Sep 27, 2017


STONE TEMPLE PILOTS - Purple (Atlantic Records 82607-2, 1994)

1987 trafen sich Scott Weiland und Robert DeLeo zum ersten Mal auf einem Konzert der Gruppe Black Flag. Wenig später gründeten sie eine Band. Als Schlagzeuger holten sie sich Eric Kretz, der ihnen bei einer lokalen Band aufgefallen war und nannten sich Mighty Joe Young. Nachdem sie auch Roberts älteren Bruder Dean überreden konnten, als Gitarrist in der Band mitzuwirken, war die Aufstellung komplett. Durch Aufkleber mit den Buchstaben STP (eine Motorenölmarke) inspiriert, versuchten sie, einen Namen daraus zu entwickeln und nannten sich daraufhin Shirley Temple’s Pussy. Nach Demoaufnahmen und Auftritten nahm Atlantic Records die Band 1992 unter Vertrag und brachte sie dazu, sich künftig Stone Temple Pilots zu nennen. Im selben Jahr erschien im November mit "Core" das erste Album der Band. Bis heute ist "Core" rund 7 Millionen mal in den USA verkauft worden. Eine Vielzahl der Alben wurde durch Brendan O’Brien produziert. Der dynamische, anfangs stark vom Grunge beeinflusste Hardrock der Band brachte den Mitgliedern neben einer wachsenden Anhängerschaft auch die Häme vieler Kritiker ein, die die Musik für epigonal und zu kommerziell hielten: Nicht wenige Rezensenten beschäftigten sich in der Folge eher mit den (tatsächlichen oder vermeintlichen) Anleihen bei Bands wie Soundgarden oder Pearl Jam sowie teils auch mit den Drogenproblemen des Sängers Scott Weiland, die sich in der Folge verschärften. Die Singles "Plush" und "Creep" wurden in den Staaten und Europa derweil grosse Erfolge, und die vielfach bissige Berichterstattung in der Fachpresse konnte dem Erfolg der Band nicht viel anhaben.

Im Mai 1994 folgte das zweite Album "Purple", mit dem sich die Band durch einen poppigeren Stil von der Grunge-Szene löste. Durch das Einfügen psychedelischer Elemente prägte die Band stärker einen eigenen Stil. Das Album stieg sofort auf Platz 1 in den Billboard Charts und hielt sich dort drei Wochen. Die Singles "Vasoline" und vor allem der eingängige "Interstate Love Song" wurden grosse Hits. Mit dem Erfolg verschlimmerten sich aber auch die Drogenprobleme des Sängers weiter; die 1995 begonnenen Sessions in einem Studio, um neues Material einzuspielen, scheiterten an der mangelnden Disziplin Weilands, der jetzt immer öfter unentschuldigt abwesend war und den Verpflichtungen der Band fernblieb. Die Arbeiten am Album begannen Ende 1993 und dauerten bis Anfang 1994. Produzent war wie beim Debütalbum Core Brendan O’Brien, der auch die drei folgenden Studioalben der Band produzierte. Es wurde schliesslich in den USA am 7. Juni 1994 über Atlantic Records veröffentlicht. Als erste Single wurde "Big Empty" ausgekoppelt, die bereits 1993 im Rahmen des MTV Unplugged-Konzertes der Band live aufgeführt wurde. Weitere Singles waren im Laufe des Jahres "Vasoline" und "Interstate Love Song", zu denen es - bis auf "Big Empty" - auch Musikvideos gab, die unter der Leitung von Kevin Kerslake gedreht wurden. Als Promosingles, die an Radiostationen und Zeitschriften verteilt wurden, wurden zusätzlich "Unglued" und "Pretty Penny" ausgekoppelt.

Auf dem Artwork wurde der Titel "Purple" durch ein chinesisches Schriftzeichen dargestellt (einzige Ausnahme ist die europäische Limited Edition im Vinyl-Format), genauso wie das gesamte Cover asiatische Einflüsse aufwies. Es zeigte ein Kind, welches auf einem Drachen reitet und dem Betrachter zuwinkte. Im Hintergrund war eine Gruppe von Menschen zu sehen. Auf dem Cover der Kassette hielt das Kind das chinesische Schriftzeichen in der winkenden Hand und war nicht in der Ecke, wie auf dem CD-Cover dargestellt. Aktuell gab es zwei unterschiedliche Pressungen der CD mit einem anderen Muster. Eine mit Blumen und eine andere mit Drachenschuppen. Die Tönung des LP-Covers war in verschiedenen Ländern und Versionen ebenfalls unterschiedlich. Auf der Rückseite der Hülle waren auch nicht wie sonst üblich die Titel angegeben. Stattdessen war in Form einer Torte die Aufschrift "12 Gracious Songs" angebracht.

"Purple" stellt bis heute anhand der Chartplatzierungen das beste Stone Temple Pilots Album dar. An die Verkäufe und auch die Auszeichnungen für Musikverkäufe konnte das Album jedoch nicht an das Debütwerk heranreichen. In den USA erreichte die Band mit "Purple" ein einziges Mal die Spitzenposition der amerikanischen Billboard 200, wo sich das Album drei Wochen hielt. In England gelangte es auf Platz zehn, in der Schweiz auf Platz 25, in Österreich auf Platz 18 und in Deutschland auf Platz 15. In allen genannten Ländern war es die höchste Platzierung, welche die Band je mit einem Album erreichen konnte. Die ersten drei Singleauskopplungen waren in den amerikanischen Charts erfolgreich vertreten. Die erste Single "Big Empty" schaffte es auf Platz 50 der Billboard Hot 100, die zweite Single "Vasoline" sogar auf Platz 38. "Interstate Love Song" schaffte es bis auf Platz 18 und war damit der erfolgreichste Charteinstieg, den die Band mit einer Single geschafft hatte. In Europa waren die Singles weniger erfolgreich. Lediglich in England konnten sich die beiden letzteren Singles in der britischen Hitliste platzieren. Mit "Purple" nahm die Band in den USA bislang sechsmal die Platin-Schallplatte für über sechs Millionen verkaufte Einheiten entgegen. In Kanada wurden bis heute über 300000 Exemplare verkauft (dreimal Platin). In England konnte die Band 1995 eine Silberne Schallplatte für das Album entgegennehmen. Für die erste Single "Big Empty", die auch Soundtrack zu dem Film The Crow – Die Krähe war, nahm die Band im gleichen Jahr den MTV Movie Award in der Kategorie Best Song From a Movie entgegen.

Das Album "Tiny Music…Songs From The Vatican Gift Shop" erschien schliesslich Ende März 1996 und stieg auf Platz 5 der Charts ein. Die Veröffentlichung erhielt Doppelplatin für über zwei Millionen verkaufte Exemplare. Das Songmaterial war von sehr unterschiedlicher Qualität, andererseits verstummten jetzt erstmals viele Kritiker, die der Band zuvor Uneigenständigkeit vorgeworfen hatten. Die Stone Temple Pilots präsentierten eine deutlich 60´s lastige Platte, die an den Beatles geschult war und zwischen Pop-Grandezza und Hard Rock hin und her pendelte. Je stärker die Entwicklung der Band als Musiker voranschritt, desto mehr sanken aber auch die Plattenverkäufe. Die Kritik wies zwar darauf hin, dass es der Band nun offenbar gelinge, einen eigenen Stil zu entwickeln, das Publikum zeigte sich jedoch ungnädig. Abgesagte Tourneen und Auftritte waren aufgrund der Drogensucht Weilands zudem an der Tagesordnung und verhinderten eine entsprechende Promotion des Materials. Die Mitglieder widmeten sich schliesslich 1997 Soloprojekten. So nahm Weiland 1998 sein Album "12 Bar Blues" auf, während die verbleibenden drei Musiker mit dem Sänger von Ten Inch Men, Dave Coutts, das Album "Talk Show" einspielten. 1999 nahmen die Stone Temple Pilots das Album "No. 4 auf", welches einen Querschnitt aus den vorangegangenen Alben enthielt: Das zerfahrene Element von Weilands Soloplatte, die 60er Jahre Einflüsse der Band und der psychedelische Hardrock der ersten beiden Alben prägten die Platte. Zur ersten Single "Down" konnte kein Video gedreht werden, da Scott Weiland gegen seine Bewährungsauflagen verstossen hatte und für fünf Monate ins Gefängnis musste. Die Band griff daher auf Archivmaterial zurück. Die Single "Sour Girl" war indes in Deutschland ein kleiner Erfolg. Bei der nachfolgenden Tournee durch die USA absolvierte die Band rund 200 Auftritte, ein Teil davon fand mit den Red Hot Chili Peppers statt. Das Album "No. 4" erhielt schliesslich Platin für vier Millionen verkaufte Platten in den USA.

Im Jahre 2001 erschien das vorerst letzte Album der Band, "Shangri-La Dee Da". Die Stone Temple Pilots gingen mit Staind und Linkin Park auf Tournee. Nach einer Prügelei zwischen Scott Weiland und Dean DeLeo zerbrach die Band im Jahre 2003. Es folgte im selben Jahr das Best Of Album "Thank You". Die Bandmitglieder gingen von dort an vorerst getrennte Wege. Sänger Scott Weiland gründete im Jahre 2003 mit ehemaligen Mitgliedern von Guns N’ Roses die All-Star-Band Velvet Revolver. Dean und Robert DeLeo gründeten 2005 mit Richard Patrick von Filter die Band Army Of Anyone. Schlagzeuger Eric Kretz eröffnete das Bomb Shelter Studio in Los Angeles. Scott Weiland verliess Velvet Revolver im April 2008, kurz darauf kam es zur Wiedervereinigung seiner alten Band: Am 21. Mai 2010 veröffentlichten die Stone Temple Pilots das erste neue Studioalbum seit 2001, es hiess schlicht "Stone Temple Pilots" und stiess bei den Fans auf positive Resonanz. Es folgten zahlreiche Auftritte auf mehreren Kontinenten. Am 28. Februar 2013 gab die Band über die Website überraschend bekannt, dass man sich per offizieller Kündigung von Sänger Scott Weiland getrennt habe. Die Gründe hierfür wurden zunächst noch nicht angegeben. Am 19. Mai 2013 wurde dann bekannt, dass Chester Bennington der neue Sänger der Band sei. Bennington, der bereits 2001 einmalig mit den Stone Temple Pilots gearbeitet hatte, trat gemeinsam mit der Band auf, die dabei unter anderem den neuen Song "Out Of Time" spielte. Er war zugleich Frontmann seiner bisherigen Band Linkin Park geblieben.

