Apr 5, 2018


DEATH ALLEY - Black Magick Boogieland (Tee Pee Records 175-1, 2015)

Lemmy kann in Frieden ruhen, denn es gibt Bands, die sein Erbe hochhalten. Unter den legitimen Thronfolgern des Speed Rock à la Motörhead sind Death Alley aus den Niederlanden ganz weit vorne. Death Alley verehren Hawkwind und die Stooges, spielen psychedelischen, schnellen Rock'n'Roll mit jeder Menge Soul und liefern eine High Energy-Performance ab, von der viele andere Bands im digitalen Zeitalter nur träumen können. Dabei folgt ein rasend schnelles Gitarrenriff auf das nächste und die Rhythmusgruppe rennt um ihr Leben. Death Alley, die sich selbst in der ebenso selbstbewussten wie hoffnungsvollen musikalischen Kategorie 'The New Wave of Dutch Loudness' sehen, geben von vorne bis hinten absolut Vollgas. Dabei streifen sie weit mehr als nur den Geist von Lemmy, sind stilistisch bisweilen ausgesprochen nahe an Hawkwind, insbesondere beim Longtrack "Supernatural Predator", aber auch beim Protopunk etwa der 60er Jahre Legende MC5 und auch die bleischwere Düsterheit der frühen Black Sabbath kann man spüren.

Die Band um den ehemaligen The Devil's Blood Gitarristen Oeds Beydals stammt aus Amsterdam und besteht neben dem Leader noch aus dem ehemaligen Gewapend Beton Sänger Douwe Truijens, dem Bassisten Dennis Duijnhouwer und dem vormals ebenfalls bei Gewapend Beton und White Slice tätig gewesenen Schlagzeuger Ming Boyer. Auf zukünftigen musikalischen Weltkarten wird das bisher wohl noch eher weitgehend unbekannte "Black Magick Boogieland", oligarchisch und diabolisch, doch gütig beherrscht von der sogenannten Death Alley, sicherlich bald einmal einen grösseren Bekanntheitsgrad erreichen. Was bislang bekannt ist, erscheint so bedenklich wie faszinierend und stützt sich auf die Aussagen der wenigen aus dem "Black Magick Boogieland" Zurückgekehrten. Diese im bisherigen Leben in grosser Mehrheit als Langweiler vor dem Herr” respektive als Loser-Hippies charakterisierten Personen gaben zu Protokoll, mit der Clique der Death Alley zufällig oder irrtümlich auf den falschen Feste” oder in abseitigen Schankstuben in Berührung gekommen zu sein, auf jeden Fall aber in einem Zustand der Verwirrung. An den Weg ins und aus dem "Black Magick Boogieland" hatten sie keine Erinnerung, nach ihrer Rückkehr zeigten sie typische Symptome starken Alkohol- und Drogenmissbrauchs und nannten das Gefühl, es endgültig verrissen zu haben.

Illegale Substanzen hätten dabei im Hoheitsgebiet Death Alley's wohl auch hin und wieder eine Rolle gespielt, zentraler Faktor aber sei die Musik gewesen, die Musik der coolen Typen beiderlei Geschlechts mit Lederjacken und kaputten Hosen und Moralvorstellungen. Diese bildeten die überwätigende Mehrheit im "Black Magick Boogieland" und hätten bevorzugt und nicht nur metaphorisch ums Feuer getanzt. Den Charakter der alles dirigierenden Musik konnten die Rückkehrer mangels relevanter Vorbildung nicht adäquat beschreiben, eine Person gab exemplarisch zu Protokoll, sie hätte durch den Lärm schlagartig den Drang verspürt, dem Leibhaftigen in einer Tour mittels obszöner Gesten zu huldigen, welche eindeutig nicht mit Anstand und Moral in Verbindung hätten gebracht werden können.

Nach Konfrontation der Befragten mit einer grossen Zahl potenziell vergleichbarer einschlägiger Werke lässt sich aber das Folgende rekonstruieren: Death Alley spielen im "Black Magick Boogieland" demnach klassisch instrumentierten Rock, dessen Stilmittel altbekannt sind, der aber spektakulär wird durch die allgegenwärtige Energie und Hingabe seiner Erzeuger. Das Herzblut tropft diesem Punk-fueled Boogie-Rock nicht nur aus jeder Rille, es peitscht - versetzt mit ehrlichem Schweiss einer jeden Körperöffnung - geradezu in alle Richtungen. Als besonders verführerischen Höhepunkt einer jeden Session nannten alle übereinstimmend den "Supernatural Predator", der klingt, als coverten Warrior Soul mit voller Wucht und allem, was sie haben, sowie elektrisierend unlauteren Absichten einen guten Hawkwind-Song, mit Farida Lemouchi (The Devil's Blood) als hintergründiger Melodieträgerin. Besonders in diesem Epos, aber auch sonst erinnert der Gesang auf "Black Magick Boogieland" an Kory Clarke in vollem Saft. Das nachgerade manische vieler Passagen gemahnt auch an die famosen Graveyard (Schweden), die da und dort durchschimmern.

Alles gerät überschäumend und ist nur im Sinne der Catchyness notdürftig kanalisiert in packenden Songs. Death Alley verbinden somit die punkige Power der genannten Veteranen oder auch der High Energy Rockbands der 90er Jahre mit dem musikalischen Ansatz der Besten aus dem Kreis der aktuellen Retro Rock Kapellen. Und mit einer ungehörigen Portion erst an- und dann wohl auch ausziehender, zum Teil psychedelisch geschwängerter Dunkelheit: Das Sic 'K' in "Magick" ist also von seiner Bedeutung dem Rockin' 'Ö' in Motörhead gleichzustellen. Abschliessend sei hier eindringlich vor einer Fahrkarte ins "Black Magick Boogieland" gewarnt. Bleiben Sie zuhause. Es bekommt Ihnen nicht. Falls Sie ein Langweiler vor dem Herrn sind. Oder ein Loser-Hippie.




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