Mar 25, 2018


LEVON HELM - Levon Helm And The RCO All Stars
(ABC Records AA 1017, 1977)

Der Musiker Levon Helm spielte ab 1958 bei den Hawks, der Begleitband des Rockabilly-Sängers Ronnie Hawkins, später war er Gründungsmitglied von The Band. Levon Helms Hauptinstrument war das Schlagzeug, er spielte aber auch Gitarre und Mandoline. Sein Gesang verlieh vielen Klassikern der Formation The Band eine unverwechselbare Stimme. Levon Helm war ein Sohn des amerikanischen Südens, er wuchs auf einer Farm im Mississippi Delta auf und wurde schon in seiner Kindheit von der reichen Musiktradition dieser Region beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen Rockmusikern seiner Zeit waren die Stilrichtungen Country, Blues, Gospel und Folk für ihn keine Sehnsuchtsmotive, sondern ein Teil seiner frühen musikalischen Eindrücke. Nachdem er Elvis Presley live gesehen hatte, wollte Levon Helm selbst Rock'n'Roll spielen. Zu seinen Vorbildern gehörten auch Bo Diddley und Peck Curtis, der Schlagzeuger bei Sonny Boy Williamson II And The King Biscuit Boys. Nach seinem Umzug nach Memphis wurde der 17-jährige Levon Helm im Jahre 1957 von Ronnie Hawkins entdeckt und in dessen Band integriert. Helm spielte in der Folge bei den Aufnahmen der Hawkins-Hits "Mary Lou" und "Forty Days" Schlagzeug. Obwohl er die Schule noch nicht abgeschlossen hatte, folgte er Hawkins 1958 nach Toronto. 1963 verliess er gemeinsam mit seinen kanadischen Mitmusikern Rick Danko, Garth Hudson, Richard Manuel und Robbie Robertson den Bandleader Ronnie Hawkins, um zuerst als Levon And The Hawks und später als The Band in die Geschichte der Rockmusik einzugehen.

Bob Dylan heuerte Mitte des Jahres 1965 The Hawks als Begleitband an, nachdem er kurz zuvor den Gitarristen Robbie Robertson und Levon Helm kennengelernt hatte. Zermürbt von den Anfeindungen vieler Dylan-Fans, die dessen neue, elektrisch verstärkte Musik als Verrat an den Folkidealen betrachteten, verliess Levon Helm jedoch kurz darauf Bob Dylan. Er kehrte nach Arkansas zurück und wollte das Musikbusiness endgültig hinter sich lassen. Mitte 1967 holten ihn jedoch Bob Dylan und seine Begleitmusiker, die sich nun The Band nannten, wegen der Aufnahmen für die später legendären "Basement Tapes" zurück. Sie benötigten Helms Stimme und seine Perkussion. Nach den Aufnahmen zu den "Basement Tapes" trennte sich The Band von Dylan und nahm ihr erstes eigenes Studioalbum "Music From Big Pink" auf. Stücke wie "The Weight" und "The Night They Drove Old Dixie Down", bei denen Helm die Lead-Stimme sang, wurden zu den bekanntesten Titeln von The Band. Nach ihrem letzten Studioalbum "Islands" und ihrem Abschiedskonzert "The Last Waltz" im Jahre 1976 löste sich die Gruppe auf. Um Levon Helm blieb es nicht lange ruhig. Bereits 1977 nahm er sein erstes Solo-Album "Levon Helm And The RCO All Stars" auf.

