude entworfen wurde.

Das Album wurde 2001 erneut auf Nitro Records veröffentlicht, wobei hier nun das Stück "Kill The President" weggelassen wurde. Laut Frontman Dexter Holland wurde es entfernt, um zu verhindern, dass erneuter Druck auf die Band und Nitro Records ausgeübt werden könnte. Zeitgleich zum alljährlichen sogenannten Record Store Day wurde "The Offspring" 2017 auf blauem, durchsichtigem Vinyl ebenfalls neu aufgelegt. Wie die Neuauflage von 2001 enthielt es "Kill The President" auch nicht.

1991 kam es zur Veröffentlichung der Seven-Inch-EP "Baghdad". 1992 erschien "Ignition" bei Epitaph Records. Das Album verkaufte sich später, nach dem Bekanntwerden der Gruppe, über eine Million Mal. Anschliessend ging die Band mit Pennywise und den Lunachicks auf Tournee durch die USA. In Europa spielten sie als Vorband von NOFX. Mit der Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums "Smash" schafften The Offspring den kommerziellen Durchbruch. Das Album enthielt Stücke wie "Self Esteem", "Come Out And Play (Keep ’Em Separated)" und "Gotta Get Away". Die Platte verkaufte sich über elf Millionen Mal weltweit. Schliesslich unterzeichnete die Band bei Columbia Records einen Plattenvertrag, wo 1997 ihr viertes Album "Ixnay On The Hombre" mit den Single-Auskoppelungen "I Choose", "The Meaning Of Life", "All I Want" und "Gone Away" veröffentlicht wurde. Jello Biafra war als Gast auf dem Album zu hören. Die Rechtslage war allerdings nicht eindeutig, sodass das Album nur in den USA bei Columbia Records, ansonsten allerdings noch bei Epitaph Records erschien.

Das 1998 veröffentlichte Album "Americana" verkaufte sich rund 15 Millionen Mal. 1999 spielten The Offspring bei Woodstock III und anschliessend auf einer Tournee in Japan und Australien. Die Band hatte einen Gastauftritt im Horrorfilm 'Idle Hands', wo sie ein Cover des Ramones-Songs "I Wanna Be Sedated" und den Song "Beheaded" von ihrem ersten Album spielten. In den Arcade- und Dreamcast-Spielen 'Crazy Taxi' und 'Crazy Taxi 2' von 1999 und 2001 wurde vorwiegend Musik der Band verwendet. Ihr sechstes Album "Conspiracy Of One" wurde 2000 veröffentlicht. Die Band wurde verklagt, da sie T-Shirts mit dem Napster-Logo im Internet verkauft hatte. Als Verteidigung sagte Dexter: "Ich wollte das Logo nur mit unseren Fans teilen". Vom Album wurden "Original Prankster" (bei dem der Rapper Redman einen Gastauftritt hatte), "Want You Bad" und "Million Miles Away" als Singles ausgekoppelt. Ebenfalls im Jahr 2000 nahmen sie den Song "Bloodstains" von Agent Orange für den Soundtrack der Wrestling-Komödie 'Ready to Rumble' (mit David Arquette und Scott Caan) auf.

2001 nahm die Band den Song "Defy You" als Soundtrack für den Film 'Nix wie raus aus Orange County' auf. The Offspring bekamen 2002 von Shirley Manson einen Kerrang!-Award überreicht. 2003 coverten The Offspring erneut "I Wanna Be Sedated" von den Ramones für das Tribut-Album "We’re A Happy Family", für das auch Interpreten wie U2, Green Day, Marilyn Manson, Rob Zombie, Metallica oder die Red Hot Chili Peppers Stücke einspielten. Im selben Jahr verliess Schlagzeuger Ron Welty die Band. Josh Freese ersetzte ihn zunächst bei den Aufnahmen eines neuen Albums. Die Band besuchte Hawaii und nahm zusammen mit der Surfertruppe Da Hui ein Surfvideo auf. Die Aufnahmen wurden dem neuen Album als Extra beigefügt, das unter dem Titel "Splinter" erschien. Die erste Single war "Hit That". Atom Willard ersetzte Freese, der vorübergehend als Schlagzeuger eingesprungen war. "Can't Get My Head Around You" wurde die zweite Single, die dritte Single "Spare Me The Details" wurde nur in den USA veröffentlicht. Im Februar 2004 startete eine Welttournee zum Album, die 97 Konzerte in 22 Ländern umfasste.