Während Scott Weiland sich öffentlich zu Wort meldete und feststellte, weder habe er die Stone Temple Pilots, die er mitgegründet habe, verlassen noch sei es rechtens, wenn die drei anderen Musiker mit Bennington als Stone Temple Pilots aufträten, wurde gleichzeitig bekannt, dass seine bisherigen Kollegen ihn verklagt hatten, da er während der letzten Tournee durch Unzuverlässigkeit erhebliche finanzielle Verluste und Vertragsbrüche zu verantworten gehabt hätte. Im Oktober 2013 erschien mit "High Rise" die erste und einzige EP mit Chester Bennington. Anfang November 2015 verliess Bennington die Band. Sowohl er als auch die Band erklärten, die Trennung voneinander sei einvernehmlich. Bennington gab Termine mit Linkin Park und familiäre Gründe an, die eine Fortführung seiner Zeit als Sänger bei den Stone Temple Pilots unmöglich zuliessen. Bennington starb im Juli 2017. Am 3. Dezember 2015 wurde Scott Weiland kurz vor einem Auftritt in Bloomington, Minnesota leblos im Tourbus seiner Band Scott Weiland & The Wildabouts aufgefunden. Er starb mit 48 Jahren. Nachdem die Position des Sängers in der Band durch den Abgang Benningtons abermals vakant wurde, entschied sich die Band im Februar 2016, den Posten durch ein Casting neu zu besetzen. Das Vorsingen begann am 18. April 2016 und dauert bis heute an.






Sep 26, 2017


TRIUMVIRAT - Illusions On A Double Dimple (Harvest Records 1C 062-29 491, 1974)

Die deutsche Rockband Triumvirat, beheimatet in Köln, galt in den frühen 70er Jahren als deutsches Pendant zur britischen Art Rock Szene, entwickelte aber relativ bald schon einen sehr eigenständigen und unverwechselbaren Stil. Ab 1976 konnte die von Beginn an in den USA gefeierte Band auch in ihrer Heimat sehenswerte Verkaufszahlen vorweisen. Triumvirat's kreativer und musikalischer Kopf war Hans-Jürgen Fritz, ein klassisch ausgebildeter Pianist, der die Band schon im Alter von gerade mal 16 Jahren gründete und sie mehr als zehn Jahre als wichtigster Ideengeber leitete. Sieben Studiowerke veröffentlichten Triumvirat in der Zeit zwischen 1972 und 1980, die wichtigsten von ihnen avancierten vor allem in Uebersee zu absoluten Topsellern, begleitet von gut besuchten Tourneen und regelmässigen Charts-Notierungen. Ursprünglich waren Triumvirat als reine Instrumentalband gestartet. Inspiriert durch die Musik von The Nice (Keith Emerson), entschied sich Fritz gemeinsam mit dem Bassisten Dick Frangenberg und dem Schlagzeuger Hans Bathelt eine eigene Gruppe zu gründen. Anfänglich beschränkte sich das Live-Repertoire von Triumvirat auf das Adaptieren von Fremdkompositionen, welche die Band bei Konzerten in und um Köln einem zunehmend grösser werdenden Publikum vorstellten.

Mit der Zielsetzung, einen Plattenvertrag zu erhalten, änderte sich ab Winter 1971 nicht nur die konzeptionelle Ausrichtung, sondern auch die Besetzung. Für Dick Frangenberg kam Hans Pape. zudem probten Triumvirat bis zu fünfmal pro Woche und feilten fortan ausschliesslich an eigenen Songs. Es wurden einige Demoaufnahmen im eigenen Probelokal aufgenommen, mit denen die drei Musiker das Interesse von Hartmut Priess (De Bläck Fööss) wecken konnten. Priess vermittelte der Band einen Termin beim Arrangeur und Komponisten Reinhard Pietsch, der seinerzeit als Produzent bei der Plattenfirma EMI Electrola in Köln arbeitete. Die Verantwortlichen von EMI hatten soeben als Gegenstück zu Metronome's Brain Label und auch als Pendant zu Bellaphon's Bacillus Label das auf deutsche Formationen ausgerichtete Harest-Label ins Leben gerufen, und waren auf der Suche nach einheimischen talentierten Bands und Musikern. Triumvirat überzeugte die Verantwortlichen von EMI Electrola sofort. Kaum durften sie dort ihre Probeaufnahmen spielen, kam es auch schon gleichentags zur Vertragsunterzeichnung mit Harvest Records. Innerhalb von nur drei Tagen wurde im Januar 1972 in den Kölner Electrola Studios das Debutalbum "Mediterranean Tales" eingespielt, welches drei Monate später veröffentlicht wurde. Mit der darauf enthaltenen, eine ganze Albumseiten füllenden Suite "Across The Waters", in welcher unter anderem ausgedehnte Mozart-Zitate zu hören waren, konnten Triumvirat ihren Anspruch, an The Nice erinnernde, an der Klassik orientierte Rockmusik zu spielen, erfüllen.

Nach einigen wenigen Konzerten und einem gefeierten Gastspiel beim Krefelder Deutsch Rock Festival gingen Triumvirat erneut ins Tonstudio, um ihr zweites Album "Illusions On A Double Dimple" einzuspielen. Für den in der Zwischenzeit wieder aus der Band ausgestiegenen Bassisten Hans Pape verpflichtete die Gruppe den Multi-Instrumentalisten Helmut Köllen. Gemeinsam mit einem Streicher-Ensemble des Kölner Opernhaus Orchesters, der Bläserabteilung der Kurt Edelhagen Band und einem Background Chor arbeiteten Triumvirat von Juni bis Oktober 1973, und damit deutlich länger als geplant, am neuen Songmaterial. Im März 1974 kam das Album dann in die Läden, gefolgt von einer Tournee, welche die Gruppe zusammen mit der Band Birth Control absolvierte. Nachdem Triumvirat nach dieser Tournee zurück nach hause kamen, nahm plötzlich auch die internationale Karriere ihren Lauf. Der Leiter der Exportabteilung von EMI Records hatte das Album seinem A&R-Kollegen Chan Daniels bei der amerikanischen Plattenfirma Capitol Records angeboten, der angesichts der musikalischen Darbietungen auf "Illusions On A Double Dimple" sofort Feuer und Flamme war. Da die Verantwortlichen von Capitol Records das Album für eine der besten Aufnahmen des Jahres hielten, sich aber insgesamt trotzdem nicht sicher waren, ob dies eine breite Veröffentlichung auf einem US Mayor Label rechtfertigen würde, liessen sie einige Kopien der LP an Radiostationen im ganzen Land zukommen, um deren Reaktionen zu testen. Die Reaktionen waren überwältigend. Ueberall riefen die Zuhörer an und fragten nach einer Bezugsmöglichkeit für diese tolle Musik.

Das Ergebnis waren schliesslich mehr als 180000 verkaufter Exemplare des Albums und auch die versammelte Musikpresse war sich ziemlich einig, dass Triumvirat zu den handwerklich versiertesten und kreativsten deutschen Formationen zählten. Ihre abwechslungsreiche, dynamische musikalische Konzeption baute auf der europäischen Musiktradition auf und liess sich am ehesten mit der von Genesis und stilverwandten Gruppen vergleichen. "Illusions On A Double Dimple" wurde gefeiert wie ein geschlossenes Musik-Konzept, das sich mehr oder weniger wie Emerson, Lake & Palmer's Werk "Tarkus" anhörte, mit weniger technischem Feuerwerk und etwas mehr klassischer Konstruktion und Ausstattung. Im September 1974 starteten Triumvirat auf eine grossangelegte und überaus erfolgreiche USA-Tournee, bei der die Gruppe insgesamt 43 Konzerte gemeinsam mit der Band Fleetwood Mac absolvierte. Das Album platzierte sich ausserdem unter den Top 40 der amerikanischen Billboard Charts, so hoch wie noch keine deutsche Band vor ihnen.

Mit dem zweiten Triumvirat-Album war zum ersten Mal der Bassist und Sänger Helmut Köllen mit von der Partie. Zusammen mit im Vergleich zum Debütalbum variantenreicheren Synthesizer-Einsätzen trugen seine geschmeidig-emotionalen Gesangslinien zu einem ausgewogeneren Klangbild bei, das bereits im die Platte eröffnenden Longtrack "Illusions On A Double Dimple" seinen Höhepunkt erfuhr. Jürgen Fritz verstand es hier - in den Fusstapfen von Keith Emerson wandelnd - dem Moog eine fanfarenartige Dynamik zu entfalten und in behutsamer Manier zusammen mit einer präzise und punktgenau agierenden Rhythmusgruppe für wohl dosierte Bombastschübe zu sorgen. Auch wenn die Musiker von Triumvirat das Rad des von Keyboardsounds dominierten Progressive Rocks nicht neu erfanden, geriet das ganze Klangbild doch sehr viel hymnischer und symphonischer als bei dem grossen britischen Vorbild, wobei der sporadisch auftauchende weibliche, recht lautmalerische Chorgesang im Hintergrund ein Beigewürz war, das nicht einmal nötig gewesen wäre. Die als positiv empfundene symphonische Melodieseligkeit wirkte über die gesamten rund 23 Minuten der ersten Plattenseite schön ausgejammt und mit wohlig-warmen Sounds versehen. Das erweckte den Anschein, als ob die Band ihren Keyboardprunk ein wenig auflockern wollte.

