Apr 6, 2018


OMEGA RED STAR - From Hungary (Decca Records SKL 4974, 1968)

Omega sind eine Rockband aus Ungarn, die im Jahre 1962 gegründet wurde. Drei der fünf Musiker der heutigen Besetzung spielen seit 1971 zusammen. Das musikalische Spektrum der Band reichte im Laufe ihrer Geschichte vom Beat über den Hardrock bis zum Progressive Rock und gar der New Wave. Omega ist der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Das grosse Omega wurde dabei zum Erkennungszeichen der Band. 1962 ging die Band Omega aus zwei Schülerbands verschiedener Schulen in Budapest hervor und hatte ihren ersten offiziellen Auftritt. Der Name Omega wurde ihnen vom Veranstalter gegeben. Nach einigen Umbesetzungen veröffentlichte die Band erst 1966 ihre erste Single, eine Coverversion des Rolling Stones-Titels "Paint It Black". Es folgten weitere Singles, alle mit Stücken aus westlichen Ländern. 1968 erreichte die Band ihre Stammbesetzung für die ersten drei bis vier LPs mit László Benkő (Trompete, Flöte, Gesang), János Kóbor (Gesang), Gábor Presser (Keyboard, Gesang), Tamás Mihály (Bass),György Molnár (Gitarre) und József Laux (Schlagzeug und Perkussion). Die Songtexte schrieb die Studentin und József Laux’ spätere Frau Anna Adamis. Die Kompositionen stammten vorwiegend von Gábor Presser.

Im selben Jahr entdeckte der Manager einer anderen Band Omega während eines Konzerts. Er verhalf ihnen zu einer England-Tournee und einem Plattenvertrag beim Londoner Label Decca Records, das ihnen den Namen Omega Red Star gab. Nach drei Aufnahmetagen in London musste Kóbor zurück nach Budapest und das Album wurde mit dem Gesang von Mihály mit dem Titel "Omega Red Star From Hungary" halbfertig veröffentlicht. Obwohl noch Material für ein zweites Album dagewesen wäre, musste die Band aus politischen Gründen zurück in die Heimat. Nach dem England-Erfolg erschien die erste LP beim Hungaroton-Label "Trombitás Frédi és a rettenetes emberek" (zu deutsch: "Trompeter Fredi und die schrecklichen Menschen"). Das Album verschaffte ihnen nach 100000 verkauften Exemplaren die erste Goldene Schallplatte. Die Stücke auf dem Album waren in der Tradition der Rolling Stones, der Beatles und der Kinks gehalten, die aber auch Einflüsse ungarischer Volksmusik zeigten und abwechslungsreich instrumentiert waren, unter anderem mit Streichern, Flöten, Sitar und Trompete.

1969 folgte das Album "10000 lépés" ("10000 Schritte"), das ein grosser Erfolg wurde und mit einem aufwendig gestalteten Plattencover ausgestattet war. Das Titelstück war eine bedrohlich klingende Sechs Minuten-Nummer mit Bläserparts und einer entfesselt solierenden, verzerrten Gitarre (wie sie The Gun im Jahr zuvor verwendet hatten). Hier deuteten sich bereits musikalische Entwicklungen an, die auf den folgenden Platten stattfanden. Später verwendeten andere Künstler die zweite überlange Nummer des Albums, die Ballade "Gyöngyhajú lány" (zu deutsch "Perlen im Haar") für Coverversionen, darunter Frank Schöbel, die Scorpions für deren "White Dove" und Kanye West für dessen Titel "New Slaves". Ein psychedelisches, rein instrumentales Stück mit dem Titel "Kérgeskezű favágók" geriet über acht Minuten lang und enthielt ein ausgedehntes Schlagzeugsolo. 1969 spielte die Band auch das erste Mal im Budapester Kisstadion. In den meisten Folgejahren gab die Band dort ebenfalls Konzerte. 1970 tourten Omega quer durch Europa, darunter auch durch Finnland, Frankreich, Jugoslawien und Spanien, wo sie beim Barbarella-Festival mit "Gyöngyhajú lány" Preise gewann.

