Mar 31, 2018


BEAT FARMERS - The Pursuit Of Happiness (Curb Records D2-77501, 1987)

Die Beat Farmers aus Kalifornien wurden im August 1983 von Country Dick Montana und Jerry Raney gegründet und spielten einen sehr vielseitigen Stilmix aus Cowpunk, Roots Rock, Americana und Swamp Rock, der in seinem Abwechslungsreichtum stark an die Long Ryders erinnerte, die zwar eher vom traditionellen Rock'n'Roll kamen, jedoch auch all die typischen Strömungen der 80er Jahre im Bereich Country-Rock in ihre Musik einfliessen liessen wie die Beat Farmers. Letztlich bringt die Bezeichnung eines Musikkritikers den Stilmix der Beat Farmers ziemlich genau auf den Punkt: "Country Rock, Bar-Room Style".

Nachdem die Band für das Rhino-Label 1985 eine erste LP mit dem Titel "Tales Of The New West" veröffentlicht hatte, die von Steve Berlin (The Blasters, Los Lobos) produziert wurde, war der Gruppe zwar ein ziemlicher Achtungserfolg beschieden, was aber leider nicht dazu führte, dass Rhino den lediglich ein Album umfassenden Vertrag verlängern mochte. Stattdessen unterschrieben sie im Jahr darauf bei Curb Records, und dort blieb die Band auch bis fast zum Schluss. Waren auf dem Debutalbum noch auf den ersten Blick unvereinbare Coversongs vertreten, wie zum Beispiel "There She Goes Again" von Velvet Underground neben Bruce Springsteen's "Reason To Believe", so zeigte sich die Band in den Folgejahren eher von der eigenen künstlerischen Seite, was den Gesamtsound der Band allerdings nicht gleichförmiger, sondern eher noch vielfältiger machte. Leadgitarrist Joey Harris zeigte sich in dieser Beziehung als der Haupt-Songschreiber sehr kreativ und sein musikalisches Verständnis reichte vom urwüchsigen Rock'n'Roll mit klar 50er Jahre-Ausprägung bis hin zum aktuellen Cowpunk der 80er Jahre. Eines war seinen Kompositionen aber immer gemein: Sie waren unvergleichlich melodiös und mitsingbar, was die Band mit den Songs auf ihren beiden Folgealben "Van Go" (1986) und "The Pursuit Of Happiness" (1987) eindrücklich unter Beweis stellte.

Für dieses dritte Album, produziert von Dave Jerden, holten sich die Beat Farmers als Gastmusiker den legendären Pianisten Nicky Hopkins ins Studio, ausserdem Steve Berlin für die Saxophon-Parts und die beiden Long Ryders-Musiker Stephen McCarthy und Greg Sowders. Mit dem toll schunkeligen Americana Song "Make It Last" schaffte es die Band, in den Country und Western-Sendern der USA ausgiebig gespielt zu werden, wohingegen der Rest der Platte, der eher dem Rock'n'Roll und dem Swamp Rock/Roots Rock zugewandt war, leider nur wenig Chancen auf Airplay hatte. Das ist sehr schade, denn eigentlich dürfte diese dritte Platte die Ausgereifteste der Beat Farmers gewesen sein. Vielleicht fehlt den darauf enthaltenen Stücken letztlich ein kleines Quentchen Groove, wie er zum Beispiel auf dem Vorgängeralbum "Van Go" noch fast überall zu hören war. "The Pursuit Of Happiness" war alles in allem aber eher eine bodenständige Rock Platte und von daher wesentlich direkter und auch erdiger produziert. Vielleicht könnte etwa so ein Z.Z.Top Album klingen, wenn die bärtigen Texaner mal eine Country Rock-Platte einspielen würden.

Neben den rockenden Eigenkompositionen "Hollywood Hills" mit dieser herrlichen Mundharmonika-Einleitung, die ein bisschen an "Spiel mir das Lied vom Tod" erinnert, dem an die Blasters erinnernden "Dark Light" und dem schwerfälligen Bluesrocker "Key To The World" sind vor allem auch die hier wiederum gezielt ausgewählten Coversongs toll interpretiert: "Rosie" von Tom Waits zum Beispiel, das in seiner Intensität dem Original in nichts nachsteht, oder "Big River" aus der Feder von Johnny Cash, das dieses sehr abwechslungsreiche und hervorragend produzierte Album sanft und elegant ausklingen lässt.

Die Beat Farmers spielten fünf weitere Alben ein, allesamt empfehlenswert. Am 8. November 1995 verstarb Bandleader Country Dick Montana völlig überraschend mitten auf der Bühne während eines Auftritts, als er gerade den Song "The Girl I Almost Married" in seiner Heimat Whistler, British Columbia, zum Besten gab. Damit lösten sich auch die Beat Farmers auf. Ein Jahr später veröffentlichte Curb Records eine CD von Country Dick Montana mit Songs, die er für sein erstes Soloalbum aufgenommen, aber noch nicht herausgegeben hatte ("The Devil Lied To Me"). Neben seinen Bandkumpels spielten bei diesen Solo-Songs auch Rosie Flores, Katie Moffatt, Dave Alvin von den Blasters und Mojo Nixon mit.







Mar 29, 2018


DOUG SAHM AND BAND - Doug Sahm And Band 
(Atlantic Records SD 7254, 1973)

Doug Sahm, mit gebürtigem Namen Douglas Wayne Sahm gilt bis heute als wichtigste Figur des sogenannten Tex Mex-Stils. Er war vor allem bekannt als Leader des Sir Douglas Quintet und später der Texas Tornados. Doug Sahm begann seine Karriere als Wunderkind der Countrymusik. Schon im Alter von 6 Jahren trat er in lokalen Radioshows auf. Im Dezember 1952 stand der 11-Jährige mit Hank Williams auf der Bühne, nur wenige Wochen vor dessen Tod. Mit 13 Jahren machte er als Little Doug Sahm seine erste Plattenaufnahme "A Real American Joe" und spielte bereits Gitarre, Steel-Gitarre, Mandoline und Geige. Es heisst, Sahm sei schon damals ein regelmässiger Auftritt in der Grand Ole Opry angeboten worden, doch seine Mutter habe darauf bestanden, dass er zuerst die Schule beendet. Ab 1957 gründete Sahm diverse Bands mit Namen wie The Markays, The Spirits, The Knights und The Pharaos, spielte in den Clubs San Antonios und nahm für einige lokale Labels auch Singles auf, so etwa "Crazy Daisy" (1959), "Can't Believe You Wanna Leave" (1959) und "Sapphire" (1961) für das Label Harlem Records.

Auf Anregung des Produzenten Huey Meaux gründete Sahm 1964 das Sir Douglas Quintet, das mit "She’s About A Mover" und "The Rains Came" erste Hits hatte. Nach dem Umzug in die Hippie-Metropole San Francisco folgten beim Label Mercury Records mit "Mendocino" (1969), "Dynamite Woman" (1969) und "Nuevo Laredo" (1970) weitere Hits. Unter dem Pseudonym Wayne Douglas veröffentlichte Sahm 1970 die in Nashville eingespielte Country-Single "Be Real". 1973 nahm Produzent Jerry Wexler Sahm für Atlantic Records unter Vertrag, ohne sein Quintet. Das dort mit den Gastmusikern David 'Fathead' Newman, Dr. John, Bob Dylan, David Bromberg und Flaco Jimenez eingespielte Album Doug Sahm And Band gilt, obwohl es nur Platz 125 der US-Charts erreichte, als Meilenstein des Tex Mex. Mit "Texas Tornado" folgte unter dem Bandnamen Sir Douglas Band ein zweites Album für Atlantic Records.

"Doug Sahm And Band" war auch das erste Soloalbum von Doug Sahm. Im Jahre 1972, nach dem Verlassen des Sir Douglas Quintet, zog Sahm nach Austin, Texas. Er wurde von Jerry Wexler zu der neu eröffneten Country-Musikabteilung von Atlantic Records unter Vertrag genommen und begann die Album-Sessions im Oktober 1972. Zahlreiche hochkarätige Gastmusiker wurden eingeladen, sodass das Album am Ende Auftritte von Bob Dylan, Dr. John, David "Fathead" Newman, Flaco Jiménez, David Bromberg und Kenny Kosek präsentierte. Das Album erhielt nach der Veröffentlichung gemischte Kritiken und verkaufte sich eher schlecht. Das Album wurde in späteren Kritiken wesentlich positiver bewertet. Nach einer Reihe von Erfolgsaufnahmen in den späten 60er Jahren trennte sich das Sir Douglas Quintet 1972. Doug Sahm, der damals in San Francisco lebte, beschloss, nach Texas zurückzukehren und zog nach Austin. Die aufkeimende alternative Musikszene der Stadt umfasste Künstler wie Willie Nelson und Jerry Jeff Walker. Veranstaltungsorte, die von Sahm frequentiert wurden, waren der Soap Creek Saloon und das Armadillo World Headquarters. Jetty Wexler, damals der Produzent von Atlantic Records, interessierte sich für die Entwicklung dieser alternativen Szene und gründete eine entsprechende Country & Western Division bei dem Label. Wexler nahm Doug Sahm kurz darauf unter Vertrag.

Die Aufnahmesessions von Sahm, Wexler und Arif Mardin fanden in den ersten zwei Wochen des Oktober 1972 in den Aufnahmestudios von Atlantic Records in der West 60th Street in New York statt. "Is Anybody Goin' To San Antone" eröffnete das Album. Das Stück begeisterte durch die beiden Fiddeln, gespielt von Doug Sahm und Ken Kosek, sowie der Steelgitarre von Charlie Owens, während Bob Dylan eine der Chorstimmen beisteuerte. Dylan sang auch sehr harmonisch in "It's Gonna Be Easy", einer Nummer, geschrieben von Atwood Allen, während Allen und Sahm die Hauptstimmen quasi als Duett sangen. Dann kam auch eine von Newman, Wayne Jackson und Willie Bridges gestellte Bläsergruppe zum Einsatz, welche Doug Sahm bei der Bluesnummer "Your Friends" unterstützte. In "Poison Love" wurde der Gesang von Sahm ergänzt durch Flaco Jimenez am Akkordeon und Augie Meyers am Klavier, David Bromberg am Dobro und Andy Statman an der Mandoline. Die Komposition "Wallflower" aus der Feder von Bob Dylan war eine gemeinsam gesungene Variante von Sahm und Dylan. In "Dealer's Blues" setzten Jack Walrath, Martin Fierro und Mel Martin erneut mit ihren Blasinstrumenten die entscheidenden Akzente.