Die All Stars waren eine Traumgruppe von Levon Helms Lieblingsmusikern, darunter Namen wie Mac Rebennack (alias Dr. John), Paul Butterfield, Booker T. Jones, Donald 'Duck' Dunn, Steve Cropper, Tom Malone, Alan Rubin und die beiden Oldtimer Henry Glover und Fred Carter aus der Hawks-Zeit. Nur ein Track, "Blues So Bad", wurde von Levon selbst geschrieben. Die Songs, die teilweise in Shangri-La und teilweise in Levons eigenem RCO-Studio in Woodstock aufgenommen wurden, waren hauptsächlich fröhlich aufgebaute, zeitlos unterhaltsame Blues-Stücke, denen die Musiker zumeist sehr laidback gehaltene und unaufgeregte Arrangements verpassten. Der erhoffte kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus, denn die Platte hinterliess mehrheitlich enttäuschende Fans der Formation The Band, die noch auf ähnliches Material, wie das auf früheren The Band-Alben zu hören gewesen war, hofften. "Levon Helm And The RCO All Stars" wurde trotz der bemerkenswerten Mannschaft, die auf dem Werk spielte, kein grosser Erfolg, ein insgesamt eher enttäuschender Rang 142 in den Album-Chart war die höchste Platzierung, die das Album erreichte, ausserhalb der USA wurde die Platte ebenfalls kaum wahr genommen. Trotz mehrerer innovativer Versuche, das Album zu promoten, scheiterte auch die Aufgabe, eine längere Konzertreihe auf die Beine zu stellen. Hauptsächlich lag das an den vollen Terminkalendern der beteiligten Musiker, die allesamt mit ihren eigenen Projekten unterwegs waren.

Levon Helm liess sich von dem moderaten Erfolg der Platte nicht irritieren und veröffentlichte ein Jahr später sein zweites Studiowerk "Levon Helm". 1980 und 1982 folgten zwei weitere Soloalben und eine Reunion von The Band mit Jim Weider, der Robbie Robertson ersetzte. 1993 gründete er sein eigenes Plattenstudio in Woodstock und es erschien seine Autobiographie 'This Wheel’s On Fire'. Ende der 90er Jahre wurde bei Levon Helm Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Er unterzog sich einer langwierigen Radiotherapie. Wie durch ein Wunder kehrte seine verloren geglaubte Gesundheit und seine Tenor-Stimme soweit zurück, dass er mit der gesanglichen Unterstützung seiner Tochter Amy, des Multi-Instrumentalisten und Produzenten Larry Campbell und dessen Frau Teresa Williams im Jahre 2002 eine Konzertreihe starten konnte. Diese Konzerte fanden zunächst unter dem Namen 'Midnight Ramble' mit einer Reihe von illustren Gästen wie etwa Elvis Costello, Donald Fagen, Jon Herrington, Emmylou Harris, Dr. John und Kris Kristofferson regelmässig in seiner Scheune bei Woodstock, New York statt. Mit den Einnahmen konnte Levon Helm seine hohen Behandlungskosten begleichen. Mit der Kernbesetzung der wöchentlichen 'Midnight Rambles' veröffentlichte Levon Helm drei Alben: "Dirt Farmer" (2007), "Electric Dirt" (2009) und das Live-Album "Ramble At The Ryman" (2011). Alle drei Alben wurden jeweils mit einen Grammy ausgezeichnet.

Levon Helm hatte 2005 in dem Film 'Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada' eine Rolle als alter blinder Mann, der nur mexikanisches Radio hört. Später folgten weitere Rollen in grösseren Hollywood Produktionen wie 'Shooter' (2007) und 'In the Electric Mist' (2008). Bei den Grammy Awards 2008 erhielt Levon Helm die Auszeichnung in der Kategorie des besten traditionellen Folk Albums für seine Platte "Dirt Farmer". Im Februar 2009 wurde Levon Helm auf Platz 91 der 100 grössten Sänger aller Zeiten des Rolling Stone Magazins gewählt, My Morning Jacket-Sänger Jim James schrieb in seiner Würdigung über Helm: "Nachdem Papa Garth Hudson ja nicht wirklich sang, empfand ich immer Levon als die gesangliche Vaterfigur in The Band. Er wirkt stark und selbstbewusst, eben wie ein Vater, der einen nach Hause ruft oder auch mal ausschimpft. Levons Stimme ist wie ein robustes altes Bauernhaus". Dasselbe Magazin listete Helm 2016 auf Platz 22 der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten. Der Song "Levon" auf dem Album "Madman Across The Water" von Elton John war nach Levon Helm benannt. Am 19. April 2012 verstarb Levon Helm im Alter von 71 Jahren infolge seiner Krebserkrankung.





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