Im Mai 2004 beteiligte sich die Band mit dem Titel "Baghdad" an der 'Rock Against Bush'-Compilation. Am 27. Juli 2007 ersetzte Pete Parada, der schon für Saves The Day und Face To Face gespielt hatte, den vorherigen Schlagzeuger Adam Willard, der sich hauptsächlich auf seine damalige andere Band, Angels & Airwaves konzentrieren wollte. Im Juni 2008 erschien das Album "Rise And Fall, Rage And Grace". Die erste Single-Auskopplung war der Song "Hammerhead", der schon 2007 beim Summer Sonic Festival in Japan live gespielt worden war. Das Album stieg in den USA auf Platz 10 ein, was im Vergleich zum Vorgängeralbum "Splinter", welches in der ersten Woche nur Platz 30 erreichte, eine deutliche Verbesserung war. In Japan erreichte das Album in der ersten Woche Platz 3 und verkaufte sich rund 50000 Mal. In den deutschen Charts erreichte das Album Platz 13. Im März 2009 verkündete der Gitarrist Noodles, dass Sänger Dexter Holland mit dem Produzenten Bob Rock in Hawaii am neunten Album der Band arbeite. Mit der Veröffentlichung der gleichnamigen Single wurde das Album "Days Go By" im Mai 2012 angekündigt. Es erschien am 26. Juni 2012. Am 30. Januar 2015 wurde die Single "Coming For You" veröffentlicht.



Mar 26, 2018

 
BUTTHOLE SURFERS - Electriclarryland 
(Capital Records 7243 8 29842 14, 1996)

Die Butthole Surfers wurden im Jahre 1981 von Gibson 'Gibby' Haynes (Gesang) und Paul Leary Walthall (Gitarre) in San Antonio gegründet. Beide Musiker waren sich bereits 1977 als Studenten an der dortigen Trinity University begegnet. Zu ihnen stiess 1983 Jeffery 'King' Coffey als Schlagzeuger. Diese drei bildeten über die folgenden Jahre des Bestehens der Band die Kernmitglieder. Weitere vorübergehende Mitglieder waren unter anderem auch Teresa Taylor als zweite Schlagzeugerin und mehrere Bassisten, unter ihnen Jeff Pinkus, Andrew Weiss, Bill Jolly und Mark Kramer. Die erste gleichnamige EP veröffentlichten die Butthole Surfers im Jahre 1983 für Jello Biafra's Plattenlabel Alternative Tentacles, im folgenden Jahr wurde eine Live-LP aufgenommen, um die aus dem Ruder gelaufenen Ausgaben für die Aufnahmen zur ersten Platte wieder auszugleichen. Schon auf ihrer Debüt-EP provozierten sie mit Titeln wie "The Shah Sleeps In Lee Harvey's Grave" und "The Revenge Of Anus Presley". Das erste Album "Psychic Powerless Another Man's Sac" aus dem Jahre 1984 nahmen sie für das Label Touch and Go Records auf. Neben Hardcore Punk war der Sound der Band in dieser Zeit noch stark beeinflusst durch Psychedelic Rock und Heavy Metal. Diese Mischung machte sie zu einer Vorläuferband des Grunge Rock. Jedoch veränderte sich ihr Sound im Laufe der Jahre. Das zweite Album "Rembrandt Pussyhorse" aus dem Jahre 1986 erinnerte mit seinen experimentellen Klängen an Avantgarde Bands wie die Einstürzenden Neubauten oder die Residents.

Erst ihr drittes Album "Locust Abortion Technician" aus dem Jahre 1987 und die nun zunehmend ausgefalleneren Liveshows machten die Buttholes Surfers einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Schon zu Beginn des Bestehens der Band hatte Coffey unter einer seiner Trommeln ein Stroboskop installiert. Später erwarb die Gruppe noch mehrere solcher Lichter, die während eines Auftritts fast kontinuierlich ein Blitzlichtgewitter erzeugten. Mit diesen visuellen Hilfsmitteln, einem quadrophonischen Sound und zwei gleichzeitig spielenden Schlagzeugern produzierte die Band für die Zuhörer ein albtraumhaftes Erlebnis. Der Sänger Gibby Haynes trug mit seinem Gesangsstil, der an Schreien erinnerte und häufig durch ein Megaphon unterstützt wurde, zu diesem Erlebnis bei. Unzählige Kostüme, ins Haar gebundene Stoffstreifen, Nackttänzerinnen, Kunstblut, ausgestopfte Tiere und ein umgedrehtes, mit Benzin gefülltes Schlagzeug-Becken, welches er während der Shows anzündete und anschlug waren weitere Elemente von Haynes' Bühnenshow. Verschiedene Filme wurden bei Auftritten der Butthole Surfers auf einer Leinwand hinter der Bühne gezeigt, darunter waren Aufnahmen von Obduktionen, Verkehrsunfällen, Explosionen von Atombomben, Menschen mit epileptischen Anfällen und Operationsszenen von Gesichts-Operationen und Penisrekonstruktionen. Doch nicht nur schockierende Aufnahmen wurden gezeigt; so zählte auch eine Episode aus 'Drei Engel für Charlie' zu den gezeigten Filmen.