Kosek spielte mit Sahm und den beiden Fiddeln auch im Covertitel "Faded Love" von Countrylegende Bob Wills. Bob Dylan sang ausserdem in "Blues Stay Away From Me" wiederum mit Doug Sahm gemeinsam die Leadstimme und spielte auch ein Gitarrensolo. T-Bone Walker's "Papa Ain't Salty Anymore" und Willie Nelson's "Me And Paul" folgten. Newman wiederum begeisterte in "Do Not Turn Around", gefolgt von dem abschliessenden "I Get Off". Das Album erschien im Januar 1973. Die Singles waren "Is Anybody Goin 'To San Antone" und "It's Gonna Be Easy". Die Kritiker waren sich uneins über das Werk. Einige hoben die Relevanz des Albums alleine durch die Mitarbeit von Bob Dylan heraus. Robert Hilburn von der Los Angeles Times schrieb in seiner damaligen Rezension beispielsweise: "Es gibt einige ziemlich gewöhnliche Momente auf dem Album, aber da sind auch einige Tracks, auf die man nicht verzichten sollte". Ein Rolling Stone Magazine Musikkritiker erklärte, dass Sahm auf 'einem vergessenen Album ins Stocken geraten' sei. Robert Christgau bewertete das Album "B-", nannte Sahm zwar ein Talent, aber kein Genie und meinte, dass die begleitenden Künstler ihn nur hemmten. Spätere Kritiken lobten das Album aber. Allmusic bewertete das Album mit fünf von fünf Sternen, und der Kritiker Stephen Thomas Erlewine kam zu dem Schluss: "Das ist eine Musik, die anschaulich, aufregend lebendig ist und Sahm auf einem Höhepunkt zeigt. Es ist unwiderstehlich". Der Vinyl District bewertete das Album 'A' und meinte, dass es ein sofortiger Klassiker sei - energisch und ekstatisch.

Danach veröffentlichte Sahm bei verschiedenen Labels Platten mit unterschiedlichen stilistischen Schwerpunkten. Das rockige "Groover’s Paradise" (1974) mit Stu Cook und Doug Clifford von Creedence Clearwater Revival, das Country-Album "Texas Rock For Country Rollers" (1975), eine erneute Zusammenarbeit mit Produzent Huey P. Meaux und die Bluesplatte "Hell Of A Spell" (1980), ein Tribut an sein Vorbild Guitar Slim. In den 80er Jahren reformierte Doug Sahm sein Sir Douglas Quintet für Veröffentlichungen beim schwedischen Label Sonet Records, nahm weiterhin Solo-Material auf und gründete die Rockabilly-Formation Texas Mavericks und mit Amos Garrett und Gene Taylor die Formerly Brothers. 1989 gründete Sahm mit Freddy Fender, Flaco Jimenez und Augie Meyers die Tex Mex Supergroup Texas Tornados, mit denen er bis 1999 vier Studioalben, eine Live-Platte und eine Best Of-Zusammenstellung veröffentlichte. Dazwischen kam es 1994 zu einer erneuten Reunion des Sir Douglas Quintets. Ebenfalls 1994 wurde Sahms Album "The Last Real Texas Blues Band", eine erneute Hommage an den Texas Blues von T-Bone Walker, für einen Grammy nominiert.

Doug Sahm starb am 18. November 1999 in einem Hotelzimmer an einem Herzinfarkt. Im Jahr darauf erschien posthum sein letztes Album "The Return Of Wayne Douglas", das stilistisch eine Rückkehr zu seinen Country- und Western Swing-Wurzeln bedeutete. Doug Sahms Söhne sind ebenfalls im Musikgeschäft tätig. Shawn Sahm, der schon in den 80er Jahren Gitarre beim Sir Douglas Quintet spielte, wandelt mit seiner Band Tex-Mex Experience stilistisch auf den Spuren des Vaters und veröffentlichte die Solo-CD "Shawn Sahm" im Jahre 2002. Shandon Sahm, der jüngere Bruder, war als Schlagzeuger Mitglied der Rockband Meat Puppets und veröffentlichte das Soloalbum "Good Thoughts Are Better Than Laxatives" ebenfalls 2002.





Mar 28, 2018


THE OFFSPRING - The Offspring (Nemesis Records NEM-006, 1989)

1984 beschlossen Bryan 'Dexter' Holland und Greg Kriesel nach einem Konzert der Gruppe Social Distortion in Orange County/Kalifornien, selbst eine Band zu gründen. Diese nannten sie Manic Subsidal. Kevin Wasserman stieg als Gitarrist ein. Erste Auftritte gab es in San Francisco und Santa Cruz. 1986 benannte sich die Band in The Offspring ('Die Nachkommen') um. Im selben Jahr veröffentlichten sie 1000 Kopien der Singles "I’ll Be Waiting" und "Blackball" unter ihrem eigenen Black-Label. Nach dem Ausstieg von Schlagzeuger James Lilja kam der damals erst 16 Jahre alte Ron Welty hinzu. Im Jahre 1989 wechselte die Band zum Independent-Label Nemesis Records und veröffentlichte ihr Debütalbum "The Offspring". Nach Jahren der nicht mehr fortgeführten Produktion wurde das Album schliesslich 1995 von Epitaph Records mit einem ganz anderen Albumcover wiederveröffentlicht. Beide Re-Releases auf den beiden jeweiligen Labels waren nahezu identisch. The Offspring hatten in der Folge selten Songs von diesem Album live gespielt. 

Es war auch das einzige Studioalbum von The Offspring mit weniger als 12 Songs; es hatte 11. Die Original-Kassettenversion des Albums enthielt jedoch einen zwölften Track, "Hey Joe". Stilistisch wies dieses erste Werk auch noch Elemente des Horror Punks auf, zu hören bei Songs wie "Demons" oder "Beheaded". Nach der Aufnahme eines Demobandes im Jahre 1988 begannen The Offspring mit den Vorbereitungen für ihr erstes Studioalbum. Sie nahmen es im März 1989 im South Coast Recording Studio in Santa Ana, Kalifornien, mit Thom Wilson auf. Während der Sessions nahm die Band ihre frühen Songs "I'll Be Waiting" und "Blackball" auf, die beide ursprünglich auf der 1986er Single "I'll Be Waiting" der Band erschienen. Mit dem Stück "Crossroads" fand sich auf dem Album auch ein Titel, den die Gruppe überhaupt nie live spielte.

Das erste Offspring Album erhielt allgemein gemischte Rezensionen. AllMusic-Autor Stephen Thomas Erlewine, der dem Album nur gerade 2 1/2 von fünf Sternen vergab, erklärte, dass The Offspring eine noch wesentlich rauhere und härtere Platte als ihr grosser kommerzielle Durchbruch "Smash" war, was aber nicht unbedingt bedeuten würde, dass es eine bessere oder schlechtere Platte wäre, sondern dass es lediglich den später so bekannten Metal Gitarren-Crunch der Band noch nicht aufwies, der beispielsweise das Erfolgsalbum "Smash" dominierte. The Offspring erreichten ursprünglich nicht die Billboard 200 Charts, es wurde kein kommerzieller Erfolg. Als das Album  dann aber im Jahre 1995 noch einmal neu aufgelegt wurde, als die Band bereits weltbekannt war, erreichte es für drei Wochen als Spitzenposition Rang 85 in der niederländischen Albums Charts. Diese Version des Erstlingsalbums war fast identisch mit der ursprünglich auf Nemesis Records veröffentlichten Version. Es zeigte ein anderes Artwork als das umstrittene 'Guitar Alien' Cover, das von Marc Rude entworfen wurde.

Das Album wurde 2001 erneut auf Nitro Records veröffentlicht, wobei hier nun das Stück "Kill The President" weggelassen wurde. Laut Frontman Dexter Holland wurde es entfernt, um zu verhindern, dass erneuter Druck auf die Band und Nitro Records ausgeübt werden könnte. Zeitgleich zum alljährlichen sogenannten Record Store Day wurde "The Offspring" 2017 auf blauem, durchsichtigem Vinyl ebenfalls neu aufgelegt. Wie die Neuauflage von 2001 enthielt es "Kill The President" auch nicht.

1991 kam es zur Veröffentlichung der Seven-Inch-EP "Baghdad". 1992 erschien "Ignition" bei Epitaph Records. Das Album verkaufte sich später, nach dem Bekanntwerden der Gruppe, über eine Million Mal. Anschliessend ging die Band mit Pennywise und den Lunachicks auf Tournee durch die USA. In Europa spielten sie als Vorband von NOFX. Mit der Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums "Smash" schafften The Offspring den kommerziellen Durchbruch. Das Album enthielt Stücke wie "Self Esteem", "Come Out And Play (Keep ’Em Separated)" und "Gotta Get Away". Die Platte verkaufte sich über elf Millionen Mal weltweit. Schliesslich unterzeichnete die Band bei Columbia Records einen Plattenvertrag, wo 1997 ihr viertes Album "Ixnay On The Hombre" mit den Single-Auskoppelungen "I Choose", "The Meaning Of Life", "All I Want" und "Gone Away" veröffentlicht wurde. Jello Biafra war als Gast auf dem Album zu hören. Die Rechtslage war allerdings nicht eindeutig, sodass das Album nur in den USA bei Columbia Records, ansonsten allerdings noch bei Epitaph Records erschien.

Das 1998 veröffentlichte Album "Americana" verkaufte sich rund 15 Millionen Mal. 1999 spielten The Offspring bei Woodstock III und anschliessend auf einer Tournee in Japan und Australien. Die Band hatte einen Gastauftritt im Horrorfilm 'Idle Hands', wo sie ein Cover des Ramones-Songs "I Wanna Be Sedated" und den Song "Beheaded" von ihrem ersten Album spielten. In den Arcade- und Dreamcast-Spielen 'Crazy Taxi' und 'Crazy Taxi 2' von 1999 und 2001 wurde vorwiegend Musik der Band verwendet. Ihr sechstes Album "Conspiracy Of One" wurde 2000 veröffentlicht. Die Band wurde verklagt, da sie T-Shirts mit dem Napster-Logo im Internet verkauft hatte. Als Verteidigung sagte Dexter: "Ich wollte das Logo nur mit unseren Fans teilen". Vom Album wurden "Original Prankster" (bei dem der Rapper Redman einen Gastauftritt hatte), "Want You Bad" und "Million Miles Away" als Singles ausgekoppelt. Ebenfalls im Jahr 2000 nahmen sie den Song "Bloodstains" von Agent Orange für den Soundtrack der Wrestling-Komödie 'Ready to Rumble' (mit David Arquette und Scott Caan) auf.

