Feb 11, 2016


ROBERT RANDOLPH & THE FAMILY BAND - Live At The Wetlands 
(Dare Records DR001, 2002)

Robert Randolph. Diesen Namen hatte ich noch nie gehört, bevor ich mich in meinem Urlaub 2002 in Florida im schönen St. Petersburg in einen kleinen Plattenladen verirrte. Wie ich da so in den Regalen kramte, ohne nach etwas Bestimmtem Ausschau zu halten, lief im Laden diese Live-CD, und je länger die lief, umso mehr dachte ich so für mich: Hm, das klingt interessant. Das klingt vor allem nach Musik, die ich in dieser Form noch nie gehört habe. Das ist eindeutig eine Pedal Steel Guitar, aber da wimmert ansonsten rein gar nichts wie mir vertraute Countrymusik. Vielmehr kracht hier eine Band einen knalligen Jam-Sound, der extrem vorwärts peitscht und irgendwo im Blues-, resp. im schnellen Boogie-Bereich angesiedelt ist.

Wie ich dann die CD in den Händen hielt, fiel mir als Erstes das Band Line-Up auf: Da waren Bass, ein Keyboard, ein Schlagzeug und der Bandleader Robert Randolph - nein, nicht an der Gitarre, sondern an der Pedal Steel. Und dann das Foto: Ein Schwarzer an der Pedal Steel. Das war schon mal ziemlich aussergewöhnlich. Wer nun aufgrund der Instrumentierung eine Mischung aus Kuhfladen und Na$hville erwartete, lag wie ich völlig falsch. Was Robert Randolph aus seiner Pedal Steel herausholte, hatte mit Country gar nichts zu tun und haute mich ziemlich aus den Socken.

Die Presse schrieb damals über diesen aussergewöhnlichen Musiker und seinen auf CD gebannten Auftritt Folgendes: "Robert Randolph - Winner of the 2002 Newcomer Award - is an artist who has received some of the greatest critical acclaim in memory. on his new live album recorded at the fabled new york club "wetlands", the 24-years-old resurrects the spiritual fervor of gospel, gutbucket soul of the blues, earthy power of R&B and raucous energy of rock to create a foot-stomping roof-raising rave-up that has fans begging for more."

Robert Randolph zog zuvor schon seit geraumer Zeit im Umfeld von Widespread Panic, Gov't Mule und Ween herum, kam jedoch bei Performances nie über das Etikett "Achtungserfolg" hinaus. Dies änderte sich schon kurze Zeit nach der Veröffentlichung dieser Live-CD, denn die Plattenfirma Warner Brothers hatte sich Randolph und seine Familie bald unter den Nagel gerissen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis die erste Studio-Scheibe erschien, und nach ihr einige weitere. Eine Tournee zusammen mit Eric Clapton verhalfen ihm schliesslich zum internationalen Durchbruch und er ist inzwischen ein Garant für klasse Live-Konzerte und gern gesehener Gast an vielen Open Airs. Seine Auftritte sind ganz spezielle Attraktionen, weil er stets mit einer unglaublichen Dynamik und Energie zu Werke geht, sein Publikum stets stark einbindet und so wahre Happenings abfeiert.

Sein Debutalbum, das ungewöhnlicherweise eine Live-Platte ist, bietet 6 Songs mit über 70 Minuten Spielzeit und sprüht vor Energie und Spielfreude, und dies auf musikalischem Top-Niveau. Sie zieht mich bis heute in ihren Bann, jedesmal, wenn ich sie mir auflege. 

"Ted's Jam", erster Song - 13 Minuten engagiert jammender "Phish"-Groove. Nein, nicht Grateful Dead-gemütlich, sondern rhythmisch packend und immer wieder wild und peitschend, dabei immer mit satter Bodenhaftung. "Shake Your Hips" - der bekannte Klassiker im 10 Minuten-Stretching. Der Grundgroove nimmt dich sofort, du erinnerst dich gleich an "La Grange" von Z.Z. Top, und all die geilen vermeintlichen "Gitarren"-Solis schletzt Robert Randolph auf seiner Pedal Steel hin. Das ist wirklich einmalig. "I Don't Know What You Come To Do" - Robert erklärt dem Publikum, wie man richtig "footstompen" tut. Das ist Party pur, Fun mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks und einer unglaublichen Power. Schliesslich: "Tears Of Joy" - Robert und seine Family Band verabschieden sich in bester Soul-Tradition, ein bisschen Donny Hathaway, etwas Stuff, trotzdem bluesig, und natürlich auch endlich einmal richtig weinerlich, diese Pedal Steel, so, wie man sie sonst ja vomn all den wimmernden Country-Schnulzen kennt. Zum Abschluss nach all dem Highway also auch noch ein bisschen Prärie.

Da Robert Randolph auf den nachfolgenden Platten immer einen starken Bezug zum Funk zeigte, muss auf jeden Fall erwähnt werden, dass "Live At The Wetlands" keine Funk-Gruppe präsentiert. Das Trio rockt hier das Haus mit wahrhaftiger "Footstomping Music".

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