Oft kam es während Auftritten der Band, bedingt auch durch den immer stärkeren Missbrauch von Alkohol, Marihuana und LSD, zu Gewaltausbrüchen zwischen Mitgliedern der Band und Verletzungen durch den Gebrauch von brennbaren Substanzen und Bierflaschen. Es gelang der Band jedoch, durch ihre Shows und die bisher veröffentlichten drei Alben ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zur Zeit der Veröffentlichungen "Locust Abortion Technician" und "Hairway To Steven" schafften es die Butthole Surfers, auch grössere Hallen auszuverkaufen. 1989 verliessen sie ihre Plattenfirma Touch and Go, um einen Vertrag mit Rough Trade Records abzuschliessen. Mittlerweile hatte die Band sich innerhalb der Musikszene einen Ruf als harter Verhandlungspartner gemacht. Als Rough Trade Records 1991 nach dem Erscheinen von "Pioughd" Insolvenz anmelden musste, hatte die Band sich längst ihre Masterbänder und Erlöse aus den Plattenverkäufen gesichert. Nachdem sie im gleichen Jahr an der ersten Lollapalooza-Tour teilnahmen, erhielten sie ihren ersten Plattenvertrag bei einem Major Label, Capitol Records.

Die Musik der Butthole Surfers hatte sich von den experimentelleren Tönen mittlerweile zu etwas konventionellerem Alternative Rock entwickelt. Dies wurde auch auf ihrer ersten Veröffentlichung für Capitol Records, dem Album "Independent Worm Saloon" aus dem Jahre 1993, produziert von John Paul Jones (Led Zeppelin), deutlich. In dieser Zeit steuerten sie auch Songs für Hollywood Soundtracks bei, etwa für 'Romeo und Julia', 'Flucht aus L.A.' und 'Mission: Impossible II'. 1996 gelang es ihnen, mit ihrem Album "Electriclarryland" endlich auch regelmässig im Radio gespielt zu werden. Zur gleichen Zeit kam es allerdings auch zu juristischen Schwierigkeiten. Sie verklagten ihre alte Plattenfirma Touch and Go auf Herausgabe der Rechte an ihren alten Veröffentlichungen. 1999 gewannen sie den Prozess und veröffentlichten ihre älteren Alben auf ihrem eigenen Plattenlabel, Latino Buggerveil. Im gleichen Jahr kam es auch mit Capitol Records zu juristischen Schwierigkeiten, die in ihrem Rauswurf resultierten.

Nach der Veröffentlichung von "Electriclarryland" wurde die Musik der Band immer mehr von elektronischen Klängen beeinflusst. Gibby Haynes gab als Einflüsse Massive Attack und die Chemical Brothers an. Als Ergebnis erschien 2001 das Album "Weird Revolution", eine überarbeitete Version eines noch für Capitol Records aufgenommenen, aber nie erschienenen Albums mit dem Namen "After The Astronaut". Im Jahre 2002 erschien "Humpty Dumpty LSD", eine Sammlung von bisher unveröffentlichten Songs, aufgenommen für frühere Alben. Auch abseits der Butthole Surfers waren die Bandmitglieder musikalisch aktiv. Gibby Haynes und Jeff Pinkus veröffentlichten 1990 als The Jackofficers das House-Album "Digital Dump". 1991 sang Haynes für Ministry den Hit "Jesus Built My Hotrod", ein Song mit dem gleichen Text erschien auf dem 1993er Album "Independent Worm Saloon" mit dem Namen "Some Dispute Over T-Shirt Sales". 2004 nahm Haynes für den Film 'Saw II' mit den Revolting Cocks den Song "Caliente (Dark Entries)" auf, eine Art Coverversion des Songs "Dark Entries" von Bauhaus. Paul Leary veröffentlichte 1991 ein Soloalbum mit dem Namen "The History Of Dogs" und produzierte Bands wie Sublime, Reverend Horton Heat und die Meat Puppets.