2001 nahm die Band den Song "Defy You" als Soundtrack für den Film 'Nix wie raus aus Orange County' auf. The Offspring bekamen 2002 von Shirley Manson einen Kerrang!-Award überreicht. 2003 coverten The Offspring erneut "I Wanna Be Sedated" von den Ramones für das Tribut-Album "We’re A Happy Family", für das auch Interpreten wie U2, Green Day, Marilyn Manson, Rob Zombie, Metallica oder die Red Hot Chili Peppers Stücke einspielten. Im selben Jahr verliess Schlagzeuger Ron Welty die Band. Josh Freese ersetzte ihn zunächst bei den Aufnahmen eines neuen Albums. Die Band besuchte Hawaii und nahm zusammen mit der Surfertruppe Da Hui ein Surfvideo auf. Die Aufnahmen wurden dem neuen Album als Extra beigefügt, das unter dem Titel "Splinter" erschien. Die erste Single war "Hit That". Atom Willard ersetzte Freese, der vorübergehend als Schlagzeuger eingesprungen war. "Can't Get My Head Around You" wurde die zweite Single, die dritte Single "Spare Me The Details" wurde nur in den USA veröffentlicht. Im Februar 2004 startete eine Welttournee zum Album, die 97 Konzerte in 22 Ländern umfasste.

Im Mai 2004 beteiligte sich die Band mit dem Titel "Baghdad" an der 'Rock Against Bush'-Compilation. Am 27. Juli 2007 ersetzte Pete Parada, der schon für Saves The Day und Face To Face gespielt hatte, den vorherigen Schlagzeuger Adam Willard, der sich hauptsächlich auf seine damalige andere Band, Angels & Airwaves konzentrieren wollte. Im Juni 2008 erschien das Album "Rise And Fall, Rage And Grace". Die erste Single-Auskopplung war der Song "Hammerhead", der schon 2007 beim Summer Sonic Festival in Japan live gespielt worden war. Das Album stieg in den USA auf Platz 10 ein, was im Vergleich zum Vorgängeralbum "Splinter", welches in der ersten Woche nur Platz 30 erreichte, eine deutliche Verbesserung war. In Japan erreichte das Album in der ersten Woche Platz 3 und verkaufte sich rund 50000 Mal. In den deutschen Charts erreichte das Album Platz 13. Im März 2009 verkündete der Gitarrist Noodles, dass Sänger Dexter Holland mit dem Produzenten Bob Rock in Hawaii am neunten Album der Band arbeite. Mit der Veröffentlichung der gleichnamigen Single wurde das Album "Days Go By" im Mai 2012 angekündigt. Es erschien am 26. Juni 2012. Am 30. Januar 2015 wurde die Single "Coming For You" veröffentlicht.



Mar 27, 2018

 
THE RED CRAYOLA - The Parable Of Arable Land
(International Artists IA-LP-2, 1967)

Red Krayola (vormals The Red Crayola, später The Red Krayola) waren eine Psychedelic-und Avantgarde-Rockband aus Houston, Texas. Die Band wurde 1966 von Sänger, Gitarrist und 'Visual Artist' Mayo Thompson gegründet. Sie gehörte zu den am längsten aktiven Independent Rock Bands. Ihr experimenteller Stil nahm stilistisch die Musik der Punk- und der No Wave Szene der 80er Jahre in New York City vorweg. Zur ersten Besetzung gehörten neben Thompson auch der Schlagzeuger Frederick Barthelme (der Bruder des Schriftstellers Donald Barthelme) und Steve Cunningham. Die drei Gründungsmitglieder studierten Kunst an der University of St. Thomas in Texas. Das Trio begann, live aufzutreten, und spielte überwiegend Coverversionen, daneben füllten sie ihre Auftritte mit experimentellen Jams. Rasch erspielte sich die Gruppe eine kleine Fangemeinde innerhalb der Hippie-Szene, die sich selber 'The Familiar Ugly' nannte. Lelan Rogers, der Bruder von Kenny Rogers und Inhaber des Plattenlabels International Artists, sah die Band bei einem Auftritt in einem Einkaufszentrum und ermöglichte ihr, ein erstes Album aufzunehmen. An den Aufnahmen war neben den Bandmitgliedern auch der damals bereits sehr bekannte und erfolgreiche Roky Erickson beteiligt, der zu zwei Songs die Harmonika- und Orgel-Passagen einspielte. Ebenfalls auf dem Album zu hören waren die Familiar Uglies, von denen die als "Free-Form Freak Out" bezeichneten Zwischenspiele zwischen den einzelnen Songs stammten.

Das Album wurde damals praktisch live und in einem Durchgang an einem einzigen Tag aufgezeichnet. Neben der von Mayo Thompson an der Gitarre und dem Gesang, Steve Cunningham am Bass und Rick Barthelme am Schlagzeug gespielten psychedelischen Songs lieferten mehr als fünfzig Freunde der Band die sogenannten "Free Form Freak-Out" Tracks, die zwischen den Songs auf dem Album platziert wurden. Die wurden von der Band angewiesen, zu spielen, was sie wollten. Die Liner Notes eines gewissen 'General Fox', der vermutlich der Produzent Lelan Rogers war, da dieser bei der Aufnahme-Session anwesend war, erklärte, wie die ganze Aufnahme zustande kam und wie die Musiker und ihre vielen Hippie-Freunde zusammen dieses durchaus schräge und experimentelle 'Projekt' realisierten. Roky Erickson von den beim selben Plattenlabel ihre Alben veröffentlichenden 13th Floor Elevators spielte auf allen Titeln die Orgel und auch das Solo auf dem ersten Track des Albums "Hurricane Fighter Plane".

Während die Songs den typischen Stil von Mayo Thompson vorstellten, war es indes die Einbeziehung der "Free Form Freak-Outs", für die das Album später bekannt wurde und auch blieb. Sie wurden von vielen Kritikern als eine direkte Vorstufe zur Industrial-Musik gesehen, die sich in den 70er Jahren zu etablieren begann. Während das Album damals als psychedelisches Werk vermarktet wurde, hatte es auch viel mit modernen Komponisten des 20. Jahrhunderts und der Avantgarde gemein, vergleichbar mit Frank Zappa's damaligen Arbeiten. Thompsons Texte, die sich in den oft surrealen Ton typischer psychedelischer Texte aus den 60er Jahren einfügten, zeigten tatsächlich einen wesentlich literarischeren und künstlerischeren Ansatz als das, was in der Rockmusik zu jener Zeit üblich war. Auf der anderen Seite argumentierte der Musikkritiker Richie Unterberger, dass "Hurricane Fighter Plane" eine der spannendsten amerikanischen Annäherungen an Syd Barrett von Pink Floyd gewesen sei. Das Non-Traditional und avantgardistischste der sechs Stücke war der Titelsong. Es war instrumental gehalten und bot imgrunde nur eine spärliche und exotisch klingende Perkussions-Schleife mit minimaler Improvisation, die sich intensiv entwickelte und sich dann im Laufe von etwa drei Minuten wieder beruhigte. Dies war nicht Teil der "Free Form Freak-Outs", da es etwas orchestriert zu sein schien. Dieser Track implizierte insbesondere die eklatante minimalistische und nicht-kommerzielle Natur ihrer Musik.

In späteren Rezensionen nannten viele Kritiker das Werk eines der visionärsten Alben des Jahres 1967. Alle Tracks wurden von Rick Bartholme, Steve Cunningham und Mayo Thompson geschrieben. Das Debutalbum erfüllte leider nicht die kommerziellen Erwartungen der Plattenfirma, weswegen diese sich zunächst weigerte, ein weiteres Album zu veröffentlichen. Der Schlagzeuger Barthelme verliess daraufhin Red Krayola und wurde durch Tommy Smith ersetzt. Das in dieser Besetzung eingespielte Album "God Bless The Red Krayola And All Who Sail With It" erschien dann 1968 trotzdem bei International Artists. Die Verkaufszahlen waren jedoch erneut sehr schlecht und Red Krayola trennten sich wenig später. Thompson verfolgte anschliessend eine Solokarriere. In den 70er Jahren verlegte er deswegen seinen Wohnsitz nach London und kollaborierte mit Art & Language und Pere Ubu. 1976 erschien das zusammen mit Art & Language aufgenommene Album "Corrected Slogans", auf dem unter anderem frühe Versionen von Stücken wie "Keep All Your Friends" und "The Mistakes Of Trotsky" zu hören sind, die 1981 für das Album "Kangoroo" erneut aufgenommen wurden.

1979 erschien das vierte Album "Soldier Talk", die Schreibweise des Bandnamens musste wegen rechtlicher Belange in Red Crayola geändert werden. 1981 folgte "Kangaroo", das unter dem Namen The Red Krayola with Art & Language erschien und an dem bekannte Experimentalmusiker wie Allen Ravenstine (Synthesizer), Gina Birch und die Musiker der Formation Epic Soundtracks mitwirkten. Das Album thematisierte den Kommunismus in der damaligen UdSSR mit Liedern wie "A Portrait of V. I. Lenin In The Style of Jackson Pollock" oder "The Mistakes Of Trotsky". Ravenstine sowie Art & Language waren auch an dem 1983 veröffentlichten Album "Black Snakes" beteiligt. Nach dessen nur wenig beachtetem Release widmete sich Thompson wieder mehr der Arbeit als Musikproduzent. Nachdem er seinen Wohnsitz nach Düsseldorf verlegt hatte, nahm er mit einer Begleitband um den deutschen Musiker Rüdiger Carl das Album "Malefactor, Ade" auf, das 1989 veröffentlicht wurde. In den 90er Jahren zog er zurück in die USA nach Chicago. Beim Plattenlabel Drag City erschienen die 12″-Single "Three Songs on a Trip to the United States" (1993) mit fünf Live-Aufnahmen sowie mit "Red Krayola" (1994), "Hazel" (1996) und "Fingerpainting" (1999) drei weitere Studioalben, auf denen er mit Jim O’Rourke, John McEntire und der Gruppe Tortoise zusammenarbeitete. Anlässlich des 40-jährigen Bandbestehens veröffentlichte Thompson 2006 das Album "Introduction", 2007 "Sighs Trapped By Liars" und 2008 das Remix-Album "Fingerpointing". 2010 erschien das bislang letzte Album "Five American Portraits" unter dem Bandnamen The Red Krayola with Art & Language.

