Oct 10, 2017


STRING DRIVEN THING - String Driven Thing (Charisma Records CAS 1062, 1972)

String Driven Thing waren eine schottische Folk Rock Band, die von 1969 bis 1975 bestand und seit 1991 sporadisch wieder auftrat. Sie begann als reines Folk Duo unter dem Namen String Driven Thing und waren das Ehepaar Pauline und Chris Adams, zu welchem sich einige Zeit später als dritter Musiker der Gitarrist John Mannion hinzu gesellte. Diese erste Inkarnation der Band spielte vorwiegend in und um Schottland in kleineren Folk Clubs und Bars, wobei ein Auftritt gemeinsam mit Rory Gallagher's Bluesrock Formation Taste am Inverness Rock Festival 1970 ihr grösster Moment war, der ihr auch einen ersten nachhaltigen Achtungserfolg sichern konnte. Zu diesem Zeitpunkt fiel die Gruppe vor allem durch die verzerrte elektrische Gitarre von Chris Adams auf, die so gar nicht typisch war für den akustisch gespielten Folk, den die Band präsentierte und der zudem nicht einmal ein Schlagzeuger angehörte. Chris Adams sagte dazu später, dass sie schon von Beginn weg kaum einzuordnen waren, da sie sich selbst weder als reine Folk Band, noch als Folkrock-Band oder als reine Rockband verstanden. Ein noch 1970 eingespieltes und auf dem Plattenlabel Concord Records veröffentlichtes Debutalbum war von der Band eher als eine Enttäuschung erlebt worden, weil sie sich darauf nicht wiedererkannten: Die Gruppe spielte live bedeutend dynamischer und wilder, auf dem Debutalbum jedoch wirkten sie eher zahm und viel zu brav, weshalb die Gruppe später auch nicht mehr Bezug auf dieses Debutwerk nahm. Desillusioniert von dieser ersten Plattenerfahrung und dem aufgezwungenen musikalischen Korsett wandten sich die drei Musiker von dem Plattenlabel ab.

Chris Adams betonte stets, kein reiner britischer Folkie zu sein. Er sah sich eher inspiriert von amerikanischen Hippie- und Westcoast-Gruppen der ausgehenden 60er Jahre, wie etwa The Lovin' Spoonful oder The Byrds. Noch präziser formulierte er es, als er sagte, dass eher Rockbands mit Folk-Anteilen seinem Ideal entsprachen als typische Folkbands, die sich einer etwas rockigeren Spielweise verpflichtet sahen wie beispielsweise die britischen Vertreter des Genres Fairport Convention. Vor allem sah er sich selbst nicht als jenen puristischen Musiker, der sich dem urwüchsigen und traditionellen und damit wenig innovativen Folksound verpflichtet fühlte. War er von den musikalischen 60er Jahren beeinflusst, so konnte er immer unterscheiden zwischen dem bürgerlichen und traditionsreichen Geist von 1960 und der musikalischen Rock-Explosion von 1969. Von daher war er als jüngerer Vertreter der Folkmusik dem Rock erklärterweise näher als die alten Meister, von denen er zwar beeinflusst, aber letztlich nicht hauptsächlich inspiriert war. Ausserdem konnte man als Folkmusiker zusehen, wie die Jugend einem elektrifizierteren Folk folgte und das progressive Umfeld, auch im Hinblick auf die Aussicht eines Plattenvertrags, sah für innovative und progressiv ausgerichtete Musiker einfach besser aus.

Während Chris und Pauline Adams sich noch Gedanken machten über ihre endgültige musikalische Ausrichtung, lief ihnen der Geigenspieler Graeme Smith über den Weg. Dieser spielte bis dahin im Schottischen Nationalorchester. Chris Adams erinnerte sich an die erste Begegnung mit dem Violonisten: "Someone told me about this violonist that had been playing with a band called Chaconne who'd played in a Glasgow club we used to gig at called The Maryland. I was knocked out by his playing which was like Bartok on speed, or Paganini on acid or something!". Smith fand den Weg zu einer Betätigung ausserhalb der klassischen Musik durch eine Anfrage für das Mitwirken am Soundtrack für einen Experimentalfilm. Chris Adams lud Graeme Smith zu einer gemeinsamen Hör- und Spiel-Session ein. Er hatte einen Song mit dem Titel "Easy To Be Free" geschrieben und wollte ihn mit Geigenklängen verschönern. Smith erzeugte mit seinem Instrument Klänge ähnlich der Schreie von Möwen und diese faszinierten Chris Adams derart, dass er ihn unbedingt als neues Mitglied bei String Driven Thing mit dabei haben wollte.

Es folgten einige weitere Demoaufnahmen mit dem neuen Mitglied Graeme Smith und mit diesen machte sich Chris Adams dann auf nach London, um sie einigen Plattenfirmen und Produzenten zu präsentieren. John Mannion war inzwischen aus der Band ausgeschieden und für ihn war Colin Wilson hinzugekommen. Wilson spielte sowohl Gitarre und Banjo, aber auch Bass, weshalb er die ideale zusätzliche Kraft in der Band war, denn durch den Umstand, dass er auch Bass spielte, erhielt die Musik von String Driven Thing eine neue Tiefe, die bis anhin nicht im selben Masse vorhanden gewesen war. Zudem verstand es Colin Wilson ausgezeichnet, seinem Bass auch Verzerrung beizumischen, was den Bass-Sound knorriger und letztlich rockiger klingen liess. Im Verbund mit einer elektrischen Gitarre und Pauline Adams' Perkussion erhielten die neuen Demosongs dadurch die bislang rockigste Note. Der interessanteste Kontakt für die Band ergab sich durch das Management der Folkrock Band Strawbs, und dessen Geschäftsführer Dave Cousins, der selber ja auch Musiker der Strawbs war. Er vermittelte Chris Adams an Tony Stratton-Smith, über welchen die Gruppe schliesslich bei Mooncrest Music landete. Dank des Mooncrest Verantwortlichen Mike De Havilland landeten String Driven Thing schliesslich beim Plattenlabel Charisma Records, welches der Band nach dem Anhören der aktuellen Demosongs einen Plattenvertrag anbot.