Mar 24, 2018


HOLLOW EARTH - Out Of Atlantis (Sound Effect Records SERC046, 2017)

Hollow Earth sind geheimnisvoll. Die Band präsentiert sich als die offiziell sanktionierte Musikabteilung der Societé de la Terre Creuse, der Torwächter der geheimen Welt von Shambhalla, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bildungsarbeit der Organisation durch das kraftvolle Massenmedium Psychedelic Rock zu finanzieren. Das lässt einen zunächst einmal etwas ungläubig, aber augenzwinkernd und nach dem ersten Anhören einigermassen sprachlos und ratlos zurück. Denn was die aus Stockholm beheimatete Dreier-Mannschaft hier abliefert, ist wundervoller, fluffiger, manchmal etwas dezent härterer, aber immer sehr stimmungsvoller und extrem warmer Vintage-Rock, der sich nicht wie andere sogenannte Retro-Bands einfach stilistisch erkennbar irgendwo anhängt, um letztlich wie ein Evergreen zu klingen, der keiner ist. Nein, Hollow Earth haben sich dem frühen Progressive und Underground Rock verschrieben, und als Besonderheit: da dem hochmelodischen und vielleicht etwas Folk-verliebten britischen Underground, wie er etwas zu Ende der 60er Jahre von den frühen Deep Purple, aber noch mehr von Bands wie Pink Floyd in der Post-Syd Barrett Aera gespielt wurde.  

"Es gibt diesen leicht salzigen Geruch in der Luft des frühen British Progressive Rock, ein bisschen King Crimson vielleicht, ein bisschen Spring. Die Orgel und Streicher und die manchmal leicht unheimliche Stimmung erinnern mich ein wenig an die verrückte Welt von Arthur Brown" hat beispielsweise der Musikhistoriker Daniel Dellamorte die Musik auf dem Album "Out Of Atlantis" bechrieben, und ich denke, das trifft es ziemlich gut. Allen Songs auf dem Album ist eine gewisse Düsterheit anheim, die man so eigentlich noch nicht gehört hat, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit so harmonischen und melodischen Songs. Eine faszinierend morbide Note haben Hollow Earth ihrem durchaus eigenständigen Vintage Progressive Rock beigemengt, sodass die ganze Platte irgendwie romantisch, aber doch auch immer wieder geheimnisvoll und stellenweise recht bedrohlich wirkt. Dadurch bricht die Band nie aus, sie bleibt verhalten und zurückgenommen, versucht, die Düsternis über die ganze Distanz des Albums zu bringen, was ihr auch ausgezeichnet gelingt. Etwaige Ausbrüche in Lärm-Teile, wie sie von vielen anderen Vertretern des Retro Hard-, beziehungsweise Progressive Rock gespielt werden,fehlen praktisch zur Gänze, was dem Genuss der ganzen Platte natürlich höchst förderlich ist: Die Stimmung, mit welcher das Album beginnt, hält sich bis zum Schluss, bleibt dabei aber immer spannend und lässt nie hör- oder spürbar nach.

Hollow Earth, das sind die drei Musiker 
Cristóbal Nemo, der soundbestimmende Anführer und auch Hauptkomponist, der sich als wahrer Universal-Instrumentalist beweist. Er spielt auf "Out Of Atlantis" die Hammond B3 Orgel, ein Wurlitzer Klavier, ein Grand Piano, das Mellotron, verschiedene modulare Synthesizer, Ribbon Synthesizer, ein Spinett, das Vibraphon, ausserdem alle elektrischen und akustischen Gitarren und verschiedene Perkussionsintrumente. Ausserdem stellt er seine Fähigkeiten auch am Mikrophon unter Beweis, und erledigt auch diese Aufgabe beeindruckend und mit dem gewissen Früh-70s-Flair, das zu der Musik von Hollow Earth hundertprozentig passt. Seine beiden Begleiter sind der Bassist und Sänger Don Pharoah und der Schlagzeuger Rod Handel. Alle drei Namen klingen so gar nicht schwedisch, weshalb stark davon auszugehen ist, dass es sich hierbei um Pseudonyme handelt,was aber bisher nicht herauszufinden ist. Produziert wurde das Album von Ray Pescador, der auch einige Gitarren-Parts zu dem Album beitrug und die spärliche Info auf der Platte weist Cristóbal Nemo als alleinigen Komponisten der Songs aus. Zusätzlich wird für das Stück "Electric Eden" das wohl ebenso mysteriöse und kaum unter seinem richtigen Namen aufspielende 'Quintette Terre Creuse' als Streichergruppe genannt.als Streichergruppe genannt.als Streichergruppe genannt.