Im zweiten Longtrack "Mister Ten Percent" wurden noch mehr griffige Melodien und mainstreamartige Bläsereinsätze integriert. Bisweilen hatte das den Anschein einer pompös groovenden Rockoper, wozu einige dezente Streichereinsätze auch sehr gut passten. Die jeweils manchmal gesungenen, manchmal intrumental gehaltenen einzelnen Teile der Suite wirkten zusammenhängend und schlüssig, ohne irgendwo den durchgehenden Faden zu verlieren. Aehnlich gut verbaut klangen auch die verschiedenen einzelnen Teile beispielsweise auf Nektar's Werk "Remember The Future". "Illusions On A Double Dimple" geriet zu einem überaus ansprechenden, von Keyboardsounds dominierten Progressive Rockwerk. Es verwundert vielleichth, warum Triumvirat in ihren beiden Epen doch phasenweise auf airplayartige Mainstreamsequenzen setzten. Insgesamt kann man "Illusions On A Double Dimple" als ein progressives Meisterwerk deutscher Musikbands bezeichnen, auch wenn die Gruppe bereits ein Jahr später mit dem Konzeptalbum "Spartacus", dem 1976 erschienenen "Old Loves Die Hard" und dem erneuten Konzeptwerk "Pompeii" von 1977 dieselbe Klasse angediehen liessen und insgesamt betrachtet auf jeden Fall zu den qualitativ bedeutendsten deutschen Rockbands der 70er Jahre gezählt werden können.





Sep 25, 2017


RINGO STARR - Beaucoups Of Blues (Apple Records PAS 10002, 1970)

Bevor sich Ringo Starr (alias Richard Starkey) den Beatles anschloss, war er in der Zeit von 1959 bis 1962 Schlagzeuger in der Liverpooler Band Rory Storm & The Hurricanes. Da die Bands einander sowohl in Liverpool als auch bei ihren Auftritten in Hamburg oft ablösten und untereinander aushalfen, hatte Starr bereits in dieser Zeit engen Kontakt mit John Lennon, Paul McCartney und George Harrison. Als die Beatles im August 1962 ihren Plattenvertrag erhielten und einen neuen Schlagzeuger benötigten, holten sie Ringo Starr fest in die Band. Starr ersetzte den von George Martin als spielerisch zu schwach eingeschätzten Pete Best. Trotzdem wurde Ringo Starr auf Wunsch von George Martin während der zweiten Aufnahme-Session in den Abbey Road Studios durch den Schlagzeuger Andy White ersetzt, mit dem ebenfalls das Stück "Love Me Do" eingespielt wurde, das bereits in der ersten Aufnahmesession am 4. September 1962 mit Ringo Starr als Schlagzeuger aufgenommen worden war. Für die Single "Love Me Do", die dann am 5. Oktober 1962 erschien, wurde eine Aufnahme mit Ringo Starr verwendet. Auf der LP "Please Please Me" von 1963 erschien hingegen eine Version mit Andy White am Schlagzeug.

Bereits vor der endgültigen Trennung der Beatles arbeitete Ringo Starr, zwischen Oktober 1969 und März 1970, an seinem ersten Soloalbum "Sentimental Journey", bei dem er mehrere alte sogenannte Standards der 30er und 40er Jahre einspielte. Der Produzent des Albums war George Martin, der zahlreiche Freunde als Arrangeure gewinnen konnte, darunter Paul McCartney, Klaus Voormann sowie auch prominente Arrangeure wie Quincy Jones oder Elmer Bernstein. Das Album erschien im März 1970 und erreichte die Top Ten der britischen Charts. Ringo Starr verfolgte parallel auch eine Filmkarriere, so wirkte er schon im Jahre 1968 bei dem Spielfilm Candy mit, es folgte im nächsten Jahr The Magic Christian mit Peter Sellers. Im Jahre 1971 spielte Ringo Starr eine Nebenrolle in dem Frank Zappa-Film 200 Motels und in dem Western Blindman. Ringo Starr hatte während der Aufnahmen zu George Harrisons Studioalbum "All Things Must Pass", an dem er als Schlagzeuger mitwirkte, den Pedal Steel-Gitarristen Pete Drake kennengelernt, der dann der Produzent seines nächsten Albums "Beaucoups Of Blues" wurde, das im September 1970 folgte und ein Ausflug in die Countrymusik bedeutete. Das Album sowie die gleichnamige Single blieben kommerziell jedoch erfolglos.

"Beaucoups Of Blues" war somit das zweite Studioalbum von Ringo Starr nach der Trennung der Beatles. Es wurde am 25. September 1970 in England und am 28. September 1970 in den USA veröffentlicht. Ringo Starr wusste, dass Pete Drake mit Elvis Presley und Bob Dylan zusammengearbeitet hatte und sein Ziel war es, in wenigen Tagen ein Country Album in London aufzunehmen. Drake überzeugte Ringo Starr, auch aufgrund von finanziellen Erwägungen, die geplanten Aufnahmesessions nach Nashville (USA) zu verlegen. Ringo Starr wählte Pete Drake als Produzenten, der Komponisten für Countrymusik bat, passende Songs für ein Ringo Starr Album zu komponieren, weiterhin organisierte er die Aufnahmetermine so, dass Ringo am 22. Juni 1970 nach Nashville kam und am 1. Juli 1970 wieder zurück nach England flog. Die ausgewählten Begleitmusiker waren in der US-amerikanischen Countrymusik-Szene wohlbekannt; darüber hinaus war der Schlagzeuger von Elvis Presley, D. J. Fontana, und seine ehemaligen Backgrundsänger The Jordanaires dabei, der ehemalige Gitarrist von Elvis Presley, Scotty Moore, fungierte bei diesem Album als Toningenieur. Die Aufnahmen fanden vom 25. bis 27. Juni 1970 statt. Ringo Starr selber steuerte nur eine Komposition "Coochy Coochy" bei. Dieses Stück wurde in gekürzter Form als B-Seite der Single "Beaucoups Of Blues" veröffentlicht, die bisher unveröffentlichte Originalversion ist 28 Minuten lang. Es wurden zwei weitere Titel aufgenommen: "Nashville Jam" erschien 1995 ebenfalls gekürzt (wie auch "Coochy Coochy") auf der CD-Version der Platte. Ein weiteres Stück mit dem Titel "The Wishing Book" wurde bisher nicht offiziell, sondern nur auf Bootlegs veröffentlicht. Der Designer des aufklappbaren LP-Covers war John Kosh. Die Coverfotos wurden von Marshall Fallwell Jr. in Nashville aufgenommen.

Ringo Starr wirkte in den 70er Jahren bei diversen Alben und Singles von George Harrison wie beispielsweise "All Things Must Pass", "Living In The Material World" und "Dark Horse", sowie bei John Lennon auf dessen Album "John Lennon/Plastic Ono Band" und den Singles "Cold Turkey" und "God Save Us" mit. Der Durchbruch als Solointerpret gelang Ringo Starr dann im April 1971 mit seiner ersten Poprock-Single "It Don’t Come Easy". Die Platte erreichte sowohl in den USA, in England und auch in Deutschland die vorderen Plätze in den Charts. "It Don’t Come Easy" wurde von George Harrison produziert. An der Gitarre war Stephen Stills zu hören, auf dessen gleichnamigem Debütalbum Starr 1970 Schlagzeug gespielt hatte. Ringo Starr wirkte auch am 1. August 1971 beim Konzert für Bangladesch mit, bei dem er Schlagzeug spielte und das Lied "It Don’t Come Easy" sang. Im Jahre 1972 freundete sich Starr mit Marc Bolan an, der zu dieser Zeit mit seiner Gruppe T. Rex erfolgreich war. Starr kümmerte sich damals um Apple Films. Im Film Born to Boogie wirkten ausser Marc Bolan & T.Rex auch Elton John und Ringo Starr selbst mit. Der Film bestand in der Hauptsache aus einem am 18. März 1972 im Londoner Empire Pool aufgezeichneten Konzert vor 10000 Fans. Aber auch zahlreiche Sketche waren enthalten. Im März 1972 erschien die zweite erfolgreiche Single von Ringo Starr mit zwei Eigenkompositionen, dem von Marc Bolan inspirierten "Back Off Boogaloo" und dem von Klaus Voormann produzierten Lied "Blindman" (das im Film nicht zu hören war). Produziert wurde "Back Off Boogaloo" wiederum von George Harrison. Im November 1972 wurde das Album "Tommy – As Performed by the London Symphony Orchestra & Chamber Choir with The Who and Various Artists" veröffentlicht, bei dem Ringo Starr als Uncle Ernie die Titel "Fiddle About" und "Tommy’s Holiday Camp" sang.

Ringo Starrs Single "Photograph" erreichte im Jahre 1973 Platz 1 der Billboard Hot 100. Hierbei handelte es sich um eine Auskopplung aus seinem dritten Soloalbum "Ringo", das im November 1973 erschien, die er gemeinsam mit George Harrison verfasst hatte. Auch die zweite Singleauskopplung des Albums, "You’re Sixteen", erreichte in den USA Platz 1 und "Oh My My" noch Platz 5 der dortigen Charts. Ringo Starr erreichte somit mit seinen drei Singleauskopplungen aus einem Album in den USA drei Top Fünf Single-Hits, davon zwei Nummer 1 Hits. Diesen Charterfolg konnten weder John Lennon, Paul McCartney noch George Harrison erreichen. Ringo Starr gelang es, alle Beatles-Mitglieder zur Mitwirkung an diesem Album zu bewegen. John Lennon überliess Ringo Starr seine Komposition "I’m The Greatest". Bei der Aufnahme des Songs am 13. März 1973 spielte John Lennon Klavier und übernahm den Hintergrundgesang, George Harrison spielte Gitarre, Ringo Starr sang und spielte Schlagzeug. Damit fehlte nur Paul McCartney zu einer Beatles-Reunion. Den Bass spielte allerdings Klaus Voormann, die Orgel Billy Preston. Paul McCartney überliess Ringo Starr seine Komposition "Six O’Clock", bei der er auch musikalisch mitwirkte. Seit dieser Zeit veröffentlichte Starr in Abständen Alben mit einer grossen Zahl von befreundeten Gastmusikern. Allerdings wurde kein weiteres Album kommerziell so erfolgreich wie "Ringo". Neben den Musikproduktionen arbeitete Ringo Starr weiter an seiner Filmkarriere, so erschien im Jahre 1973 That’ll be the Day mit David Essex und im Jahr 1974 Son of Dracula, bei dem er auch am Soundtrack mitwirkte. Im November 1974 erschien "Goodnight Vienna", dessen Titellied John Lennon geschrieben hatte, Lennon wirkte insgesamt bei drei Liedern mit. Zwei Singles des Albums kamen in die Top 10 der Billboard Charts. Die vorab veröffentlichte Coverversion des Platters-Hits aus den 50er Jahren "Only You (And You Alone)", schaffte es bis auf Platz 6, die Single "The No No Song" erreichte sogar Platz 3. Die dritte Auskopplung "(It’s All Down To) Goodnight Vienna" war weniger erfolgreich und kam über Platz 31 nicht hinaus. Als Produzent war wie beim Vorgängeralbum Richard Perry tätig. Im März 1975 wurde das Album "Two Sides Of The Moon" von Keith Moon veröffentlicht, das die Duette "Solid Gold" und "Together" von Ringo Starr und Keith Moon enthielt. Im Juli 1975 wurde Starrs Ehe mit Maureen Starkey geschieden. Im Jahr 1975 kam der Film Lisztomania in die Kinos, bei dem Ringo Starr in einer Nebenrolle mitwirkte.