Im Frühjahr 2012 nahm Red Krayola aktiv am dreimonatigen Ausstellungsbetrieb der Whitney Biennial 2012 teil. Der Ansatz der Band war zunächst, der British Invasion etwas Eigenes und Neues entgegenzusetzen. Dabei entwickelten Red Krayola eine Form der experimentellen Rockmusik, die nicht wie bei anderen Experimentalgruppen wie etwa The 13th Floor Elevators oder The Electric Prunes auf Rhythm'n'Blues, Jazz oder klassischer Musik basierte. Das Debütalbum "The Parable Of Arable Land" war geprägt von Thompsons Gitarrenspiel, das weniger durch Rhythmik und mehr durch Texturen geprägt war und später als Vorreiter für den Post-Punk galt. Das zweite Album "God Bless The Red Krayola And All Who Sail With It" war wesentlich songorientierter und bestand aus kurzen, eingängigen Stücken, die ausschliesslich mit Gitarre, Bass und Gesang instrumentiert waren. Später näherte sich die Musik dem Post Punk und der No Wave an. Mit den Veröffentlichungen der 90er Jahre gelang es Thompson, seine musikalischen Ideen durch die Beteiligung junger Avantgarde-Musiker wie Jim O’Rourke, John McEntire oder David Pajo (Slint) in zeitgemässem musikalischen Sound zu präsentieren.







Mar 26, 2018

 
BUTTHOLE SURFERS - Electriclarryland 
(Capital Records 7243 8 29842 14, 1996)

Die Butthole Surfers wurden im Jahre 1981 von Gibson 'Gibby' Haynes (Gesang) und Paul Leary Walthall (Gitarre) in San Antonio gegründet. Beide Musiker waren sich bereits 1977 als Studenten an der dortigen Trinity University begegnet. Zu ihnen stiess 1983 Jeffery 'King' Coffey als Schlagzeuger. Diese drei bildeten über die folgenden Jahre des Bestehens der Band die Kernmitglieder. Weitere vorübergehende Mitglieder waren unter anderem auch Teresa Taylor als zweite Schlagzeugerin und mehrere Bassisten, unter ihnen Jeff Pinkus, Andrew Weiss, Bill Jolly und Mark Kramer. Die erste gleichnamige EP veröffentlichten die Butthole Surfers im Jahre 1983 für Jello Biafra's Plattenlabel Alternative Tentacles, im folgenden Jahr wurde eine Live-LP aufgenommen, um die aus dem Ruder gelaufenen Ausgaben für die Aufnahmen zur ersten Platte wieder auszugleichen. Schon auf ihrer Debüt-EP provozierten sie mit Titeln wie "The Shah Sleeps In Lee Harvey's Grave" und "The Revenge Of Anus Presley". Das erste Album "Psychic Powerless Another Man's Sac" aus dem Jahre 1984 nahmen sie für das Label Touch and Go Records auf. Neben Hardcore Punk war der Sound der Band in dieser Zeit noch stark beeinflusst durch Psychedelic Rock und Heavy Metal. Diese Mischung machte sie zu einer Vorläuferband des Grunge Rock. Jedoch veränderte sich ihr Sound im Laufe der Jahre. Das zweite Album "Rembrandt Pussyhorse" aus dem Jahre 1986 erinnerte mit seinen experimentellen Klängen an Avantgarde Bands wie die Einstürzenden Neubauten oder die Residents.

Erst ihr drittes Album "Locust Abortion Technician" aus dem Jahre 1987 und die nun zunehmend ausgefalleneren Liveshows machten die Buttholes Surfers einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Schon zu Beginn des Bestehens der Band hatte Coffey unter einer seiner Trommeln ein Stroboskop installiert. Später erwarb die Gruppe noch mehrere solcher Lichter, die während eines Auftritts fast kontinuierlich ein Blitzlichtgewitter erzeugten. Mit diesen visuellen Hilfsmitteln, einem quadrophonischen Sound und zwei gleichzeitig spielenden Schlagzeugern produzierte die Band für die Zuhörer ein albtraumhaftes Erlebnis. Der Sänger Gibby Haynes trug mit seinem Gesangsstil, der an Schreien erinnerte und häufig durch ein Megaphon unterstützt wurde, zu diesem Erlebnis bei. Unzählige Kostüme, ins Haar gebundene Stoffstreifen, Nackttänzerinnen, Kunstblut, ausgestopfte Tiere und ein umgedrehtes, mit Benzin gefülltes Schlagzeug-Becken, welches er während der Shows anzündete und anschlug waren weitere Elemente von Haynes' Bühnenshow. Verschiedene Filme wurden bei Auftritten der Butthole Surfers auf einer Leinwand hinter der Bühne gezeigt, darunter waren Aufnahmen von Obduktionen, Verkehrsunfällen, Explosionen von Atombomben, Menschen mit epileptischen Anfällen und Operationsszenen von Gesichts-Operationen und Penisrekonstruktionen. Doch nicht nur schockierende Aufnahmen wurden gezeigt; so zählte auch eine Episode aus 'Drei Engel für Charlie' zu den gezeigten Filmen.

Oft kam es während Auftritten der Band, bedingt auch durch den immer stärkeren Missbrauch von Alkohol, Marihuana und LSD, zu Gewaltausbrüchen zwischen Mitgliedern der Band und Verletzungen durch den Gebrauch von brennbaren Substanzen und Bierflaschen. Es gelang der Band jedoch, durch ihre Shows und die bisher veröffentlichten drei Alben ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zur Zeit der Veröffentlichungen "Locust Abortion Technician" und "Hairway To Steven" schafften es die Butthole Surfers, auch grössere Hallen auszuverkaufen. 1989 verliessen sie ihre Plattenfirma Touch and Go, um einen Vertrag mit Rough Trade Records abzuschliessen. Mittlerweile hatte die Band sich innerhalb der Musikszene einen Ruf als harter Verhandlungspartner gemacht. Als Rough Trade Records 1991 nach dem Erscheinen von "Pioughd" Insolvenz anmelden musste, hatte die Band sich längst ihre Masterbänder und Erlöse aus den Plattenverkäufen gesichert. Nachdem sie im gleichen Jahr an der ersten Lollapalooza-Tour teilnahmen, erhielten sie ihren ersten Plattenvertrag bei einem Major Label, Capitol Records.

Die Musik der Butthole Surfers hatte sich von den experimentelleren Tönen mittlerweile zu etwas konventionellerem Alternative Rock entwickelt. Dies wurde auch auf ihrer ersten Veröffentlichung für Capitol Records, dem Album "Independent Worm Saloon" aus dem Jahre 1993, produziert von John Paul Jones (Led Zeppelin), deutlich. In dieser Zeit steuerten sie auch Songs für Hollywood Soundtracks bei, etwa für 'Romeo und Julia', 'Flucht aus L.A.' und 'Mission: Impossible II'. 1996 gelang es ihnen, mit ihrem Album "Electriclarryland" endlich auch regelmässig im Radio gespielt zu werden. Zur gleichen Zeit kam es allerdings auch zu juristischen Schwierigkeiten. Sie verklagten ihre alte Plattenfirma Touch and Go auf Herausgabe der Rechte an ihren alten Veröffentlichungen. 1999 gewannen sie den Prozess und veröffentlichten ihre älteren Alben auf ihrem eigenen Plattenlabel, Latino Buggerveil. Im gleichen Jahr kam es auch mit Capitol Records zu juristischen Schwierigkeiten, die in ihrem Rauswurf resultierten.

Nach der Veröffentlichung von "Electriclarryland" wurde die Musik der Band immer mehr von elektronischen Klängen beeinflusst. Gibby Haynes gab als Einflüsse Massive Attack und die Chemical Brothers an. Als Ergebnis erschien 2001 das Album "Weird Revolution", eine überarbeitete Version eines noch für Capitol Records aufgenommenen, aber nie erschienenen Albums mit dem Namen "After The Astronaut". Im Jahre 2002 erschien "Humpty Dumpty LSD", eine Sammlung von bisher unveröffentlichten Songs, aufgenommen für frühere Alben. Auch abseits der Butthole Surfers waren die Bandmitglieder musikalisch aktiv. Gibby Haynes und Jeff Pinkus veröffentlichten 1990 als The Jackofficers das House-Album "Digital Dump". 1991 sang Haynes für Ministry den Hit "Jesus Built My Hotrod", ein Song mit dem gleichen Text erschien auf dem 1993er Album "Independent Worm Saloon" mit dem Namen "Some Dispute Over T-Shirt Sales". 2004 nahm Haynes für den Film 'Saw II' mit den Revolting Cocks den Song "Caliente (Dark Entries)" auf, eine Art Coverversion des Songs "Dark Entries" von Bauhaus. Paul Leary veröffentlichte 1991 ein Soloalbum mit dem Namen "The History Of Dogs" und produzierte Bands wie Sublime, Reverend Horton Heat und die Meat Puppets.









Mar 25, 2018


LEVON HELM - Levon Helm And The RCO All Stars
(ABC Records AA 1017, 1977)

Der Musiker Levon Helm spielte ab 1958 bei den Hawks, der Begleitband des Rockabilly-Sängers Ronnie Hawkins, später war er Gründungsmitglied von The Band. Levon Helms Hauptinstrument war das Schlagzeug, er spielte aber auch Gitarre und Mandoline. Sein Gesang verlieh vielen Klassikern der Formation The Band eine unverwechselbare Stimme. Levon Helm war ein Sohn des amerikanischen Südens, er wuchs auf einer Farm im Mississippi Delta auf und wurde schon in seiner Kindheit von der reichen Musiktradition dieser Region beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen Rockmusikern seiner Zeit waren die Stilrichtungen Country, Blues, Gospel und Folk für ihn keine Sehnsuchtsmotive, sondern ein Teil seiner frühen musikalischen Eindrücke. Nachdem er Elvis Presley live gesehen hatte, wollte Levon Helm selbst Rock'n'Roll spielen. Zu seinen Vorbildern gehörten auch Bo Diddley und Peck Curtis, der Schlagzeuger bei Sonny Boy Williamson II And The King Biscuit Boys. Nach seinem Umzug nach Memphis wurde der 17-jährige Levon Helm im Jahre 1957 von Ronnie Hawkins entdeckt und in dessen Band integriert. Helm spielte in der Folge bei den Aufnahmen der Hawkins-Hits "Mary Lou" und "Forty Days" Schlagzeug. Obwohl er die Schule noch nicht abgeschlossen hatte, folgte er Hawkins 1958 nach Toronto. 1963 verliess er gemeinsam mit seinen kanadischen Mitmusikern Rick Danko, Garth Hudson, Richard Manuel und Robbie Robertson den Bandleader Ronnie Hawkins, um zuerst als Levon And The Hawks und später als The Band in die Geschichte der Rockmusik einzugehen.