Was die Band und der wohl ganz bewusst aufgebaute neblige Schleier um ihre Identität so interessant macht, ist - neben der absolut hervorragenden Musik - dass die Mitglieder von Hollow Earth mit einem geheimen Kult verbunden sein sollen und mit den selbsternannten Torwächtern von Shambhalla leben. Ihr Zirkel wurde anscheinend von Nicholas Roerich in Naggar im Himalaya in den 30er Jahren gegründet, und sie würden fortwährend die Wahrheit gegen Diejenigen, die an eine feste Erde glauben würden, verteidigen. Die Band bedient sich dabei dem Mysterium der sogenannten 'Hohlen Erde' (Hollow Earth). Die Lehre des Klangkörpers postuliert prinzipiell, dass eine Vollkugel ohne Hohlräume überhaupt nicht in der Lage wäre, eine lebendige Schwingung zu erzeugen. Da nun die Erde ein Resonanzkörper auf der Schwingungsfrequenz des Tones G wissenschaftlich dokumentiert ist, stellt sich die Frage, warum es keine für Lebewesen bewohnbaren Untergründe geben kann. Es stellt sich weiterhin die Frage, welche Wissenschaft so vermessen sein darf, das Erdinnere zu kennen, ohne es jemals wirklich erforscht zu haben. So äusserste sich der Ozeanograph Mark Desmond. Grund genug, aufgrund dieser interessanten Aussage, die Hohle, oder auch Innere Erde-Theorie etwas näher zu beleuchten.

Laut der wissenschaftlichen Annahme besteht die Erde aus einem festen Kern, einem Mantel, einer Übergangszone, dem Oberen Mantel und der Erdkruste. Die Entfernung vom Erdmittelpunkt zur Oberfläche beträgt rund 6370 Kilometer. Seit vielen Epochen der Erdgeschichte stösst man aber immer wieder auf die Theorie einer hohlen Erde, die von menschenähnlichen friedfertigen Wesen bewohnt wird, die uns normalen Menschen weit überlegen sind, eine eigene Sonne im Zentrum hat, eine üppige Vegetation besitzt und zwei je über 2000 Kilometer grosse Öffnungen an den beiden Polen haben soll. Oft werden zu diesem Thema ganz bestimmte Mythen als Hinweise herangezogen, die eine hohle und bewohnbare Erde beschrieben haben sollen, die aber nicht immer zutreffend sind. Weder in der Bibel wird das Paradies als einen Ort im Innern der Erde genannt,noch ist Asgard aus der germanischen Mythologie jener Ort. Im Gegenteil: Asgard ist der Ort im Himmel, wo die Götter wohnen. Wenngleich Mythen wie auch die Bibel breite Interpretationsmöglichkeiten zulassen.

Die erste Theorie auf wissenschaftlicher Grundlage bezüglich einer Hohlen Erde basierte auf den Ergebnissen von Edmond Halley aus dem Jahre 1692, der unter anderem aufgrund der neuen Gravitationstheorie Newtons eine hohle Erde ableitete. Einige weitere Wissenschaftler griffen diese Theorie später auf und untermauerten mit ihrerseits neuen Erkenntnissen die Möglichkeit einer hohlen Erde, wie beispielsweise der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler oder der schottische Physiker und Mathematiker Sir John Leslie. In der Literatur wurde das Thema seither bekanntermassen mehrmals aufgegriffen, Jules Vernes Roman 'Die Reise zum Mittelpunkt der Erde' geniesst diesbezüglich geradezu Kultstatus. Um das 19. Jahrhundert herum, als sich die Menschen nach jahrhundertelanger Herrschaft des Christentums wieder mehr den Geheimnissen und Möglichkeiten des Lebens öffneten, wurden einige Anläufe für Expeditionen zu den möglichen Öffnungen zur Inneren Erde, die man an den beiden Polen vermutete, mehr oder weniger erfolglos geplant und unternommen.