Im Dezember 1975 erschien das Greatest Hits Album "Blast From Your Past", das alle sieben US Top Ten Hits, beziehungsweise vier Top Ten Hits aus England beinhaltete. Da der Vertrag mit Apple und EMI Records endete, wechselte Ringo die Plattenfirma und unterschrieb im März 1976 bei Atlantic Records. Anfang 1976 nahm er mit Guthrie Thomas noch seine Eigenkomposition "Band Of Steel" als Duett auf, die auf dem Album "Lies And Alibies" von Guthrie Thomas erschien. Im September 1976 erschien Starrs erste Veröffentlichung für Atlantic Records: die Vorabauskopplung "A Dose Of Rock ’n’ Roll" aus Starrs neuem Album, das in den US-amerikanischen Charts nur bis auf Platz 26 kam. Das Album mit dem Titel "Ringo’s Rotogravure" kam eine Woche später auf den Markt. Das Label und der Produzent, am Mischpult war dieses Mal Arif Mardin verantwortlich, waren neu, das Rezept des Albums allerdings ein altes. Wie bei Starrs Erfolgsalbum "Ringo" gelang es, seine ehemaligen Bandkollegen zur Mitarbeit zu bewegen. Lennon, McCartney und Harrison steuerten jeweils eine Komposition bei, ausserdem schrieb Eric Clapton ein Stück für das Album. Wie bei Ringo komplettierte die Coverversion eines erfolgreichen Titels von Bruce Channel aus den 60er Jahren, die zweite, noch erfolglosere Singleauskopplung "Hey Baby" (Platz 74 der US-amerikanischen Charts) die Zusammenstellung der Titel des Albums. Die beste Platzierung des Albums in den USA war Platz 28, in England und Deutschland platzierte es sich nicht in den Charts. Die mässigen Erfolgszahlen des Vorgängeralbums "Ringo’s Rotogravure" mögen ein Grund des musikalischen Stils des Albums "Ringo The 4th", im September 1977 veröffentlicht, gewesen sein, das wie eine Mischung aus Disco und Pop der 70er Jahre klang. Produzent war wieder Arif Mardin. Im Gegensatz zu früheren Alben verzichtete Starr auf die Hilfe prominenter Komponisten und schrieb stattdessen sechs der zehn Titel des Albums selbst in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Musiker Vini Poncia. Das Album verkaufte sich schlecht und erreichte in den USA nur Platz 162 der Hitparade, in England und Deutschland verfehlte es wie der Vorgänger den Einzug in die Hitlisten. Die beiden Singleauskopplungen des Albums "Drowning In The Sea Of Love" und "Wings" kamen nicht in die Charts. Im Dezember 1977 erschien der Soundtrack zum Kinderhörspiel mit Musik "Scouse the Mouse", in dem Ringo Starr die Titelrolle der Maus sprach und sang. Im Jahre 1978 übernahm Ringo Starr eine Nebenrolle in dem Spielfilm Sextette.

Nach zwei Misserfolgen trennte sich Atlantic Records von Ringo Starr, der ein neues Label suchte und es bei Portrait Records, damals ein Unterlabel von CBS Records, fand. Dort erschien im April 1978 sein Album "Bad Boy". Um das Album zu vermarkten, wurde ein Musical-Film mit dem Titel "Ringo" zur Ausstrahlung im US-amerikanischen Fernsehen produziert. Der Film war von Mark Twains Der Prinz und der Bettelknabe inspiriert und erzählte die Geschichte eines reichen Pop-Stars (Ringo Starr), der den Erfolgsdruck nicht mehr aushält und den Platz mit einem armen Burschen namens Ognir Rrats tauscht. Ringo Starr spielte eine Doppelrolle: sich selbst und Ognir Rrats. Trotz namhafter Schauspieler wie Carrie Fisher, Vincent Price und John Ritter sowie der Mitwirkung George Harrisons in der Funktion des Erzählers war die Sendung kein Erfolg, und eine positive Werbewirkung für das Album blieb aus. "Bad Boy" war musikalisch ausgereifter als sein Vorgänger, fiel aber bei Kritikern und Käufern durch und kam in den US-Charts nur auf Platz 129. Die beiden Singleauskopplungen des Albums "Lipstick Traces (On A Cigarette)" und "Heart On My Sleeve" verfehlten den Einzug in die Charts. Ringo Starr hatte im Jahre 1978 keinen Plattenvertrag für Kontinentaleuropa mehr. In dieser Situation begab er sich mit Russ Ballard als Produzent im Juli 1978 in Kopenhagen (Dänemark) ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen, was dann aber nicht fertiggestellt wurde. Nach den Fehlschlägen in seiner musikalischen Karriere war Ringo Starr während des Jahres 1979 mit mehreren weiteren Krisen konfrontiert. Im April brach er zusammen und musste sich in Monte Carlo einer Operation unterziehen. Am 28. November 1979 zerstörte ein Feuer sein Haus in Los Angeles. Starr blieb unverletzt, aber ein grosser Teil seiner gesammelten Andenken aus der Beatles-Zeit ging verloren. Andererseits traf er im Februar 1980 zu Dreharbeiten des Kinofilms Caveman seine zukünftige Frau Barbara Bach, die er am 27. April 1981 heiratete. Auf der Hochzeitsfeier waren George Harrison und Paul McCartney anwesend, eines der Hochzeitsbilder zeigte die drei ehemaligen Beatles erstmals seit der Trennung der Gruppe wieder zusammen.

Aufgrund der Ermordung von John Lennon am 8. Dezember 1980 nahm George Harrison das Lied "All Those Years Ago", das ursprünglich für Ringo Starr vorgesehen war, als Hommage an John Lennon neu auf. Dazu änderte er den Text und lud Paul und Linda McCartney sowie Denny Laine ein, den Hintergrundgesang beizusteuern. Da Ringo Starr schon bei den ursprünglichen Aufnahmen im November 1980 Schlagzeug spielte, waren bei dieser Aufnahme erstmals alle drei lebenden Beatles an einem neuen Stück beteiligt. Im November 1981 erschien das Album "Stop And Smell The Roses", das ebenfalls kein kommerzieller Erfolg wurde (Platz 98 in den US-Charts), obwohl auch McCartney und Harrison mitwirkten. Die ersten Aufnahmen fanden im Juli 1980 in den Super Bear Studios in Frankreich statt, wo Starr mit Paul McCartney als Produzenten die Songs "Private Property", "Attention", "Sure To Fall (In Love With You)" und "You Can’t Fight Lightning" einspielte. George Harrison fungierte im November 1980 als Produzent der von ihm komponierten Songs "Wrack My Brain" und "You Belong To Me". Am 15. November 1980 traf sich John Lennon zum letzten Mal mit Ringo Starr im Plaza Hotel in New York, wo er Starr eine Musikkassette mit vier Songs überreichte. Es wurden gemeinsame Aufnahmen im Januar 1981 an dem Album "Stop And Smell The Roses" geplant. Ebenfalls mit dabei war erneut Stephen Stills, dieses Mal als Co-Autor und Produzent des Titels "You’ve Got A Nice Way". Auf dem Cover des Albums verarbeitete Ringo Starr seine Trauer um John Lennon. Das folgende Album "Old Wave" wurde im Juni 1983 nur in wenigen Ländern veröffentlicht, darunter in Deutschland, aber nicht in England und den USA. Ringo Starr wirkte mehrere Jahre nicht mehr als Solo-Interpret, sondern als Gast- und Studiomusiker, unter anderem bei Paul McCartney und George Harrison. Im Fernsehfilm Princess Daisy übernahmen Ringo Starr und seine Ehefrau Barbara Bach eine kleine Nebenrolle. Im Jahre 1984 erschien der Kinofilm Broad Street von und mit Paul McCartney, in dem Starr und seine Ehefrau erneut eine Rolle übernahmen. Im Mai 1985 übernahm er eine kleine Fernsehrolle im Musical Alice in Wonderland und sang das Lied "Nonsense".