Bob Dylan heuerte Mitte des Jahres 1965 The Hawks als Begleitband an, nachdem er kurz zuvor den Gitarristen Robbie Robertson und Levon Helm kennengelernt hatte. Zermürbt von den Anfeindungen vieler Dylan-Fans, die dessen neue, elektrisch verstärkte Musik als Verrat an den Folkidealen betrachteten, verliess Levon Helm jedoch kurz darauf Bob Dylan. Er kehrte nach Arkansas zurück und wollte das Musikbusiness endgültig hinter sich lassen. Mitte 1967 holten ihn jedoch Bob Dylan und seine Begleitmusiker, die sich nun The Band nannten, wegen der Aufnahmen für die später legendären "Basement Tapes" zurück. Sie benötigten Helms Stimme und seine Perkussion. Nach den Aufnahmen zu den "Basement Tapes" trennte sich The Band von Dylan und nahm ihr erstes eigenes Studioalbum "Music From Big Pink" auf. Stücke wie "The Weight" und "The Night They Drove Old Dixie Down", bei denen Helm die Lead-Stimme sang, wurden zu den bekanntesten Titeln von The Band. Nach ihrem letzten Studioalbum "Islands" und ihrem Abschiedskonzert "The Last Waltz" im Jahre 1976 löste sich die Gruppe auf. Um Levon Helm blieb es nicht lange ruhig. Bereits 1977 nahm er sein erstes Solo-Album "Levon Helm And The RCO All Stars" auf.

Die All Stars waren eine Traumgruppe von Levon Helms Lieblingsmusikern, darunter Namen wie Mac Rebennack (alias Dr. John), Paul Butterfield, Booker T. Jones, Donald 'Duck' Dunn, Steve Cropper, Tom Malone, Alan Rubin und die beiden Oldtimer Henry Glover und Fred Carter aus der Hawks-Zeit. Nur ein Track, "Blues So Bad", wurde von Levon selbst geschrieben. Die Songs, die teilweise in Shangri-La und teilweise in Levons eigenem RCO-Studio in Woodstock aufgenommen wurden, waren hauptsächlich fröhlich aufgebaute, zeitlos unterhaltsame Blues-Stücke, denen die Musiker zumeist sehr laidback gehaltene und unaufgeregte Arrangements verpassten. Der erhoffte kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus, denn die Platte hinterliess mehrheitlich enttäuschende Fans der Formation The Band, die noch auf ähnliches Material, wie das auf früheren The Band-Alben zu hören gewesen war, hofften. "Levon Helm And The RCO All Stars" wurde trotz der bemerkenswerten Mannschaft, die auf dem Werk spielte, kein grosser Erfolg, ein insgesamt eher enttäuschender Rang 142 in den Album-Chart war die höchste Platzierung, die das Album erreichte, ausserhalb der USA wurde die Platte ebenfalls kaum wahr genommen. Trotz mehrerer innovativer Versuche, das Album zu promoten, scheiterte auch die Aufgabe, eine längere Konzertreihe auf die Beine zu stellen. Hauptsächlich lag das an den vollen Terminkalendern der beteiligten Musiker, die allesamt mit ihren eigenen Projekten unterwegs waren.

Levon Helm liess sich von dem moderaten Erfolg der Platte nicht irritieren und veröffentlichte ein Jahr später sein zweites Studiowerk "Levon Helm". 1980 und 1982 folgten zwei weitere Soloalben und eine Reunion von The Band mit Jim Weider, der Robbie Robertson ersetzte. 1993 gründete er sein eigenes Plattenstudio in Woodstock und es erschien seine Autobiographie 'This Wheel’s On Fire'. Ende der 90er Jahre wurde bei Levon Helm Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Er unterzog sich einer langwierigen Radiotherapie. Wie durch ein Wunder kehrte seine verloren geglaubte Gesundheit und seine Tenor-Stimme soweit zurück, dass er mit der gesanglichen Unterstützung seiner Tochter Amy, des Multi-Instrumentalisten und Produzenten Larry Campbell und dessen Frau Teresa Williams im Jahre 2002 eine Konzertreihe starten konnte. Diese Konzerte fanden zunächst unter dem Namen 'Midnight Ramble' mit einer Reihe von illustren Gästen wie etwa Elvis Costello, Donald Fagen, Jon Herrington, Emmylou Harris, Dr. John und Kris Kristofferson regelmässig in seiner Scheune bei Woodstock, New York statt. Mit den Einnahmen konnte Levon Helm seine hohen Behandlungskosten begleichen. Mit der Kernbesetzung der wöchentlichen 'Midnight Rambles' veröffentlichte Levon Helm drei Alben: "Dirt Farmer" (2007), "Electric Dirt" (2009) und das Live-Album "Ramble At The Ryman" (2011). Alle drei Alben wurden jeweils mit einen Grammy ausgezeichnet.

Levon Helm hatte 2005 in dem Film 'Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada' eine Rolle als alter blinder Mann, der nur mexikanisches Radio hört. Später folgten weitere Rollen in grösseren Hollywood Produktionen wie 'Shooter' (2007) und 'In the Electric Mist' (2008). Bei den Grammy Awards 2008 erhielt Levon Helm die Auszeichnung in der Kategorie des besten traditionellen Folk Albums für seine Platte "Dirt Farmer". Im Februar 2009 wurde Levon Helm auf Platz 91 der 100 grössten Sänger aller Zeiten des Rolling Stone Magazins gewählt, My Morning Jacket-Sänger Jim James schrieb in seiner Würdigung über Helm: "Nachdem Papa Garth Hudson ja nicht wirklich sang, empfand ich immer Levon als die gesangliche Vaterfigur in The Band. Er wirkt stark und selbstbewusst, eben wie ein Vater, der einen nach Hause ruft oder auch mal ausschimpft. Levons Stimme ist wie ein robustes altes Bauernhaus". Dasselbe Magazin listete Helm 2016 auf Platz 22 der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten. Der Song "Levon" auf dem Album "Madman Across The Water" von Elton John war nach Levon Helm benannt. Am 19. April 2012 verstarb Levon Helm im Alter von 71 Jahren infolge seiner Krebserkrankung.





Mar 24, 2018


HOLLOW EARTH - Out Of Atlantis (Sound Effect Records SERC046, 2017)

Hollow Earth sind geheimnisvoll. Die Band präsentiert sich als die offiziell sanktionierte Musikabteilung der Societé de la Terre Creuse, der Torwächter der geheimen Welt von Shambhalla, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bildungsarbeit der Organisation durch das kraftvolle Massenmedium Psychedelic Rock zu finanzieren. Das lässt einen zunächst einmal etwas ungläubig, aber augenzwinkernd und nach dem ersten Anhören einigermassen sprachlos und ratlos zurück. Denn was die aus Stockholm beheimatete Dreier-Mannschaft hier abliefert, ist wundervoller, fluffiger, manchmal etwas dezent härterer, aber immer sehr stimmungsvoller und extrem warmer Vintage-Rock, der sich nicht wie andere sogenannte Retro-Bands einfach stilistisch erkennbar irgendwo anhängt, um letztlich wie ein Evergreen zu klingen, der keiner ist. Nein, Hollow Earth haben sich dem frühen Progressive und Underground Rock verschrieben, und als Besonderheit: da dem hochmelodischen und vielleicht etwas Folk-verliebten britischen Underground, wie er etwas zu Ende der 60er Jahre von den frühen Deep Purple, aber noch mehr von Bands wie Pink Floyd in der Post-Syd Barrett Aera gespielt wurde.  

"Es gibt diesen leicht salzigen Geruch in der Luft des frühen British Progressive Rock, ein bisschen King Crimson vielleicht, ein bisschen Spring. Die Orgel und Streicher und die manchmal leicht unheimliche Stimmung erinnern mich ein wenig an die verrückte Welt von Arthur Brown" hat beispielsweise der Musikhistoriker Daniel Dellamorte die Musik auf dem Album "Out Of Atlantis" bechrieben, und ich denke, das trifft es ziemlich gut. Allen Songs auf dem Album ist eine gewisse Düsterheit anheim, die man so eigentlich noch nicht gehört hat, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit so harmonischen und melodischen Songs. Eine faszinierend morbide Note haben Hollow Earth ihrem durchaus eigenständigen Vintage Progressive Rock beigemengt, sodass die ganze Platte irgendwie romantisch, aber doch auch immer wieder geheimnisvoll und stellenweise recht bedrohlich wirkt. Dadurch bricht die Band nie aus, sie bleibt verhalten und zurückgenommen, versucht, die Düsternis über die ganze Distanz des Albums zu bringen, was ihr auch ausgezeichnet gelingt. Etwaige Ausbrüche in Lärm-Teile, wie sie von vielen anderen Vertretern des Retro Hard-, beziehungsweise Progressive Rock gespielt werden,fehlen praktisch zur Gänze, was dem Genuss der ganzen Platte natürlich höchst förderlich ist: Die Stimmung, mit welcher das Album beginnt, hält sich bis zum Schluss, bleibt dabei aber immer spannend und lässt nie hör- oder spürbar nach.

Hollow Earth, das sind die drei Musiker 
Cristóbal Nemo, der soundbestimmende Anführer und auch Hauptkomponist, der sich als wahrer Universal-Instrumentalist beweist. Er spielt auf "Out Of Atlantis" die Hammond B3 Orgel, ein Wurlitzer Klavier, ein Grand Piano, das Mellotron, verschiedene modulare Synthesizer, Ribbon Synthesizer, ein Spinett, das Vibraphon, ausserdem alle elektrischen und akustischen Gitarren und verschiedene Perkussionsintrumente. Ausserdem stellt er seine Fähigkeiten auch am Mikrophon unter Beweis, und erledigt auch diese Aufgabe beeindruckend und mit dem gewissen Früh-70s-Flair, das zu der Musik von Hollow Earth hundertprozentig passt. Seine beiden Begleiter sind der Bassist und Sänger Don Pharoah und der Schlagzeuger Rod Handel. Alle drei Namen klingen so gar nicht schwedisch, weshalb stark davon auszugehen ist, dass es sich hierbei um Pseudonyme handelt,was aber bisher nicht herauszufinden ist. Produziert wurde das Album von Ray Pescador, der auch einige Gitarren-Parts zu dem Album beitrug und die spärliche Info auf der Platte weist Cristóbal Nemo als alleinigen Komponisten der Songs aus. Zusätzlich wird für das Stück "Electric Eden" das wohl ebenso mysteriöse und kaum unter seinem richtigen Namen aufspielende 'Quintette Terre Creuse' als Streichergruppe genannt.als Streichergruppe genannt.als Streichergruppe genannt.

