Nov 4, 2017


DR. Z - Three Parts To My Soul (Spiritus, Manes Et Umbra)
(Vertigo Records 6360 048, 1971)

Dr. Z's Album "Three Parts to My Soul" gilt als das seltenste Album, das damals auf dem legendären Vertigo Swirl Label erschienen war. Es heisst, dass davon lediglich 80 Stück in den Verkauf gelangten, der Rest aufgrund nicht vorhandener Nachfrage vom Plattenlabel wegen Unverkäuflichkeit eingestampft wurde. Sollte Jemand also wie ich im Besitze dieser ultraseltenen Original-Platte sein, deren Marktwert in Top-Zustand mittlerweile bei annähernd 4000 Euro liegt, möge er sie behalten und horten wie einen Schatz, denn er wird sie kaum jemals wieder irgendwo finden. Als spätere Neuauflagen gibt es sie allerdings bis heute zu kaufen, sei es als LP oder als CD. Sicherlich suchenswert dürfte die Platte als Vinyl sein, denn auch spätere Wiederveröffentlichungen wurden teilweise dem originalen Gimmick-Look nachempfunden, zum Beispiel jene Version des italienischen Labels Akarma Records. Dr. Z war die Band des musizierenden Professors Keith Keyes von der University Of North Wales, der als Keyboarder das in jenen Tagen nicht wirklich angesagte Cembalo, sowie Orgel und Klavier spielte. In jenen Tagen des frühen Progressive Rock war eher das Mellotron das Tasteninstrument der Stunde. Als Begleitmusiker fungierten zwei seiner Studenten, nämlich Rob Watson am Bass und Bob Watkins am Schlagzeug. Ein Gitarrist war nicht im Line Up zu finden. Damit reihte sich die Band durchaus in die Reihe einiger damals sehr populärer sogenannter 'Keyboard Only'-Bands ein, wie etwa Refugee (mit dem Schweizer Patrick Moraz) oder Quatermass (John Gustafsson) als vielleicht bekannteste Beispiele.

1970 waren Dr. Z noch zu viert und veröffentlichten auf dem Plattenlabel Fontana eine erste Single mit dem Titel "Lady Ladybird" mit der Rückseite "People In The Street". Diese beiden Songs zeigten noch keinerlei Aehnlichkeit zu der LP, welche im Jahr darauf folgen sollte. die beiden wenig überzeugenden Songs waren eine Art Psychedelik-Pop, der damals, 1970 schon beinahe peinlich wirken musste, da diese Art von britischem Pop inzwischen so gut wie hoffnungslos aus der Mode gekommen war. Trotzdem waren beide Songs durchaus nicht etwa schlecht. Sie waren einfach nicht mehr zeitgemäss. Dies nahmen sich die Musiker dann wohl auch zu Herzen und machten sich bei der Vorbereitung der LP daran, sich an gängigen progressiven Rockbands zu orientieren. Dass ihnen dabei kein Gitarrist mehr zur Seite stand, machte das Ganze nicht etwa schwerer, sondern eher einfacher, denn Keith Keyes musste nun keine Gitarren-Arrangements mehr mit in seine Kompositionen einbeziehen, sondern legte alle für die LP vorgesehenen Songs auf verschiedene Keyboardklänge aus. So erhielt jeder Song, der es schliesslich auf das Album schaffte, fast sein eigenes individuelles Erkennungsmerkmal, indem Keith Keyes mit verschiedensten Keyboard-Arrangements experimentierte. Allen Song lag indes dasselbe, sehr tighte Rhythmus-Fundament zugrunde: Bass und Schlagzeug waren adäquat in die Kompositionen eingewoben worden, sodass man das Ergebnis durchaus nicht in die Nähe von Greenslade und Konsorten stellen musste. Irgendwie klang das Album "Three Parts To My Soul" wie ein Keyboard-Werk, das nicht in aufdringlicher Art und Weise nach Keyboardsounds gierte.

Das Album "Three Parts To My Soul" klang wie der typische britische Progressive Rock jener Tage und enthielt sogar okkulte Textfragmente, wie sie damals ebenfalls gerne in die Songtexte eingebaut wurden, wie beispielsweise von Black Widow auf deren Album "Sacrifice" oder auch von Graham Bond auf dessen beiden 'Holy Magick' Alben, die interessanterweise auch bei Vertigo Records erschienen waren. Produziert wurde das Werk von Patrick Campbell-Lyons, welcher damals so etwas wie der Hausproduzent von Vertigo Records war, in den 60er Jahren mit seiner eigenen Band dem Psychedelik Poprock frönte und 1971 bei Vertigo Records ebenfalls ein Album einspielte ("Local Anaesthetic"). So gesehen war Dr. Z's Album ein durch und durch von Vertigo Records in Szene gesetztes Album, denn auch das fabelhafte und mehrfach ausklappbare Plattencover war eine Arbeit des für Vertigo Records tätigen Designers Barney Bubbles, der aber auch für andere Künstler und Bands spezielle Plattencovers entwarf. Eines seienr bekanntesten Coverdesigns war das ebenfalls mehrfach ausklappbare Cover von Hawkwind's Album "In Search Of Space", das ebenfalls 1971 erschien.