Am 20. Juni 1989 verkündete Ringo Starr im Palladium Theatre in New York, dass er mit Freunden als Ringo Starr and His All-Starr Band auf USA-Tournee gehen werde. Vom 23. Juli bis zum 4. September 1989 gab die All-Starr Band 23 Konzerte. Danach tourte Ringo Starr regelmässig unter dem Namen Ringo And His All Starr Band mit Gruppen wechselnder Besetzung. So trat er mit Musikern wie Jack Bruce, Peter Frampton, Greg Lake, Gary Brooker, Dave Edmunds, Joe Walsh, Randy Bachman, Nils Lofgren, John Entwistle und zahlreichen anderen auf. Zwischen 1990 und 2010 veröffentlichte Ringo Starr elf Live-Alben. Im November 1991 erschien auf dem Soundtrackalbum des Spielfilms Curly Sue das neue Ringo Starr Stück "You Never Know". Im Juni 1992 erschien dann nach neunjähriger Pause Starrs neues Studioalbum "Time Takes Time", das gute Kritiken erhielt. Das Konzept der Produktion wurde vom Album "Stop And Smell The Roses" übernommen, da wiederum mehrere Produzenten für das Album engagiert wurden. Einige Songs des Albums erinnerten in Teilen an die Musik der Beatles Mitte der 60er Jahre und unterschieden sich somit deutlich von den Vorgängeralben. An die Verkaufszahlen der frühen 70er Jahre konnte jedoch auch dieses Album nicht anschliessen. Die Singleauskopplung "Weight Of The World" schaffte es kurzzeitig in die Charts. Am 16. April 1993 gab Paul McCartney anlässlich des Earth Day Concert in der Hollywood Bowl (Los Angeles) ein Konzert. Während des letzten Songs "Hey Jude" kam unter anderem Ringo Starr auf die Bühne und sang im Chor mit. Im August 1998 folgte das kommerziell relativ erfolgreiche Album "Vertical Man". Im März 2003 erschien das Album "Ringo Rama", es enthielt das Stück "Never Without You", das Ringo Starr zum Andenken an George Harrison aufnahm. Im März 2015 erschien Starrs bisher letztes Studioalbum mit dem Titel "Postcards From Paradise", das mit "Rory And The Hurricanes" die vierte Hommage an seine Jugend enthielt. In einem Interview erwähnte Ringo Starr, dass mehrere Buchverlage eine Autobiographie von ihm veröffentlichen möchten, doch sei die Bedingung, sich thematisch auf die Zeit mit den Beatles zu fokussieren. Das sei der Grund, warum er Ausschnitte seines Lebens musikalisch verarbeite. Im April 2015 wurde Ringo Starr als letzter Beatle in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen; die Einführungsrede hielt Paul McCartney. Im Dezember 2015 erschien das Starr-Tributalbum "Ringo Starr: The Lifetime of Peace & Love Tribute Concert", bei dem Starr die Songs "Photograph", "Boys" und "With A Little Help From My Friends" sang, weitere Künstler waren unter anderen Ben Harper und Joe Walsh. Das Konzert fand im Januar 2014 statt.











Sep 24, 2017


FAITH NO MORE - Angel Dust (Slash Records 9 26785-2, 1992)

Faith No More gelten als Gründerväter und als eine der wichtigsten Bands des Crossover, da sie verschiedene Stile wie Artrock oder Funk mit Metal und Hardcore Punk verschmolzen. Anfang der 80er Jahre spielten der Bassist Billy Gould, der Schlagzeuger Mike Bordin und der Keyboarder Wade Worthington in San Francisco in einer Band, die vom Sänger und Gitarristen Mike 'The Man' Morris gegründet und geleitet wurde und sich Faith No Man nannte. Nach dem Ausstieg von Worthington schloss sich Goulds Mitbewohner Roddy Bottum als Keyboarder an. Nachdem Gould, Bordin und Bottum der Dominanz Morris' überdrüssig wurden, gründeten sie eine neue Band, die auf Empfehlung eines Freundes Faith No More, in Anspielung an den alten Bandnamen ('The Man' is no more), getauft wurde. Bald fand man mit Jim Martin einen Gitarristen, und nach einem enormen Verschleiss an Sängern (beispielsweise auch Courtney Love) erschien schliesslich 1985 mit Chuck Mosley am Mikrophon das Debüt "We Care A Lot". Dieses führte die Band mit dem gleichnamigen Titelsong zu einem kleinen Erfolg. Nach diversen Streitigkeiten wurde jedoch 1988 Mike Patton, der zuvor bei Mr. Bungle und Fantômas am Mikrophon stand, der neue Sänger der Band.

Die Single-Auskopplung "Epic" aus dem folgenden Album "The Real Thing", bei welcher der die Band einen harten Gitarrensound mit Rap kombinierte, wurde der erste grosse Erfolg und machte die Band auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Mit Mike Patton als Sänger wurden bis zur vorläufigen Trennung vier Studioalben aufgenommen. In Europa wurde eine im Rahmen des 1992er Albums "Angel Dust" aufgenommene Coverversion des Songs "Easy" von Lionel Richie aus dem Jahre 1977 mit The Commodores ein besonderer Erfolg. Bereits bei den Aufnahmen zum Album "Angel Dust" zeichneten sich aber Differenzen zwischen Martin und der Band hinsichtlich der musikalischen Richtung ab, weshalb Gould einen Grossteil der Gitarrenparts des Albums einspielte. Zwischen 1990 und 1993 waren Faith No More insgesamt dreimal für den Grammy nominiert. "Angel Dust" wurde zu einem der erfolgreichsten Alben von Faith No More.

Auf "Angel Dust" war Mike Patton erstmals intensiv am Songwriting beteiligt. Im Gegensatz dazu hielt sich Gitarrist Jim Martin zusehends zurück, da er mit der musikalischen Entwicklung der Band unzufrieden war. Angeblich übernahm Bassist Billy Gould sogar einen Teil der Gitarrenparts auf "Angel Dust". Folge dieser Entwicklung war der Rauswurf von Jim Martin und ein Richtungswechsel der Band. Zum ersten Mal lastete auf Faith No More ein gewisser Druck bei der Produktion eines Albums, da der Vorgänger "The Real Thing" weltweit ein grosser Erfolg geworden war. Die Band reagierte trotzig auf die kommerziellen Erwartungen und erweiterte ihr musikalisches Spektrum erheblich und kombinierte dabei Stile wie Metal, Funk, Country, Filmmusik und weitere Genres. Sänger Mike Patton liess sich für seine Texte ebenfalls einiges einfallen. So führte er zum Beispiel ein Schlafentzugs-Experiment durch, das ihn zu dem Song "Caffeine" inspirierte. Für den Songtext zu "Land Of Sunshine" kombinierte Patton Fragen aus einem Scientology-Buch mit Sprüchen aus chinesischen Glückskeksen.

In der Country-Ballade "RV" ("Recreational Vehicle") besang Mike Patton das Leben des White Trash in den USA, der Titel "Crack Hitler" beschrieb das despotische Verhalten eines Crack-Dealers. Bei "Be Aggressive", einer Fellatio-Beschreibung, forderte eine Cheerleader-Gruppe zu aggressivem Verhalten auf, während sich die Stücke "Midlife Crisis", "Everything's Ruined" und "Kindergarten" mit spezifischen Problemen menschlicher Lebensphasen beschäftigten. Alle Songs wurden von Faith No More geschrieben, ausser dem Stück "Midnight Cowboy", das von John Barry geschrieben wurde und "Easy", welches von Lionel Richie stammte, das als Bonustrack auf einer Wiederveröffentlichung des Albums "Angel Dust" zu finden war und zu Faith No Mores grösstem Hit in Europa avancierte. Es waren einige Samples zu hören, so unter anderem das Streichquartett Nr. 8 von Dmitri Schostakowitsch, in der Version von Kronos Quartet in "Malpractice" oder "Cecilia" von Simon & Garfunkel im Schlagzeug-Track von "Midlife Crisis", in welchem auch ein Sample von "Car Thief" von den Beastie Boys zu finden war.

Vor den Aufnahmen zum Folgealbum "King For A Day, Fool For A Lifetime" wurde Jim Martin aus der Band entlassen, und somit erfolgte wieder ein Besetzungswechsel, der auch das Klangbild der Band weiter veränderte. Im Studio kam der Mr. Bungle Gitarrist Trey Spruance zum Einsatz, der die Band aber nach den Aufnahmen wieder verliess und für die anschliessende Tournee von Dean Menta, einem ehemaligen Roadie, abgelöst wurde. "King For A Day, Fool For A Lifetime" drängte die Crossover-Elemente endgültig in den Hintergrund, auch die Keyboards waren nun nur noch wenig prominent vertreten. Stattdessen prägten Spruance' harte Gitarren und vor allem der kompromisslose, sehr expressive Gesang Pattons das melodisch wenig eingängige Album. Diese Erkundung neuer musikalischer Ufer und besonders die Trennung von Martin wurde von einigen Fans und Fanzines skeptisch aufgenommen. Das Album verkaufte sich besonders auf dem amerikanischen, aber auch auf dem europäischen Markt weitaus schlechter als die beiden Vorgänger. Heute jedoch gilt das Album vielen Kritikern als das unterbewertete Highlight der Bandgeschichte.

Nach einem weiteren Werk mit dem Titel "Album Of The Year" im Jahre 1997 mit dem neuen Gitarristen Jon Hudson, wieder deutlich konventionelleren Songs und einer ausgiebigen Tournee (unter anderem spielten Faith No More als einer der Headliner des Bizarre-Festivals) kamen Anfang 1998 Auflösungsgerüchte auf, welche am 19. April 1998, kurz nach einem Konzert in Lissabon, in der tatsächlichen Auflösung der Band mündeten. Die Plattenfirma reagierte hierauf mit der Single-Veröffentlichung der Bee Gees Coverversion "I Started A Joke", welche schon zuvor als B-Seite dem Publikum vorgestellt worden war. Das Aushängeschild der Band, Mike Patton, hatte bereits früh neben diversen Projekten weitere Bands namens Fantômas, Tomahawk und Peeping Tom gegründet. Des Weiteren unterhält er mit Ipecac eine eigene Plattenfirma, die Künstler unterschiedlichster Stile veröffentlichte. Der Schwerpunkt lag vor allem bei kreativen Grenzgängen. Patton selbst beteiligte sich darüber hinaus dauerhaft an diversen Projekten seines eigenen Labels. Auch der Bassist Billy Gould führte eine eigene Plattenfirma mit dem Namen Kool Arrow Records. Diese widmete sich Underground-Formationen aus aller Welt. Neben seiner Tätigkeit als Produzent war er bei der skandinavischen Cover-Band Black Diamond Brigade zu hören, deren Mitglieder, ebenso wie bei Pattons Kollaborationen, aus anderen namhaften Bands bekannt waren. Im November 2006 stieg Gould bei der deutschen Band Harmful, deren im Februar 2007 erschienenes Album "7" er produziert hatte, zeitweilig als zweiter Gitarrist ein. Der ehemalige Schlagzeuger Mike Bordin war neben regelmässigen Aushilfsjobs unter anderem bei der Band Korn, aber auch bei Jerry Cantrell längere Zeit fester Schlagzeuger bei Ozzy Osbourne und auch bei Black Sabbath. Keyboarder Roddy Bottum betrieb sein Indie Pop-Projekt Imperial Teen.