Was die Band und der wohl ganz bewusst aufgebaute neblige Schleier um ihre Identität so interessant macht, ist - neben der absolut hervorragenden Musik - dass die Mitglieder von Hollow Earth mit einem geheimen Kult verbunden sein sollen und mit den selbsternannten Torwächtern von Shambhalla leben. Ihr Zirkel wurde anscheinend von Nicholas Roerich in Naggar im Himalaya in den 30er Jahren gegründet, und sie würden fortwährend die Wahrheit gegen Diejenigen, die an eine feste Erde glauben würden, verteidigen. Die Band bedient sich dabei dem Mysterium der sogenannten 'Hohlen Erde' (Hollow Earth). Die Lehre des Klangkörpers postuliert prinzipiell, dass eine Vollkugel ohne Hohlräume überhaupt nicht in der Lage wäre, eine lebendige Schwingung zu erzeugen. Da nun die Erde ein Resonanzkörper auf der Schwingungsfrequenz des Tones G wissenschaftlich dokumentiert ist, stellt sich die Frage, warum es keine für Lebewesen bewohnbaren Untergründe geben kann. Es stellt sich weiterhin die Frage, welche Wissenschaft so vermessen sein darf, das Erdinnere zu kennen, ohne es jemals wirklich erforscht zu haben. So äusserste sich der Ozeanograph Mark Desmond. Grund genug, aufgrund dieser interessanten Aussage, die Hohle, oder auch Innere Erde-Theorie etwas näher zu beleuchten.

Laut der wissenschaftlichen Annahme besteht die Erde aus einem festen Kern, einem Mantel, einer Übergangszone, dem Oberen Mantel und der Erdkruste. Die Entfernung vom Erdmittelpunkt zur Oberfläche beträgt rund 6370 Kilometer. Seit vielen Epochen der Erdgeschichte stösst man aber immer wieder auf die Theorie einer hohlen Erde, die von menschenähnlichen friedfertigen Wesen bewohnt wird, die uns normalen Menschen weit überlegen sind, eine eigene Sonne im Zentrum hat, eine üppige Vegetation besitzt und zwei je über 2000 Kilometer grosse Öffnungen an den beiden Polen haben soll. Oft werden zu diesem Thema ganz bestimmte Mythen als Hinweise herangezogen, die eine hohle und bewohnbare Erde beschrieben haben sollen, die aber nicht immer zutreffend sind. Weder in der Bibel wird das Paradies als einen Ort im Innern der Erde genannt,noch ist Asgard aus der germanischen Mythologie jener Ort. Im Gegenteil: Asgard ist der Ort im Himmel, wo die Götter wohnen. Wenngleich Mythen wie auch die Bibel breite Interpretationsmöglichkeiten zulassen.

Die erste Theorie auf wissenschaftlicher Grundlage bezüglich einer Hohlen Erde basierte auf den Ergebnissen von Edmond Halley aus dem Jahre 1692, der unter anderem aufgrund der neuen Gravitationstheorie Newtons eine hohle Erde ableitete. Einige weitere Wissenschaftler griffen diese Theorie später auf und untermauerten mit ihrerseits neuen Erkenntnissen die Möglichkeit einer hohlen Erde, wie beispielsweise der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler oder der schottische Physiker und Mathematiker Sir John Leslie. In der Literatur wurde das Thema seither bekanntermassen mehrmals aufgegriffen, Jules Vernes Roman 'Die Reise zum Mittelpunkt der Erde' geniesst diesbezüglich geradezu Kultstatus. Um das 19. Jahrhundert herum, als sich die Menschen nach jahrhundertelanger Herrschaft des Christentums wieder mehr den Geheimnissen und Möglichkeiten des Lebens öffneten, wurden einige Anläufe für Expeditionen zu den möglichen Öffnungen zur Inneren Erde, die man an den beiden Polen vermutete, mehr oder weniger erfolglos geplant und unternommen.

Die dem deutschen Nationalsozialismus nahe 'Thule' Gesellschaft, ein Geheimbund, wollte zu Anfang des 20. Jahrhunderts anhand Übersetzungen herausgefunden haben, dass tibetische, indische und griechische Schriften darauf hinweisen würden, dass die Erde hohl und im Innern bewohnt sei. Daraufhin sollen sich während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche deutsche U-Boote und Flugzeuge in Richtung Antarktis aufgemacht haben, um den Eingang zur Inneren Erde auszumachen und zu erforschen. So soll auch der Name 'Neuschwabenland' für dieses Gebiet entstanden sein. Auch der Begriff 'Agartha' taucht unweigerlich auf, sobald man sich auf die Suche nach Informationen zu einer hohlen oder inneren Erde im Netz macht. Bekannt wurde der Begriff Agarthi oder Agartha vor allem durch den Autor Ferdinand Ossendowski, der 1924 das Buch 'Tiere, Menschen und Götter' während seines Aufenthalts in Zentralasien schrieb. Er berief sich bei der Beschreibung eines unterirdischen Reiches dabei hauptsächlich auf die mystischen Überlieferungen aus der Mongolei und dem Tibet. Dort existiert die geheimnisvolle und mystische Tradition von Agharti. Agarthi (in der Mongolei), Agartha (in Indien) beziehungsweise Shambala in Tibet, ist ein Volksglauben, der besagt, dass eine Welt unter dem Hochplateau in den Bergen von Zentralasien existiert und von Supermenschen bewohnt wird.Unter Tibet sollen die Nachkommen des versunkenen Kontintens Atlantis leben.

Auch 'Etidorhpa', ein Science Fiction Roman aus dem Jahre 1895, der eine bewohnte innere Erde beschrieb, enthalte, so heisst es in der Einleitung der deutschen Ausgabe, mehr wissenschaftliche und metaphysische Wahrheiten als heutige Lehrbücher. In einem nicht ausgewiesenen Zitat aus dem Buch 'Die ultimative Realität' von Joseph H. Cater heisst es, dass jeder intelligente Leser von 'Etidorhpa' erkennen müsse, dass es sich nicht um Science Fiction handle. Manche Menschen legen wegen bestimmten darin geschilderten Ereignissen nahe, dass es sich bei dem Autor Drury um einen abtrünnigen Freimaurer namens William Morgan handelt, den es angeblich auch wirklich gab. Später sollte sich herausstellen, dass der Pharmakologe und Apotheker John Uri Lloyd hinter dem Synonym Drury steckte. Und Lloyd hatte angeblich später selbst erklärt,um Gerüchten entgegenzuwirken, dass er sich die Geschichte nur ausgedacht hatte. Von Einigen wird 'Etidorhpa' als sarkastische Schmähung des Freimaurertums angesehen. Es stellte sich jedoch auch die Frage: Kann man sich die teils unglaublich detaillierten Beschreibungen einer anderen Welt wirklich einfach so ausdenken ?

Die Hohle Erde tatsächlich besucht haben wollten hingegen nach eigenen Angaben die beiden Norweger Jens Jansen und sein damals 19 jähriger Sohn Olaf, die bei einer weiten Seefahrt mit einem kleinen Fischerboot im Jahre 1829 zufällig ins Erdinnere gelangten. Beide blieben knapp drei Jahre dort. Bei der Fahrt zurück nach Norwegen überlebte nur Olaf, der aufgrund seiner verrückt anmutenden Erzählungen über das Innere der Erde für 28 Jahre in eine Irrenanstalt gesteckt wurde. Nach seiner Freilassung und der Emigration in die USA schrieb er seine Erlebnisse detailliert nieder: Üppige Wälder und Sandstrände säumten das Ufer am Fluss eingangs in das Zentrum der anderen Welt. Die Vegetation wuchs in verschwenderischem Überfluss, allerlei Früchte boten den allerköstlichsten Geschmack auf. Weintrauben bis zu 1,50 Meter Länge, an denen die einzelnen Beeren so gross wie Orangen waren, und Äpfel, die einen grösseren Umfang als ein Menschenkopf hatten, repräsentierten den enormen Wuchs aller Dinge in der inneren Erde. Die heimischen menschenähnlichen Wesen dort sollen zwischen 3,30 und 4,50 Meter gross gewesen sein, sehr geduldig, sanftmütig, freundlich und zuvorkommend zu ihren neuen Gästen. Das warme Licht einer Art Zentralsonne aus dem Inneren war allgegenwärtig und erhellte die Landschaft. Die Beförderungsmittel sausten in hohem Tempo völlig geräuschlos und in perfekter Balance auf einer einzelnen eisernen Schiene dahin. Die Wesen waren sehr spirituell und sprachen eine Art Sanskrit.

Da sich nach den kosmischen Gesetzen Alles, also sowohl Innen sowie Aussen, beziehungsweise Oben wie Unten, in irgendeiner Form gleicht, sollte man die Theorie der 'Hohlen Erde' nicht einfach als Spinnerei abtun. Sowohl unser Lebensantrieb, die roten Blutkörperchen, als auch die für die Fortpflanzung zuständige Eizelle, besitzen keinen Zellkern, sondern haben einen Hohlraum. Warum dann nicht auch unser Planet Erde ? Oder handelt es sich bei den Manuskripten um niedergeschriebene Visionen? Visionen, die in den morphogenetischen Feldern der Erde gespeichert sind und die von Menschen bereits in früheren Ur-Inkarnationen erlebt und gesehen wurden ? Zu Zeiten, als die Erde noch ein paradiesischer Ort war ? Die Kola-Bohrung in Russland in den 70er Jahren war mit rund 12 Kilometern das bisher tiefste Loch, das jemals in die Erde gegraben wurde. Der Radius, also die Entfernung von der Erdoberfläche bis in die Mitte der Erde beträgt über 6370 Kilometer.