Das dritte Album, "Éjszakai országút" ("Nächtliche Landstrasse"), wurde ebenfalls in diesem Jahr veröffentlicht und wieder mit einem graphisch ansprechenden Klapp-Cover ausgestattet. Die Platte steigerte den musikalischen Härtegrad vor allem durch die aggressiv gespielte Elektrogitarre deutlich, obwohl nun neben Trompeten sogar Harfen, Mundharmonika und Celli zum Einsatz kamen. Das Stück "Utcán, a téren" wurde mit seinem auf dem Klavier statt der E-Gitarre gespielten Riff ein Hit, in der DDR als deutsche Fassung ("Sie ruft alle Tage herbei"). Auch dieses Album enthielt eine (ausgeblendete) Ballade im Sechs Minuten-Format ("Utazás a szürke folyón"). Im folgenden Jahr verliessen Gábor Presser und József Laux die Band und gründeten gemeinsam die Gruppe Locomotiv GT. Auch Anna Adamis textete fortan für die neue Band. Omega schienen nach dem Verlust des Hauptkomponisten samt der Texterin vor dem Aus zu stehen, aber in einer Art Trotzreaktion schrieben nun alle Mitglieder der Band neue Stücke. Man fand mit Péter Sülyi einen neuen Texter und kam durch den Schlagzeuger Ferenc Debreceni, den man bei Neoton abgeworben hatte und der sich später Debreczeni nannte, zu der bis in die 2010er Jahre bestehenden Besetzung, die durch wenige Musiker ergänzt wurde.

Bei Hungaroton wurde das neue Label Pepita eingerichtet, um sich mit Rock- und Pop-Musik vom klassikorientierten Qualiton-Label zu unterscheiden. Auch Omega produzierten in der Folge unter Pepita. 1972 nahm die Gruppe das Album "200 évvel az utolsó háború után" ("200 Jahre nach dem letzten Krieg") auf, aber es wurde kurz danach zensiert, zum einen, weil der Albumtitel der ungarischen Regierung nicht ins Konzept passte, zum anderen, weil sich ein Hungaroton-Produzent vom Song "Szex apó" ("Sex-Onkelchen") beleidigt fühlte. Erst 1998 erschien eine digital überarbeitete Version des Albums in der Form, wie es ursprünglich geplant gewesen war. Trotzdem wurde 1972 ein Album veröffentlicht, nämlich "Élő Omega" ("Omega Live"), in einer Aluminium-Hülle verpackt, ein Unikat unter den osteuropäischen Veröffentlichungen jener Zeit. "Elő Omega" war ein Pseudo Live-Album, das während einer Tournee mit einfachen Mitteln aufgenommen und mit Applaus nachträglich gemischt wurde. Ausserdem wollten Omega zeigen, dass sie trotz des Verlustes von Presser und Laux nicht aufgaben, daher der Ausdruck 'Leben' im Albumtitel. In dem Stück "Hűtlen barátok" setzten sie sich mit dem Verlust der beiden Bandmitglieder auseinander (zu deutsch "Untreue Freunde").

In diesem Jahr kamen auch wieder zahlreiche Auftritte im Ausland, darunter auch in der DDR hinzu, wo auch eine LP-Kompilation, schlicht "Omega" genannt, mit Songs vom ersten und dritten Album auf dem Plattenlabel Amiga erschien. Im folgenden Jahr entdeckte der westdeutsche Produzent Peter Hauke die Band und verschaffte ihnen einen Vertrag bei seinem Bellaphon-Unterlabel Bacillus Records für drei Jahre und drei Alben. Das Album "Omega 5" erschien 1973, und es war das letzte Album in einem Klapp-Cover. Auch dieses Album wurde 1998 digital remastered veröffentlicht unter dem Titel "Szvit" (zu deutsch "Suite"). Die titelgebende Suite füllte eine komplette LP-Seite und war ein Progressive Rock-Stück mit klassischem Orchester. Die Seite 2 der Platte bot eine weitere, von der Hammond-Orgel getragene Ballade ("Én elmegyek") neben rockigen Nummern. Darunter fanden sich neben einem aggressiven Stück, das mit seinem Gitarre/Orgel-Unisono an Deep Purple erinnerte ("A Jövendőmondó"), auch die ersten Vorzeichen der nächsten stilistischen Veränderung, weg vom gitarrenzentrierten Rock hin zum Space Rock, als beispielsweise im Song "Búcsúztató" der Synthesizer eine tragende Rolle übernahm.