Die dem deutschen Nationalsozialismus nahe 'Thule' Gesellschaft, ein Geheimbund, wollte zu Anfang des 20. Jahrhunderts anhand Übersetzungen herausgefunden haben, dass tibetische, indische und griechische Schriften darauf hinweisen würden, dass die Erde hohl und im Innern bewohnt sei. Daraufhin sollen sich während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche deutsche U-Boote und Flugzeuge in Richtung Antarktis aufgemacht haben, um den Eingang zur Inneren Erde auszumachen und zu erforschen. So soll auch der Name 'Neuschwabenland' für dieses Gebiet entstanden sein. Auch der Begriff 'Agartha' taucht unweigerlich auf, sobald man sich auf die Suche nach Informationen zu einer hohlen oder inneren Erde im Netz macht. Bekannt wurde der Begriff Agarthi oder Agartha vor allem durch den Autor Ferdinand Ossendowski, der 1924 das Buch 'Tiere, Menschen und Götter' während seines Aufenthalts in Zentralasien schrieb. Er berief sich bei der Beschreibung eines unterirdischen Reiches dabei hauptsächlich auf die mystischen Überlieferungen aus der Mongolei und dem Tibet. Dort existiert die geheimnisvolle und mystische Tradition von Agharti. Agarthi (in der Mongolei), Agartha (in Indien) beziehungsweise Shambala in Tibet, ist ein Volksglauben, der besagt, dass eine Welt unter dem Hochplateau in den Bergen von Zentralasien existiert und von Supermenschen bewohnt wird.Unter Tibet sollen die Nachkommen des versunkenen Kontintens Atlantis leben.

Auch 'Etidorhpa', ein Science Fiction Roman aus dem Jahre 1895, der eine bewohnte innere Erde beschrieb, enthalte, so heisst es in der Einleitung der deutschen Ausgabe, mehr wissenschaftliche und metaphysische Wahrheiten als heutige Lehrbücher. In einem nicht ausgewiesenen Zitat aus dem Buch 'Die ultimative Realität' von Joseph H. Cater heisst es, dass jeder intelligente Leser von 'Etidorhpa' erkennen müsse, dass es sich nicht um Science Fiction handle. Manche Menschen legen wegen bestimmten darin geschilderten Ereignissen nahe, dass es sich bei dem Autor Drury um einen abtrünnigen Freimaurer namens William Morgan handelt, den es angeblich auch wirklich gab. Später sollte sich herausstellen, dass der Pharmakologe und Apotheker John Uri Lloyd hinter dem Synonym Drury steckte. Und Lloyd hatte angeblich später selbst erklärt,um Gerüchten entgegenzuwirken, dass er sich die Geschichte nur ausgedacht hatte. Von Einigen wird 'Etidorhpa' als sarkastische Schmähung des Freimaurertums angesehen. Es stellte sich jedoch auch die Frage: Kann man sich die teils unglaublich detaillierten Beschreibungen einer anderen Welt wirklich einfach so ausdenken ?

Die Hohle Erde tatsächlich besucht haben wollten hingegen nach eigenen Angaben die beiden Norweger Jens Jansen und sein damals 19 jähriger Sohn Olaf, die bei einer weiten Seefahrt mit einem kleinen Fischerboot im Jahre 1829 zufällig ins Erdinnere gelangten. Beide blieben knapp drei Jahre dort. Bei der Fahrt zurück nach Norwegen überlebte nur Olaf, der aufgrund seiner verrückt anmutenden Erzählungen über das Innere der Erde für 28 Jahre in eine Irrenanstalt gesteckt wurde. Nach seiner Freilassung und der Emigration in die USA schrieb er seine Erlebnisse detailliert nieder: Üppige Wälder und Sandstrände säumten das Ufer am Fluss eingangs in das Zentrum der anderen Welt. Die Vegetation wuchs in verschwenderischem Überfluss, allerlei Früchte boten den allerköstlichsten Geschmack auf. Weintrauben bis zu 1,50 Meter Länge, an denen die einzelnen Beeren so gross wie Orangen waren, und Äpfel, die einen grösseren Umfang als ein Menschenkopf hatten, repräsentierten den enormen Wuchs aller Dinge in der inneren Erde. Die heimischen menschenähnlichen Wesen dort sollen zwischen 3,30 und 4,50 Meter gross gewesen sein, sehr geduldig, sanftmütig, freundlich und zuvorkommend zu ihren neuen Gästen. Das warme Licht einer Art Zentralsonne aus dem Inneren war allgegenwärtig und erhellte die Landschaft. Die Beförderungsmittel sausten in hohem Tempo völlig geräuschlos und in perfekter Balance auf einer einzelnen eisernen Schiene dahin. Die Wesen waren sehr spirituell und sprachen eine Art Sanskrit.