Bei aller Satellitentechnik und der vielen Astronauten, die den Planeten Erde von oben schon gesehen haben, fragt man sich jedoch berechtigterweise, ob die Theorie der Hohlen Erde pure Science Fiction ist oder wer und/oder was Interesse daran hat, die Menschheit im Glauben zu lassen, die Erde sei ein fester geschlossener Körper ? Gibt es dort tatsächlich jene beschriebenen Zivilisationen, die beispielhaft aufzeigen, wie ein menschen- und damit artgerechtes Leben möglich wäre, übertragbar vielleicht auf unsere 'Obererde' ? Erkenntnisse,die möglicherweise in den Untiefen des Ozeans verschollen bleiben sollen. Vielleicht aber erfüllt die Möglichkeit einer inneren Erde auch nur unsere Sehnsucht und Hoffnung auf ein paradiesisches Leben in Fülle für jeden, in Frieden und bedingungsloser Liebe aller Lebewesen. Oder es eröffnet sich uns ein vorurteilsfreier Geist und die Erkenntnis, dass wir selbst Erbauer unserer geistigen Mauern sind, die wir jederzeit selbst einreissen können und auch einreissen sollten, wollen wir ein friedliches und selbstbestimmtes Miteinander zwischen den Völkern hier oben auf der Erdoberfläche. Wir sollten unseren Geist öffnen für das Unmögliche und damit unsere selbst gesetzten Grenzen sprengen, damit wir zu dem werden, wer wir wirklich sind, und immer waren.

Um zum Schluss noch einmal auf die Gruppe Hollow Earth und das Album "Out Of Atlantis" zurückzukommen, das sich eindeutig mit diesem Mysterium befasst: Musikalisch sind die drei Musiker mindestens so mystisch unterwegs wie die Geschichte, die sie hier akustisch umsetzen. Wem frühe Deep Purple (Mark I) und die frühen Pink Floyd der "Ummagumma"-Phase gefallen, der wird hier ein prachtvolles Album finden, das ihn hundertprozentig überzeugen wird. Auch Iron Butterfly und eine Reihe von Bands der späten 60er und frühen 70er Jahre kann man ausmachen. Tolle Gitarrensounds, viele typische Canterbury Versatzstücke sind ebenfalls hörbar. Das Werk verbreitet eine ganz eigentümliche Stimmung, die man im Grunde als britischen Proto-Prog bezeichnen kann. Aufgrund der soundtechnischen Umsetzung könnte man durchaus glauben, dass dieses Werk im Jahre 1971 veröffentlicht worden ist. "Out Of Atlantis" ist für meinen höchst persönlichen Geschmack eines der besten Retro Rock-Werke der vergangenen Jahre.




Mar 23, 2018


TIM BUCKLEY - Sefronia (DiscReet Records MS 2157, 1973)

Veröffentlicht im November 1973, war "Sefronia" das achte Album in der Karriere von Tim Buckley. Ursprünglich auf dem DiscReet-Label veröffentlicht, einem von Buckleys Manager Herb Cohen und einem weiteren seiner leitenden Angestellten, Frank Zappa, aufgestellten Label, war es ein Album, das bis heute nur wenige Buckley-Fans hat, die bereit sind, dessen Vorzüge herauszuheben. Kaum einer der damaligen Musikkritiker liess an dem Werk ein gutes Haar, die Platte wurde praktisch unisono verrissen. Mit 45 Jahren Distanz und dem Blick auf andere posthume Veröffentlichungen, dürfte es aber heute durchaus möglich sein, "Sefronia" in einem etwas freundlicheren Licht zu sehen.

Auf dem Plattencover trug Buckley bei "Sefronia"einen merkwürdigen, etwas belustigten Gesichtsausdruck, der vielleicht etwas Licht in seine Gemütsverfassung bringen sollte und vielleicht auch einen Schlüssel zum Inhalt des Albums lieferte. Rock-Experten und langjährige Buckley-Fans hatten dieses und auch das nachfolgende Album "Look At The Fool" unter dem Strich als die sterbende Glut einer einstmals grossartigen Künstlerkarriere betrachtet, die über wenig Inspiration, interessante Momente oder gar bereichernde und nachhaltige Songs verfügen würde. Die als absolute Topklasse eingestuften Songtexte und die wundervollen wortlosen Klanglandschaften seiner zuvor veröffentlichten und geliebten Werke wie "Lorca" oder "Starsailor" waren längst vorbei. An ihre Stelle traten nun kürzere, prägnantere Songs und Exkursionen in ein musikalisches Terrain, das man im besten Fall mit moderatem Funky Pop hätte bezeichnen können. 

Sein zuvor im Jahre 1972 veröffentlichtes Album "Greetings From LA" liess Tim Buckley tief in eine zuweilen brutal offene Fleischlichkeit eintauchen, wobei die Romantik von einst den Feierlichkeiten knarrender Bettfedern und 'Cruising Single Bars' Platz machte. Das Werk war jedoch sehr gut, und seine musikalische und lyrische Neuerfindung war ein künstlerischer Erfolg, auch wenn die Verkäufe, offen gesagt, sehr dürftig waren, und sein damaliges Plattenlabel Warner Brothers das Album auch ablehnte und ein weiteres Interesse an ihm nicht mehr bezeugen mochte. Manager Cohen meinte später zum Richtungswechsel des Musikers: "Nun, wir haben es auf Buckley's Weise versucht, jetzt versuchen wir es auf diese Weise", vermutlich vor allem, um kommerziellen Profit aus seiner Musik zu schlagen, sicherlich aber nicht aus Interesse am Künstler selbst. Oder vielleicht war Tim Buckley auch schlicht auf der Suche nach anderen Projekten. Er hatte zu der Zeit beispielsweise mit seinem Lyrikerfreund Larry Beckett eine musikalische Umsetzung des Joseph Conrad Romans "Der Ausgestossene der Inseln" in Erwägung gezogen und erwog sogar Schauspielrollen. Schliesslich war er ja erst mitte Zwanzig, und er hatte bereits etliche qualitativ hervorragende Musikalben veröffentlicht.

Eine nähere Betrachtung der kompositorischen Credits auf "Sefronia" zeigte, dass fünf der elf Tracks des Albums keine Originalkompositionen von Buckley waren. Für überzeugte Buckley-Fans lag hier der Haken. Das Drängen seines Managers Herb Cohen, die Verpflichtung des Produzenten Denny Randell, und die Forderung, ein Album mit brauchbarem Material innert nützlicher Zeit und moderatem Budget einzuspielen, bei dem Cohen die Geldbörse bestimmte, bremste Tim Buckleys kreative Energien nachhaltig. Man weiss auch, dass der Künstler in jenen Tagen immer stärker dem Alkohol und den Drogen zugewandt war, was seine kreative Arbeit zusätzlich belastete. Um Cohen in Schutz zu nehmen, muss man allerdings auch festhalten, dass er Buckley während der als relativ schwierig zu bezeichnenden "Lorca"- und "Starsailor"-Phasen stets unterstützt hatte, indem er mit dem Künstler Musik produzierte, von der manche behaupteten, sie sei leichter zu bewundern als wirklich zu lieben. Diese zurückhaltende Eindringlichkeit, wie ich sie beim Anhören der entsprechenden Buckley-Alben stets verspürte, schien auf "Sefronia" ohne irgendeinen Nachhall verpufft zu sein. Die Produktion verlieh "Sefronia" zumindest einen zusammenhängenden Sound, nicht gerade den fetten Funk des Vorgängers "Greetings From L.A.", aber es bewies durchaus solide Produktionswerte in einer Zeit, in der ein Rock'n'Roll-Publikum mehr Wert auf soundtrechnische Gimmicks als auf traditionelle akustische Eindringlichkeit legte.

"Sefronia" startete mit einem Rückblick auf Buckley's frühe Troubadour-Tage mit einer Coverversion des Titels "Dolphins", das vom ehemaligen Greenwich Village Folkie und dem Unruhestifter Fred Neil stammte. Das war ein Lied, das Buckley schon seit vielen Jahren in seinem Live-Repertoire hatte - es war später auch in dem epochalen, posthum veröffentlichten Live-Album "Dream Letter" enthalten, aufgenommen in der Londoner Queen Elizabeth Hall im Oktober 1968, aber Neil's Einfluss auf Buckley ging weit über diesen einen Song hinaus. Fred Neil fügte seiner 12-saitigen Akustikgitarre seinen Hector-Bariton hinzu, und Buckley hatte das gleiche getan, während er seine Präsenz in der New Yorker Coffee Shop-Szene aufgebaut hatte, obwohl er für die Version auf "Sefronia" seine treue Fender Electric XII bevorzugte. Fred Neil lebte Anfang der 70er Jahre zurückgezogen in Cocoanut Grove in Florida und verbrachte seine Zeit damit, die Delphine zu studieren, über die er einst gesungen hatte.

Betrachtet man Rest des Albums, war "Honey Man" eher ein Titel, der auf den Vorgänger "Greetings From L.A." gepasst hätte. Buckley hob hier sein Stimmspiel noch einmal richtig hoch, wurde dabei unterstützt von einer sehr muskulösen Funk-Begleitung und zeigte ein gutes Gespür für tanzbaren und erdigen Sound - eindeutig eine Nummer, die dem Zeitgeist folgte, die von vielen brettharten Buckley-Fans allerdings als plumpe Anbiederung an den seelenlosen Dancefloor verstanden wurde. Es war einer von vier Tracks, geschrieben von Buckley und seinem sporadischen lyrischen Mitarbeiter Larry Beckett, und hatte etwas mehr von der Poesie in seinem Libretto. "Beating Of You" war ebenfalls in einem Funk-Setting zu hören, und war mit einem weiteren exzellenten Buckley-Gesang gesegnet, der über seine vier Minuten plus Dauer einen ziemlich guten Dynamikaufbau präsentierte. Das Demo von "Because Of You", das in der "The Dream Belongs To Me"-Kompilation veröffentlicht wurde, enthüllte eine noch intensivere Funk-Aufnahme. Spätestes hier hätte selbst der brettharteste Buckley-Fan merken müssen, wie sehr sich der Künstler um eine stilistische Veränderung bemühte, doch für die war dieser Sound nicht mehr Tim Buckley.

Das ambitionierteste Stück auf dem Album war schliesslich der Titeltrack "Sefronia", der in zwei Hälften geteilt war: "Sefronia: After Asklepiades, After Kafka2 und "Sefronia: The King's Chain", und präsentierte über weite Strecken eine teilweise Reprise von Buckleys verträumteren früheren Tagen, die ein wunderschönes Marimba-Spiel beinhalteten, seine eigenen 12-saitigen Akkorde, verträumte Congas und ein bisschen an den Gitarren-Stil erinnerte, den beispielsweise Willie Mitchell auf zeitgenössischen Al Green-Aufnahmen gespielt hatte. Es war eine angenehme Erinnerung an die musikalischeren und lyrischeren Ambitionen seiner "Blue Afternoon" Aera, obwohl sie etwas unvollendet erschien und vielleicht mit ein wenig mehr Arbeit noch etwas substanzieller hätte aufpoliert werden können. So wie es ist, war es aber ein schönes Stück und für mich der Höhepunkt dieses Werks.