Mittlerweile als Quartett mit Graham Smith und Colin Wilson unterwegs, traten String Driven Thing beim Reading Festival auf und spielten ihr erstes Album für Charisma ein, das wie schon das Debutalbum einige Jahre zuvor ebenfalls schlicht "String Driven Thing" benannt wurde. Für die Aufnahmen arbeitete die Gruppe im August 1972 während zweier Wochen im IBC Studio in London mit dem Produzenten Shel Talmy. Talmy, der zuvor bereits zahlreiche bekannte Acts produziert und aufgenommen hatte, unter ihnen beispielsweise so illustre Rock- und Pop-Bands und Musiker wie The Kinks, The Who, Manfred Mann, The Creation, The Easybeats, insbesondere aber auch Künstler und Gruppen aus dem Folkbereich wie Pentangle, Bert Jansch, Roy Harper und Tim Rose, verstand es grossartig, die akustische Intensität von String Driven Thing beizubehalten und nicht zu arg auszuproduzieren. Dadurch behielten die Stücke auf dem zweiten Album einen rauhen und stellenweise fast schon ungehobelten Charakter, ziemlich livemässig und eigentlich exakt so, wie die Band auch an Konzerten spielte. Dies klang im Endeffekt deswegen so faszinierend, weil die Gruppe ja nach wie vor über keinen Schlagzeuger verfügte. Durch den rauhen Sound entstand trotzdem ein gewisser Rock-Charakter und somit ein Gesamtsound, der damals ziemlich eigenständig war. Chris Adams selbst war zwar mit dem Ergebnis zufrieden, hätte sich aber dennoch zusätzliche Studiozeit gewünscht, um den einen oder anderen Song noch etwas ausgefeilter arrangieren zu können.

Als Toningenieure arbeiteten ebenfalls zwei bekannte Namen: Damon Lyon-Shaw hatte bereits The Who's "Tommy" eingespielt, des weiteren nahm er auch Aufnahmen der Bands Cressida (LP "Asylum"), Cream (LP "Goodbye"), John Mayall (LP "Back To The Roots"), Jackson Heights (LP "King Progress") sowie einige Alben der Gruppe Pentangle auf. Als zweiter Toningenieur fungierte Hugh Jones, der zuvor für David Ackles gearbeitet hatte und später vor allem durch seine Arbeit am Mischpult für Status Quo bekannt wurde. Die Platte erhielt gute Kritiken. Die Band spielte Ende 1972 unter anderem auch als Vorgruppe von Genesis in New York. Mit Genesis erlebten String Driven Thing auch ein besonderes Highlight. Nachdem sie mit den Artrock-Superstars bereits in England und halb Europa getourt waren, erlebten sie bei einem gemeinsamen Auftritt an der Universität in Essex Bemerkenswertes: Nachdem String Driven Thing den Vor-Gig bestritten hatten und in die mit den Genesis Musikern gemeinsam genutzten Garderobenräume zurückgekehrt waren, kam die Aufforderung, noch einmal auf die Bühne zurückzukehren. Als auch nach einer weiteren Zugabe erneut die Band vom Publikum zurückgefordert wurde, weckte dies bei den Genesis Musikern grossen Unmut, ausser bei Peter Gabriel, der von dem Erfolg von String Driven Thing ebenso überrascht wie hocherfreut war und die Jungs noch einmal zurück auf die Bühne schickte.

Neben sehr rockigen Songs wie dem Opener "Circus" oder den Stücken "Hooked On The Road", "Let Me Down" und dem hervorragenden "Jack Diamond" präsentierten String Driven Thing hier auch wundervolle Folknummern wie das von Pauline Adams sehr schön gesungene "Fairground", der English Waltz "The Last Blue Yodel" und das melancholisch-verträumte Regent Street Incident". Besondere Aufmerksamkeit erlangte auch das tolle Plattencover aus der Artwork-Schmiede Hipgnosis. Chris Adams sagte dazu später, dass die Inszenierung des Plattencovers teurer war als die gesamte restliche Produktion des Albums. Das Nachfolgerwerk "The Machine That Cried" nahmen String Driven Thing 1973 mit einem fünften Bandmitglied auf, dem Schlagzeuger Billy 'The Kid' Fairley. Trotz guter Kritiken verkaufte sich das Album nur schleppend. Es gab einige Umbesetzungen, und 1974 verliess das Ehepaar Chris und Pauline Adams die Band. Mit Ersatzmusikern wurden noch zwei Alben aufgenommen, dann löste sich die Gruppe 1975 auf. Seit 1991 traten String Driven Thing mit Chris und Pauline Adams und verschiedenen Begleitmusikern sporadisch wieder auf. 2007 erschien mit "Moments Of Truth" gar ein neues Album, ihr erstes Studiowerk seit mehr als 30 Jahren.



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