Das neben der wirklich tollen Musik Beachtenswerteste waren ganz bestimmt die Songtexte von Keith Keyes, die sich mit dem Leben nach dem Tod beschäftigten. Darin vertrat der Musiker die Theorie, dass die Seele des Menschen nach dessen Tod nicht einfach entweder in den Himmel oder in die Hölle komme, sondern sich dreiteilt und gleichzeitig in den Himmel und in die Hölle kommt, aber auch weiterhin auf der Welt bleibt, um diese heimzusuchen. Dies, weil keine Seele wirklich gut oder schlecht ist und sich das Verbleiben im irdischen Dasein während seiner Lebenszeit im Grunde verdient hat. Eine etwas seltsam anmutende Thematik vielleicht, aber damals durchaus gängig, insbesondere im Bereich des Underground, des Progressive Rocks und auch im Hard Rock, dessen Untersparte Okkult-Rock auch in jener Zeit entstanden war und dessen bekannteste Vertreter durchaus Black Sabbath waren, die, man ahnt es schon, ebenfalls auf Vertigo Records ihre ersten Platten veröffentlichten.

Der immer leicht symphonisch wirkende Progressive Rock von Dr. Z erinnerte stellenweise an die frühen Genesis oder Yes, insbesondere durch die von den Keyboards dominierte Musik. Andererseits standen Dr. Z kompositorisch auch den Bands Black Widow, Gracious oder Cressida nahe, alle drei ebenfalls entweder stark okkult oder aber sehr symphonisch ausgerichtet. Opulente Arrangements zeichneten die Songs des Album "Three Parts To My Soul" ausserdem aus. Der Opener "Evil Woman's Manly Child", das Stück "Spiritus, Manes Et Umbra", das seine Lauflänge durch ein Schlagzeug-Solo erheblich in die Länge zog, "Summer For The Rose" und "In A Token Of Despair" waren allesamt hochklassige Kompositionen und zeigten ausgefeilte Arrangements, die meilenweit von dem entfernt waren, was die Band nur ein Jahr zuvor noch auf ihrer erstne Single präsentiert hatte. Der Gesang auf den Stücken unterstützte die musikalischen Botschaften perfekt, indem die Stimmen teilweise fremdartig, zumindest aber richtiggehend mysteriös und manchmal etwas nebulös wirkten. Ob das beabsichtigtes Kalkül war, oder ob diese Stimme einfach wirklich echt und so perfekt zu den Songs passte, kann man nur mutmassen. Jedenfalls passte das alles hervorragend zusammen. Das Werk enthielt ja den Untertitel "Spiritus, Manes Et Umbra", was die bereits erwähnten drei Teile der menschlichen Seele nach dessen Tod symbolisieren sollten. 'Spiritus' stand dabei für den Atem des Menschen und dessen Geist, 'Manes' für die Verstorbenen, die an Festtagen aus der Unterwelt emporstiegen und 'Umbra' für den Kernschatten, wie er beispielsweise bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis auftritt.

Eine der erstaunlichsten Geschichten um Dr. Z's Album "Three Parts To My Soul" rankt sich allerdings um deren Verkaufszahlen. Angeblich wurden von dem Album lediglich 80 Stück verkauft, was man angesichts der wunderschönen optischen Aufmachung und vor allem auch der exzellenten Musik kaum glauben mag. Dennoch versäumte es die Plattenfirma, genügend Werbung für das Werk zu machen. Ein Problem dabei war aber sicherlich auch, dass die Band, die ja eigentlich keine war, praktisch keine Live-Auftritte bestritt, da Rob Watson und Bob Watkins weiterhin an der Universität studierten, respektive dozierten (Keith Keyes). Nichtsdestotrotz kann das Album heute als eines der essenziellen Art Rock-Alben jener Zeit angesehen werden und dass es seine rockmusikalische Relevanz bis heute nicht eingebüsst hat, beweisen die zahlreichen Wiederveröffentlichungen, die es von dem Album inzwischen gibt. In Dr. Z's Album reinzuhören, lohnt sich unbedingt, denn hier stimmte eigentlich alles: Musik, Songtexte, instrumentales Können und nicht zuletzt das phantastische Cover-Artwork.














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