"Quicksand" und "Stone In Love", die beiden Tracks, die Buckleys als alleinigen Komponisten auswiesen, waren ebenfalls sehr schön aufgebaut, der erste ein straffes, kantiges Stück Funky Rock mit einigen exzellenten Akkordwechseln und einem energiegeladenen Gesang, der zweite ein wiederum hervorragendes Beispiel für Buckley's noch immer exzellenten Gesang. "Martha" schliesslich war ein Song von Tom Waits aus dessen erstem Album "Closing Time", das ebenfalls 1973 erschienen war, und auch hier zeigte Buckley viel Emotionalität in seiner Variante des Titels. Das Arrangement von Streichern und Holzbläsern war üppig, und auch wenn es vielleicht irgendwie als Kontrapunkt wirkte gegenüber dem ansonsten eher erdigen Charakter des Albums, passte es ausgezeichnet zum Rest der Stücke. "Sefronia" erhielt zwar nicht dieselben schlechten Kritikerstimmen wie sein Vorgänger "Greetings From L.A.", dennoch wurde Buckley von einem Kritiker stimmlich mit Neil Diamond verglichen, wobei man durchaus darüber streiten kann, ob das nun tatsächlich ein negativer oder vielleicht sogar doch positiver Vergleich sein soll. "Sefronia" verkaufte sich allerdings deutlich schlechter als sein Vorgänger und seine Beziehung zu seinem Manager, Herb Cohen, wurde zunehmend angespannt. Buckley trank viel und hatte sich mehr mit Drogenmissbrauch beschäftigt, als dass er nach einem Ausweg aus seiner kreativen Sackgasse gesucht hätte.

Buckley wollte für die britische Veröffentlichung von "Sefronia" mit einem Eröffnungs-Auftritt auf dem ersten Knebworth Festival werben, wo er zusammen mit der Sensational Alex Harvey Band, dem Mahavishnu Orchestra, Van Morrison, den Doobie Brothers und der Allman Brothers Band am 20. Juli 1974 auftrat. Das Publikum pfiff den einst so gefeierten Künstler jedoch gnadenlos aus, ein Umstand, der den weitgehend gebrochenen Künstler noch zusätzlich frustrierte. Seine Band bestand zu jenem Zeitpunkt aus Art Johnson (Gitarre), Jim Fielder (Bass), Mark Tiernan (Keyboards) und Buddy Helm (Schlagzeug), und das Set beinhaltete Songs wie "Nighthawkin", "Dolphins", "Devil Eyes", "Buzzin'Fly", "Sweet Surrender" und "Honeyman", und am Ende des Sets eine vierminütige Improvisation, es kursierten in der Folge auch Bootlegs dieser Show. Aufgrund der Tatsache, dass Buckley im Wesentlichen spielte, während die Zuhörer erst auf dem Festivalgelände ankamen und ihren Platz für den Tag einrichteten, zeigte er eine sehr gute Leistung, aber nur Wenige, die ihm zuhörten, waren beeindruckt von seiner Leistung. 1974 nahm Tim Buckley sein letztes Album "Look At The Fool" auf. Schlechte Verkaufszahlen führten jedoch letztlich zur Trennung von seiner Plattenfirma.






Mar 22, 2018


ROCCO - Rocco (20th Century Records T-505, 1976)

Der neuseeländische Maori-Soulsänger Leo De Castro, der sich vom progressiven Rock seiner früheren Band Friends abwandte, begann als Solokünstler mit einer bunten musikalischen Mixtur, die aus Elementen des Funk, des Soul, des Rock und auch dem Blues einen ziemlich interessanten und abwechslungsreichen Cocktail servierte. Es war ein Stil, den der Musiker für den Rest seiner Karriere verfolgen würde. Das De Castro Line-Up wurde von Steve Webb und Rob Gray (beide Keyboards), dem ehemals bei den Bands Carson und der australischen Rock'n'Roll-Legende Daddy Cool tätig gewesenen Lan 'Willy' Winter (Gitarre) und John Young (Bass) komplettiert. Später zog Leo De Castro nach Sydney, wo er sich der Funk Band Johnny Rocco anschloss. Die Band benannte sich nach dem gleichnamigen Bösewicht, den der Schauspieler Edward G. Robinson im Film 'Key Largo' aus dem Jahre 1948 spielte. Diese in Sydney ansässige Gruppe von Jazz- und Funk-Musikern spielten eine LP ein, zusammen mit einem der wenigen Maori-Sänger, die sich in den 70er Jahren in australischem Soul-Funk und anderer Musik einen Namen machen konnte. De Castro spielte in einigen weiteren Bands mit, aber mit relativ wenig Erfolg.

Wie viele urbane indigene Musiker auf der ganzen Welt, die von der europäischen Kultur beeinflusst wurden, hatten auch Maori-Musiker oft eine Heimat in der afrikanischen Musik-Diaspora gefunden:Soul, Funk, Reggae und seit einigen Jahren auch Hip Hop. De Castro's Einflüsse waren jedoch wesentlich bodenständiger und folgten dem damals gerade in Australien sehr populären Boogie Rock, der seine Wahlheimat ziemlich fest im Griff hatte. Die ursprüngliche Version der Johnny Rocco Band, die im Februar 1974 gegründet wurde, bestand aus Mark Punch (Gitarre, Gesang; Ex-Mother Earth), Tony Buchanan (Saxophon; Ex-Daly Wilson Big Band), Tim Partridge (Bass; Ex-King Harvest, Mighty Kong) und Russell Dunlop (Schlagzeug; Ex-Levi Smiths Clefs, SCRA, Mother Earth). Sie waren eine der ersten australischen Bands, die Funk und Soul in das Pub Rock-Format integrierten. Leo und Mick Kenny (Keyboards; Ex-Levi Smiths Clefs) traten Ende 1974 zusätzlich der Gruppe bei. Die Band nahm eine erste Version des Stücks "Heading In The Right Direction" auf, die gemeinsam von Mark Punch und Garry Paige geschrieben worden war. Die Sängerin Renée Geyer machte das Lied später durch eine eigene Version berühmt.

Die Johnny Rocco Band war vor allem live eine ziemliche Attraktikon. Das ergab sich zuerst einmal aus dem Umstand heraus, dass die Gruppe zeitweise mit einiger personeller Verstärkung auftrat, bei deren Gelegenheit sie manchmal fast schon ein veritables Big Band Format angenommen hatte, was dazu führte, dass bekannte und weniger bekannte Titel öfters mal zu richtig ausgedehnten Jam-Variationen ausuferten. Insbesondere Bläsersätze und viele Keyboard-Einlagen prägten den Live-Sound und verliehen ihren Songs dadurch einen sehr breit gefächerten Charakter. Besonders auch De Castros Live-Stimme hatte es dem immer zahlreicher werdenden Publikum angetan - auf Tracks wie "Baby's Gonna Make It" klang er beispielsweise schon fast tiefschwarz und brauchte sich vor Konkurrenten aus den USA überhaupt nicht zu verstecken.

Zu der Zeit trat die Gruppe oft auf, sammelte so auch viele Erfahrungen und bereitete sich lange darauf vor, dieses Album aufzunehmen. Der Original-Gitarrist Mark Punch war gerade zu Renée Geyers Band gegangen, aber er war noch bei der Johnny Rocco Band geblieben, um mindestens zwei der Tracks für das spätere Album mit aufzunehmen - Songs, die er mitgeschrieben hatte: "Heading In The Right Direction", das bald eine Hit-Single für Renée Geyer auf deren Soloalbum "Ready To Deal" wurde, sowie "Sweet Kisses", das Geyer später ebenfalls aufnehmen würde (für ihr Album "Winner"). Das hervorragend produzierte Album präsentierte auch ein paar tighte Instrumental Funk-Workouts mit Jazz-Touch, toller Flöte und ein früher Talkbox-Klassiker mit dem Titel "Number 43", sowie grossartige Percussion-Einlagen von Sunil De Silva. Das später schlicht "Rocco" betitelte Werk wurde ein ganz formidables und stilistisch sehr breit ausgelegtes Album.

Während das Album in Australien auf dem Kleinlabel The Ritz Gramophone Company veröffentlicht wurde, kam auch ein internationaler Deal mit dem amerikanischen Plattenlabel 20th Century Records zustande. Die Band wurde in der Folge schlicht in Rocco umbenannt, und es wurde ein Vertriebs- und Managementvertrag mit der Reizner Music Corporation unterzeichnet. Die Singleauskopplung "Heading In The Right Direction" mit der B-Seite "Funky Max" erschien im August 1975. Harris Campbell hatte Punch abgelöst, der später ebenfalls zur Renée Geyer Band wechselte. Die Johnny Rocco Band veröffentlichte das Album "Rocco" im Mai 1976, das eine zweite Single "Gonna Have A Good Time" mit der B-Seite "Who's This Guy" abwarf. Trotz etlicher weiterer toller Songs auf dem Album wie "Funky Max" oder "Rocco" blieb der Gruppe jedoch der grosse Durchbruch verwehrt, wohl auch, weil die grosse Funk-, Soul- und Disco-Welle zu jenem Zeitpunkt insbesondere in den USA bereits am abklingen war. Rocco kamen wohl einfach etwas zu spät mit ihrem Album, was angesichts der tollen Musik und der absolut tighten und fetten Produktion wirklich schade ist. Weil sich somit ein weitreichender Erfolg nicht abzuzeichnen schien, trennte sich die Gruppe Rocco schliesslich Ende 1976. 

Leo De Castro gründete in der Folge die Kiwi-Band Cahoots mit Tui Richards (damals Ex-Powerhouse), Billy Rylands (Gitarre, Ex-Freshwater und Stevie Wright Band), Phil Pritchard (Gitarre; Ex-Highway und Miss Universe), George Limbidis (Bass, Ex-Highway und Miss Universe) und Doug McDonald (Schlagzeug, Ex-Powerhouse). Im Mai 1977 wurde die Band als 'Leo De Castro And Rocco' aktiv. Am Ende des Jahres war es dann die Leo De Castro Band. Es folgte eine erneute Umbenennung in Heavy Division im Jahre 1978 mit Richards, Russell Smith (Gitarre, Ex-Firma Caine, Mighty Kong, Billy T), Tim Partridge (Bass,  Ex-Kevin Borich Express) und John Watson (Schlagzeug). Nennenswerte und zählbare Erfolge blieben jedoch aus, weshalb der hervorragende Sänger Leo De Castro im Endeffekt ein rein australisches und neuseeländisches Phänomen blieb.