Im Februar 2009 wurde überraschend bekannt gegeben, dass die Band sich für eine Europatour wiedervereinigen würde. Nach der Europatournee im Sommer 2009 mit über 30 Auftritten (vornehmlich im Rahmen von Festivals) wurden im Herbst Konzerte in Südamerika (Chile, Argentinien, Peru, Brasilien) und Mexiko gespielt. Im Februar und März 2010 gaben Faith No More Konzerte in Neuseeland und Australien, im April und im Juni in den USA. Bei Konzerten in San Francisco spielten sie das erste Mal seit 1988 mit Chuck Mosley. Im Juli traten sie erneut in Europa auf. Im September 2010 wurde bekanntgegeben, dass Faith No More nach dem letzten Konzert, das im Dezember in Chile stattfand, vorerst keine weiteren Aktivitäten verfolgen würden. Diese Meldung wurde vielfach als die endgültige Auflösung der Band interpretiert. Allerdings trat die Band im November des Jahres 2011 bei vier Festivals in Südamerika auf, zuletzt am 14. November in São Paulo, Brasilien, beim SWU Festival. Billy Gould hielt weiterhin offen, ob weitere Aktivitäten der Band zu erwarten seien. Im Juni und Juli 2012 fanden dann tatsächlich wieder mehrere Live-Auftritte bei verschiedenen europäischen Festivals statt, bei denen auch der neue Song "Matador" gespielt wurde.

Danach wurde es zunächst für zwei Jahre wieder still um die Band, bis sie am 4. Juli 2014 gemeinsam mit Black Sabbath im Londoner Hyde Park auftrat, wobei sie neues Songmaterial spielte. Kurz darauf wurde ein neues Album, das fünfte mit Patton, angekündigt. Seit dem 20. November 2014 war die neue Single "Motherfucker" über den Streamingdienst Sound Cloud zu hören. Ab dem 9. Dezember 2014 war der Song als Download verfügbar. Am 15. Mai 2015 erschien dann erstmals seit 18 Jahren ein neues, von Bassist Billy Gould produziertes Studioalbum namens "Sol Invictus" auf dem bandeigenen Plattenlabel Reclamation Records. Das Werk wurde von Siouxsie And The Banshees und Roxy Music inspiriert. Es wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Faith No More erlangten vor allem Berühmtheit durch ihre Extravaganz. Ihr Stil wechselte bei nahezu jedem Album. Zu Beginn ihrer Laufbahn spielten sie noch eine harte Version von Post-Punk im Stil von Killing Joke. Nach dem Einstieg von Mike Patton dominierten die Elemente Metal und Funk, weshalb ihr Stil anfangs als Funk Metal bezeichnet wurde. Später kamen immer mehr Elemente hinzu, andere gingen wieder verloren. Von Soul und Easy Listening bis Hardcore Punk, Industrial Rock und Weltmusik-Elementen wurde die Bandbreite ergiebig ausgeschöpft. Es wurden sogar klassische Elemente und Filmmusik ins Klangspektrum der Band einbezogen, zum Beispiel endete "Epic" (von "The Real Thing") mit einem Klavier-Thema und "Jizzlobber" ("Angel Dust") mit einer Art Kirchenmusik.










Sep 23, 2017


COLIN SCOT - Colin Scot (United Artists Records UAG 29154, 1971)

Manchmal gibt es in der rockmusikalischen Welt interessante und wohl auch völlig unbekannte Perlen zu entdecken, die entweder ausgezeichnete Musik bieten, an der die Fans und Kritiker achtlos vorübergegangen waren, oder es gab reiche Schnösels oder mit finanziellen Polstern ausgestattete Möchtegern-Künstler, die im Grunde nicht wirklich was konnten, aber durch ihren immensen Geldsegen so manchen Topmusiker bezahlen konnten, um durch professionelle Hilfe im Tonstudio wenigstens eine sogenannt amtliche Platte aufzunehmen. Im Falle von Colin Scot war es ein Mix aus beidem: Er war ein grosses Gesangstalent und scharte ein schier unglaubliches Qualitäts-Team um sich herum, das ihn bei den Aufnahmen zu einem Album unterstützte. Aus heutiger Sicht kann man durchaus sagen: Hier waren die besten Progressive Rock-Musiker der damaligen Zeit gemeinsam im Studio, von denen die meisten in späteren Jahren eine Weltkarriere hinlegen konnten. Colin Scot selbst verfügte über eine enorm schöne Stimme und spielte auch moderat Gitarre. Zu seinen eigenen Gesangskünsten holte er sich dennoch Begleitsänger und -Sängerinnen, die heute noch wohlbekannt sind. So teilten sich das Mikrophon mit Colin Scot etwa der Yes-Sänger Jon Anderson, der Van Der Graaf Generator Sänger Peter Hammill, der Rare Bird Sänger Steve Gould, die Genesis-Musiker Peter Gabriel und Phil Collins, die begnadete Linda Hoyle (Affinity), Jane Relf von Renaissance, Ann Steuart von der britischen Folkband Tudor Lodge und Alan Hull, der Sänger von Lindisfarne.

Von dieser alleine am Mikrophon besetzten All Star Crew konnte man ja einiges erwarten. Dennoch blieben die Leistungen der Top-Sänger und Sängerinnen überschaubar. Colin Scot selbst hätte sie nicht unbedingt gebraucht, denn schon alleine seine eigene Stimme war grandios schön. Dennoch setzten die Gastsänger natürlich wundervolle Akzente, auch wenn man sie stimmlich vielleicht nicht unbedingt heraushören konnte, da sie zumeist im Chor agierten und nur spärlich Sologesänge lieferten. Nicht anders sah es auch bei den Instrumentalisten aus: Auch hier stiess man auf ein unglaubliches Stelldichein der damaligen Crème de la Crème im Progressive und Folk Rock Bereich. An den Gitarren spielten Brinsley Schwarz, Robert Fripp (King Crimson), Davey Johnstone aus Elton John's Band. Am Saxophon war David Jackson von Van Der Graaf Generator zu hören. Die Keyboards teilten sich wiederum einige hochkarätige Musiker wie Bob Andrews von Brinsley Schwarz, David Kaffinetti von Rare Bird und Rick Wakeman von Yes. Dazu gesellten sich noch die beiden Bassisten Nic Potter (ebenfalls von Van Der Graaf Generator) und Rod Clements von Lindisfarne, sowie die beiden Schlagzeuger Guy Evans (Van der Graaf Generator) und Billy Rankin (Brinsley Schwarz).

Keinen grösseren Bezug gab es auf dem Debutalbum von Colin Scot zum progressiven Rock, trotz einiger bedeutender Musiker aus dem progressiven Umfeld. Stattdessen lag das Hauptgewicht auf folkigem Rock, gelegentlich etwas akustischer, manchmal auch in Richtung Country Rock tendierend. So konnte man erkennen, dass wohl die Musiker der Bands Rare Bird, Tudor Lodge, Lindisfarne und Brinsley Schwarz mehr Anteil am Gesamtsound hatten, als diejenigen Musiker aus dem Progressive Rock Umfeld. Eine nächste Frage, die sich heute rückblickend vielleicht der eine oder andere Musikkenner fragen dürfte: Was brachte so viele berühmte und versierte Musiker dazu, mit einem so gänzlich unbekannten Sänger gemeinsam eine Platte einzuspielen ? Nun, so gänzlich unbekannt war Colin Scot damals nicht. Im Gegenteil: Er galt eine zeitlang als grosse Gesangshoffnung, und den Verantwortlichen der Plattenproduktion schien kein Budget zu gross, um das erwiesenermassen begnadete Gesangstalent entsprechend zu fördern und mit grossem Trara auf den Markt zu bringen. Ausserdem spielten einige der beteiligten Musiker auch an Colin Scot's Liveauftritten ab und zu mit. Das war vor allem John Anthony zu verdanken, der den jungen Künstler von Anfang an förderte und ihm sämtliche Türen zu öffnen versuchte. Er verfügte über hervorragende Beziehungen zu den angesagten Künstlern und Bands jener Tage und ermöglichte auch den Deal mit der Plattenfirma United Artists Records.

Absolut hörenswert waren auch die insgesamt elf Songs auf dem Album, von denen die meisten aus der Feder von Colin Scot selbst stammten. Allerdings fanden sich auf dem Album auch vier Coversongs, von denen ein jeder wirklich fabelhaft gelungen war. Das vom Folkmusiker Harvey Andrews geschriebene "Hey Sandy" zum Beispiel, das mit der immensen Leistung von Colin Scot an der akustischen Gitare brillierte und einen gutgelaunten Yes-Sänger Jon Anderson im Duett präsentierte. Dass Colin Scot auch über eine gute Portion Humor verfügte, bewies er in der von Neil Innes (Monty Phyton, The Bonzo Dog Doo-Dah Band) komponierten akustischen Humoreske "Lead Us". Das von Folkmusiker Mickey Newbury geschriebene "Baby In My Lady" war wundervoller Folkrock der verträumten Art und schliesslich die von Davey Johnstone geschriebene Nummer "The Boatman", welche der damalige Gitarrist in Elton John's Band zwei Jahre später auch für sein leider einziges Soloalbum noch einmal einspielte. Doch auch Colin Scot's eigene Songs brauchten sich nicht zu verstecken, waren nicht nur instrumental hervorragend in Szene gesetzt, sondern bewiesen auch ein grosses Können des Musikers in punkto Kompositionen. 

