Feb 16, 2018


FOTOMAKER - Vis-à-Vis (Atlantic Records SD 19208, 1978)

Fotomaker waren eine Power Pop Band aus Long Island New York, die zwischen 1978 und 1979 drei Alben veröffentlichte. Fotomaker galten von Anfang an als so etwas wie eine Supergroup, da einige der Bandmitglieder eine prominente Vergangenheit aufweisen konnten. Sie alle spielten bereits viele Jahre in anderen relativ bekannten und erfolgreichen Formationen, bevor sie sich zusammentaten. Bemerkenswert war, dass Fotomaker innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne von weniger als zwei Jahren drei Alben herausbrachten, die alle nicht erfolgreich waren, obwohl die Band über einige hochkarätige Poprock-Nummern verfügte, die durchaus Hit-Potential aufwiesen. Einer der Hauptgründe, warum Fotomaker nicht erfolgreich waren, lag in der mangelhaften Promotionsarbeit seitens der Plattenfirma, die die Band weitestgehend sich selbst überliess und nur wenig Werbung für die Alben machte. Ausserdem fehlten grössere Promotions-Tourneen, sei es als Headliner oder auch als Support Acts für andere Gruppen. Trotzdem konnte man im US-amerikanischen Radio einige ihrer Songs immer wieder hören, und so etwas wie einen Hit-Charakter bewiesen denn auch die einen oder anderen beachtenswerte Charts-Notierungen. Insgesamt jedoch stand der Erfolg der Band in keiner Relation zu ihrer Qualität, weshalb die Gruppe auch nach so kurzer Zeit schon wieder auseinander fiel.

Fotomaker wurden 1977 vom Bassisten Gene Cornish und dem Schlagzeuger Dino Danelli gegründet. Beide Musiker waren Mitglieder der berühmten 'Rock'n'Roll Hall Of Fame' und spielten in den 60er Jahren bei der sehr erfolgreichen Band The Rascals (auch bekannt als The Young Rascals). Ein weiteres Bandmitglied war der singende Gitarrist Wally Bryson, der zuvor bei der Power Pop-Band The Raspberries (mit Sänger Eric Carmen) mitgespielt hatte. Die Band wurde vervollständigt durch die zwei musikalischen Newcomer Lex Marchesi (Gitarre und Gesang) und den singenden Keyboarder Frankie Vinci. Waren die beiden Letzteren die mehr oder weniger unbekannten Musiker in der Band Fotomaker, so waren sie allerdings auch deren grössten Talente, sowohl als Musiker, als auch als Songschreiber. Ihr Bühnendebut gaben Fotomaker im nach einer längeren Umbauphase neu eröffneten Agora Ballroom in Cleveland Ohio im Frühjahr 1978.


Von allen Bands, die an jenem Eröffnungsabend im Agora Ballroom auftraten, waren Fotomaker diejenige, welche das Publikum am meistern begeisterte. Sie waren magisch, und als das wurden sie nach dem Auftritt in der lokalen Presse auch gefeiert.Das Debütalbum, schlicht "Fotomaker" betitelt, war ein relativ zeittypisches Produkt der US-Westküste. Produktion und Songs waren ordentlich gelungen, da gab es eigentlich nicht viel zu mäkeln. Fotomaker agierten, wie erwähnt, im weiten Feld des sogenannten Power-Pop. Gewisse Ähnlichkeiten gab es beispielsweise zur Band Badfinger. Allerdings klang da auch immer eine gewisse Prise Westcoast-Rock in der Tradition der Eagles mit. Wo die Eagles etwas glatt wirkten, da wies die Musik von Fotomaker durchaus Ecken und Kanten auf. Das Ganze hatte eine schöne Reibung und wirkte manchmal erfrischend rockig. Ausserdem verstand es die Band, Vokalharmonien à la Eagles, Beatles oder Badfiner zu präsentieren. Es war letztlich der Mix aus Westcoast Leichtigkeit und Power-Pop Rock, welcher auf dem Album vor allem beeindrucken konnte. Die Songs waren alle gut gelungen. Gute Rocksongs wie "Can I Please Have Some More" und vor allem "Say The Same For You" konnten hier neben Balladen wie "All There In Her Eyes" oder lockeren Westcoast Songs wie "Two Can Make It Work" gut bestehen. Das wirkte alles stets stimmig. Das Debütalbum von Fotomaker war aber leider eines jener Alben der Rockgeschichte, die etwas untergingen. Doch dasselbe Schicksal ereilte in der Folge auch die Alben Nummer 2 und 3.

Das zweite Fotomaker-Album, betitelt "Vis-à-Vis", wurde bereits im Oktober 1978 eiligst nachgeschoben. Das Werk wurde im legendären The Record Plant Studio im Sommer auf Wunsch von Wally Bryson eingespielt. Im selben Studio hatte er zuvor auch schon mit den Raspberries Alben eingespielt. "Vis-à-Vis" bedeutete gegenüber dem Debutalbum noch eine Steigerung, denn der Sound geriet noch druckvoller als beim Erstling und insbesondere waren viele der Songs deutlich rockiger ausgelegt. Schon der Opener "Miles Away" war mächtig und enterte als Singleauskopplung auch gleich die Charts. Demgegenüber stand die vermutlich schönste Rockballade, die Fotomaker aufgenommen hatten, die ebenfalls als Single veröffentlicht, aber komplett übersehen wurde, auch weil sie kaum promotet wurde ("Two Way Street"). 


Mangelnde Werbung und eine zu wenig gross aufgezogene Promotion-Tour führten dazu, dass leider auch das zweite Fotomaker-Album mehr oder weniger unterging. Im Hinblick darauf, dass sich auch das Genre Power Pop zunehmends von der Bildfläche verabschiedete, und nur einige wenige ihrer Protagonisten den Trend überdauerten, wie beispielsweise Elvis Costello, The Knack, The Cars und Foreigner entschieden sich Fotomaker, mit einem dritten und letzten Versuch, dem angesagten Disco Rock anzuschliessen. Das daraus resultierende finale Werk "Transfer Station" scheiterte dann ebenfalls, diesmal jedoch nicht so sehr wegen mangelnder Werbung, sondern eher wegen mangelnder Ideen und zugegebenermassen ehr dürftiger kompositorischer Arbeit. Das Album verkaufte sich von allen drei Alben am schlechtesten, weswegen die Musiker die Konsequenz zogen und die Formation auflösten. Aktiv blieben die Fotomaker Musiker aber weiterhin, spielten später in den Formationen Peter Panic, The Secret und Candy. Kommerziell erfolgreich waren sie aber alle genauso wenig wie Fotomaker, sodass sich sagen lässt, dass sie unter dem Banner The Raspberries mit Eric Carmen doch ihre einzigen zählbaren Erfolge verbuchen konnten. Das ist ausgesprochen schade, zumal die ersten beiden Fotomaker-Alben durchaus zum Besseren gehörten, was der Power Pop (oder wahlweise auch der später sich etablierende 'AOR'-Sound) in den ausgehenden 70er Jahren zu bieten hatte.



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