Da sich nach den kosmischen Gesetzen Alles, also sowohl Innen sowie Aussen, beziehungsweise Oben wie Unten, in irgendeiner Form gleicht, sollte man die Theorie der 'Hohlen Erde' nicht einfach als Spinnerei abtun. Sowohl unser Lebensantrieb, die roten Blutkörperchen, als auch die für die Fortpflanzung zuständige Eizelle, besitzen keinen Zellkern, sondern haben einen Hohlraum. Warum dann nicht auch unser Planet Erde ? Oder handelt es sich bei den Manuskripten um niedergeschriebene Visionen? Visionen, die in den morphogenetischen Feldern der Erde gespeichert sind und die von Menschen bereits in früheren Ur-Inkarnationen erlebt und gesehen wurden ? Zu Zeiten, als die Erde noch ein paradiesischer Ort war ? Die Kola-Bohrung in Russland in den 70er Jahren war mit rund 12 Kilometern das bisher tiefste Loch, das jemals in die Erde gegraben wurde. Der Radius, also die Entfernung von der Erdoberfläche bis in die Mitte der Erde beträgt über 6370 Kilometer.

Bei aller Satellitentechnik und der vielen Astronauten, die den Planeten Erde von oben schon gesehen haben, fragt man sich jedoch berechtigterweise, ob die Theorie der Hohlen Erde pure Science Fiction ist oder wer und/oder was Interesse daran hat, die Menschheit im Glauben zu lassen, die Erde sei ein fester geschlossener Körper ? Gibt es dort tatsächlich jene beschriebenen Zivilisationen, die beispielhaft aufzeigen, wie ein menschen- und damit artgerechtes Leben möglich wäre, übertragbar vielleicht auf unsere 'Obererde' ? Erkenntnisse,die möglicherweise in den Untiefen des Ozeans verschollen bleiben sollen. Vielleicht aber erfüllt die Möglichkeit einer inneren Erde auch nur unsere Sehnsucht und Hoffnung auf ein paradiesisches Leben in Fülle für jeden, in Frieden und bedingungsloser Liebe aller Lebewesen. Oder es eröffnet sich uns ein vorurteilsfreier Geist und die Erkenntnis, dass wir selbst Erbauer unserer geistigen Mauern sind, die wir jederzeit selbst einreissen können und auch einreissen sollten, wollen wir ein friedliches und selbstbestimmtes Miteinander zwischen den Völkern hier oben auf der Erdoberfläche. Wir sollten unseren Geist öffnen für das Unmögliche und damit unsere selbst gesetzten Grenzen sprengen, damit wir zu dem werden, wer wir wirklich sind, und immer waren.

Um zum Schluss noch einmal auf die Gruppe Hollow Earth und das Album "Out Of Atlantis" zurückzukommen, das sich eindeutig mit diesem Mysterium befasst: Musikalisch sind die drei Musiker mindestens so mystisch unterwegs wie die Geschichte, die sie hier akustisch umsetzen. Wem frühe Deep Purple (Mark I) und die frühen Pink Floyd der "Ummagumma"-Phase gefallen, der wird hier ein prachtvolles Album finden, das ihn hundertprozentig überzeugen wird. Auch Iron Butterfly und eine Reihe von Bands der späten 60er und frühen 70er Jahre kann man ausmachen. Tolle Gitarrensounds, viele typische Canterbury Versatzstücke sind ebenfalls hörbar. Das Werk verbreitet eine ganz eigentümliche Stimmung, die man im Grunde als britischen Proto-Prog bezeichnen kann. Aufgrund der soundtechnischen Umsetzung könnte man durchaus glauben, dass dieses Werk im Jahre 1971 veröffentlicht worden ist. "Out Of Atlantis" ist für meinen höchst persönlichen Geschmack eines der besten Retro Rock-Werke der vergangenen Jahre.