Hier soll als herausragendes Beispiel etwa "Do The Dance Now, Davey" genannt werden, das an das später von Genesis präsentierte "The Musical Box" erinnerte, und welches mit den beiden Genesis-Musikern Phil Collins und Peter Gabriel auch zusammen arrangiert worden war. Oder die Nummer "Here We Are in Progress", bei welcher der King Crimson Gitarrist Robert Fripp wunderbare Gitarren-Akzente setzte, die so typisch für ihn waren und dem Song, der eher im Progressive Folkrock angesiedelt war, einen unverkennbaren King Crimson-Touch gaben. Von stilistisch grosser Bandbreite geprägt, wussten auch das countryeske "My Rain", das herrlich rockende "Take Me Away" und das etwas versponnene, leicht psychedelisch wirkende "Nite People" zu überzeugen. Auf der europäischen LP-Version prangten seinerzeit gross die Namen der beteiligten Stars auf dem Plattencover. Originaltitel: "Colin Scot And / With Friends". Scot's Gesang war manchmal verblüffend ähnlich zu dem von Peter Gabriel. Beim Song "Take Me Away" beispielsweise konnte man tatsächlich leicht irritiert sein, ob da jetzt nicht Peter Gabriel die Hauptstimme sang. Das Album gab also letztlich auch genügend Raum für allerlei Spekulationen. Diesem Debutabum folgten in den nächsten Jahren zwei weitere Alben, und zwar das auf Warner Brothers Records zwei Jahre später veröffentlichte "Just Another Clown", das von Tom Newman im legendären Rockfield Studio in Monmouth eingespielt wurde, sowie die im Jahre 1974 veröffentlichte Platte "Out Of The Blue", die den Sänger Colin Scot in einem stilistisch stark veränderten Umfeld zeigte: Mit Hilfe von Phillip Goodhand-Tait, Ray Glinn und Barry DeSouza geriet das Werk eher zu einem recht drögen, mit sehr viel Streichern zugekleistertes Popwerk, das stark an den frühen Chris DeBurgh erinnerte, jedoch ohne dessen ansprechenden Songs der ersten beiden Alben.

Das Debutalbum jedoch war einzigartig, sowohl in punkto der beteiligten Musiker, als auch im Hinblick auf die kompositorische Leistung von Colin Scot und insbesondere aufgrund seiner wundervollen Stimme. Freunden von Bands wie den Strawbs, Fairport Convention oder Lindisfarne würde diese Platte ganz bestimmt sehr gut gefallen. Eine Entdeckung lohnt sich unbedingt.









Sep 22, 2017


LIGHTHOUSE - One Fine Morning (Evolution Records 3007, 1971)

Lighthouse waren eine kanadische Rockband, die 1968 gegründet wurde. Mit Bläser- und Streicher-Musikern mischten sie Rock, Jazz und klassische Elemente. Sie gewannen zwischen 1972 und 1974 drei Juno Awards. Nachdem sich die Gruppe 1976 aufgelöst hatte, trat sie ab 1992 wieder auf. Lighthouse wurden von Skip Prokop (Schlagzeug, Gesang) und Paul Hoffert (Keyboard) in Toronto gegründet. Ihre Idee war ein Rock-Orchester, bestehend aus drei verschiedenen Bandabteilungen: einer Rock-Rhythmusgruppe, einer Jazz-Bläsergruppe und einer klassischen Streichergruppe. Die ursprüngliche Formation bestand aus nicht weniger als 13 Mitgliedern. Ihren ersten Auftritt bestritt die Band am 14. Mai 1969 in Toronto, ihrer Heimatstadt. In ihrem ersten Jahr spielten sie unter anderem auch in der Carnegie Hall, im Fillmore East, im Fillmore West, beim Atlantic City Pop Festival sowie dem Monterey und dem Newport Jazz Festival. 1970 spielten sie beim Strawberry Fields Festival und dem Isle of Wight Festival. Bis zur Veröffentlichung ihres am besten verkauften Albums "One Fine Morning", spielten Lighthouse indes eher nur in der zweiten Reihe der sogenannten Brass Rock Bands, zu denen damals etwa die Bands Blood, Sweat And Tears, The Electric Flag und - als wohl die Bekannteste dieser musikalischen Stilrichtung - Chicago Transit Authority (später schlicht als Chicago bekannt).

Die Gruppe entstand, nachdem einige andere zumeist lokale, aber auch US-bekannte Gruppen ihre Segel gestreckt hatten. Der Schlagzeuger und Songschreiber Skip Prokop beispielsweise kam von der relativ bekannten 60s Band The Paupers, der zum Zeitpunkt der Bandgründung auch als Studio- und Sessionmusiker bereits über ein grosses Ansehen verfügte. So spielte er beispielsweise auf Platten, respektive bei Studiosessions von Steve Miller, Carlos Santana und Al Kooper mit. Während eines Aufenthalts in New York kam er mit dem Keyboarder Paul Hoffert zusammen, der seinerseits in der Jazz-Szene New York's bei Sessions mitspielte und ausserdem auch in einigen Broadway Musicals gespielt hatte. Die beiden Musiker suchten nun weitere Mitglieder für eine eigene Band und waren vor allem auf der Suche nach einem geeigneten Gitarristen. Sie fanden ihn in der Person des Ralph Cole, der zuvor bei der aus Ann Arbor, Michigan stammenden und recht bekannten Gruppe The Thyme mitgewirkt hatte, welche einige Psychedelic Rock-Singles auf dem Plattenlabel A-Square Records veröffentlicht hatten.

Das erste, selbstbetitelte Album erschien 1969 bei RCA Victor Records und warf die Single "Eight Miles High" mit der B-Seite "If Ever There Was A Time" ab, die jedoch beide keinen Erfolg brachten. Nicht anders erging es den beiden nächsten Alben, welche die Band in insgesamt lediglich knapp zwei Jahren veröffentlichte: "Suite Feeling" (ebenfalls 1969) und "Peacing It All Together" (1970). Kamen ihre beiden drei Alben "Lighthouse", "Suite Feeling" und "Peacing It All Together" noch bei RCA Victor Records heraus, so wechselte die Band danach zum wesentlich kleineren und lokaler operierenden Label GRT Records, das allerdings auch mit einem Vertriebspartner in Europa zusammenarbeitete. Einhergehend mit einigen personellen Umbesetzungen brachten Lighthouse dann im Jahre 1971 wiederum gleich zwei Alben auf den Markt: "One Fine Morning" und "Thoughts Of Movinʼ On", die in Kanada beide Goldstatus erreichten. In Europa erschienen diese beiden Alben auf dem legendären Vertigo Swirl Label und sind heute sehr gesucht. Ihr früheres Label RCA profitierte von dem nun einsetzenden Erfolg der Gruppe und veröffentlichte ein Best Of-Album namens "One Fine Light" auf der Basis der drei ersten Alben. Mit dem Top-Produzenten Jimmy Ienner, der zuvor schon die Chamber Brothers und die Raspberries produziert hatte, realisierten Lighthouse in den nächsten Jahren insgesamt sechs Alben, die auch einige Hits in Kanada und den USA abwarfen, so unter anderem die Titel "Hats Off (To The Stranger)", "One Fine Morning" (das es bis auf Rang 13 in den kanadischen Charts und auf Rang 24 in den US-Billboard Charts schaffte), sowie "Sunny Days" mit einem Platz 10 in Kanada und Platz 34 in den Billboard’s Top 40 in den USA.

Noch erfolgreicher war das Album "One Fine Morning" selbst, das es in Kanada's LP-Charts bis auf Platz 2 schaffte und damit auch das erfolgreichste Album dieser Band wurde. Die auf diesem Album versammelten zehn Songs konnten allesamt überzeugen und waren geprägt von der einmaligen Mixtur aus Rock mit Brass-Elementen und radiotauglichen Pop-Hooklines, die sich dann folgerichtig auch in den entsprechenden Single-Hits manifestierten und die Gruppe damit um ein wichtiges Element herausstellte im Vergleich zu manch anderen Bands, die mit üppigem Instrumentarium und Bläsergruppe operierten: Lighthouse konnten auch radiotaugliche Stücke komponieren. "Love Of A Woman", "Old Man", "Sing Sing Sing", das längere "1849" oder "Step Out On The Sea" bewiesen dies eindrücklich. Die zumeist von Skip Prpkop geschriebenen Songs zeigten sich auch recht variantenreich und einige der Stücke schrieb er zusammen mit dem Gitarristen Ralph Cole. Da Skip Prokop als Bandleader fungierte und diese Rolle als Schlagzeuger inne hatte, war es letztlich nicht verwunderlich, dass seine Songs insbesondere von einer sehr rhythmischen Grundstruktur geprägt waren.

"One Fine Morning" erhielt in Europa einen besonderen Stellenwert, da das Album hier auf dem Sammler-Label Vertigo Swirl Records erschienen war und auch ein komplett anderes Plattencover erhielt, für das der bekannte Designer Roger Dean das Artwork beisteuerte. Insbesondere dieses europäische Frontcover wirkte damals leicht irritierend, war es doch den Plattenhüllen der Progressive Rock Gruppe Yes nicht unähnlich, was nicht wenige Käufer ansprach, das Album zu kaufen, um danach eher enttäuscht zu sein vom Gehörten. Da die Stückzahlen der in Europa veröffentlichten Platte in England und Deutschland relativ gering waren, mutierte diese Version der LP-Ausgabe zu einem wesentlich begehrteren Sammelobjekt als das Original aus Kanada. An der Qualität der begotenen Musik ändert dies aber nichts. Lighthouse befanden sich zu dem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Phase. Die Gruppe war zu dieser Zeit fast 300 Tage im Jahr permanent und weltweit auf Tournee. Daneben waren Lighthouse auch die erste Rockband, die mit Symphonieorchestern auftrat, darunter die 'Royal Winnipeg Ballet Company', ein Projekt, das in Kanada auf Tournee ging und sich 'Ballet High' nannte.

Nachdem die Gruppe noch im selben Jahr ein weiteres Studioalbum veröffentlicht hatte ("Thoughts Of Movin' On"), erschien mit "Lighthouse Live!" im Februar 1972 ein Konzertmitschnitt, der in der legendären Carnegie Hall aufgenommen wurde. Es war das erste kanadische Album, das einen Platin Award erreichte. Mit dem nächsten Studioalbum, "Sunny Days", erhielten Lighthouse erneut eine Gold-Auszeichnung. Danach verliess Paul Hoffert 1973 die Band, blieb aber ihr Produzent. Nach dem Album "Good Day" im folgenden Jahr ging jedoch auch der Gründer und Bandleader Skip Prokop. Die restlichen Bandmitglieder spielten noch einige Zeit zusammen, bevor sie sich 1976 ebenfalls trennten und die Band auflösten. Skip Prokop veröffentlichte ein Soloalbum mit dem Titel "All Growed Up" im Jahre 1977 und arbeitete später bei einem Radiosender als DJ.