Aufgrund der englischsprachigen Veröffentlichungen im Laufe der 70er Jahre wurden Omega zu einer der beliebtesten Ost-Bands im Westen. Bis einschliesslich 1975 folgten drei weitere englischsprachige Alben: "200 Years After The Last War", "Omega III" sowie "The Hall Of Floaters In The Sky". Diese Veröffentlichungen waren nicht einfach englische Versionen der ungarischen Originale, sondern wurden jeweils neu zusammengestellt und teilweise neu aufgenommen. "200 Years After The Last War" beispielsweise enthielt nur zwei Stücke von "Elö Omega", dazu eine englische Version von "Nem tudom a neved" und eine komplett neu arrangierte und neu eingespielte Fassung der Suite ohne das Orchester, dessen Parts von Mellotron und Synthesizer übernommen wurden. Die sechste ungarischsprachige LP erschien unter dem Titel "Nem tudom a neved - Omega 6" (zu deutsch "Ich kenne deinen Namen nicht"). Die Platte war deutlich Keyboard-orientierter und führte musikalisch den Weg fort, den "Búcsúztató" bereits angedeutet hatte.

1976 verlängerte Bellaphon den Vertrag, und die Band hatte nun die Möglichkeit, in einem anderen Studio technisch fortschrittlichere Ausrüstung für das Album "Time Robber" zu verwenden. Diese LP war die erste 1:1-Version eines ungarischsprachigen Albums, nämlich "Időrabló – Omega 7". "Time Robber" erschien sogar, bevor das Original veröffentlicht wurde. Ein Jahr später gab es für das englischsprachige Album bei einem Konzert im Kisstadion eine Goldene Schallplatte. In den zwei folgenden Jahren erschienen die Alben "Skyrover" und "Gammapolis", die erneut die ungarischen Originale nach sich zogen: "Csillagok útján Omega 8" und "Gammapolis - Omega 9". Auch für "Skyrover" erhielten Omega eine Goldene Schallplatte. 1979 wurde die erste echte Live Doppel-LP veröffentlicht. 1980 unternahmen Omega mit Beatrice und Locomotiv GT eine ausgedehnte Ungarntournee. Der Höhepunkt der Konzerte war der Titel "Gyöngyhajú lány", welcher von Omega und Locomotiv GT jeweils zusammen gespielt wurde.

Der Bellaphon-Vertrag lief aus, und der deutsche Musikproduzent Frank Farian verschaffte der Band einen Vertrag mit dem WEA-Label für das Album "Working", das auch 1981, jedoch mit neuen Aufnahmen fast identisch als "Az arc - Omega X" (zu deutsch "Das Gesicht") in Ungarn erschien. Der Produzent Peter Hauke versuchte, die Band mehr zu synthetischen Klängen zu bringen. Da sich Omega aber nicht damit identifizieren konnten, erschienen die folgenden Alben nicht mehr auf Englisch. In den folgenden Jahren blieben Omega stets sehr aktiv, bestritten zahlreiche regelmässige Tourneen und veröffentlichten weitere teils sehr starke Alben, die jedoch fast immer recht keyboardlastig ausfielen.In Vorbereitung des 50. Bandjubiläums im Jahre 2012 plante die Band die Herausgabe einer CD-Trilogie. Als Auftakt erschien im Oktober 2010 das Album "Omega Rhapsody". Laut Sänger János Kóbor war das älteste Stück der neu eingespielten CD fast 40 Jahre alt. Alle Songs wurden mit grossem Symphonieorchester arrangiert, sodass man laut Kóbor die unterschiedlichen Entstehungszeiten nicht unterscheiden konnte. Das Material wurde nicht nach Hit-Erfolgen ausgesucht und vereinte hauptsächlich Stücke aus der Space Rock-Phase der Band.







No comments:

Post a Comment