Im September 1982 gab es eine Wiedervereinigung von Lighthouse für vier Konzerte in Ontario. Prokop wollte die Gruppe wieder aufleben lassen, scheiterte aber und zog sich für viele Jahre aus dem Musikbusiness zurück. Im Jahre 1990 versuchte er es erneut, Lighthouse zu reaktivieren, zusammen mit seinen früheren Mitmusikern Paul Hoffert und Ralph Cole. Doch mehr als ein gemeinsamer Auftritt wurde nicht daraus. Erst 1993 spielten sie wieder regelmässig an Konzerten, nunmehr als Quintett mit den neuen Musikern Dan Clancy als Leadsänger und Donald 'Quan' Paulton als zweitem Keyboarder. Dies mündete 1996 in ein weiteres Studioalbume mit dem Titel "Song Of The Ages", erschienen beim kanadischen Independent Label Breaking Records. Die daraus ausgekoppelte Single "Remember The Times" schaffte es noch einmal in die Top 30 in Kanada.










Plattencover der europäischen Ausgabe von Designer Roger Dean:
"One Fine Morning" (Vertigo Records 6342 010, 1971)





Sep 21, 2017


THRESHOLD - March Of Progress (Nuclear Blast Records NB 2342-1, 2012)

Threshold wurden Ende der 80er Jahre von Karl Groom (Gitarre), Jon Jeary (Gesang, Bass) und Nick Midson (Gitarre) im Süden Englands gegründet. Tony Grinham (Schlagzeug) und Richard West (Keyboard) vervollständigten das Line-Up. Nach einer wachsenden Zahl der Auftritte beschloss Jon Jeary, sich ganz dem Bass zu widmen und Damian Wilson wurde als Leadsänger in die Band geholt. 1993 unterschrieben Threshold einen Plattenvertrag mit dem Independent Plattenlabel GEP und veröffentlichten ihr Debütalbum "Wounded Land". Traditionsgemäss stand jedes Threshold-Album unter einem bestimmten übergreifenden Thema. Bei "Wounded Land" ging es um den Umgang des Menschen mit der Natur. 1994 wurde mit "Psychedelicatessen" das zweite Studioalbum veröffentlicht. Damian Wilson hatte mittlerweile die Band verlassen, um sich mehr auf seine Rollen im Musical-Theater konzentrieren zu können. Als Ersatz wurde Glynn Morgan gefunden. Es folgte eine ausgedehnte Tournee im Vorprogramm von Dream Theater, die den Bekanntheitsgrad von Threshold erhöhte. Ausserdem wurde ihr erstes Video zum Song "Innocent" produziert.

Nach einer längeren Pause und erneuten Wechseln am Mikrophon (Damian Wilson kehrte in die Band zurück) und am Schlagzeug (Mark Heaney kam für Nick Harradence) gingen Threshold erneut ins Studio, um ihr drittes Album "Extinct Instinct" aufzunehmen, welches als Thematik den Verfall der geistigen Werte behandelte. 1998 veröffentlichten Threshold das vierte Studioalbum "Clone". Inspiriert vom Klon-Schaf 'Dolly', dem ersten offiziell geklonten Säugetier, hatten die Musiker ihr erstes Konzeptalbum geschrieben. Im Text ging es um ein Mädchen, das DNA-manipuliert zur Welt kommt und mit der Zeit herausfindet, dass es übersinnliche Kräfte besitzt. Mit Andrew McDermott wurde bereits für die Aufnahmen der vorerst letzte Sänger gefunden, und auf der anschliessenden Tournee zum Album stiess auch Johanne James zur Band hinzu. 1999 spielten Threshold auf dem Wacken Open Air, in dessen Umfeld Mac vom Publikum zum besten Frontmann des Festivals gekürt wurde. Nach dem Auftritt verliess Richard West für sechs Monate die Band.

Im Jahr 2000 wechselte die Gruppe von GEP zu dem Plattenlabel Inside Out Music. Unter diesem wurde 2001 das Werk "Hypothetical" veröffentlicht, das der Band einige 'Album of the Month' Awards in zahlreichen Magazinen wie Rock Hard und Metal Hammer einbrachte. 2002 folgte das progressivere "Critical Mass". Während der Sommer-Tournee 2003 wurde die Live-DVD "Critical Energy" aufgenommen, auf der ein Set mit den grössten Hits der Band zu sehen und hören war. 2004 wurde mit "Subsurface" das inzwischen siebte Studioalbum veröffentlicht. Dieses brachte die Band unter anderem in den deutschen Charts erstmals unter die Top 30. Jon Jeary wurde mittlerweile fest durch Steve Anderson ersetzt, einem langjährigen Freund der Band. Da man aus den Problemen der Tournee zu "Critical Mass" gelernt hatte, wurden auf der CD sämtliche Konzertdaten für die 'Subsurface'-Tour angegeben. Diese Tour (mit der Band Deadsoul Tribe als Support) wurde eine der erfolgreichsten von Threshold.

Seit Herbst 2006 stand die Band bei Nuclear Blast unter Vertrag und genoss damit die Vorteile eines Marktführers im Metal-Segment. Nick Midson war nun vorläufig nicht mehr dabei, da er, als einziges Mitglied der Band mit einem anderen Hauptberuf, pausieren musste. Unter Nuclear Blast veröffentlichte die Band am 23. März 2007 ihr achtes Studioalbum "Dead Reckoning". Im Sommer 2007 verliess Sänger Andrew McDermott die Band während der laufenden Tournee und wurde für den Rest der Tour durch den früheren Sänger Damian Wilson ersetzt. Nachdem Damian Wilson auch auf dem Tourabschnitt im Frühjahr 2008 als Frontsänger der Band agierte, war er inzwischen wieder festes Mitglied der Band. Andrew "Mac" McDermott verstarb am 3. August 2011 an Nierenversagen. Am 24. August 2012 (Europa) und 11. September 2012 (Nordamerika) erschien ihr neuntes Studioalbum "March Of Progress" schliesslich nach einer fünf Jahre langen Wartezeit.

"March Of Progress" wurde als Mixtur aus den episch-bombastischen Frühwerken der Band und den Alben der Ära mit Andrew McDermott gesehen. Wilsons Stimmlage wurde als etwas sanfter und weicher charakterisiert als die McDermotts. Als Threshold mit "Dead Reckoning" ihr bis dato vielleicht reifstes und zugleich massentauglichstes Album veröffentlicht hatten, glaubten nicht Wenige daran, dass die Band um Gitarrist Karl Groom endgültig vor dem breiten internationalen Durchbruch stand. Der für viele völlig überraschende Ausstieg von Sänger Andrew "Mac" McDermott kurz nach der Veröffentlichung durchkreuzte diese Pläne vorübergehend, und als die Band anschliessend dem Ex-Sänger Damian Wilson das Ex- strich und wieder in Lohn und Brot stellte, sahen viele Fans eine erneute Phase der Instabilität bei Threshold heraufziehen. Doch das Gegenteil war der Fall: Die Band absolvierte mit Wilson am Mikrophon so viele Konzerte wie noch nie, und mit ihrem achten Album "March Of Progress" gelang dem Sextett das beste Album ihrer bisherigen Karriere, und diese Aussage hatte angesichts des Bandkataloges schon eine ganze Menge an Gewicht. Zehn Songs lang (elf auf einer limitierten Digi-Pak Variante), zelebrierten Threshold eine Kombination aus musikalisch hochwertigen Songs, denen man zu keiner Sekunde auch nur irgendeine Angestrengtheit anmerken konnte, und traumwandlerisch schönen Melodien. Diesen Mix aus Kunst und Kommerz, aus Härte und Melodie, aus Anspruch und Genuss, schafften nur wenige Bands.

Es gab sicherlich nicht wenige Fans, die skeptisch waren, ob Damian Wilson den 2011 viel zu früh verstorbenen "Mac" adäquat ersetzen könnte. Er konnte, und Wilson lag nicht nur auf Augenhöhe mit seinem Vorgänger, sondern passte mit seiner etwas sanfteren und weicheren Stimmlage den entscheidenden Tick besser in den warmen und umschmeichelnden Sound seiner Mitmusiker. Der Schlüssel zur überwältigenden Qualität von "March Of Progress" hiess letztlich: Balance. Die Musiker schafften es, stets in jedem Song, zu jeder Sekunde, die perfekte Balance zu finden. Dort, wo satt riffende Gitarren gefragt waren, rifften die Gitarren auch so. Dort hingegen, wo dominante Keyboardsounds passten, waberten die Keyboards dominant im Vordergrund. Dort, wo melancholische Parts mit sparsamer Instrumentierung für einen stimmungsvollen Background sorgen sollten, traten genau diese Effekte auch ein. Das alles in Verbindung mit dem bandtypischen Hybrid aus Progressive Metal und fast schon AOR-kompatibler Melodik, insbesondere in den zum Niederknien schönen Refrains, führte dazu, dass "March Of Progress" zu einem der besten europäischen Metal-Alben des Jahres 2012 wurde und in punkto Prog Metal mit Hitcharakter ein echtes Referenzwerk darstellte und das beste Genre-Songmaterial seit Dream Theater's "Scenes From A Memory" bot. Und besagtes Album hatte immerhin schon 13 Jahre auf dem Buckel.

Das Album wurde im Magazin Rock Hard zum 'Album des Monats' gewählt. Der Kritiker Michael Rensen vergab zehn von zehn möglichen Punkten. Michael Edele von Laut.de vergab vier von fünf Sternen und bemerkte: "Man weiss gar nicht, welchen Song man zuerst nennen mag, denn den Briten ist es gelungen, jede Nummer mit ein paar Hooks zu versehen, die direkt ins Ohr gehen, ohne dabei kitschig oder allzu poppig zu wirken". Mit ihren Alben "Extinct Instinct", "Hypothetical", "Critical Mass", "Subsurface", "Dead Reckoning" und "March Of Progress" konnte die Band Threshold bereits sechs Auszeichnungen zum 'Album des Monats' im deutschen Rock Hard Magazin für sich verbuchen.